Zinstest: Geld stinkt nicht

Zinstest Test

Für viele Festgeld- und Festzinsanlagen gibt es jetzt höhere Zinsen. Finanztest hat die besten Angebote der Banken ­zusammengestellt. Auch Schatzbriefe kommen wieder infrage.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus – auch wenn es aus Sicht der privaten Anleger ein sonniges Ereignis war, als die Europäische Zentralbank (EZB) am 1. Dezember 2005 die Zinsen erhöhte. Schon Wochen zuvor erreichten uns die Mitteilungen der Anbieter von Festzinsanlagen mit der Ankündigung höherer Zinsen. Attraktive Renditen gibt es nun vor allem für Festzinsprodukte mit Laufzeiten von einem bis zu drei Jahren.

Im November haben zum Beispiel die Cronbank und die Bausparkasse Mainz ­ihre Zinssätze angehoben. Die CC-Bank ging sogar einen Riesenschritt rauf: Für ­ihren zweijährigen Sparbrief zahlt sie jetzt 3 Prozent pro Jahr. Das sind 0,75 Prozentpunkte mehr als noch Anfang November.

Die Garantibank hat die Zinsen mit Wirkung vom 1. Dezember um jeweils ein viertel Prozent erhöht. Es gibt jetzt für ein Jahr 3 Prozent, für zwei und drei Jahre 3,25 Prozent. Die Volkswagen Bank direct entschloss sich Mitte Dezember, ihre Konditionen anzupassen, und zahlt jetzt 2,9 Prozent für drei Jahre.

Wie sie haben sich die meisten Anbieter von der 2 vor dem Komma noch nicht verabschiedet, obwohl sie teilweise schon kräftig die Zinsen erhöht haben.

Festgeld unter einem Jahr

Zinstest Test

Ebenfalls Mitte Dezember entschied sich die Denizbank, die Zinsen für ihr sechs Monate laufendes Festgeld zu erhöhen. Sie zahlt jetzt 2,75 Prozent, genau so viel wie für ihr Tagesgeld.

2,75 Prozent gibt es auch bei der Bausparkasse Mainz, allerdings nur bis zur ­Anlagehöhe von 25 000 Euro.

Weniger attraktiv als die Festgeldanlage für sechs Monate sind Dreimonats- und Neunmonatsgeld. Für 90 Tage gibt es in der Spitze nur 2,5 Prozent, für 270 Tage 2,55 Prozent.

Ebenfalls relativ niedrig sind die Zinsen für das Einmonats- und Zweimonatsgeld. Hier weichen Anleger besser auf Tagesgeldangebote aus.

Festgeld über ein Jahr oder mehr

Attraktiver als für kurze Laufzeiten sind die Zinsen für Festgeld oder Sparbriefe, die über ein, zwei oder drei Jahre laufen.

Spitzenreiter ist die DHB Bank, die 3 Prozent für ein Jahr bietet, 3,25 Prozent für zwei und 3,40 Prozent für drei Jahre. Vorn dabei sind auch Denizbank, Garantibank und Vakifbank.

Deutsche Anbieter können kaum mit den Superzinsen dieser türkischstämmigen Banken mithalten. Nur die Bausparkasse Mainz und die CC-Bank zahlen für zwei Jahre immerhin 3 Prozent pro Jahr.

An den Sparerfreibetrag denken

Anleger sollten vor Abschluss von Festzinsanlagen auf deren Bedingungen achten. Sparbriefe gibt es in drei Varianten. Die häufigste und meist günstigste Form ist die mit jährlicher Zinszahlung.

In der Regel ungünstig sind abgezinste und aufgezinste Sparbriefe. Sie sammeln die Zinsen an und schütten sie am Ende in einer Summe aus. Der Zinseszinseffekt ist zwar attraktiv, die Zinsen belasten den Sparerfreibetrag aber auf einen Schlag.

Bei Festgeld, das bis zu einem Jahr läuft, zahlt die Bank die Zinsen am Ende der Laufzeit. Bei Festgeld für zwei oder mehrere Jahre gibt es die Zinsen jährlich.

Wenn die Zinsen sofort wieder auf das Festgeldkonto fließen, profitiert der An­leger ohne steuerliche Nachteile vom Zinses­zinseffekt.

