Zungen­reiniger Special

Wer unter schlechtem Atem leidet, sollte auf eine sorgfältige Mund­hygiene achten. Spezielle Zungen­reiniger entfernen bakterielle Beläge. Das kann Mund­geruch verhindern.

Seit Jahren leide ich unter Mund­geruch, der mich sozial und psychisch extrem einschränkt“, schreibt ein Hilfe­suchender namens Hubi im Internet. Eine Leidens­genossin klagt:„Ich habe Hemmungen, mit Menschen aus der Nähe zu sprechen, und geniere mich auch vor meinem Freund. Ich kaue ständig Kaugummis.“

Mund­geruch ist unangenehm, selten ist er nicht: Studien zufolge plagt er rund 6 Prozent der Menschen ständig, jeder Vierte hat zu bestimmten Tages­zeiten Mund­geruch – immer wieder.

Beläge verursachen üblen Geruch

Die Ursachen sind vielfältig. Meist liegen sie jedoch direkt in der Mund­höhle. „In bis zu 85 Prozent der Fälle lässt sich der schlechte Geruch auf Beläge oder Entzündungen im Mund­raum zurück­führen“, sagt Professor Stefan Zimmer, Leiter der Zahn­klinik der Universität Witten/Herdecke. Gegen unangenehm riechenden Atem – Mediziner nennen ihn Halitosis – hilft meist eine sorgfältige Mund­hygiene: regel­mäßiges, gründliches Zähneputzen und Säubern der Zahn­zwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürst­chen. Wichtig ist aber auch, die Zunge zu reinigen. Auf ihr sammeln sich ebenfalls Bakterien. In Verbindung mit Nahrungs­resten oder abge­storbenen Schleimhaut­zellen können sie einen schlechten Atem verursachen.

Zungen­reiniger sind besonders flach

„Wer unter Mund­geruch leidet, sollte vor allem das hintere Zungen­drittel reinigen“, rät Professor Zimmer. Mit einer normalen Zahnbürste ist das allerdings kaum möglich. Der Zahnbürs­tenkopf ist hoch und stößt im hinteren Bereich der Mund­höhle leicht gegen das empfindliche Zäpf­chen im Rachen – ein unangenehmer Reiz.

Spezielle Zungen­reiniger sind dagegen ausreichend lang und schmal genug, um bis weit nach hinten auf dem Zungenrü­cken zu reichen. Ihr wichtigstes Merkmal: die besonders flache Form. Die Hersteller versprechen damit eine einfache und effektive Zungen­reinigung.

Aus Kunststoff oder Edelstahl

Zungen­reiniger Special

Sanfte Schaber. Wer unter Mund­geruch leidet, sollte seine Zunge täglich gründlich säubern. Die vier Zungen-reiniger im Anwendungs­test entfernen Beläge ordentlich: Perlodent/Ross­mann (blau), Dontod­ent/dm (weiß-lila), One Drop Only (weiß-grün) und Maharishi Ayurveda aus Edelstahl.

Sanfte Schaber. Wer unter Mund­geruch leidet, sollte seine Zunge täglich gründlich säubern. Die vier Zungen-reiniger im Anwendungs­test entfernen Beläge ordentlich: Perlodent/Ross­mann (blau), Dontod­ent/dm (weiß-lila), One Drop Only (weiß-grün) und Maharishi Ayurveda aus Edelstahl.

Klappt das? Wir wollten wissen, ob es zutrifft. Vier verschiedene Zungen­reiniger haben wir exemplarisch ausgewählt und von Probanden anwenden lassen: den Dontod­ent Zungen­reiniger von dm und den Perlodent med Zungen­reiniger von Ross­mann, die jeweils rund einen Euro kosten, den One Drop Only Zungen­reiniger Professional Deluxe für etwa 3,25 Euro – alle drei aus Kunststoff – und den Maharishi Ayurveda Zungen­reiniger aus Edelstahl, der etwa 10,70 Euro kostet. Eine Zahnmedizinerin prüfte die Reinigungs­wirkung anschließend. Das Ergebnis: Die Zungen­reiniger – egal ob aus Kunststoff oder aus Metall – vermindern die Zungenbeläge.

Ein glattes Gefühl

Ein Groß­teil der Probanden gab an, auf der Zungen­oberfläche einen Unterschied im Vergleich zu vor der Reinigung sehen zu können. Zudem hinterließen die Reiniger nach der Anwendung auf der Zungen­oberfläche mehr­heitlich ein glattes Gefühl. Mit der Hand­lich­keit und Größe der Reiniger zeigten sich die Probanden weit­gehend zufrieden. Nach der Benut­zung ließen sich die Produkte einfach reinigen, so die Einschät­zung der Anwender.

Weiche Lamellen und Borsten

Verletzen kann sich der Anwender mit den Reinigern nicht, wenn er nur mit leichtem Druck von hinten nach vorn über den Zungenrü­cken streicht. Alle Ecken und Kanten sind ausreichend abge­rundet und stumpf. Der Dontod­ent Zungen­reiniger ist auf einer Seite mit einer weichen Lamelle ausgestattet. Sie soll Beläge besonders sanft entfernen, nachdem sie mit der festeren Schabekante gelöst wurden. Beim One Drop Only Reiniger ergänzen zwei Bors­tenreihen den Zungenschaber.

Extra­schutz mit etwas Zahnpasta

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann gegen schlechten Atem noch etwas mehr tun. „Bewährt hat sich die Kombination eines Zungen­reinigers mit einer antimikrobiell wirkenden Zahnpasta, von der man eine kleine Menge auf die Zunge gibt“, erklärt Professor Zimmer. „Zum Schluss kann noch eine Mund­spüllösung vor schlechtem Atem schützen.“ Zahnpasten sollten etwa Aminfluorid und Zinn­fluorid enthalten. Auch Inhalts­stoffe wie Cetylpyridinium­chlorid (CPC), Chlorhexidindigluconat (CHX) und Zinksalze wirken antimikrobiell.

Mit Mund­geruch zum Zahn­arzt

Zahnmediziner Zimmer empfiehlt, die Zunge täglich von Belag zu befreien. Bleibt der unangenehme Geruch trotz gründlicher Hygiene erhalten, sollten Betroffene zum Zahn­arzt gehen. Auch Zahn­fleisch- oder Zahnbett­entzündungen sind häufige Ursachen für übel riechenden Atem und sollten behandelt werden.

„Vielen Menschen fällt es schwer, über das vermeintliche Tabu­thema Mund­geruch zu reden. Aber der Zahn­arzt ist der richtige Ansprech­partner“, sagt Stefan Zimmer. In jeder größeren Stadt gebe es zudem Zahn­ärzte, die spezielle Mund­geruch­sprech­stunden anbieten. „Wenn ausgeschlossen ist, dass die Ursachen im Mund­raum liegen, kann eine Über­weisung zum Hals-Nasen-Ohren­arzt oder zum Inter­nisten sinn­voll sein“, erklärt Zahnmediziner Zimmer.

Für den Arzt­besuch empfiehlt Hubi im Onlineforum: „Thema nicht umschreiben, sondern direkt auf den Punkt kommen – auch wenns peinlich ist“.

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