Finanztest hat insgesamt 25 Festzinsanlagen, Sparpläne und Kombiprodukte geprüft, die an das Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft geknüpft sind. Die gute Nachricht: Mit WM-Sparangeboten können Anleger meist nichts verlieren. Doch Produkte mit attraktiven Renditechancen sind so rar wie deutsche Weltklassestürmer. Nur wenn Jogi Löws Truppe den Titel holt oder 100 Tore schießt, könnten sich einige Anleger freuen.

Viele Angebote sind nur vor Ort erhältlich

„Jetzt lohnt sich das Mitfiebern“, „Unsere Jungs erspielen Ihren FanBonus“, „Unser Dreamteam aus Festgeld und Fonds“: Mit solchen Slogans versuchen zurzeit viele Banken, die Vorfreude auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien in zusätzliche Abschlüsse umzumünzen. Finanztest hat insgesamt 25 Festzinsanlagen, Sparpläne und Kombiprodukte geprüft, die an das Abschneiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM geknüpft sind – und darum in der Regel spätestens bis zum WM-Beginn am 12.06. abgeschlossen werden müssen. Viele davon sind regional begrenzt und nur in der Filiale vor Ort erhältlich. Ein Renditemeister ist nicht dabei. Für einen Spitzenplatz im Produktfinder Zinsen würde sich nur eine Handvoll der Angebote qualifizieren – und selbst das nur für den Fall, dass Deutschland beim WM-Turnier groß aufspielt.

Trotz Boni meist miese Verzinsung

Bei den meisten WM-Angeboten handelt es sich um Einmalanlagen mit festem Zins. Die Laufzeiten reichen von neun Monaten bis zu fünf Jahren. Zusätzlich zu einer festen Grundverzinsung gibt es oft, je nach Angebot, unterschiedlich hohe Boni, die vom Abschneiden der deutschen Nationalelf abhängen. Das Problem: Selbst wenn Lahm, Schweinsteiger und Co in Brasilien alle Spiele gewinnen sollten, bleibt beim Anleger in der Regel kaum etwas hängen. Und sollte unser Team frühzeitig scheitern, ist die Verzinsung meist miserabel.

Verhaltener Jubel nur bei deutschem Triumph

Nur eine Handvoll Angebote lässt zumindest im Falle eines deutschen WM-Erfolgs verhaltenen Jubel aufkommen. Beim VR FanBonus 2014 der Raiffeisen-Volksbank Aurich brächte ein deutscher Sieg einen Zins von 2,5 Prozent für zwei Jahre. Damit würde das Festgeld selbst die Zinsprodukte aus unserer Bestenliste übertrumpfen. Leider ist das Angebot nur regional erhältlich und laut Anbieter auch kontingentiert. Topzinsen von 1,8 Prozent für ein knappes Jahr verspricht die Volksbank Strohgäu, wenn die deutsche Elf das Halbfinale erreicht. Werden die Deutschen Weltmeister, gibt es sogar 2,8 Prozent. Doch hier ist zusätzlich der Fußballexperte im Anleger gefragt. Nur wer das Abschneiden unseres Teams richtig vorhersagt, kommt in den Genuss des Bonuszinses. Wem das nicht gelingt, der muss sich mit der dürftigen Grundverzinsung von 0,3 Prozent begnügen.

Torejagd für Minizins

Keine realistische Chance auf eine gute Rendite gibt es beim WM-Sparkassenbrief der Sparkasse Neuss. Der Basiszins für eine vierjährige Anlage beträgt 1 Prozent. Die besten Angebote anderer Banken liegen mehr als doppelt so hoch. Zusätzlich lockt die Sparkasse Neuss mit einem Zinsaufschlag für jedes deutsche WM-Tor, doch der fällt mit 0,01 Prozentpunkten recht mickrig aus. Klose, Müller und Poldi müssten sich schon mächtig ins Zeug legen, um in höchstens sieben WM-Spielen 20 bis 30 Tore zu schießen. Dem Sparer bliebe dennoch nur eine kümmerliche Rendite von 1,2 bis 1,3 Prozent pro Jahr. Um das Angebot attraktiv zu machen, wären schon etwa 100 Tore nötig. Das hat in der langen Geschichte der Fußball-WM noch nie ein Team auch nur annähernd geschafft.

Mehr Marketinggag als Fußballwette

Viele WM-Zinsangebote haben einen etwas verkrampften Bezug zum sportlichen Anlass. Für wettfreudige Fußballfans taugen sie kaum. Das ist vielleicht auch gut so. Die Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost verzichtet bei ihrem WM VolltrefferSparen sogar gänzlich auf eine sportliche Zinskomponente. Sie wirbt damit, dass das Spargeld – für ein Festzinsangebot ungewöhnlich – jederzeit verfügbar ist. Doch wenn ein Anleger aus dem mit 1,0 Prozent schlecht verzinsten Fünfjahresgeld aussteigen will, grätschen die Oberbayern dazwischen und verlangen ein halbes Prozent des Auszahlungsbetrages. Den Fair-Play-Pokal hat sich dieses Angebot somit nicht verdient.

WM-Fieber springt nicht über

Einige Banken versuchen, das WM-Fieber auf Sparpläne oder Kombiangebote aus Festgeld und Fondsanlagen zu übertragen. Auch das dürfte mangels attraktiver Produkte kaum gelingen. Wenn die Sparkasse Bremen für ihren vier Jahre laufenden WM-Sparplan einen 40-prozentigen Bonus im Falle eines deutschen Titelgewinns auslobt, hört sich das zunächst einmal prima an. Doch leider gibt es dieses Extra nicht etwa auf die im Jahr geleisteten Einzahlungen, sondern auf die Zinsen an jedem Jahresende – statt 1 Prozent wären das also gerade mal 1,4 Prozent. Bei der Sparkasse Mittelholstein winken für den deutschen WM-Gewinn immerhin 1,75 Prozent und damit deutlich mehr als für gutes Tagesgeld. Falls die Nationalelf das Endspiel nicht erreicht, bleibt die Verzinsung aber vier Jahre lang unter 1 Prozent.

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