Zins­anlagen Test

Zins­anlagen gehören zu den sichersten Produkten über­haupt. Vor Verlusten sind Anleger bestens geschützt, nicht jedoch vor bösen Über­raschungen. Finanztest entdeckte bei seiner Unter­suchung von Produkt­informations­blättern trügerische Zinsen, vertrackte Boni und fiese Kündigungs­bedingungen. Die Produkt­informations­blätter sollen eigentlich vor Reinfällen schützen. Doch sie erfüllen ihren Zweck nur selten.

Informations­blätter für 34 Zins­produkte im Test

Verzinste Einmal­anlagen und Sparpläne gehören zu den sichersten Produkten, die deutsche Anleger bekommen können. Sie können damit keinen Euro verlieren und haben – vom nied­rigen Zins­niveau abge­sehen – kein grund­sätzliches Problem damit. Oder etwa doch?

Finanztest hat sich für die Untersuchung von Produktinformationsblättern auch die Bedingungen von 21 Einmal­anlagen und 13 Sparplänen genauer angesehen, über die diese Blätter informieren sollen. Was wir in den Informations­blättern und in den Sonderbedingungen entdeckten, ist oft ärgerlich und manchmal sogar haar­sträubend.

Anleger sind also schlecht beraten, wenn sie sich bei sicheren Geld­anlagen blind darauf verlassen, dass einfache Produkte auch einfachen Regeln folgen. Eine Lektüre der Produkt­informations­blätter allein schützt sie nicht vor bösen Über­raschungen. Wir zeigen an typischen Beispielen, welche Fall­stricke bei Zins­anlagen lauern.

Deutsche Bank Fest­zins­sparen

Einen großen Hammer leistet sich die Deutsche Bank. Ihr Fest­zins­sparen gibt es für Lauf­zeiten zwischen sechs Monaten und acht Jahren. Der Anleger legt sich auf eine Zeitspanne fest, in der er keinen Zugriff auf sein Geld hat. So weit, so klar.

Nicht gerechnet haben wir mit der Klausel, die eine auto­matische Verdopp­lung der Lauf­zeit vorsieht. Sie greift, wenn der Kunde nicht drei Monate vor Ablauf kündigt und einen Auftrag zur Umbuchung erteilt.

Nicht genug mit der Verdoppelung der Lauf­zeit: Die Deutsche Bank lässt sich bei der Verzinsung des Anschluss­vertrags alle Freiheiten. „Die Bank teilt recht­zeitig vor Ablauf der Fest­zins­dauer den neuen Zins­satz mit“, steht in der Produkt­information.

Wie fatal diese Regelung vor allem bei langen Lauf­zeiten ist, zeigt ein kurzer Blick zurück: Mitte 2007 konnten Anleger, die ihr Geld für sechs Jahre fest­legten, bei der Deutschen Bank noch eine Rendite von 4 Prozent pro Jahr erzielen. Heute bekommen sie bei der Bank für diese Lauf­zeit nur noch 1 Prozent. Haben Anleger über­sehen, dass sie kündigen mussten, sitzen sie mit diesem Zins weitere sechs Jahre fest.

Die Regelung der Deutschen Bank ist kein Einzel­fall. Ähnliche Formulierungen gibt es beim Geno­Brief der Berliner Volks­bank, beim Top-Fest­geld der Credit Europe Bank und beim Spar­angebot Kapital Plus Direkt der Post­bank.

Viele andere Fest­zins­anlagen verwandeln sich nach Vertrags­ende in ein Spar­konto mit dreimonatiger Kündigungs­frist, wenn der Anleger nicht frist­gerecht gekündigt hat. Er kann also nicht davon ausgehen, dass sein befristet angelegtes Kapital mit Ablauf der Frist uneinge­schränkt zur Verfügung steht. Wir finden: Das ist ein Unding.

