Zertifizierter Fonds-Fachmann Schnelltest

Die Financial Training Academy (Fintac) bietet einen Lehr­gang zum zertifizierten Fonds-Fachmann an. Das Siegel des Tüv Süd wirkt seriös und suggeriert eine gründliche Ausbildung. Tatsäch­lich haben die zertifizierten Fonds-Fachleute lediglich einen zweimonatigen Online-Kurs bei der Fintac und eine einstündige Multiple-Choice-Prüfung beim Tüv absol­viert. Die Stiftung Warentest hat den Kurs in den Schnell­test geschickt. Fazit: Fundiert ausgebildet sind Finanz­vermittler damit auf keinen Fall.

In acht Wochen zur Plakette

Zertifizierter Fonds-Fachmann Schnelltest

Der Lehrgang für Fonds-Fachleute wird von der Financial Training Academy (Fintac) aus Haar bei München angeboten. Das Internet-basierte Lern­programm wird nach Zahlungs­eingang für zwei Monate frei­geschaltet. Der Kurs besteht aus rund 180 Seiten Skript im PDF-Format, fünf Audio-Lektionen – vorgelesenen Powerpoint-Präsentationen – und einer Online-Probeprüfung. Zugangs­voraus­setzungen gibt es keine: Der Fonds-Fachmann richtet sich an Seiten­einsteiger ohne Vorwissen genauso wie an Mitarbeiter von Finanz­dienst­leistern oder selbst­ständige Anla­geberater. Der Kurs kostet etwa 820 Euro. Für die Tüv-Prüfung kommen rund 262 Euro Gebühren hinzu. Das Siegel ist summa summarum für knapp 1 080 Euro zu haben. Gut investiert ist das Geld in die Ausbildung nicht: Im Express-Check fällt der Kurs sowohl inhalt­lich als auch didaktisch durch.

Auf offene Fonds beschränkt

Der Lern­aufwand scheint gering: Schon 30 Minuten Training täglich sollen fit machen in Sachen Fonds. Auf die Kurs­dauer gerechnet sind das maximal 30 Stunden. In den Lern­einheiten geht es zum Beispiel um die am Anla­gehandel beteiligten Parteien und Institutionen, die recht­lichen und steuerlichen Grund­lagen, den Aufbau und die Funk­tions­weise von – Achtung – ausschließ­lich offenen Fonds. Weder aus dem Kurs­namen noch aus dem Titel „Fonds-Fachmann“ wird deutlich, dass sich die Ausbildung nur auf einen Teil des Anlagemarktes beschränkt – erster Kritik­punkt am Kurs zum zertifizierten Fonds-Fachmann. Weitere folgten, je tiefer wir in den Kurs eintauchten.

Inhalte teil­weise veraltet

Ein von der Stiftung Warentest geschulter Tester hat den Kurs inklusive Tüv-Prüfung absol­viert. Außerdem begut­achtete ein Experte die Materialien inhalt­lich. Beide sind alles andere als angetan: Schwächen zeigen sich in fast jedem der fünf Kapitel der PDF-Skripte. Die Online-Präsentationen gehen, auf das Fachwissen bezogen, teil­weise etwas stärker in die Tiefe. Sie sind außerdem stellen­weise anschaulicher und bringen Beispiele. Am Ergebnis ändert das nichts: Der gesamte Lehr­gang kratzt allenfalls an der Oberfläche des Themas „offene Fonds“, vermittelt nicht mehr als Halb­wissen über die Hintergründe der Anlageform. Noch dazu finden sich immer wieder Fehler im Detail, wie der Weiterbildungs-Experte fest­stellte. An einer entscheidenden Stelle ist der Kurs sogar veraltet: Noch im Test­zeitraum von Oktober bis Dezember 2013 bezog er sich auf das Investmentgesetz (InvG), das bereits seit dem Sommer außer Kraft war. Das Versprechen „Fintac sorgt für eine permanente Aktualisierung der Lern­inhalte und Lern­skripte“ wurde nicht gehalten.

