Zinsen Meldung

Nach zweieinhalb Jahren taucht bei vielen Tages- und Festgeldangeboten erstmals wieder eine Drei vor dem Komma auf. Die Kurzfristanlagen sind derzeit eine gute Wahl.

Lange war sie untergetaucht. Aber nach drei Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) in nur sechs Monaten haben gute Tages- und Festgeldangebote wieder die Drei vorne. Die jüngste Zinserhöhung der EZB war am 8. Juni. Hier schraubte sie den Leitzins auf 2,75 Prozent. Das sind stattliche 0,75 Prozentpunkte mehr als vor sechs Monaten.

Einige Banken, die in den Top 20 unseres monatlichen Zinstests auftauchen, haben zügig auf den dritten Zinsschritt der EZB reagiert. Fünf haben seitdem ihre Zinsen erhöht. Schon vor der von Analysten erwarteten Erhöhung am 8. Juni kletterten bei der Denizbank die Zinsen auf 3 Prozent pro Jahr. Jetzt bieten auch die DHB und die Ziraat Bank so viel. Die 1822direkt zahlt diesen Zinssatz zwar auch. Sie bietet ihn aber nur für Neukunden. Bestandskunden bekommen weniger Zinsen.

Flexibel mit kurzer Laufzeit

Die Experten und Analysten sind sich weitgehend einig, dass Zinssenkungen in nächster Zeit unwahrscheinlich sind. Allenfalls werden die Zinsen weiter steigen. Hierfür sorgen die hohen Ölpreise, die weiter steigende Inflationsgefahr, das robuste Wirtschaftswachstum und die wachsende Geldmenge im Euro-Raum. Mit kurzfristig oder täglich verfügbaren Geldanlagen sind Anleger deshalb derzeit am besten bedient. Sie bleiben flexibel, falls die Zinsen noch etwas steigen und können die dann besseren Zinsangebote nutzen.

Länger als ein Jahre sollten Sparer ihr Geld im Moment keinesfalls festlegen. Der Spitzenreiter für eine zwölfmonatige Laufzeit ohne vorzeitige Kündigungsmöglichkeit ist die Finansbank. Sie bietet aktuell stolze 3,80 Prozent pro Jahr.

Sparer, die meinen, der nächste Zinsschritt der EZB stehe schon im August vor der Tür, setzen am besten auf Tagesgeld. Die Banken dürfen ihre Zinsen dafür täglich ändern und könnten sich schnell dem Marktzins anpassen.

Bei Festgeld sichern sich Anleger den Zinssatz je nach Angebot zwischen einem und zwölf Monaten. Höhere Zinsen als auf ­Tagesgeldkonten erhalten sie aber selten.

Neueinsteiger Akbank N. V.

Bei der Auswahl eines Tagesgeldkontos sollten die Anleger nicht nur auf den aktuellen Zins achten, sondern auch darauf, ob eine Bank in der Vergangenheit kontinuierlich hohe Zinsen geboten hat. Das gilt unter anderem für die DHB Bank, die ­Denizbank, die Garantibank und die ­Ziraat Bank. Ihre Angebote waren in den vergangenen Monaten immer unter den Spitzenreitern.

Stabile Zinsen sagen etwas über die Geschäftspolitik einer Bank aus. Denn einige Banken machen gute Zinsangebote, um am Markt bekannt zu werden und neue Kunden zu gewinnen. Nach kurzer Zeit senken sie die Zinsen dann wieder.

Der Neueinsteiger, die Akbank N. V. aus Holland, gehört mit 3,0 Prozent für Tagesgeld zu den Spitzenreitern und will seine hohen Zinsen mindestens drei Monate halten. Die Bank ist im niederländischen Einlagensicherungsfonds. Er schützt pro Anleger Einlagen bis zu 20 000 Euro.

ING-Diba erhöht auf 2,65 Prozent

Die ING-Diba, die die meisten Tagesgeldkonten in Deutschland verwaltet, taucht nicht in der Top-Tagesgeldtabelle unten auf. Sie liegt mit derzeit 2,5 Prozent pro Jahr im Mittelfeld unseres Zinsdauertests.

Ab 1. September will sie ihre Zinsen auf 2,65 Prozent erhöhen. Sie zahlt dann aber immer weniger als den EZB-Referenzzins.

Mit dieser Geschäftspolitik steht sie nicht alleine da. Selbst die besten Anbieter von Tagesgeld zahlen zurzeit kaum mehr als den EZB-Zinssatz. Nach drei Zinserhöhungen bieten nur vier Banken für alle ihre Tagesgeldkunden Zinsen über der 2,75-Prozent-Marke. Alle anderen haben ihren Zins entweder beim EZB-Zinssatz 2,75 Prozent eingefroren oder liegen sogar darunter (siehe Tabelle „Top-Tagesgeld“).

Vor der Zinswende, als der Referenzzins rund 30 Monate lang bei 2 Prozent verharrte, war das anders. In dieser Zeit lagen die meisten Banken aus unserem Test für Tagesgeld deutlich über dem Leitzins.

Alternative: Euro-Geldmarktfonds

Legen die Tagesgeldanbieter nicht bald ein paar Zehntel drauf, könnte eine andere Produktgruppe stärker ins Interesse der Anleger rücken: die Euro-Geldmarktfonds. Auch bei ihnen ist das Geld täglich verfügbar.

Als Faustregel für ihre Rendite gilt: Ein guter Fonds erwirtschaftet in etwa das allgemeine kurzfristige Zinsniveau, abzüglich seiner Kosten. Je geringer also die interne Verwaltungsgebühr, mit der hauptsächlich das Fondsmanagement bezahlt wird, desto höher ist die Renditechance.

Fonds mit einer Verwaltungsgebühr von mehr als 0,5 Prozent oder einem Ausgabeaufschlag sollten Anleger meiden. Sie müssen außerdem darauf achten, dass keine zusätzlichen Depotkosten entstehen.

Geldmarktfonds investieren in Anleihen mit kurzen Restlaufzeiten bis zu einem Jahr oder in Anleihen mit einer variablen Verzinsung (Floater). Dadurch sind Verluste nahezu ausgeschlossen. Über die Einlagensicherung müssen sich Anleger keine Gedanken machen. Investmentfonds sind als Sondervermögen vor einer Insolvenz geschützt.

Euro-Geldmarktfonds sind eine bequeme Lösung für Anleger, die bereits ein ­Depot haben. Wenn die Zinsen steigen, profitieren sie auf jeden Fall zeitnah davon und sind nicht von der Geschäftspolitik ­einer Bank abhängig.

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