Zusatz­beiträge für Krankenkassen Test

Zwölf Krankenkassen wollen Zusatz­beiträge. Drei Kassen zahlen dagegen Prämien. Im Extremfall macht der Unterschied für Versicherte mehr als 500 Euro im Jahr aus.

Der Produktfinder Gesetzliche Krankenkassen bringt immer die aktuellen Daten.

Speziell zu diesem Thema bietet test.de einen aktuel­leren Test: Kassen kippen Zusatzbeitrag.

Umfassende Informationen

Der Produktfinder Gesetzliche Krankenkassen bringt immer die aktuellen Daten.

Speziell zu diesem Thema bietet test.de einen aktuel­leren Test: Kassen kippen Zusatzbeitrag.

Nur für Mitglieder

Gut verdienende Mitglieder der Krankenkassen BKK für Heilberufe und Gemein­same BKK Köln (GBK) müssen jetzt für zwölf Monate bis zu 450 Euro extra zahlen – zusätzlich zum einheitlichen Beitrags­satz für alle gesetzlich Kranken­versicherten. Mitglieder der G&V BKK erhalten hingegen nach einem Jahr 72 Euro zurück. Der Unterschied von mehr als 500 Euro im Jahr ist möglich, seit die ersten Kassen Zusatz­beiträge erheben und andere Prämien an ihre Mitglieder ausschütten. Sowohl Zusatz­beitrag als auch Prämie gehen aber nur die Mitglieder der Kassen etwas an. Für Kinder und Ehepartner, die kostenlos mitversichert sind, ändert sich nichts.

Bis zu 1 Prozent des Einkommens

Mitglieder der ersten Kassen zahlen bereits, bei anderen wird das Geld bald fällig. Sieben der zehn Kassen mit Zusatz­beitrag verlangen jeden Monat 8 Euro. Die BKK Heilberufe und die GBK rechnen anders und fordern 1 Prozent des Einkommens. So kann sich eine zusätzliche Belastung bis zur aktuellen Ober­grenze von 37,50 Euro im Monat ergeben. Auch die BKK West­falen-Lippe erhebt den Zusatz­beitrag abhängig vom Einkommen, deckelt ihn aber bei 12 Euro im Monat.

Rabatt auf den Zusatz­beitrag

Kaum verlangen die Kassen Nach­zahlungen, locken einige auch schon mit Rabatten, wenn die Versicherten ihnen Arbeit beim Kassieren abnehmen. So gewährt die KKH-Allianz Mitgliedern einen Nach­lass von 8 Prozent, wenn sie den Zusatz­beitrag 12 Monate im Voraus abbuchen lassen. Das macht rund 7,70 Euro aus. Erteilen Mitglieder der DAK eine Einzugs­ermächtigung für den Extrabeitrag der nächsten zwölf Monate, müssen sie anstatt der eigentlich geforderten 96 Euro (12 mal 8 Euro) nur 93 Euro zahlen. Statt des Preis­nach­lasses können die Versicherten auch eine Auslands­reisekranken-Versicherung der HanseMerkur für ein Jahr kostenlos bekommen. Zahlen die Mitglieder hingegen regel­mäßig per Dauer­auftrag, gibt es weder den Preis­nach­lass noch die Extra­police.

Keine Verpflichtungen

Mit einer Voraus­zahlung an die Kasse verpflichten sich die Mitglieder zu nichts. Sie können weiterhin kündigen: „Dann bekommen sie den vorab gezahlten Zusatz­beitrag anteilig zurück“, bestätigt Jörg Bodanowitz, Presse­sprecher der DAK. Der Schutz der Zusatz­police endet dann aber auch.

Kompliziertere Abrechnung

Auch andere Kassen wie die BKK für Heilberufe bieten Rabatt. Ihre Mitglieder zahlen den Zusatz­beitrag nur für elf anstatt zwölf Monate, wenn sie ihn vorab komplett für ein Jahr entrichten oder der Kasse eine Einzugs­ermächtigung erteilen. Die Abrechnung ist trotzdem komplizierter als etwa bei der DAK, da die BKK für Heilberufe als eine von bisher drei Kassen einkommens­abhängige Beiträge erhebt.

