Das Modemittel Zink wird schon fast sooft gekauft wie Vitamin C. Von den 27 getesteten Präparaten sind 5 zu hoch dosiert und auch die übrigen nur in Ausnahmen zu empfehlen.

Fehlt Ihnen der Appetit? Fühlen Sie sich müde und abgespannt? Ist Ihre Haut rissig oder schuppig? Sind Sie immer wieder erkältet? Zinkpräparate versprechen Abhilfe, und es gibt sie auch ohne Rezept zu kaufen. Nicht nur als Arznei in der Apotheke, sondern auch als Nahrungsergänzung in Drogerien und Supermärkten.

Und schon greifen immer mehr Verbraucher bereits bei den ersten Anzeichen zum neuen Modemittel Zink. Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung ist die Zinkgemeinde binnen vier Jahren von 100 000 auf derzeit 700 000 Käufer, die von Zink plus Vitamin C sogar von 100 000 auf 1,2 Millionen Käufer angewachsen. Damit hat Zink fast die Nummer eins der Vitamine und Mineralstoffe, das Vitamin C, eingeholt. Aber Achtung: Wir haben 27 Zinkpräparate getestet, 5 davon waren zu hoch dosiert – und auch die übrigen sind nur in Ausnahmen zu empfehlen.

Nach dem heutigen medizinischen und ernährungswissenschaftlichen Stand ist der Zinkbedarf leicht durch eiweißhaltige Nahrung zu decken: Schon ein Rindersteak oder ein Mischbrot mit Käse können die erforderliche Tagesration von sieben Milligramm für Frauen und zehn für Männer sichern. Erst kürzlich hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung die Zahlen um gut ein Drittel nach unten korrigiert, weil der Bedarf lange überschätzt wurde. Trotzdem sollte mit zinkreichen Lebensmitteln nicht gegeizt werden, denn sie sind lebensnotwendig: Zink ist Bestandteil von fast 300 Enzymen und bringt Zellen, Hormone und Stoffwechsel in Gang. Bei schwerem Zinkmangel lässt der Appetit nach, die Haut wird rissig, die Wundheilung gerät ins Stocken und das Immunsystem ist geschwächt. Mögliche Folgen sind auch Geschmacksstörungen, Nachtblindheit, Haarausfall, verzögerte Geschlechtsreife und Impotenz. Schlimmstenfalls kommt es zu Missbildungen am Ungeborenen oder zu Wachstumsstörungen bei Kindern.

Auf Zinkpräparate sind aber nur wenige wirklich angewiesen. Dazu gehören Menschen, die an einer erblichen Störung der Zinkaufnahme oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen lei­den. Und auch Alkoholiker neigen zu Zinkmangel. Von Selbstmedikation ist aber eher abzuraten. Denn schwerer Zinkmangel ist selten und kann nur durch einen Arzt nachgewiesen werden. Der wird, falls nötig, ein Medikament verschreiben, das meist höher dosiert ist als ein Nahrungsergänzungsmittel.

Mit Arzneien sind Kranke auf jeden Fall auf der sicheren Seite, weil sie dem Arzneimittelgesetz und damit strengen Kontrollen unterliegen, was bei Nahrungsergänzung nicht der Fall ist. Das bestätigen auch unsere Testergebnisse: Die Dosierung der 15 apothekenpflichtigen Arzneimittel lag durchweg im grünen Bereich, während 5 von 12 Nahrungsergänzungsmitteln zu hoch dosiert waren. Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) rät, täglich nicht mehr als 5 Milligramm Zink durch Nahrungsergänzungsmittel aufzunehmen, weil der Tagesbedarf in der Regel schnell durch natürliche Nahrung gedeckt ist. Das Gleiche gilt für Vitamin C. Nach dem Motto „Doppelt hält besser“ wird es häufig mit Zink kombiniert, weil beides der Stärkung des Immunsystems und der verbesserten Wundheilung dienen soll.

Falsche Heilversprechen

Vom vorsorglichen Griff in das Pillenregal ist aber auch jenen abzuraten, die potenziell an Zinkmangel leiden könnten. Dazu gehören ältere Menschen in Heimen, die sich nicht mehr selbst versorgen können, Männer und Frauen, die Diät halten oder Veganer sind, was oft zu einseitiger Ernährung führt, sowie werdende und stillende Mütter. Aber auch diese Mangelgruppen sollten sich erst beim Arzt vergewissern, ob sie tatsächlich einen Zink- oder Vitamin-C-Mangel haben.

Den Werbestrategen nicht auf den Leim gehen, heißt also die Devise. Denn sie suggerieren einen Nutzen, der weder durch zusätzliches Zink noch durch zusätzliches Vitamin C zu leisten ist. Gleich bei 8 der 12 getesteten Nahrungsergänzungsmittel wurde mit Versprechen wie „Starke Abwehrkräfte den ganzen Tag“ (biovit) oder „Zur Stärkung des Abwehrsystems“ (topfit) geworben. Damit bewegen sich die Hersteller an der Grenze des Zulässigen, denn Heilversprechen für Nahrungsergänzungsmittel sind in Deutschland verboten.

Auch unter den Arzneien haben wir schwarze Schafe entdeckt: Die Firma „redinomedica“ (Curazink) will auch Erkältungen vorbeugen und „Ursapharm“ (Zinkorotat 20, Zinkorotat-POS) verspricht gar Abhilfe bei Impotenz – obwohl nichts nachgewiesen ist. Oft machen allein Namen wie „biovit“, „topfit“ oder „natura fit“ – alle drei zu hoch dosiert – Mann oder Frau glauben, dass sie nur dann wirklich fit sind, wenn sie sich täglich Kapseln und Tabletten einverleiben.

Dass das bestens funktioniert, beweist eine Umfrage des BgVV: Zinkkonsumenten sind danach nicht Kranke oder Vertreter der Mangelgruppen, sondern die Gesundheitsbewussten, die sich ausgewogen ernähren, Sport treiben und wenig Alkohol trinken. Die Umfrage hat zum Umdenken geführt: Anstelle der bislang gepflegten Bedenkenlosigkeit macht sich Sorge um eine „Imbalance“ im Körper breit. Die könnte dazu führen, dass Ärzte kaum noch eine Diagnose stellen können, weil das natürliche Gleichgewicht von Vitaminen und Mineralstoffen durcheinander gewirbelt ist.

Also alles nur gezinkt? Diese Antwort wäre zu einfach. Für Kranke mit diagnostiziertem Defizit sind Zinkpräparate lebensnotwendig. Rechnet man die potenziellen Mangelgruppen hinzu, so sind immerhin ein paar Prozent der Bevölkerung betroffen. Viele könnten ihren Zinkhaushalt durch Ernährungsumstellung ausgleichen. Für diejenigen, die trotzdem lieber in das Pillenregal greifen, gilt: Fragen Sie vorher Ihren Arzt oder zumindest den Apotheker.

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