Donut? Do not! Vorsicht bei Fest­geld-Angeboten, die Zinsen nicht jedes Jahr auszahlen! So entgeht Sparenden der Zinseszins.

Manche Lese­rinnen und Leser wundern sich vielleicht, warum relativ attraktive mehr­jährige Fest­geld­angebote bestimmter Banken nicht in unserem Festgeldvergleich auftauchen. Der Grund dafür sind Trick­sereien bei der Auszahlung der Zinsen, die für Sparer nach­teilig sein können. Die Geld­anlage-Spezialisten der Stiftung Warentest erklären, worauf Sparer achten sollten.

Wiener Privatbank und KT Bank zahlen erst zum Laufzeit­ende

So fehlen die mehr­jährigen Fest­gelder der österrei­chischen Wiener Privatbank, die man über die Portale Check24 und Zinspilot abschließen kann sowie die über Welt­sparen ­angebotenen Fest­gelder der KT Bank aus Frank­furt am Main. Sie schreiben die Zinsen nicht jähr­lich gut, sondern sammeln sie bis zum Laufzeit­ende an und zahlen sie auf einen Schlag aus.

Unser Rat

Zinseszins. AchtenSie bei mehr­jährigem Fest­geld darauf, dass der Zins entweder jähr­lich ausgezahlt oder dem Konto gutgeschrieben und im nächsten Jahr mitverzinst wird. Sonst sinkt Ihre Rendite.

Steuer. Wird der gesamte Zins eines mehr­jährigen Fest­geldes erst zum Ende steuer­pflichtig, reicht der Sparerpausch­betrag oft nicht aus.

Unnötige Steuern vermeiden

Die aufgelaufenen Zinsen sind dann steuer­pflichtig und können leicht den jähr­lichen Sparerpausch­betrag von 801 Euro für Singles und 1 602 Euro für Ehepaare über­steigen. Niemand zahlt gerne Steuern und schon gar nicht, wenn es nicht nötig ist.

Beispiel: Eine Sparerin hat einen Frei­betrag von 420 Euro im Jahr offen. Sie legt 40 000 Euro für fünf Jahre über das Zinsportal Welt­sparen bei der KT Bank an. Dafür bekommt sie einen Nominalzins von 1,05 Prozent.

Würde die KT Bank die Zinsen in Höhe von 420 Euro jähr­lich auszahlen, wären sie für die Sparerin steuerfrei. Ange­sammelt über die Lauf­zeit werden nach fünf Jahren 2 100 Euro auf einmal ausgezahlt. Davon werden dann für 1 680 Euro 25 Prozent Abgeltung­steuer plus 5,5 Prozent Solidaritäts­zuschlag und gegebenenfalls Kirchen­steuer fällig.

Bei diesen Fest­geldern müssen Sie aufpassen

Diese Angebote finden Sie nicht in unseren Zins­vergleichen oder im Produktfinder Festgeld. Grund: Die Zinsen werden gesammelt und erst am Laufzeit­ende ausgezahlt. Dann sind sie steuer­pflichtig.

Anbieter

Land

Bei Anlage über dieses Zinsportal

Betroffene Lauf­zeiten (Jahre)

Anbieter

Land

Bei Anlage über dieses Zinsportal

Betroffene Lauf­zeiten (Jahre)

Austrian Anadi Bank1

A

Check24/Zinspilot

2, 3

Banque BCP S.A.S1

F

Welt­sparen

2

Banque Wormser1

F

Welt­sparen

2, 3

KT Bank1

D

Welt­sparen

2–5

My Partner Bank1

F

Welt­sparen

2–5

Oyak Anker Bank

D

2–102

Unicredit/Hypo­ver­eins­bank1

D

Welt­sparen3

2

Wiener Privatbank1

A

Check24/Zinspilot

2–4

    Land: D = Deutsch­land. F = Frank­reich. A = Österreich.

    – = Entfällt.

    Stand: August 2020

    • 1 Die Zinsen werden am Ende der Lauf­zeit ohne Zinseszins berechnet, sodass die Rendite pro Jahr nied­riger ausfällt als der angegebene Nominalzins.
    • 2 Gemeint ist das Produkt Fest­geld. Es gibt auch ein Fest­geld Plus mit vierteljähr­licher Zins­auszahlung und jähr­licher Besteuerung.
    • 3 Die Hypo­ver­eins­bank selbst bietet mehr­jährige Fest­gelder mit jähr­licher Zins­ausschüttung und Besteuerung an, allerdings zu schlechteren Konditionen.

    Ohne Zinseszins weniger Rendite

    Endfäl­lige Zins­zahlung ist das eine – Tricksen bei der Zins­gutschrift das andere. Die einzige Bank in der Tabelle mit korrekter Zinseszins­berechnung ist die Oyak Anker Bank. Alle anderen schütten weder Zinsen für mehr­jähriges Fest­geld jähr­lich aus, noch schreiben sie die Zinsen Jahr für Jahr dem Fest­geld­konto des Sparers gut und verzinsen die Erträge mit. Vielmehr zahlen sie den ausgewiesenen ­Nominalzins ohne Zinseszins erst zum Ende der Lauf­zeit aus. Das schmälert die jähr­liche Rendite der Sparer – sie ist geringer, als der angegebene Zins. Von diesen Banken, die alle über Zinsportale angeboten werden, nehmen wir deshalb mehr­jährige Angebote nicht in unseren Festgeldvergleich auf.

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