Zitronen und Limetten Test

Faust­große Frucht. Zitronen gibt es das ganze Jahr zu kaufen. Ursprüng­lich stammen sie aus Asien. Heute sind sie auch im Mittel­meerraum verbreitet.

Zitrusfrüchte werden häufig mit Pflanzen­schutz­mitteln behandelt. Wie viel landet davon beim Verbraucher? 38 Zitronen und Limetten im Test.

Sie sind Künstler in der Küche. Zitronen und Limetten verfeinern Fisch­gerichte und Salat, aromatisieren Desserts und Gebäck, verleihen Getränken Pfiff – vom Glas Wasser bis zum Cock­tail. Die sauren Frücht­chen sind aber sehr empfindlich und anfäl­lig für Schädlinge und Schimmel. Die Behand­lung mit Pflanzen­schutz­mitteln vor und nach der Ernte soll dem vorbeugen. Wie belastet sind die Zitrusfrüchte?

Um das heraus­zufinden, haben wir bei Discountern, in Supermärkten und Bioläden 38 abge­packte sowie lose Zitronen und Limetten gekauft. Unge­waschen und ungeschält wurden sie auf etwa 450 Pestizide untersucht. Das Ergebnis ist erfreulich: Nur eine Probe war deutlich belastet, 24 Proben gering bis sehr gering. 13 Früchte waren frei von Rück­ständen. Zusätzlich haben wir alle auf zwei weitere Stoffe über­prüft – und in einigen Proben sehr geringe Mengen Perchlorat gefunden.

Mit Bio auf Nummer sicher

Bei allen pestizidfreien Zitronen und Limetten handelte es sich um Biofrüchte. Chemisch-synthetische Pflanzen­schutz­mittel sind beim ökologischen Anbau tabu. Nur die Biozitronen von Alnatura waren sehr gering belastet: mit Spuren eines Pestizids. Auf eine Behand­lung mit Pflanzen­schutz­mitteln deutet das nicht hin. Die Spuren können etwa durch den Kontakt mit behandelten Früchten während der Lagerung oder des Trans­ports über­tragen worden sein. Für Bio- und herkömm­liche Ware gelten in der EU dieselben Rück­stands­höchst­gehalte. Der Bundes­verband Natur­kost Naturwaren (BNN) hat für Bioware einen einheitlichen, nied­rigeren Pestizid­orientierungs­wert fest­gelegt. Den halten auch die Zitronen von Alnatura ein.

Die Pestizidfunde sind unbe­denk­lich

Im konventionellen Anbau ist es erlaubt, Zitrusfrüchte vor und nach der Ernte zu behandeln. Am Strauch oder Baum einge­setzte Pestizide haben meist Zeit, sich ganz oder bis auf Spuren abzu­bauen. Anders bei denen, die nach der Ernte auf der Schale landen. Der Labortest ergab: 23 der 24 konventionellen Zitrusfrüchte im Test waren sehr gering oder gering belastet. Sie liegen damit weit unter den gesetzlichen Höchst­mengen. Diese schließen eine gesundheitliche Gefähr­dung aus.

Nicht einheitlich gekenn­zeichnet

Zitronen und Limetten Test

Kleine, grüne Schwester. Die Limette ist kälteempfindlicher als die Zitrone. Sie bevor­zugt frost­freies, (sub-)tropisches Klima.

Jede Behand­lung nach der Ernte muss bei Zitronen angegeben werden, bei Limetten besteht diese Pflicht nicht immer (siehe Das steht drauf). Sieben der acht konventionellen Limetten im Test waren mit Hinweisen zur Behand­lung gekenn­zeichnet. Nur bei den losen Limetten von Mitte Meer fanden wir bei unserem Einkauf keine Angaben.

Von den konventionellen Früchten waren die lose verkauften Zitronen von Karstadt sowie die abge­packten Limetten von Real als unbe­handelt gekenn­zeichnet. In beiden Proben fanden die Prüfer nur sehr geringe Rück­stände von Pestiziden. Diese unauffäl­ligen Werte weisen nicht darauf hin, dass die Früchte behandelt wurden.

