Zinstest Test

Harte Zeiten für Zinsjäger, denn zurzeit fällt es ihnen schwer, reiche Beute zu machen. ­Finanztest sagt, wie es geht: Wir haben die Renditen von erstklassigen ­Anleihen und Pfand­briefen, Renten- und Geldmarktfonds, von ­Tagesgeld- und ­Sparangeboten verglichen und nennen die besten Zinsschnäppchen.

Das Zinsniveau ist zurzeit sehr niedrig. Ist es überhaupt sinnvoll, sein Geld festverzinslich anzulegen?

Zinstest Test

Ja. Sichere festverzinsliche Anlagen sind die Grundlage eines guten Depots.

Andere Anlagen wie zum Beispiel Aktienfonds können ein Depot zwar bereichern, aber sie sollten stets durch Anleihen erstklassiger Schuldner, Euro-Rentenfonds oder andere sichere Zinsanlagen ergänzt werden. Dieser Grundsatz gilt unabhängig vom jeweiligen Zinsniveau.

Ich will sicher anlegen und dennoch möglichst hohe Zinsen herausholen. Was kommt für mich infrage?

Es kommt darauf an, wie lange Sie auf Ihr Geld verzichten wollen. Wer sich festlegt, dem winken zurzeit mit den Sparangeboten ohne Kündigungsmöglichkeiten die höchsten Renditen (siehe Tabelle „Einmalanlagen ohne vorzeitige Verfügbarkeit“). Je nach Laufzeit sind bis zu 4 Prozent pro Jahr möglich.

Wer flexibel bleiben möchte, muss ­dagegen Abstriche hinnehmen. Das beste vorzeitig kündbare Bankprodukt bietet bei fünf Jahren Laufzeit 3,5 Prozent (siehe ­Tabelle „Einmalanlagen: vorzeitiger Ausstieg möglich“).

In Ihren Tabellen haben Rentenfonds viel höhere Renditen als ­Anleihen oder Festzinsangebote. Sind die Fonds wirklich so viel besser?

Nein. Die Fünfjahresrenditen aus den Fondstabellen sind Vergangenheitswerte und lassen sich nicht für die Zukunft hochrechnen.

Bei Einmalanlagen und Anleihen geben wir die heute aktuellen Renditen an. Die haben Anleger sicher, wenn sie die Anlagen bis zur Fälligkeit behalten.

Anders bei den Renditen von Tagesgeldangeboten, Sparkonten und Geldmarktfonds. Hier ist der aktuelle Wert eine Momentaufnahme, die sich schon am nächsten Tag ändern kann. Die Renditen steigen und fallen mit dem Zinsniveau.

Welche Vorteile haben Rentenfonds gegenüber Einzelanleihen?

Einen Rentenfonds mit Laufzeitenmischung kann der Anleger viele Jahre lang laufen lassen, ohne dass er sich um irgendetwas kümmern muss.

Wer direkt in Anleihen investiert, muss selbst die passende Depotstruktur aus Anleihen verschiedener Laufzeiten zusammenstellen. Außerdem muss er immer wieder nachkaufen, wenn eine Anleihe fällig geworden ist.

Sind Bundesschatzbriefe noch ­immer empfehlenswert?

Nur mit Einschränkung. Wer kleine Beträge anlegen will, hat zu Schatzbriefen kaum eine Alternative. Die gibt es schon ab 52 Euro. Die aktuellen Renditen von Bundesschatzbriefen sind nicht attraktiv. Vor allem für Sparangebote kleinerer Banken gibt es meist deutlich höhere Renditen.

Anleger, die Bundeswertpapiere gekauft haben, sollten diese kostenlos bei der Bundeswertpapierverwaltung deponieren.

Viele Banken werben derzeit mit hohen Schnäppchenzinsen. Sind solche Angebote seriös?

Seriös schon, aber nicht für jeden Anleger nutzbar oder attraktiv. Viele dieser Angebote wenden sich nur an Neukunden. Wer schon Kunde ist, kann die hohen Zinsen nur auf Umwegen kassieren – zum Beispiel durch ein zusätzliches Konto für den (Ehe-)Partner oder die Kinder.

Andere Lockangebote gelten nur für niedrige Anlagesummen, kurze Laufzeiten oder in Verbindung mit einem Internetkonto, manche sind mit Nebenkosten für die Kontoführung verbunden.

Schließlich gibt es auch viele Koppelangebote, die den hohen Zins nur bei gleichzeitiger Eröffnung eines Wertpapierdepots oder beim Kauf von Investmentfonds ­gewähren. Hier sollte der Anleger sehr ­genau prüfen, ob er nicht über den höheren Zins in ein Investment gelockt wird, das er ansonsten niemals tätigen würde.

Ist mein Geld bei Festzinsanbietern mit besonders verlockenden Zinsen wirklich sicher?

Ja, sofern es sich um inländische Angebote aus unseren Übersichten handelt. Bei den aufgelisteten deutschen Banken sind alle Einlagen entweder in quasi unbegrenzter Höhe oder bei Bausparkassen bis zu 250 000 Euro durch Einlagensicherungseinrichtungen geschützt.

