Zinsanlagen und Abgeltungsteuer Test

Nicht nur die Reichen können an der Abgeltungsteuer verdienen. Millionen Zinssparer haben ab 2009 weniger Steuerabzüge. Wer auf die richtige Zinsanlage aus unserem Test setzt, schafft sich zusätzliche Vorteile.

Mit sicheren Festzinsanlagen können Anleger nicht viel falsch machen. Normalerweise. Aber was ist schon normal rund ein Jahr vor Einführung der Abgeltungsteuer?

Bisher spielte es keine große Rolle, wann genau die Zinsen aufs Konto wanderten. Steuerlich machten ein paar Wochen früher oder später keinen Unterschied. Das ist beim Übergang vom alten aufs neue Besteuerungsverfahren ganz anders.

Fließen die Zinsen vor dem 1. Januar 2009, muss sie der Anleger mit seinem persönlichen Grenzsteuersatz (siehe „Grenzsteuersatz“) versteuern. Nach dem Stichtag fallen die Zinsen wie alle anderen Kapitaleinnahmen unter die Abgeltungsteuer und werden pauschal mit 25 Prozent belastet. Dazu kommen wie bisher noch Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Die Abgeltungsteuer ist geringer als der Grenzsteuersatz vieler Anleger. Deshalb sollten sie Zinseinnahmen ins Jahr 2009 verschieben. Für einen Spitzenverdiener mit Grenzsteuersatz von 42 Prozent heißt das: Er kassiert rund 17 Prozent mehr aus seinen Zinseinkünften. Liegen diese zum Beispiel wie bisher um 10 000 Euro über seinem persönlichen Steuerfreibetrag (801 Euro pro Jahr für Alleinstehende / 1 602 Euro für Ehepaare), darf er nach Einführung der Abgeltungsteuer rund 1 700 Euro mehr behalten als im Jahr zuvor. Der Solidaritätszuschlag bleibt bei dieser Rechnung unberücksichtigt.

Von der Steueränderung bei Zinseinnahmen profitieren nicht nur die wenigen Anleger mit Spitzeneinkommen. Zieht man die letzte Erhebung des Statistischen Bundesamts zur Lohn- und Einkommensteuer heran, dann haben etwa zwei von drei Steuerzahlern einen Grenzsteuersatz von über 25 Prozent. Sie können bei Zinseinnahmen ebenfalls Nutznießer der Abgeltungsteuer sein.

Erst kalkulieren, dann anlegen

Zinsanlagen und Abgeltungsteuer Test

Bei einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent werden Zinsanlagen für Spitzenverdiener wie eine Chefärztin sehr viel attraktiver. Liegen ihre Zinseinnahmen 10 000 Euro über dem Freibetrag, spart sie – ohne Berücksichtigung des Solidaritätszuschlags – ab 2009 rund 1 700 Euro Steuern.

Für Anleger, die jetzt größere Summen festverzinslich investieren wollen, gilt daher: erst in Ruhe durchrechnen, dann anlegen.

Die Zinsverschiebung lohnt allerdings nur, wenn das Bankangebot etwas taugt. Unsinnig wäre es, eine mäßige Rendite in Kauf zu nehmen, nur um die Besteuerung ins Jahr 2009 zu verlagern. Liegt die Rendite des steuergünstigen Angebots um maximal 0,5 Prozent unter der eines Angebots ohne Steuervorteil, kann sich die Sache für Spitzenverdiener lohnen – wenn der Unterschied größer ist, kaum noch.

Am besten ist es sowieso, zunächst auf die Rendite zu schauen und dann erst aufs Steuernsparen. Die anschließende Frage lautet: Lohnt sich die Zinsverschiebung? Mit einem Grenzsteuersatz von 30 Prozent oder darüber können sich Anleger die Rechnerei sparen, denn sie profitieren dann mehr oder weniger deutlich von der Verlagerung ins Jahr 2009. Das gilt zumindest für alle, die ihren Sparerfreibetrag bereits ausschöpfen.

