Ratensparer, die jahrelang einen Sparplan mit flexiblem Grundzins bespart haben, können nach einem BGH-Urteil Zinsen nachfordern (Az. XI ZR 140/03). Das Urteil betrifft Millionen Verträge, schätzt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Vor allem Sparer mit Verträgen aus den 80er Jahren können nachträglich zum Teil vierstellige Euro-Beträge von ihrer Bank verlangen. Einziges Problem: Viele Sparer scheinen nicht zu wissen, dass ein Zinsnachschlag auf sie wartet. Die Sache eilt: Ende des Jahres verjähren die Ansprüche bei Altverträgen. Bis gestern hatten erst einige Dutzend Sparer den Überprüfungsservice der Verbraucherschützer aus NRW genutzt. test.de sagt, wer die Extra-Rendite fordern kann und hält einen Excel-Rechner für die Überprüfung von Sparplänen bereit.

Zinslücke zu Lasten der Sparer

Derzeit beißen betroffene Sparer bei den Banken auf Granit. Die Kreditinstitute versuchen, sämtliche Ansprüche abzuwimmeln. Herauszufinden, ob und wie viel Nachschlag Ratensparer verlangen können, ist kompliziert. Grundsätzlich gilt: Wenn sich das Zinsniveau eines Sparplans im Verhältnis zum allgemeinen Zinsniveau im Laufe der Jahre verschlechtert hat, können Sparer einen Ausgleich verlangen. Bei vielen Sparplänen haben die Banken den Zinssatz flott gesenkt, wenn das Zinsniveau bröckelte, aber Zinserhöhungen nur zögerlich an die Kunden weitergegeben. Dadurch entstand eine Zinslücke zu Lasten der Sparer. Besonders betroffen sind Angebote, bei denen die Banken zu Beginn einen besonders attraktiven Lockzins angeboten hatten.

Richter stoppten Bankenpraxis

Das darf nicht sein, haben die BGH-Richter im Februar 2004 entschieden. Die weithin übliche Vertragsklausel, wonach Banken das Recht haben, die Zinsen nach eigenem Gusto zu verändern, ist unwirksam. Zinsanpassungsklauseln sind nur wirksam, wenn der Kunde nachvollziehen kann, wann und wegen welcher Umstände die Sätze geändert werden. Zulässig sind danach nur Klauseln, wonach die Zinsen in regelmäßigen Abständen nach Maßgabe eines Referenzsatzes angepasst werden.

Suche nach Referenzzins

Einen Anspruch auf Nachzahlung haben aber nur Kunden, bei denen die Bank von ihrem Recht zum Nachteil der Kunden Gebrauch gemacht haben. Noch unklar ist allerdings, welchen Referenzzinssatz die Gerichte zur Berechnung des Nachschlags heranziehen werden. Darüber hat der Bundesgerichtshof noch nicht entschieden. In Betracht kommen der Geldmarktsatz und die Umlaufrendite. Der Geldmarktsatz bildet die Zinssätze ab, zu denen sich Banken untereinander kurzfristig Geld leihen. Die Umlaufrendite gibt das Zinsniveau von längerfristigen festverzinslichen Wertpapieren wieder. Experten der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen vermuten, dass eine Mischung der verschiedenen Kapitalmarktgrößen der Maßstab sein wird.

So rechnen Sie selbst

Beispiel: Ein Sparer hat im Januar 1980 einen Banksparplan mit einer Verzinsung von 7 Prozent abgeschlossen. Damit lag der Zins der Bank damals nah am allgemeinen Zinsniveau: Nur 1,86 Prozentpunkte betrug die Differenz zum Zinssatz für Dreimonatsgeld (8,86 Prozent im Januar 1980) und nur 1,10 zur Umlaufrendite (8,10 Prozent im Januar 1980). Hat der Ratensparer sodann zehn Jahre lang eingezahlt und die Bank den Zinssatz in der Zwischenzeit auf 5 Prozent gesenkt, ist der Abstand zum Dreimonatsgeld auf 3,25 Prozent und zur Umlaufrendite auf 2,90 Prozent gewachsen. Im Klartext: Der Sparzins hat sich im Vergleich zur allgemeinen Zinslage deutlich verschlechtert. In einer solchen Situation kann der Sparer Zinsen nachfordern. Er muss sich allerdings beeilen, weil für solche Altverträge Ende dieses Jahres Verjährung eintritt.

Hilfe von der Stiftung Warentest

Damit Sie zumindest grob überprüfen können, ob Sie wegen Ihres Sparplans einen Anspruch auf einen Nachschlag haben, hält die Stiftung Warentest einen Excel-Rechner zum Download bereit. Er ermöglicht Ihnen die Einschätzung, ob die Bank Sie bei den Zinsanpassungen benachteiligt hat. Sie müssen sich dafür den Zinsverlauf für Ihren Sparplan besorgen. Die Bank ist verpflichtet, Ihnen diese Daten zur Verfügung zu stellen.

Hilfe von der Verbraucherzentrale

Wenn sich danach ein Recht auf Nachschlag ergibt, helfen die Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen und Bremen weiter. Sie bieten für 50 Euro eine detaillierte Prüfung des Vertrags an. Wenn die Bank sich danach immer noch weigert, eine Nachzahlung zu leisten, sollten Sie sich an die zuständige Schlichtungsstelle oder den Ombudsmann wenden. Einzelheiten sind unter www.bdb.de/ombudsmann zu finden. Der Ombudsmann des bdb hilft nur den Kunden von privaten Banken. Adressen anderer Ombudsleute und Schlichtungsstellen hält der bdb bereit.

Rechner downloaden

Ausführliche Hilfe
XLS
Zinsnachschlag speichern
Download als XLS-Datei (0,2 MB)

Klicken Sie auf den Link und speichern Sie die Datei auf Ihrer Festplatte.

Sie benötigen mindestens Excel 97.

Dieser Artikel ist hilfreich. 552 Nutzer finden das hilfreich.