Die Europäische Zentral­bank (EZB) hat den Leitzins auf ein neues historisches Tief gesenkt. Der erst Ende Juni auf 0,15 Prozent gesetzte Zins steht nun bei 0,05 Prozent. test.de erklärt, was das für Sparer bedeutet – und welche Anlageformen sich jetzt noch anbieten.

Einstimmige Entscheidung des EZB-Rates

Die Entscheidung im EZB-Rat fiel einstimmig. Der Rat der EZB hat am Donners­tag beschlossen, den Leitzins im Euro-Raum auf das Rekord­tief von 0,05 Prozent zu senken, nachdem der Zins Ende Juni 2014 bereits auf 0,15 Prozent gesenkt worden war. Dabei hatte EZB-Präsident Mario Draghi Ende Juni erklärt: „Wir haben heute die untere Grenze erreicht.“ Der Leitzins ist der Zins­satz, zu dem sich Geschäfts­banken bei der Zentral­bank mit Geld versorgen können.

Auch Strafzins für Banken steigt

Auch der Strafzins, den Banken neuerdings zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken anstatt der Wirt­schaft Kredite zu geben, wurde vom Rat von minus 0,1 Prozent auf minus 0,2 Prozent ange­hoben. Der Strafzins betrifft nur Banken, die bei der EZB Geld parken, anstatt es an Unternehmen und Verbraucher zu verleihen. Sparer indes müssen keine Angst vor negativen Zinsen haben.

Auswirkungen für Privat­anleger

  • Tages- und Fest­geld. Die Zinsen für Tages- und Fest­geld werden nach der Leitzins­senkung vermutlich erneut sinken. Wer sich das heutige Zins­niveau noch sichern will, sollte deshalb mit einer Fest­zins­anlage nicht lange warten. Die besten Angebote zeigt der heute aktualisierte Produktfinder Festgeld und Sparbriefe auf test.de.
  • Rentenfonds. Über Gewinne dürfen sich Anleger mit Rentenfonds freuen. Fonds, die in Staats­anleihen aus Euro­land investieren, haben in den vergangenen zwölf Monaten ein Plus von mehr als 9 Prozent erzielt (Stand 31. Juli 2014). Grund für die Zuwächse: In den Fonds liegen noch ältere Papiere mit höheren Zinsen. Deren Kurse steigen, wenn die Zinsen am Markt fallen. Sollten die Markt­zinsen irgend­wann wieder steigen, dreht sich das Blatt. Ausführ­liche Infos und Finanztestbe­wertungen zu rund 17 000 Fonds und ETF bietet der Produktfinder Fonds auf test.de.
  • Immobilien. Für Immobilienkäufer ist der nied­rige Leitzins eine weitere Chance, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Selbst­nutzer stecken ihr Geld in etwas Solides, sparen ab sofort jeden Monat Miete und profitieren von den extrem nied­rigen Zinsen für Immobilien­kredite. Und wer die Immobilie als Geld­anlage nutzen will, hat die Chance, seine Eigen­kapitalrendite durch eine güns­tige Finanzierung zu erhöhen. Hypothekendarlehen waren noch nie so günstig wie heute – und werden nach der Leitzins­senkung vielleicht noch güns­tiger. Die Zins­unterschiede zwischen den Kredit­angeboten sind allerdings enorm. Wenn Sie vergleichen wollen: Die Analyse von 72 regionalen und über­regionalen Angeboten von Hypothekendarlehen finden Sie im Vergleich Hypothekenzinsen auf test.de.

Alles rausholen mit einem Pantoffel­portfolio

Der beste Tipp für Anleger in der aktuellen Situation lautet: Mischen, mischen, mischen. Mit Fest­zins­anlagen bei Banken können viele Anleger ihre Sparziele, etwa für die Alters­vorsorge, oft kaum noch erreichen. Der Zinseszins­effekt ist so gut wie weg. Anleger, die mehr Rendite erzielen wollen, müssen zusätzliche Risiken eingehen. Eine Geld­anlage mit über­schaubarem Risiko bieten breit gestreute Aktienfonds, zum Beispiel Indexfonds auf den Welt­aktien­index MSCI World. Schon ein kleiner Teil Aktienfonds im Depot genügt, um die Chance auf eine höhere Gesamt­rendite zu verbessern. Die Empfehlung von Finanztest: Bauen Sie sich ein Pantoffel-Portfolio! Es ist bequem und bietet einen sinn­vollen Mix aus rent­ablen und sicheren Anlagen. Der Rendite­baustein besteht aus breit aufgestellten Aktienfonds, den Sicher­heits­baustein bestü­cken Anleger mit Rentenfonds, die in Staats­anleihen aus Euro­land investieren. Alle Details zum Pantoffel­portfolio lesen Sie im Test Anlegen im Zinstief.

Dieser Artikel ist hilfreich. 61 Nutzer finden das hilfreich.