Zins­anlagen Special

Trügerisch. Die Zinsen, mit denen Banken werben, sehen oft nur auf den ersten Blick verlockend aus.

Banken auf Kunden­fang locken mit hohen Erträgen, knüpfen Zinsen aber an Bedingungen und bauen Haken in die Verträge ein. Diese Tricks sollten Sie kennen.

Wenn ein Angebot allzu verlockend klingt, hat es oft einen Haken. Das gilt auch für Tages­geld, Fest­geld und Bank­sparpläne. Das sind einfache Anlageformen mit sicheren Zinsen und ohne Risiko. Sie sind auch für Sparer mit wenig Finanz­wissen geeignet. Selbst­erklärend sind die Produkte aber nicht mehr. Banken werfen die unterschiedlichsten Köder aus, um ihre Produkte an den Mann und die Frau zu bringen – nicht zuletzt, weil sich üppige Erträge derzeit kaum noch erzielen und werbe­wirk­sam ausschlachten lassen.

Nach der jüngsten Leitzins­senkung der Europäischen Zentral­bank auf 0,05 Prozent pendeln die Zinsen für Spar­anlagen, vor allem bei Sparkassen und Volks­banken, um die Null­linie. Andere Institute bieten – je nach Produkt – oft noch deutlich mehr. Vor einem Wechsel des Geld­hauses sollten Interes­senten aber akribisch das Klein­gedruckte in den Vertrags­bedingungen studieren. Nicht jedes Angebot hält, was es verspricht; vielfach liegen die realen Renditen der Lock­angebote deutlich unter den beworbenen Zins­sätzen.

Neukunden bevor­zugt

Zins­anlagen Special

Aufgepasst. Hohe Prozent­zahlen verlocken Zins­jäger zum Zuschnappen. Nicht immer ist das eine gute Idee.

Köder eins: Werbung mit einem attraktiven Zins­satz, der nur für kurze Zeit aktuell ist. Auf Vergleichs­portalen für Tages­geld landen die betreffenden Banken damit ganz oben. Wüstenrot direct etwa wirbt im Oktober 2014 mit 1,3 Prozent aufs Tages­geld und belegt damit in den Tabellen einen Spitzen­platz. Allerdings gilt der Zins­satz nur für Neukunden, nur bis 10 000 Euro und nur für drei Monate. Danach stürzt er auf 0,4 Prozent ab. Parkt der Sparer sein Geld für ein Jahr auf diesem Konto, erzielt er statt einer Rendite von 1,3 Prozent nicht einmal die Hälfte davon. Noch schlechter sieht es bei Anlagesummen von mehr als 10 000 Euro aus: Den über­schießenden Betrag verzinst die Bank von Anfang an nur mit 0,4 Prozent.

Ähnliche Köder nutzen auch Anbieter wie die Volks­wagen Bank, ING-Diba oder 1822direkt. Wer sein Geld nicht recht­zeitig wieder abhebt und seinen Neukunden­status verliert, muss sich auch hier recht schnell mit einem Zins unter­halb der Inflations­rate bescheiden. Laut Statistischem Bundes­amt liegt sie derzeit bei 0,8 Prozent. Bleiben die Zinsen hinter diesem Wert zurück, verliert das angelegte Geld an Wert, statt sich zu vermehren. Immerhin: Für den angegebenen Zeitraum ist der Zins garan­tiert, eine nach­trägliche Senkung also ausgeschlossen.

Tipp: Neukunden­angebote lohnen sich nur für Verbraucher, die bereit sind, ihr Geld von Bank zu Bank zu tragen, um konsequent die attraktivsten Angebote zu nutzen. Treue Kunden hingegen erhalten deutlich schlechtere Renditen.

Zinsen nur bei Gegen­leistung

Köder zwei: Koppe­langebote. Toll klingt zum Beispiel die Offerte von Cortal Consors: 3 Prozent aufs Tages­geld – ein Knüller in Zeiten, da die Konkurrenz kaum die 1-Prozent-Marke über­schreitet. Dafür will die Bank aber mehr als nur das Ersparte: Für die Top-Rendite müssen Kunden mit ihrem Wert­papierdepot zu Cortal Consors umziehen, Papiere im Wert von mindestens 6 000 Euro mitbringen (die Neueröff­nung eines Depots genügt nicht) und ihr Anlagen­konto bei der alten Bank kündigen. Die 3 Prozent gelten dann ein Jahr lang für maximal 20 000 Euro.

Ähnlich agiert die DAB Bank. Die Geldhäuser wollen Kunden durch diese Koppe­langebote lang­fristig binden und am Handel mit Wert­papieren verdienen.

Warten auf den Superzins

Köder drei: das Spiel auf Zeit. Die Regeln: Je länger der Kunde sein Geld auf dem Konto lässt, desto höher steigen die Zinsen. Das klingt eingängig. Was für Kunden heraus­springt, ist oft aber schwer zu ermitteln.

„Jetzt bis zu 1,00 % p. a.“ heißt es zum Beispiel auf der Website der PSD Bank Berlin-Brandenburg für das „PSD Wachs­tums­Sparen­Sprint“. Den beworbenen Zins­satz bekommen Kunden aber nur, wenn sie ihr Geld drei Jahre lang anlegen – und dann auch nur im letzten Halb­jahr. Zu Beginn der Lauf­zeit gibt es mick­rige 0,3 Prozent. Für die Gesamt­lauf­zeit kommen Sparer auf die schmale Rendite von 0,58 Prozent. Die PSD Bank nennt diesen Wert nicht von sich aus, Kunden müssen ihn sich auch noch selbst errechnen.