Einkommen für 2010 steht noch nicht fest

Da das Einkommen für 2010 noch nicht fest­steht, wird der Zusatz­beitrag der Mitglieder zunächst aus dem jüngsten Einkommens­nach­weis ermittelt. Die endgültige Abrechnung erfolgt, wenn das Einkommen für 2010 fest­steht. Hat es sich gegen­über dem Vorjahr verändert, können Mitglieder Geld zurück­bekommen oder sie müssen sogar noch nach­zahlen. Wissen Kassen­mitglieder bereits, dass ihr Einkommen dieses Jahr zum Beispiel aufgrund von Arbeits­losig­keit gesunken ist, können sie das bei der Kasse melden und gleich verlangen, dass der Zusatz­beitrag für sie nied­riger ausfällt.

Wechseln kann sich lohnen

Bisher sind rund 8,7 Millionen von rund 51 Millionen Mitgliedern der gesetzlichen Krankenkassen von einem Zusatz­beitrag betroffen. Sie haben gute Chancen, den Kosten durch einen Wechsel zu entgehen. Mehr als 50 Krankenkassen haben zugesichert, in diesem Jahr keine Zusatz­beiträge zu erheben (siehe Meldung Zusatzbeitrag für Krankenkassen). Verlangt eine Krankenkasse einen Zusatz­beitrag, haben die Mitglieder ein Sonderkündigungs­recht.

Auf angebotene Leistungen achten

Doch der Kassen­wechsel muss nicht immer die beste Lösung sein. Wenn Versicherte ein besonderes Versorgungs­angebot wie beispiels­weise homöo­pathische Behand­lungen wahr­nehmen oder ein attraktives Bonus­programm nutzen, kann es sich lohnen, trotz Zusatz­beitrag zu bleiben.

Kündigungs­fristen beachten

Entscheidet sich jemand aber für einen Kassen­wechsel, kann er seiner Kasse bis zu dem Zeit­punkt kündigen, an dem der Zusatz­beitrag erst­mals fällig wird. Spätestens einen Monat davor muss die Kasse den Versicherten auf sein Kündigungs­recht hinweisen. Sonst verlängert sich die Kündigungs­frist entsprechend. Ausgenommen vom Wechselrecht sind nur diejenigen, die sich bei ihrer Krankenkasse für einen Wahl­tarif entschieden haben, der sie drei Jahre bindet.

Arbeits­lose unter Druck

Besonders drängend ist die Frage des Kassen­wechsels für Empfänger von Arbeits­losengeld II. Bleiben sie in einer Kasse, die einen Zusatz­beitrag erhebt, müssen sie dieses Geld per Gesetz aus eigener Tasche zahlen. Den Grund­beitrag zur Kranken­versicherung zahlen sie dagegen nicht selbst. Nach Angaben des Bundes­arbeits­ministeriums sollen die Betreuer in den Jobcentern jedoch ihren Ermessens­spielraum groß­zügig nutzen können für die Frage, ob der Wechsel der Kasse für die Leistungs­empfänger eine besondere Härte darstellt. In so einem Härtefall würde das Amt den Zusatz­beitrag über­nehmen.

Produktfinder Gesetzliche Krankenkassen

Der Produktfinder Gesetzliche Krankenkassen informiert Versicherte stets aktuell, welche Kassen Zusatz­beiträge verlangen oder Prämien ausschütten. Versicherte, die wechseln möchten, können sich darüber hinaus über die angebotenen Leistungen und Service­angebote von derzeit 96 gesetzlichen Krankenkassen informieren. So findet jeder die passende Kasse.
... zum Produktfinder Gesetzliche Krankenkassen

Dieser Artikel ist hilfreich. 345 Nutzer finden das hilfreich.