Geldanlagen mit Notausgang

Letztlich dürfte bei der Entscheidung für ein bestimmtes Produkt – abgesehen von persönlichen Grenzen für die Laufzeit – vor allem die Rendite den Ausschlag geben. Doch das macht die Sache nur scheinbar leicht. Zu ungewiss ist, wie sich die Zinsen entwickeln.

Anleger fragen sich, ob sie bei Tagesgeld bleiben und auf weitere Zinserhöhungen warten wollen oder ob sie sich die 3 oder mehr Prozent, die es mittlerweile für ein- oder mehrjährige Anlagen gibt, nicht doch sichern sollen.

Aber auch für Unentschlossene gibt es passende Produkte: die Einmalanlagen mit vorzeitiger Verfügungsmöglichkeit. Bei den Banken heißen sie oft Wachstums- oder Zuwachssparen.

Sie laufen mehrere Jahre und werden fest verzinst, im Unterschied zu Anlagen ohne vorherige Verfügbarkeit sind sie mit einer Zinstreppe ausgestattet.

Anleger können nach 12 oder 15 Monaten aussteigen, gelegentlich auch früher. Steigen die Zinsen am Kapitalmarkt, schichten sie ihr Geld in eine rentablere Anlage um. Fallen sie oder bleiben sie ­stabil, profitieren die Sparer von den jährlich steigenden Zinsen ihrer Geldanlage.

Bundesschatzbriefe

Das bekannteste Beispiel für diese Art der Geldanlage sind Bundesschatzbriefe. Sie eignen sich für Leute, die nicht mindestens 1 500 Euro oder mehr anlegen wollen, wie für vergleichbare Bankprodukte gefordert. Bundesschatzbriefe gibt es schon für Beträge ab 52 Euro.

Dagegen sind die Schätzchen für Sparer mit hohen Anlagesummen weniger geeignet, denn etliche Banken bieten bessere Renditen für ihre Stufenzinsangebote als der Bund. Außerdem sich die Möglichkeiten zum Ausstieg bei Schatzbriefen begrenzt. Anleger dürfen monatlich maximal über 5 000 Euro verfügen.

Der Bund hatte Mitte November die Zinsen deutlich erhöht, im Dezember aber schon wieder etwas gesenkt. Nachdem die beliebten Papiere jahrelang mit Bankprodukten kaum noch konkurrieren konnten, sind die Renditen jetzt ein bisschen attraktiver und liegen etwa im Mittelfeld.

Für den Typ A, der die Zinsen jährlich ausschüttet, gibt es im ersten Jahr 2 Prozent Zinsen statt 1,5 Prozent wie zuvor. Im zweiten Jahr steigt der Zins auf 2,25 Prozent, danach auf 2,75 Prozent. Nach sechs Jahren beträgt die jährliche Rendite 2,88 Prozent pro Jahr.

Dieselben Sätze bietet der Schatzbrief Typ B, der die Zinsen ansammelt und am Ende der siebenjährigen Laufzeit auszahlt. Die jährliche Rendite beträgt dann 3,07 Prozent. Für die alte Tranche gab es 2,78 Prozent pro Jahr.

Wie bisher ist Typ B aber weiterhin steuerlich ungünstig, weil alle Zinsen auf einen Schlag anfallen. Die meisten Banken haben das Problem besser gelöst. Auch wenn sie Zinsansammlung anbieten, schreiben sie die Zinsen jährlich gut.

Wachstums- und Zuwachssparen

Anleger, die sich für die Stufenzinsangebote der Banken interessieren, sollten auf die Regelungen zur Kündigungs- und zur Kündigungssperrfrist achten. Einige dieser Sparprodukte kann man nach neun Monaten kündigen, andere erst nach zwölf. Danach muss man drei Monate warten, ehe man über das Geld verfügen kann.

Das beste Angebot ist das Wachstumssparen der PSD Bank Nürnberg. Sie zahlt 2,7 Prozent im ersten, 3,0 Prozent im zweiten und 3,3 Prozent im dritten Jahr. Leider ist das Angebot auf das Geschäftsgebiet der Bank begrenzt. Bundesweite Angebote ­haben zum Beispiel die Yapi Kredi Bank und die Von Essen Bankgesellschaft.

Die Flexibilität all dieser Stufenzinsprodukte hat ihren Preis. Im ersten und oft auch im zweiten Jahren gibt es nicht mehr als zurzeit für Tagesgeld.

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