Die Commerz­bank stellt für den Extra-Spar­brief „abhängig von der Lauf­zeit bis zu 1,80 %“ in Aussicht. Das heißt aber nicht, dass Kunden diesen Zins­satz über die gesamte Lauf­zeit tatsäch­lich erhalten. Der Höchst­satz gilt nur für das sechste Anlage­jahr. Bei fester sechs­jähriger Lauf­zeit erzielen Sparer auf diese Weise nur eine Gesamt­rendite von 0,8 Prozent. Diesen Wert bezeichnet die Bank selbst als „Ø-Zins“. Für Kunden wäre es viel einfacher, das Angebot mit anderen zu vergleichen, wenn die Bank einen konstanten Zins über die Lauf­zeit zahlen und auch damit werben würde. Bei fester Lauf­zeit ist das üblich.

Hohe Boni nur auf letzte Sparraten

Köder vier: hohe Bonuszinsen bei langer Spardauer anbieten. Zusätzlich zur Grund­verzinsung bieten Banken bei lang­fristigen Sparplänen vielfach noch sogenannte Bonuszinsen. Für Sparer, die fürs Alter vorsorgen wollen, klingt das oft attraktiv. Wer allzu üppige Renditen erwartet, wird jedoch meist enttäuscht. Die Boni werden nur auf die Sparraten des jeweils zurück­liegenden Jahres gewährt und nicht auf die angesparte Gesamt­summe Sicher durchs Zinstief. Zudem erreichen sie erst nach vielen Jahren eine ansehnliche Höhe. Der Basiszins hingegen ist aktuell meist sehr gering.

Beim Post­bank Sparplan etwa liegt die variable Grund­verzinsung derzeit bei kaum noch mess­baren 0,05 Prozent. Dazu kommen jähr­lich steigende Boni ab dem zweiten Spar­jahr. Sie liegen am Anfang bei 1 Prozent und bringen „im 25. Spar­jahr satte 100 %!“, wie die Post­bank betont.

Selbst wenn der Kunde so lange durch­hält: Der Grund­zins ist zu nied­rig und die Boni auf die Sparraten des jeweiligen Spar­jahres wachsen zu lang­sam, um zu einer attraktiven Gesamt­rendite zu führen. Bis der Zins eines guten Tages­geld­kontos erreicht wird, kann es lange dauern: Ein Sparer, der bei der Post­bank 50 Euro oder mehr pro Monat einzahlt, erhielte bei dem aktuellem Zins­satz trotz Bonus eine klägliche Rendite, die nach zehn Jahren bei 1,44 Prozent liegt.

Boni steuerlich problematisch

Hohe Boni, die am Ende einer langen Lauf­zeit ausgeschüttet werden, können – wie etwa im Beispiel der Post­bank – zudem Probleme bei der Steuer verursachen. Der Grund: Als Kapital­einnahmen sind stets jene Zinsen anzu­setzen, die während des jeweiligen Steuer­jahres angefallen sind. Werden jahre­lang nur Minizinsen gutgeschrieben, schöpfen Anleger ihren Sparerpausch­betrag nicht aus. Das sind 801 Euro für Allein­stehende und 1 602 Euro für Paare. Der große Betrag, der am Ende der Lauf­zeit anfällt, kann den Pausch­betrag durch­aus über­steigen. Die Folge: Auf die Erträge werden 25 Prozent Abgeltung­steuer plus Solidaritäts­zuschlag und gegebenenfalls Kirchen­steuer fällig.

Verfügbar nur bei Wach­samkeit

Köder fünf: die Abofalle. „Am Ende der Anla­gelauf­zeit brauchen Sie sich um nichts zu kümmern“, behauptet die SWK Bank bei ihrem Fest­geld­angebot. Eine gewagte These. Wer sein Geld nach der Anlage­zeit braucht, muss unbe­dingt aktiv werden. Sonst legt die SWK Bank den Betrag wieder an. Für die gleiche Lauf­zeit wie davor, aber zu den dann aktuellen Konditionen. Die können schlechter sein als zuvor. Trotzdem kommt der Kunde erst Jahre später als geplant an sein Kapital. Ähnlich agieren auch die Netbank oder die Credit Europe Bank.

Tipp: Häufig sprechen die Institute Kunden vor Ablauf der Frist zwar an, eine Garantie dafür gibt es aber nicht. Wer nach dem Ende der Lauf­zeit auf sein Erspartes zugreifen muss, sollte sein Geld nur bei Banken anlegen, die ohne auto­matische Vertrags­verlängerungen auskommen — oder direkt mit dem Antrag die Kündigung zum Laufzeit­ende aussprechen.

Ohne Zinseszins

Köder sechs: keine Zinsen auf Zinsen. Jahr für Jahr verlieren Kunden Geld, weil ihre Banken bei mehr­jährigen Anlagen keinen Zinseszins zahlen. So macht das zum Beispiel die Oyak Anker Bank: Bei ihrem Fest­geld sammelt sie die Zinsen unver­zinst an und zahlt sie erst am Ende der Lauf­zeit aus, statt die Erträge am Ende jedes Jahres dem Spar­kapital zuzu­schlagen und dann mitzuver­zinsen. Legen Kunden 20 000 Euro auf fünf Jahre zu 1,50 Prozent an, gehen ihnen dadurch 45,68 Euro verloren. Die tatsäch­liche Rendite beträgt nur 1,46 Prozent.

45 Euro in fünf Jahren klingt nicht besonders viel. Sollten die Zinsen wieder steigen, können schnell größere Beträge zusammen­kommen. Bei 4 Prozent Zins­satz etwa würde der Sparer mehr als 330 Euro verlieren. Wären die Banken verpflichtet, die Rendite zu nennen, könnten Sparer solche Fallen sofort erkennen. Noch aber erlaubt der Gesetz­geber diese Intrans­parenz.

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