Didaktisch „furcht­bar lang­weilig“

Auch didaktisch hat der Kurs nicht viel zu bieten: Die Möglich­keiten des E-Learning, zum Beispiel inter­aktive Elemente, nutzt er nicht aus. Metho­disch ist er wenig abwechs­lungs­reich. „Furcht­bar lang­weilig“, beschreibt der Tester seinen Eindruck von den schriftlichen und den Audio-Lektionen. „Spaß am Lernen hatte ich nicht.“ Übungs­aufgaben fehlten völlig: „Das Wissen musste ich für die Prüfung stumpf auswendig lernen.“ Fonds-Laien könnten sich durch die Fülle an Fach­begriffen wie Asset Allocation oder Performance Fee über­fordert fühlen. Die optische Darstellung der Powerpoint-Lektionen ist über­sicht­lich. Die Vertonung wirkt wie am Heim-PC aufgenommen. Diesen Eindruck stützt nicht nur die schwankende Tonqualität, die teils blechern klingt und mal lauter, mal leiser ist, sondern auch, dass in Lektion Eins ab und an ein Kind im Hintergrund zu hören ist. Immerhin: Der Online-Kurs ist leicht zu bedienen. Wie er funk­tioniert, erschließt sich intuitiv. Tech­nisch läuft er einwand­frei.

Finanz­anlagen­vermittler brauchen Sach­kunden­achweis

Das Zertifikat erhält, wer nach Ende des Kurses die Prüfung beim Tüv Süd besteht: In 60 Minuten müssen mindestens 28 von 40 Multiple-Choice-Fragen richtig beant­wortet werden. Der Test kann zu bestimmten Terminen in verschiedenen deutschen Städten abge­legt werden. Das Siegel allein reicht übrigens nicht, um als Finanz­anlagen­vermittler arbeiten zu dürfen. Dazu braucht man seit vergangenem Jahr laut Gewer­beordnung entweder eine einschlägige Ausbildung im Bankensektor, einen entsprechenden Studien­abschluss oder eine besondere Genehmigung: Die stellt die Industrie- und Handels­kammer (IHK) aus, wenn entsprechende Sach­kunde im Rahmen einer Prüfung nachgewiesen werden kann. Doch warum dann Fonds-Fachmann werden? Die Weiterbildungs­tester der Stiftung Warentest wollten wissen, ob der getestete Online-Kurs dem Sach­kunden­achweis gegen­über einen Mehr­wert bietet. Was das Fachwissen angeht, ist das eindeutig nicht der Fall: Der Stoff, den ein Fonds-Fachmann lernt, reicht laut Fach­gut­achter weder in Breite noch Tiefe an das Know-how heran, das bei der IHK abge­fragt wird.

Fazit: Siegel nur Marketing­instru­ment

Die Vermutung drängt sich auf, dass das Siegel rein zu Werbe­zwecken einge­setzt wird – und dieser Eindruck scheint nicht zu trügen. Die Fintac setzt sogar offen auf den Vertrauens­vorschuss, den die Tüv-Plakette allgemein genießt: Das Prüfzeichen sei „als Qualitäts­siegel beim Endkunden bekannt“ und „ein hervorragendes Marketing­instru­ment“. Es wird auf der Home­page als „Kompetenz­nach­weis gegen­über Kunden“ angepriesen. Das allerdings ist zu viel versprochen. Der Schnell­test hat gezeigt: Die Tüv-Plakette selbst ist kein Indiz für die Qualifikation eines Finanz­anlagen­vermitt­lers. Der Tester der Stiftung Warentest resümiert: „Mich versetzt der Kurs nicht in die Lage, eine seriöse Fonds­beratung durch­zuführen.“ Unterm Strich: Die Erwartungen, die ein Kunde an den Fonds-Fachmann mit Tüv-Plakette haben dürfte, kann dieser mithilfe des Fintac-Kurses allein kaum erfüllen. Dafür ist womöglich der rund 2 550 Euro teure Folgekurs „Tüv Süd zertifizierter Fonds-Spezialist“ gedacht, den die Fintac als Aufbau-Lehr­gang anbietet (von der Stiftung Warentest nicht getestet). Fazit: An Geld­anlagen interes­sierte Kunden sollten sich vom Siegel nicht blenden lassen, sondern lieber nach weiteren, zusätzlichen Qualifikationen des Finanz­anlagen­vermitt­lers fragen.

Hinweis: Laut Tüv Süd wird das Siegel für Fonds-Fachleute nur noch bis Ende des Jahres 2014 vergeben.

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