Zozo Schnelltest

Vorher. Dehn­barer Zozo-Suit, fertig zur Vermessung des Kunden, hier der Bereichs­leiter Finanzen, Personal und IT der Stiftung Warentest. Nachher. Ein paar Wochen später kommen Jeans und T-Shirt, nichts spannt mehr.

„Kleidung wie maßgeschneidert“ verspricht der japa­nische Online-Mode­shop Zozo. Der Clou: Es ist kein Maßband erforderlich, und kein Besuch beim Schneider. Die passende Kleidung für alle Größen wird per App und Punkte­anzug „konfiguriert“. Vier Probanden der Stiftung Warentest haben das Ganze ausprobiert. Der Test zeigt: Nicht alles sitzt perfekt.

Punkte­anzug und App

Tausende Menschen posieren in schwarzen dehn­baren, weiß gepunkteten Anzügen, zu sehen auf Seiten der Foto-App Instagram und anderswo im Internet. Der japa­nische Modeanbieter und Onlineversender Zozo vertreibt diesen „Suit“ genannten Anzug. Er verspricht „Kleidung wie maßge­schnei­dert“ – mit Betonung auf „wie“. Das Neue: Es ist kein Maßband erforderlich, kein Besuch beim Schneider. Zozo nimmt Maß mithilfe des Punkte­anzugs und einer App.

Nur wenige Kleidungs­modelle, dafür in vielen Größen

Die japa­nische Firma bietet nur wenige Kleidungs­modelle an, diese aber in sehr vielen Größen. Laut Firmen­angaben werde die in Ostasien gefertigte Kleidung gelagert und sei „inner­halb weniger Tage ausliefer­bar“. Ware, die sich trotz der vielen Größen nicht im Lager findet, erfordere „6 bis 8 Wochen, bis sie aus Asien beim Kunden in Europa ist“. Das solle künftig schneller gehen.

Zwölf Handyfotos später ist der Mensch vermessen

Vier Probanden der Stiftung Warentest mit unterschiedlicher Statur haben Kleidung bestellt. Sie luden die App herunter (kostenlos bei Google Play und im Apple Store), ließen sich für 3 Euro Versand­kosten den Anzug in ihrer Größe schi­cken und folgten den Kommandos der Handy-App. Das Smartphone steht dabei auf einem Tisch und fotografiert selbst­tätig die weißen Mess­punkte auf dem Körper. Zwölfmal dreht sich der Kunde ein Stück­chen weiter, und jedesmal wird ein Foto geschossen. Daraus errechnet die App die persönlichen Maße und schickt sie an Zozo. Das dauert etwa eine halbe Stunde.

Das Sortiment: Eher boden­ständig als raffiniert

Der Versandhändler bietet ein Sortiment aus Jeans, T-Shirts, Ringels­hirts, Pullovern und Business­hemden. Der Stil ist eher boden­ständig, Boutique-Gänger und Haute-Couture-Anhänger werden sich kaum wieder­finden. Bei allen vier Probanden war die Jeans etwas kurz – der aktuelle Zozo-Stil. In einem Fall war die Hose zu weit, der Rest passte. Das Business­hemd stellte auch den Kollegen mit den langen Armen zufrieden.

Lange Liefer­zeiten, groß­zügige Umtausch­fristen, moderate Preise

Die Liefer­zeiten sind gewöhnungs­bedürftig: Es dauerte Wochen, in einem Fall sogar fast drei Monate, bis die Ware beim Kunden war. Die Preise reichen von 24 Euro für ein T-Shirt bis zu 49 Euro für einen Woll­pullover und 59 Euro für eine Jeans. Die Umtausch­frist ist mit 30 Tagen komfortabel. Laut Zozo kann der Kunde das Kleidungs­stück kostenlos tauschen und erhält sein Geld zurück.

Retouren werden weiterverwendet

Einen Schein für die kostenlose Retoure gibt‘s beim Customer Service. Das Kleidungs­stück wird laut Zozo nicht weggeworfen, sondern ins Lager zurück sortiert und an einen neuen Kunden mit den gleichen Maßen ausgegeben. Das ist löblich, hatte eine Studie zum Online­handel doch kürzlich ergeben, dass Retouren oft im Müll landen.

Keine Probleme mit der Daten­sicherheit

Die Android- und die iOS-App in den Versionen vom Dezember 2018 forderten nur wenige Daten. Sie wurden verschlüsselt an Zozo über­tragen. Auf Kontakte, Stand­ort oder Kalender des Smartphones griff die App nicht zu.

Fazit: Nette Ergän­zung, ersetzt aber nicht den Besuch im Laden

Die Preise sind moderat, die Pass­form war bis auf die Länge der Hosen meist gut. Die Lieferungen dauer­ten teil­weise lange. Für Einkaufs­muffel und bei Körpermaßen außer­halb des Üblichen kann Zozo einen Versuch wert sein. Der Einkauf im Laden wird dadurch nicht über­flüssig – allein schon wegen des begrenzten Sortiments.

Newsletter: Keinen Schnell­test verpassen

Mit den Newslettern der Stiftung Warentest sind Sie stets bestens informiert über neue Schnell­tests. Sie haben die Möglich­keiten, Newsletter aus verschiedenen Themen­gebieten auszuwählen test.de-Newsletter bestellen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 29 Nutzer finden das hilfreich.