Anleger, die nur knapp über 25 Prozent versteuern müssen, haben dagegen nur geringen Nutzen von einer Zinsverschiebung. Ob sich der Steuerkniff für sie dennoch auszahlt, hängt vom Anlagebetrag ab. Bei Beträgen bis 10 000 Euro lohnt sich die Mühe kaum, denn mehr als ein Mittagessen in der Stammpizzeria springt dann nicht heraus.

Für Anleger mit sehr geringen Einkünften ändert sich bei Zinseinnahmen durch die Abgeltungsteuer nichts. Sie können sich wie bisher von Steuerabzügen befreien lassen (siehe „Fünf Fragen ...“) und sich sofort der Suche nach dem Angebot mit der höchsten Rendite widmen.

Steuern sparen plus hohe Rendite

Zinsanlagen und Abgeltungsteuer Test

Gutverdiener: Für einen Facharbeiter mit 32 Prozent Grenzsteuersatz lohnt es sich, Zinseinnahmen ins Jahr 2009 zu verschieben, wenn er seinen Freibetrag bereits ausgeschöpft hat. Für darüberliegende Zinseinnahmen in Höhe von 3 000 Euro zahlt er dann ungefähr 210 Euro weniger Steuern, als 2008 fällig wären.

Wir haben die wichtigsten Festzinsanlagen untersucht und die attraktivsten Angebote herausgefiltert. Zusätzlich haben wir geprüft, welche Produkte für die Verschiebung des Ausschüttungstermins infrage kommen. In den Tabellen stellen wir sie nach Gruppen sortiert vor.

Die naheliegendste Möglichkeit bieten Fest- oder Termingelder mit Laufzeiten zwischen einem und zwei Jahren und Zinszahlung am Laufzeitende. Bei den Spitzenangeboten kombinieren Anleger die Vorzüge der neuen Besteuerung mit einer ohnehin schon attraktiven Rendite. Verlockender kann Steuernsparen kaum sein.

Allerdings gibt es ein Problem: Nur 8 von 60 Banken im Test halten ein passendes Termingeld für ihre Kunden bereit. Und nur wenige dieser Angebote sind gut.

So bietet Cosmos Direkt für eine Laufzeit von 15 Monaten einen Zins von 4,5 Prozent. Die Volkswagen Bank direct liegt mit 4,4 Prozent (bei Beträgen über 25 000 Euro 4,45 Prozent) kaum schlechter, wobei der Anleger die Laufzeit taggenau zwischen 12 und 18 Monaten wählen kann.

Anleger nehmen dabei allerdings in Kauf, dass sie selbst im Notfall nicht vorzeitig über ihr Geld verfügen können.

Kurzes Warten macht sich bezahlt

Zinsanlagen und Abgeltungsteuer Test

Geringe Einkünfte: Wer keine hohe Rente oder Pension bezieht, muss sich nicht umstellen. Die Nichtveranlagungs-
bescheinigung sichert dauerhaft Steuerfreiheit für die Zinseinnahmen.

Noch etwas höhere Renditen gibt es nur für Anlagen, die genau auf ein Jahr befristet und nicht vorzeitig verfügbar sind. Die ausländischen Institute Amsterdam Trade Bank (4,85 Prozent), Vakifbank (4,8 Prozent) sowie Akbank und Credit Europe (jeweils 4,75 Prozent) haben zurzeit die besten Angebote (siehe Tabelle). Allerdings sind bei diesen Banken die Einlagen nur bis zu einem Höchstbetrag von 20 000 Euro pro Person hundertprozentig durch einen Sicherungsfonds geschützt.

Normalerweise denkt wohl niemand bei Zwölf-Monats-Anlagen ans Steuernsparen. Doch um die Jahreswende 2008 bekommen sie eine ganz neue Qualität. Zahlt der Anleger sein Geld erst nach dem 31. Dezember 2007 ein, hat er automatisch ein steueroptimiertes Produkt, wenn die Zinsausschüttung erst im Abgeltungsteuerjahr 2009 liegt.

