Zinsdauertest Meldung

Finanztest erhält viele Leseranfragen zu den Spitzenangeboten aus dem monatlichen Zinsdauertest. Die Finanztest-Leser fragen sich: Bedeuten die vergleichsweise hohen Zinsen einiger Banken auch höhere Risiken? test.de gibt Antworten.

4 Prozent für drei Jahre

Zurzeit erleben Zinssparer eine besondere Situation. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins auf 1,0 Prozent gesenkt, doch die Zinsangebote, die Anleger derzeit am Markt bekommen, sind gleich geblieben oder sogar gestiegen. Der Spitzenreiter für Tagesgeld, die NIBC direct, zahlt derzeit auf Jahresbasis umgerechnet 2,85 Prozent Zinsen. Für eine Laufzeit von drei Jahren gibt es bei IKB direkt, VTB Direktbank, der Credit Europe und der Bank of Scotland 4 Prozent Zinsen pro Jahr (Stand 2.1.2012).

Kleinsparer dank Finanzkrise wieder beliebt

Wie kann das sein? Die Finanzkrise hat dafür gesorgt, dass die Banken große Schwierigkeiten haben, sich Geld zu beschaffen. Untereinander misstrauen sie sich und leihen sich nur ungern Geld. Um sich bei der Zentralbank Geld zu leihen, brauchen sie Wertpapiere, die von der EZB als „refinanzierungsfähige Sicherheiten“ anerkannt werden. Nicht jede Bank hat genügend solcher Wertpapiere. Gerade diese Banken sind besonders auf frisches Geld der Kleinsparer angewiesen. Sie sind daher eher bereit, hohe Zinsen zu zahlen.

Sparer im Pleitefall gut geschützt

Ist eine Geldanlage bei ihnen deswegen riskanter als bei Instituten, die geringere Zinsen zahlen? Die Art der Refinanzierung sagt nichts darüber aus, ob sich eine Bank in einer finanziellen Schieflage befindet. Die Refinanzierung über den Kleinsparer ist grundsätzlich ein seriöser Weg. Die Finanzkrise sorgt jedoch dafür, dass mehr Banken als früher um die Spareinlagen der Kleinsparer konkurrieren und sie deswegen vergleichsweise hohe Zinsen zahlen müssen. Wie risikoreich dieser Weg für jede einzelne Bank ist, kann die Stiftung Warentest nicht beurteilen. Dies ist Aufgabe der Bankenaufsicht. Die Stiftung Warentest untersucht die Fallstricke und die Sicherheit der Angebote. Für eine Aufnahme in den Zinstests von Finanztest ist daher entscheidend, ob hinter der Bank im Fall einer Pleite ein funktionierendes Einlagensicherungssystem steht. Dies ist bei der Bank of Scotland, der IKB direkt, der VTB Direktbank, der Credit Europe und auch bei allen anderen Banken im Test der Fall. Bei ihnen sind im Insolvenzfall mindestens 100 000 Euro pro Anleger durch die gesetzliche Einlagensicherung eines EU-Mitgliedsstaats geschützt. Dies gilt für Einlagen auf Tagesgeldkonten, für Festgelder und Sparbriefe. Bei Banken wie der IKB, die auch dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) angehören, sind Gelder in Millionenhöhe geschützt. Bei der Bank of Scotland sind es derzeit bis 250 000 Euro pro Sparer.

Finanztest warnte vor Kaupthing Bank

Es hat sich bewährt, für die Aufnahme in den monatlichen Zinstest neben weiteren Punkten darauf zu achten, ob die Einlagen der Anleger im Fall einer Pleite wirklich sicher sind. In der Vergangenheit hat Finanztest einige Anbieter, die später insolvent wurden, nicht in der Zinsübersicht gelistet. Dies waren zum Beispiel die Kaupthing Edge Bank oder das Wertpapierhandelshaus Driver&Bengsch. Von der Kaupthing Edge Bank hatte Finanztest bereits im Mai 2008 abgeraten. Nach der damaligen Einschätzung von Finanztest ist die isländische Volkswirtschaft mit ihren 300 000 Menschen viel zu klein, um die Verpflichtungen der Bank aus der Einlagensicherung zu erfüllen (siehe Meldung Spitzenzins mit Vorbehalt). Aktuell kommt die Big Bank nicht im Zinstest vor, weil Finanztest der estländischen Einlagensicherung ebenfalls nicht zutraut, eine mögliche Bankpleite dieser Größenordnung zu schultern (siehe Meldung Strenge Regeln für Banken). Neben einer funktionierenden Einlagensicherung gibt es weitere strenge Prüfkriterien, die ein Angebot erfüllen muss, um in den Zinstest aufgenommen zu werden. Dazu gehört etwa, dass ein Angebot keine Kosten verursachen darf oder an Bedingungen geknüpft ist, wie etwa das Eröffnen eines kostenpflichtigen Depots.

... zum monatlichen Zinstest: Produktfinder Zinsen

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