Mit Bundesanleihen oder Festzinsangeboten läuft der ­Vermögensaufbau in geordneten Bahnen – solange keine drastischen Zinserhöhungen in die Quere kommen. Finanztest zeigt, wie Anleger dieser Gefahr ausweichen können.

Viele Anleger sind zurzeit ratlos, in welche Zinsanlagen sie investieren sollen: Einerseits scheuen sie aus Furcht vor Zinserhöhungen Anleihen mit langen Laufzeiten. Wenn dann nämlich besser verzinste Papiere auf den Markt kommen, sind die „älteren“ Anleihen nicht mehr so gefragt und ihnen drohen Kursverluste. Andererseits ist es auch nicht sehr attraktiv, das Geld kurzfristig zu parken, da die bescheidenen Renditen vollständig von steigenden Infla­tionsraten aufgezehrt werden.

Was die Entscheidung zusätzlich erschwert, ist die sehr steile Zinskurve. Anleger erhalten für Anleihen mit langen Laufzeiten zurzeit einen rund 2-prozentigen Aufschlag gegenüber Kurzläufern. Das ist ein großer Renditeabstand und es bedarf schon einer baldigen und kräftigen Zinser­höhung, soll sich das kurzfristige Geld­parken gegenüber einem langfristigen Zinsinvestment auszahlen.

Fondsanleger stecken in einer ähnlichen Zwickmühle. Sie wissen nicht, wie sie den sicheren Teil ihres Depots bestücken sollen. Finanztest empfiehlt Euro-Rentenfonds als Basisan­lage. Allerdings sind auch deren Kurse nicht vor Schwankungen gefeit. Bei kräftig steigenden Zinsen haben sie schon mal zwischenzeitliche Verluste von etwa 5 Prozent eingefahren. Das kann Anleger, die ja schon bei Aktienfonds mit starken Kursausschlägen leben müssen, nervös machen.

Zinsentwicklung ungewiss

Leider lässt sich die Zinsentwicklung ebenso wenig voraussagen wie die ­Richtung der Aktienkurse. Aber unwahrscheinlich wären steigende Zinsen nicht. Zum einen ist das allgemeine Zinsniveau in Deutschland zurzeit äußerst niedrig. Noch geringere Renditen gab es für festverzinsliche Papiere in den vergangenen 30 Jahren nie. Nach unten gibt es also kaum noch Luft, wohl aber erhebliches Potenzial nach oben.

Zum anderen ging der Realzins – das ist der aktuelle Durchschnittszins abzüglich der Inflationsrate – wegen der steigenden Inflation immer weiter nach ­unten und steht inzwischen auf dem niedrigsten Niveau seit 1993.

Andererseits läuft die Konjunktur in Europa und speziell in Deutschland eher verhalten. Zinserhöhungen würden sie zusätzlich bremsen und gelten deshalb bei vielen Experten als unwahrscheinlich. Wenn überhaupt, so der ­Tenor, dann würden die Zinsen nur ein wenig, keinesfalls drastisch erhöht.

Die sichere Variante

Grundsätzlich haben Anleger nun zwei Möglichkeiten: auf sichere Zinsein­nahmen setzen oder auf die Zinsentwicklung spekulieren. Wer sein Geld nicht länger als ein Jahr anlegen und ­jederzeit flexibel bleiben möchte, liegt mit Tagesgeldkonten oder Geldmarktfonds richtig. Auch Festgeldkonten ­mit drei- oder sechsmonatiger Bindung ­­­sind gut zum Geldparken. Selbst im ­­­­Falle ­einer überraschenden Zinserhöhung halten sich die entgangenen Gewinne in Grenzen.

Das ist bei einer längeren Zinsbindung anders. Wer sich für Einmalanlagen mit zwei- bis fünfjähriger Laufzeit entscheidet, kassiert zwar deutlich höhere Zinsen als für kurz­fristige Anlagen, muss aber bei einer starken Zinserhöhung mit ansehen, wie seine Rendite dem Markt hinterherhinkt.

Auch der Kauf einer Anleihe oder ­eines Pfandbriefs birgt unabhängig von der Zinsentwicklung kein Verlustrisiko – allerdings nur, wenn der Anleger das Papier bis zum Ende der Laufzeit hält. Durch die hundertprozentige Rück­zahl­­ung der Anleihe und die zwischenzeitlich eingenommenen Zinsen ist er auf jeden Fall im Plus.

Denjenigen Anlegern, die eine An­leihe ausgerechnet nach einem Zinsanstieg vorzeitig verkaufen wollen, drohen dagegen Verluste. Je stärker der Zinsanstieg und je länger die Restlaufzeit der Anleihe, desto deutlicher ist der Kursabschlag. Bei einer 10-jährigen Anleihe bedeutet eine 1-prozentige Zinserhöhung einen Kursverlust von etwa 7 Prozent, bei einer 2-jährigen Anleihe sind es nur 1,8 Prozent.