Ein Produkt ist deutlich belastet

In den Zitronen Sol de Espana Marca, die wir bei Edeka-Reichelt gekauft haben, wiesen die Tester vom Fungizid Imazalil etwa die Hälfte des zulässigen Höchst­gehalts nach. Als Konservierungs­mittel schützt es Zitrusfrüchte nach der Ernte vor Schimmelbefall. Gefähr­lich für die Gesundheit sind diese Zitronen nicht, wenn sie in üblichen Mengen verzehrt werden. Ein 70 Kilo schwerer Erwachsener könnte 0,6 Kilogramm von ihnen – das sind etwa 4,5 Stück samt Schale – täglich gefahr­los essen, ein Leben lang. Wie viel vom Schalenbe­hand­lungs­mittel findet sich aber im Frucht­fleisch? Da müssen sich Verbraucher keine Sorgen machen. Analysen deutscher Unter­suchungs­ämter von Zitrusfrüchten zeigen: Die meisten Wirk­stoffe gehen kaum oder nur gering ins Frucht­fleisch über. Das gilt auch für das Mittel Imazalil, das oberflächlich mitunter groß aufgetragen wird.

Auch zwei neue Stoffe im Visier

Zusätzlich zu den etwa 450 Pestiziden über­prüften wir die Zitrusfrüchte auch auf zwei Stoffe, die bei Kontrollen von exotischem Obst in jüngster Zeit aufgefallen sind: Morpholin und Perchlorat. In einigen Ländern wird Morpholin als Emulgator in Wachsen zur Oberflächenbe­hand­lung einge­setzt. In der EU ist dieser Zusatz­stoff nicht zugelassen, auch nicht bei importierten Früchten. Auf den Zitronen und Limetten im Test fanden wir kein Morpholin.

Bei Perchlorat hingegen wurden wir fündig. Der Stoff taucht neuerdings in pflanzlichen Lebens­mitteln auf, häufig auch in Zitrusfrüchten. Perchlorate sind Salze der Perchlorsäure. Wie sie in Obst und Gemüse kommen, ist bisher nicht geklärt. Sie könnten mit industriellen Abwässern in die Bewässerung gelangen und so Pflanzen verunreinigen. Sie könnten aber auch aus Dünge­mitteln übergehen.

Problematisch: Eine erhöhte Perchlorat­aufnahme kann die Jodaufnahme in die Schild­drüse hemmen. Gesetzlich fest­gelegte Höchst­gehalte gibt es nicht. Die Europäische Behörde für Lebens­mittel­sicherheit (Efsa) arbeitet an einer Risiko­be­wertung. Bis dahin gilt für Zitrusfrüchte der Referenz­wert von 0,2 Milligramm pro Kilogramm. Das Bundes­institut für Risiko­be­wertung (BfR) spricht sich für einen strengeren Wert aus: 0,05 Milligramm Perchlorat pro Kilogramm für alle Obst- und Gemüsesorten. In sechs Zitronen- und einer Limetten­probe konnten wir Rück­stände nach­weisen. Die Gehalte lagen weit unter dem Referenz­wert sowie deutlich unter der strengeren Bewertungs­grenze des BfR.

Bis zu vier Pestizide in einer Frucht

In 10 der 25 belasteten Früchte fanden wir übrigens nicht nur ein Pestizid, sondern Mehr­fachrück­stände – bis zu vier Pflanzen­schutz­mittel in einer Frucht. Produzenten kombinieren gezielt kleinere Mengen verschiedener Mittel, um unterschiedliche Pflanzenschädlinge wie Pilze und Insekten effektiver zu bekämpfen. Durch den Einsatz verschiedener Pestizide können sie auch leichter verhindern, dass die Schädlinge Resistenzen entwickeln.

Wie Mehr­fachrück­stände im Körper wirken, ist noch nicht geklärt. Für ein ungetrübt saures Vergnügen gilt deshalb: je weniger Pestizide, desto besser.

Zitrusfrüchte als Erkältungs­mittel

Viele schätzen gerade an Zitronen den hohen Vitamin-C-Gehalt. Das wohl bekann­teste Vitamin ist für ein starkes Immun­system unver­zicht­bar. Den Tages­bedarf an Vitamin C decken zum Beispiel zwei bis drei ausgepresste Zitronen.

Einen wahren Vitamin-C-Kick bietet unser Rezept: Fenchelsalat mit Zitrusfrüchten.

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