Zu wenig Verbraucherschutz bei Ebay Meldung

Zahlreiche Ebay-Shops schummeln. Bei einer Überprüfung von 80 Anbietern, vorwiegend Power-Seller, machte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) weit über 400 Verstöße gegen Verbraucherschutzregeln aus. Gut für Käufer, die Bescheid wissen: Folge der Schummeleien sind weitreichende Rechte für betroffene Kunden. test.de sagt, was gilt.

Keine Privatsache

Die vzbv-Juristen fanden keinen einzigen Ebay-Shop, der völlig fehlerfrei war. Die schlimmsten Fälle: 20 Händler, die sich als Privatpersonen ausgaben. Sie können bei den angeblichen Privatverkäufen die Gewährleistung ausschließen, müssen kein Widerrufsrecht einräumen und auch keine Informationspflichten erfüllen. Das ist Betrug. Wer an einen solchen Händler gerät, kann trotz des angeblichen Privatverkaufs widerrufen und Gewährleistung verlangen. Wenn der Verkäufer sich weigert, hilft vielleicht, auf die Möglichkeit eines Strafantrags hinzuweisen.

Heimliche Profis schwer zu enttarnen

Gewerblich handelt, wer plan- und geschäftsmäßig kauft und verkauft. Was das heißt, ist im Einzelfall allerdings höchst umstritten; die Gerichte legen sehr unterschiedliche Kriterien an. Ziemlich klar: Wer sich in nennenswertem Umfang Ware verschafft, um sie weiterzuverkaufen, handelt gewerblich. Wer im eigenen Interesse einkauft und ab und zu etwas aus seinen Beständen wieder verkauft, geht eher als Privatverkäufer durch. Zuweilen hilft eine Kontrolle der Ebay-Bewertungen des Verkäufers, um sich ein Bild zu machen. Oft jedoch agieren Pseudo-Privatverkäufer unter zahlreichen verschiedenen Ebay-Namen und sind schwer zu enttarnen.

Verstöße gegen Informationspflichten

Häufigste Schummelei bei Ebay-Shops sind Verstöße gegen Informationspflichten. Oft ist der Anbieter nicht korrekt benannt. Es fehlen vollständige und richtige Hinweise zum Widerrufsrecht. Gut für Verbraucher: Folge der Verletzung von Informationspflichten ist meist, dass das Widerrufsrecht auf Dauer erhalten bleibt. Die bei Ebay-Käufen einmonatige Frist beginnt erst zu laufen, wenn der Anbieter den Käufer korrekt über sein Widerrufsrecht informiert hat.

Ermittlungen gegen Unbekannt

In einigen Fällen scheiterten sogar die Profis vom vzbv bei der Rechtsdurchsetzung. Bei 9 der 20 angeblichen Privatverkäufer gelang es ihnen nicht, eine Adresse für die Zustellung einer Abmahnung zu ermitteln. Grund: Privatverkäufer dürfen bei Ebay unter Pseudonym auftreten. Die beim Unternehmen hinterlegten persönlichen Daten erfahren potenzielle Bieter nicht. Bei Abwicklung eines Ebay-Kaufs wirds einfacher für den Käufer. Zumindest ein persönliches Datum stimmt fast immer: die Bankverbindung.

Kampf gegen schwarze Schafe

Insgesamt verschickte der vzbv 71 Abmahnungen und erhob in sieben Fällen Klage. Auch zahlreiche seriöse Ebay-Anbieter gehen gegen schwarze Schafe vor und versuchen das Treiben der illegalen Konkurrenz juristisch zu stoppen. Ebay selbst hält sich nach Ansicht des vzbv zu sehr zurück. „Ebay muss einen gerwerblichen Online-Shop, der sich als Privatverkäufer tarnt, unverzüglich ausschließen“, fordert vzbv-Vorstand Gerd Billen. Das Unternehmen sei in der Pflicht, für Ordnung zu sorgen und behalte sich in seinen Geschäftsbedingungen auch einschlägige Sanktionen vor. Doch obwohl der vzbv bereits vor fünf Jahren bei Ebay reichlich Verstöße gegen Verbraucherschutzregeln aufgedeckt habe, sei so gut wie nichts passiert, beklagt Billen.

Vorkasse mit Pleiterisiko

Ganz legal, aber trotzdem riskant für Verbraucher: Bei Ebay ist Vorkasse üblich. Bevor der Käufer nicht zahlt, liefert kaum ein Ebay-Shop. Risiko für Käufer: Der Shop geht Pleite, bevor er liefert. Der Käufer guckt dann in die Röhre. Selbst bei Bezahlung über das Ebay-eigene Bezahlsystem PayPal kann in solchen Fällen das Geld ganz oder teilweise verloren sein.

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