Die spekulative Variante

Anleger, denen die sichere Methode – Anleihen kaufen und bis zur Fälligkeit halten – zu langweilig oder nicht einträglich genug ist, können stattdessen auf die künftige Zinsentwicklung spekulieren. In der aktuellen Situation dürften viele auf Zinserhöhungen setzen. Allerdings ist keineswegs sicher, ob es tatsächlich dazu kommen wird.

Die Tabelle „Auf Zinserhöhungen wetten“ zeigt, welchen Anschlusszins ein Käufer von Bundesan­leihen benötigt, um bei verschiedenen kürzeren Laufzeiten den Zinsnachteil gegenüber einer zehnjährigen Anleihe auszugleichen. Wer sich zum Beispiel nur für drei Jahre festlegt, muss mit einem Zinssatz von 3,03 Prozent gegenüber 4,36 Prozent für eine Anleihe mit zehn Jahren Laufzeit vorlieb nehmen. Seine Zinsspekulation geht nur dann auf, wenn er nach den drei Jahren für eine siebenjährige Anleihe mindestens 4,94 Prozent bekommt. Bei einem geringeren Zinsanstieg wäre er dagegen mit dem sofortigen Kauf einer zehnjährigen Anleihe besser gefahren.

Die Berechnung der verschiedenen Zinsszenarien ist für mathematisch unkundige Anleger zu kompliziert.

Sicherheit fürs Fondsdepot

Einfacher haben es da Rentenfondsan­leger. Wer zum Beispiel Euro-Rentenfonds kauft, überlässt dem Fondsmanager das Nachdenken über steigende oder sinkende Zinsen und hofft, dass dieser auf die richtigen Laufzeiten setzt. Wer allerdings seinen Fonds unmittelbar vor einem starken Zinsanstieg kauft, hat sofort eine Verlustposition im Depot, und die will man mit dieser sicheren Anlageform gerade vermeiden. Auf längere Sicht ist das ­Risiko, bei einem Euro-Rentenfonds draufzuzahlen, zwar gering, aber das tröstet nicht unbedingt über den verpatzten Einstieg hinweg.

Wer auf Nummer Sicher gehen will, muss statt eines Rentenfonds mit Laufzeitenmischung einen Fonds wählen, der nur kurzfristige Anleihen hält. Er würde von einer Zinserhöhung kaum getroffen. Allerdings sind mit Kurzläuferfonds nur geringe Renditen möglich.

Möglicherweise ist ein Fonds mit Anleihen mittlerer Laufzeiten (etwa vier bis sieben Jahre) ein guter Kompromiss. In der Vergangenheit konnte man in diesem Bereich nur wenig falsch machen. Die Fonds mit mittleren Laufzeiten bringen noch akzeptable Renditen und können sich schneller auf Zinserhöhungen einstellen als Langläufer.

Von Rentenfonds mit langen Lauf­zeiten sollten Anleger zurzeit die Finger lassen, es sei denn, sie erwarten weiter sinkende Zinsen. Hier lauern die größten Verlustgefahren, während Kursge­winne in der aktuellen Zinssituation eher unwahrscheinlich sind. Unter Abwägung von Chancen und Risiken sind Langläuferfonds ideal in Hochzinsphasen, dagegen sind sie in Zinstälern nicht zu empfehlen. In der Tabelle unten ­haben wir die fünf besten Fonds jeder Gruppe aufgelistet.

Selbst mischen

Wer die Mühe nicht scheut, kann den sicheren Teil des Depots selbst zusammenstellen. Anstelle eines Rentenfonds setzt er auf ein- bis vierjährige Sparanlagen und auf Bundesanleihen oder Pfandbriefe unterschiedlicher Laufzeit.

Sinnvoll ist eine gleich gewichtete Mischung aus Anlagen mit zwei, vier, sechs, acht und zehn Jahren Restlaufzeit. Mit Langläufern profitiert man von der steilen Zinskurve, die kürzeren Laufzeiten dienen als Versicherung gegen Zinserhöhungen. Anders als bei Rentenfonds sind Anleger mit Einzelanleihen vor Verlusten sicher, wenn sie sie bis zur Fälligkeit halten. Außerdem bleiben sie flexibel und können auf unerwartete Zinsschritte schnell reagieren.

Bequemer sind aber zweifellos Rentenfonds. Zumindest die Variante mit gemischten Laufzeiten eignet sich gut für Anleger, die sich nach dem Kauf am liebsten gar nicht mehr um ihr Depot kümmern wollen.

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