Tipp: Wählen Sie Fest­geld­angebote mit Kündigungs­frist nur dann aus, wenn diese besonders attraktiv sind. Notieren Sie Kündigungs­termine in Ihrem Kalender, um eine unerwünschte Lauf­zeit­verlängerung und unnötig nied­rige Zinsen zu vermeiden.

Commerz­bank Extra-Spar­brief

Zins­anlagen Test

Was bringt der Extra-Spar­brief wirk­lich?

Mit „bis zu 3,05 Prozent“ Zinsen wirbt die Commerz­bank für ihr Spar­brief­angebot mit festen Lauf­zeiten zwischen drei und sechs Jahren. Das klingt attraktiv, denn mehr als 2 bis 2,5 Prozent sind derzeit für diese Lauf­zeiten weder bei ausländischen Banken noch bei reinen Internetanbietern zu erzielen (siehe www.test.de/zinsen).

Der Haken: Auch die Commerz­bank bietet für mehr­jährige Anlagen selbst­verständlich keine 3,05 Prozent Rendite. In der Spitze sind es bei sechs­jähriger Lauf­zeit gerade einmal 1,55 Prozent.

Die groß­spurige Werbung bezieht sich einzig auf den Zins­satz, den die Commerz­bank im sechsten Jahr gewährt und der die magere Zins­staffel in den Jahren zuvor nicht wett­machen kann.

Anders als bei Angeboten mit steigendem Zins üblich, können Anleger aus dem Commerz­bank-Spar­brief nicht vorzeitig aussteigen. Die Bank könnte also ebenso gut einen konstanten Zins für die feste Lauf­zeit bieten. Das ist aber nicht so werbe­wirk­sam.

Aus Anlegersicht ist die Werbung mit einem Zins, der nicht einmal im güns­tigsten Fall erziel­bar und meilenweit von der tatsäch­lichen Rendite entfernt ist, indis­kutabel.

Tipp: Wählen Sie bei unkünd­baren mehr­jährigen Spar­briefen nur Produkte mit konstantem Zins über die gesamte Lauf­zeit.

Hypo­ver­eins­bank PlusSparen (fest)

Die Hypo­ver­eins­bank bezeichnet das PlusSparen (fest) in den Produkt­informationen als Spar­einlage mit einer Kündigungs­frist von drei Monaten. Das ist irreführend. In Wirk­lich­keit kommen Anleger, die kündigen, nur mit Verlusten vorzeitig aus dem Fest­zins­produkt heraus.

Beispiel: Für eine Lauf­zeit von vier Jahren erhalten Anleger im PlusSparen (fest) regulär je nach Betrag zwischen 0,8 und 1,1 Prozent Rendite. Falls sie inner­halb der ersten drei Jahre aussteigen, zahlt ihnen die Hypo­ver­eins­bank für die gesamte Lauf­zeit rück­wirkend nur den Spar­buch­zins von aktuell 0,25 Prozent. Zu viel gezahlte Zinsen bucht sie wieder ab.

Bei einer Kündigung im vierten Jahr gilt der Spar­buch­zins zwar nur für die Rest­lauf­zeit, aber Anleger müssen ihren Ausstieg mit einer Gebühr in Höhe von 1 Prozent des gesamten Spar­guthabens teuer erkaufen.

Tipp: Legen Sie nur so viel Geld länger­fristig an, wie Sie auf jeden Fall dauer­haft entbehren können. Den Notgroschen in der Höhe von ungefähr zwei bis drei Monats­gehältern legen Sie am besten auf ein gutverzinstes Tages­geld­konto.

Hypo­ver­eins­bank Komfort­Sparen

Ein Musterbei­spiel für undurch­sichtige Bedingungen liefert die Hypo­ver­eins­bank mit ihrem Komfort­Sparen. Offen­bar sieht die Bank in dem Wirr­warr kein Problem, stellt sie doch die „Gesamt­verzinsung nach dem Baukastenprinzip“ sogar werb­lich heraus.