Aber Vorsicht: Nicht alle Banken schütten die Zinsen erst nach Ablauf eines Jahres aus. Bei einigen (siehe Fußnoten in der Tabelle) fließen die Zinsen am Jahresende 2008 und fallen somit noch nicht unter die Abgeltungsteuer.

Wer größere Summen für ein Jahr investieren möchte, parkt sie sinnvollerweise einige Wochen auf einem gutverzinsten Tagesgeldkonto und kauft das einjährige Festgeld erst im Januar 2008. Anleger, die das zu umständlich finden, können sich notfalls sogar für zwei bis drei Wochen Zinsen entgehen lassen und das Geld auf dem Girokonto parken.

Besser als der Bundesschatzbrief

Für Anleger, die bei möglichst guter Rendite voll flexibel bleiben wollen, kommt seit jeher der Bundesschatzbrief infrage. Anleger können nach dem ersten Laufjahr kostenlos wieder aussteigen und pro Monat bis zu 5 000 Euro flüssig machen. Der Schatzbrief Typ B bietet außerdem schon eine Zinsverschiebung.

Die Zinsen werden hier nicht jährlich steuerwirksam, sondern angesammelt und weiterverzinst. Nach sieben Jahren bucht der Bund dann neben dem angelegten Betrag die gesammelten Zinsen und Zinseszinsen aufs Konto. Das Gleiche geschieht, wenn der Anleger vorzeitig verkauft. Der Schatzbrief Typ B eignet sich somit gut zur Zinsverlagerung nach 2009 oder später.

Allerdings ist die Rendite des krisenfesten Papiers zurzeit nicht übermäßig attraktiv. Es gibt Phasen, in denen sich der Bund sehr spendabel zeigt und weit überdurchschnittliche Renditen gewährt. Zu anderen Zeiten sind die Schätzchen alles andere als glanzvoll. Im Moment liegen sie mit laufzeitabhängigen Renditen von gut 3,5 bis knapp 4 Prozent irgendwo dazwischen.

Die automatische Steuerverschiebung ist ein starkes Argument für den Schatzbrief Typ B, denn vergleichbare Produktvarianten suchten wir bei den Banken im Test vergeblich. Dafür gibt es einige Angebote mit deutlich höherer Verzinsung. Sie bieten Anlegern hinreichend Entschädigung für den entgangenen Steuervorteil.

Das gilt vor allem für die Zinsprodukte der Hanseatic Bank und der NF-Bank, die je nach Laufzeit zwischen 4,25 und 4,42 Prozent abwerfen. Da sie die Zinsen jeweils am Ende des Kalenderjahres gutschreiben, muss der Anleger die Zinsen von 2008 mit seinem persönlichen Grenzsteuersatz versteuern. Der Zinsvorteil im ersten Jahr ist jedoch so groß, dass nach Steuern mehr übrigbleibt als beim Schatzbrief Typ B.

Auch einige PSD- und Sparda-Banken haben interessante Alternativen zum Bundesschatzbrief, bedienen dabei aber nur die Kundschaft vor Ort.

Das gilt auch für ein originelles Sparprodukt der Sparkasse Hannover, das auf die Abgeltungsteuer zugeschnitten ist und bis zum Jahresende 2007 angeboten wird. Das zweijährige „StepUp-Sparen“ startet mit 1 Prozent im ersten Jahr und klettert auf 7,5 Prozent im zweiten Jahr. Bei einem Anlagebetrag von 10 000 Euro entfallen nur 100 Euro Zinsen auf 2008, während 2009 immerhin 750 Euro aufs Konto fließen. Die Rendite bleibt zwar mit 4,18 Prozent pro Jahr etwas hinter den besten Angeboten zurück, aber gerade für Anleger mit Spitzensteuersatz ist es interessant.

Welches der guten Festzinsangebote sie auswählen, ist nicht der wichtigste Punkt. In Kombination mit der Zinsverschiebung ist es allemal eine kluge Entscheidung.

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