Bei niederländischen oder österreichischen Banken gibt es eine Obergrenze von 20 000 Euro. Höhere Summen sollte man pro Person und Bank nicht anlegen.

Wie kommt es, dass die Kurse meiner Anleihen steigen, während die Zinsen doch immer weiter sinken?

Der Kurs spiegelt den Wert wider, zu dem das Papier während der Laufzeit gehandelt wird. Wird eine Anleihe zum Beispiel mit 4 Prozent verzinst und sinkt das aktuelle Zinsniveau, steigt die Nachfrage nach dem 4-Prozent-Papier und damit auch der Kurs. Wenn hingegen die aktuellen Zinsen klettern, ist die alte Anlage mit 4 Prozent nicht mehr so interessant. Der Kurs sinkt.

Für Anleger, die ihre Anleihen bis zum Ende der Laufzeit halten, sind die Kurse aber nebensächlich. Sie bekommen den investierten Betrag voll zurück.

Was ist beim Anlegen großer ­Summen zu beachten?

Sehr wichtig ist die Frage, ob und wann Anleger über ihr Geld verfügen können. Sie sollten hohe Beträge oder ihr gesamtes Sparvermögen nicht über längere Zeit­räume festlegen. Doch häufig bieten die Anlagen ohne vorzeitige Kündbarkeit die höchsten Renditen.

Als Kompromiss bietet es sich an, nur ­einen Teil des Gelds zu hohen ­Zinsen ohne Kündigungsmöglichkeit­ ­festzulegen. Der Rest kann dann in eine Anlage mit Ausstiegsmöglichkeit oder mit einer kürzeren Laufzeit angelegt werden, selbst wenn das die Rendite ein wenig schmälert.

Wie hoch ist der Aufwand für die verschiedenen Anlageformen?

Wer bereits ein Depotkonto bei einer Bank hat, kann hier sehr einfach Anleihen, Pfandbriefe, Renten- oder Geldmarktfonds kaufen und verwahren.

Echte Zinsjäger müssen mehr Aufwand betreiben. Jede zusätzliche Kontoeröffnung bei einem Onlineanbieter kostet Zeit. Wer sich stets den besten Zinssatz sichern will, muss öfter mal Geld zwischen den Konten hin- und herschieben.

Aufwendig ist es auch, einen Überblick über die verschiedenen Konten zu behalten und die Steuerfreibeträge entsprechend zu splitten.

Was ist der Unterschied zwischen Nominalzins und Rendite und was ist für mich wichtiger?

Für den Anleger zählt nur die Rendite, auch effektiver Zins genannt. Die Rendite zeigt die tatsächliche Höhe des Ertrags.

Der Nominalzins bei Anleihen entspricht nur der Rendite, wenn ihr Kurs genau bei 100 liegt. Bei niedrigeren Kursen ist die Rendite höher, bei höheren Kursen als 100 geringer als der Nominalzins.

Bei manchen Sparangeboten von Banken ist der Nominalzins nur die Ausgangsbasis, von der verschiedene Zinstreppen und Bonussysteme zur eigentlichen Rendite führen. Die Angebote sind meist so konstruiert, dass der Kunde für ein langes Durchhalten durch eine höhere Rendite belohnt wird.

Was ist eigentlich kostengünstiger, Fonds, Anleihen oder Zinsangebote von Banken?

Bei Rentenfonds müssen Anleger oft einen Ausgabeaufschlag bezahlen. Auch bei ­Anleihen und Pfandbriefen fallen meist Kaufkosten an. Dazu kommen Depotgebühren. All das schmälert die Rendite.

Bei den meisten Bankangeboten entfallen diese Kosten. Wenn – wie bei allen ­getesteten Angeboten – auch das Konto ­gebührenfrei angeboten wird, kann man die Rendite in voller Höhe einstreichen.

Fondsanleger sollten bei Rentenfonds auf einen möglichst niedrigen Ausgabeaufschlag achten und nur Geldmarktfonds ohne Ausgabeaufschlag kaufen. Finanztest veröffentlicht grundsätzlich nur Geldmarktfonds ohne Ausgabeaufschlag.

Was muss ich bei Zinsanlagen aus steuerlicher Sicht beachten?

Jeder Anleger hat einen Sparerfreibetrag von 1 370 Euro pro Jahr. Bei Ehepaaren, die zusammen veranlagt werden, ist der Freibetrag 2 740 Euro. Nur Zinseinnahmen, die darüber hinausgehen, unterliegen dem persönlichen Steuersatz.

Kursgewinne, die mit Anleihen oder Rentenfonds erzielt werden, sind nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist grundsätzlich steuerfrei. Zudem bleiben Spekulationsgewinne steuerfrei, wenn sie insgesamt pro Jahr unter 512 Euro liegen.

Die jährliche Ausschüttung von Fonds und die Zinszahlung bei Anleihen müssen dagegen ebenso wie die Zinsen für Tages- oder Festgeld versteuert werden.

Steuerlich ungünstig ist eine Zinsansammlung über mehrere Jahre, wie etwa beim Bundesschatzbrief Typ B. Die hohe einmalige Ausschüttung sprengt schnell die Grenze des Freibetrags. Es sei denn, die Zinseinnahmen sind insgesamt gering.

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