Wir kritisieren, dass es für Normal­sterbliche fast unmöglich ist, die Rendite zu berechnen. Es gibt eine variable Grund­verzinsung, die auf komplizierte Weise angepasst wird und sich an einem Referenzzins, dem sogenannten 6-Monats-Euribor, orientiert. Dazu kommen Zins­aufschläge, die von mehreren Voraus­setzungen abhängen, etwa der Höhe des Spar­guthabens, der Existenz eines monatlichen Dauer­auftrags oder dem Abschluss eines teuren „Betreuungs­pakets“ bei der Hypo­ver­eins­bank.

Die Verzinsung ist undurch­sichtig und nicht attraktiv. Zudem kommen Anleger in den ersten drei Jahren nicht ohne Strafzins an ihr Geld heran. Warum sollten sie sich auf ein so komplexes Angebot einlassen?

Allgemein ist bei Bonusspar­verträgen Vorsicht angebracht. Kunden können kaum kaum durch­schauen, welche Rendite am Ende heraus­kommt. Das gilt auch für das Prämiensparen­Flexibel der Stadt­sparkasse München. Sie gewährt lauf­zeit­abhängige Prämien von bis zu 40 Prozent. Der Haken: Den maximalen Aufschlag gibt es auf die Einzahlungen des 22. Lauf­zeit­jahres, in den Jahren davor ist es weniger.

Es ist ein gängiger Trick, hohe Boni nur auf einen Teil der Spar­leistungen, nicht aber auf die bereits angesparte Gesamt­summe zu gewähren. Dass der Anleger dies möglicher­weise nicht erkennt, wird billigend in Kauf genommen oder sogar beabsichtigt.

Tipp: Wenn Sie das Regel­werk eines Sparplans nicht verstehen, sollten Sie die Finger von dem Produkt lassen. Es gibt genügend Alternativen mit verständlichen, anlegerfreundlichen Bedingungen.

Deutsche Bank TopZins­Sparen

Auch mit dem TopZins­Sparen der Deutschen Bank werden Sparer keine Reichtümer anhäufen. Es handelt sich um einen Sparplan, der für verschiedene Lauf­zeiten angeboten wird – beginnend mit 0,5 Prozent Rendite für vier Jahre. Maximal können Sparer nach aktuellem Stand 2,25 Prozent pro Jahr erreichen, wenn sie sich für 15 bis 18 Jahre fest­legen.

Finanztest hält Sparpläne durch­aus für sinn­voll. Das Problem liegt in diesem Fall woanders: Was passiert bei diesem Sparplan, wenn ein Kunde die vereinbarten Raten nicht mehr zahlen kann?

Die Deutsche Bank beant­wortet diese Frage erfreulich klar in ihrem Produkt­informations­blatt, aber die Antwort dürfte Sparern nicht schme­cken. Wenn sie die Einzahlungen stoppen, verzinst sich das bereits angesparte Guthaben ab diesem Zeit­punkt nur noch mit dem Basiszins für Deutsche-Bank-Spar­produkte – und der liegt aktuell bei kümmerlichen 0,15 Prozent.

Die Anleger sind dann sogar schlechter dran als Spar­buch­besitzer. Denn die haben immerhin die Möglich­keit, ihr Geld mit dreimonatiger Kündigungs­frist voll­ständig abzu­heben. Topzins­sparer kommen dagegen nicht einmal an Teil­beträge vorzeitig heran und müssen die Mickerzinsen für ihr Guthaben womöglich über viele Jahre hinnehmen.

Tipp: In der aktuellen Zins­situation ist es heikel, sich sehr lang­fristig zu binden. Sollte es in den kommenden Jahren doch zu einer kräftigen Zins­erhöhung kommen, wären Sie in einem unattraktiven Produkt gefangen.

Es gibt viele Sparpläne auf dem Markt, aus denen Sie mit dreimonatiger Kündigungs­frist heraus­kommen. Wenn Sie dennoch einen Fest­zins­sparplan für zehn oder noch mehr Jahre abschließen wollen, sollten Sie zumindest eine so geringe monatliche Sparrate wählen, dass Sie den Vertrag bis zum Ende durch­halten können.

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