Die verlässliche Variante

Zertifikate im Test Test

Nie besser, aber auch nie schlechter als der Markt: Viele ­Anleger setzen auf den Marktindex. Finanztest zeigt, wann sich Zertifikate lohnen und wann Fonds besser sind.

Stellen Sie sich vor, Sie greifen mit verbundenen Augen in eine Lostrommel und ziehen einen deutschen Aktienfonds. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie einen erwischen, der besser abschneidet als der deutsche Aktienindex Dax, beträgt zurzeit rund 28 Prozent. In 72 Prozent der Fälle bekommen Sie einen Fonds, dessen Manager es nicht schafft, den Dax zu schlagen.

Daraus können Anleger zwei Konsequenzen ziehen. Entweder, sie verwenden einige Zeit und Mühe auf die Suche nach einem guten, aktiv gemanagten Fonds. Das ist die rentablere, aber auch aufwendigere Lösung. Und eine Garantie, dass die Rechnung aufgeht, gibt es nicht. Oder sie investieren direkt in den Markt, indem sie auf einen Marktindex setzen. Dann wissen sie, dass kein schlechter ­Manager ihr Geld in seine Finger kriegt.

Indexfonds und Indexzertifikate steigen und fallen genauso wie zum Beispiel der Dax, der europäische Index DJ Stoxx 600 oder der Weltaktienindex MSCI Welt.

Finanztest hat untersucht, welche Produkte für welche Märkte am besten taugen. Auf den folgenden Seiten stellen wir Indexfonds und Indexzertifikate für die Hauptmärkte vor, den europäischen sowie den internationalen Aktienmarkt. Sie eignen sich für alle Anleger, die ein ausgewogenes Depot aus Aktienanlagen und Zinspapieren wollen. Das Risiko ist breit gestreut und die Absturzgefahr vergleichsweise gering.

In der Übersicht finden sich auch Indexprodukte auf den deutschen Markt, der als Ländermarkt zwar stärker schwankt, aber eben der Heimatmarkt der Deutschen ist.

Im Anschluss präsentieren wir Ideen für exotische Märkte – ein Feld für risikofreudige Anleger.

Fonds oder Zertifikat

Anleger müssen entscheiden, ob sie einen Indexfonds oder ein Indexzertifikat kaufen. Was besser ist, hängt davon ab, wie lange und wo sie ihr Geld anlegen wollen.

Investitionen in die Hauptmärkte – Welt, Europa, Euroland – sind normalerweise längerfristig. Wichtig ist daher zunächst, dass Anleger von sämtlichen Erträgen dieser Märkte profitieren: von den Kursgewinnen der Aktien und den Dividendenzahlungen der Unternehmen. Dieser Punkt spricht für die Indexfonds, denn sie geben die Dividenden immer an die Anleger weiter.

Bei vielen Zertifikaten dagegen werden die Dividenden nicht berücksichtigt. Ob es Dividenden gibt, hängt von der Art des Indexes ab. Zählt der Index selbst nur die Kursgewinne der Aktien, bekommt der Käufer des Zertifikats auch nur Kursgewinne. Es handelt sich in diesem Fall um einen Kurs- oder Preisindex.

Sind im Punktestand des Indexes nicht nur die Kursgewinne, sondern auch die Dividenden enthalten, dann profitiert auch der Zertifikatekäufer davon. Solche sogenannten Performance-Indizes gibt es aber nur selten. Der Dax ist einer, und den Euroland-Index Euro Stoxx 50 gibt es in beiden Varianten, einmal als Preisindex und einmal als Performance-Index.

Ein weiterer wichtiger Punkt für eine längerfristige Geldanlage ist die Sicherheit. Fonds sind Sondervermögen, das heißt, die Wertpapiere werden getrennt verwahrt. Das Vermögen der Fondsgesellschaft und das Anlegergeld werden nicht vermischt.

Bei Zertifikaten ist das anders. Wer ein Zertifikat kauft, der leiht der Bank, die es herausgibt, Geld. Meist ist das kein Problem, wenn die Bank eine gute Bonität hat. Auf längere Sicht jedoch ist das Sondervermögen die beruhigendere Variante.

Die Kosten

Der Kauf von Indexfonds und Indexzertifikaten kostet Geld. Die Bank berechnet die üblichen Börsenspesen. Filialbanken verlangen meistens 1 Prozent vom Kurswert, mindestens aber 20, 25 oder 30 Euro. Mitunter sind die Mindestgebühren noch höher. Direktbanken sind günstiger.

Anleger, die kleinere Summen investieren wollen, müssen aufpassen. Beträgt die Mindestgebühr 25 Euro und der Spesensatz 1 Prozent vom Kurswert, dann ist der Kostenanteil ungleich höher, wenn der Kunde nur 1 000 Euro anlegen möchte: in diesem Fall 2,5 Prozent.

Zu den Bankgebühren kommen noch die Börsenspesen, die aber kaum ins Gewicht fallen. Achtgeben sollten Anleger ­allerdings auf den Spread, das ist der Unterschied zwischen dem Kaufkurs und dem Verkaufskurs an der Börse. Auch der Ausgabeaufschlag für Fonds, die nicht an der Börse, sondern bei der Fondsgesellschaft gekauft werden, ist eine Art Spread.

Die Spreads liegen meist zwischen 0 und 5 Prozent. Gar keinen Spread hat zum Zeitpunkt unserer Untersuchung zum ­Beispiel das Indexzertifikat der Commerzbank auf den Dax. Auch die anderen Zertifikate sind günstig. Sie liegen meist deutlich unter 1 Prozent. Das teuerste ist das von Goldman Sachs auf den MSCI World mit einem Spread von 1,66 Prozent. Bei Fonds sieht es anders aus. Den geringsten Spread bieten die börsengehandelten Indexfonds – mit Ausnahme der Angebote von Unico. Die nicht börsengehandelten Fonds sind die teuersten. Sie verlangen einen Ausgabeaufschlag von bis zu 5 Prozent.

Die Märkte und die besten Indizes

Für die von uns untersuchten Märkte gibt es jeweils mehrere Indizes. Der bekannteste für Deutschland ist der Dax. Er setzt sich aus den 30 größten deutschen Unternehmen zusammen (siehe Aktienfonds Welt).

Besser als der Dax hat zuletzt allerdings der MSCI Deutschland abgeschnitten. Das zeigt die Fünfjahresuntersuchung der Fonds (siehe Aktienfonds Europa und Euroland). Der DJ Germany Titans 30 hat zumindest im vergangenen Jahr die schlechteste Wertentwicklung der drei Deutschlandindizes.

Auch für Europa und Euroland haben Anleger die Wahl zwischen verschiedenen Indizes. Die besten für Euroland sind mit Abstand der MSCI Euroland und der marktbreite DJ Euro Stoxx. Der DJ Euro Stoxx 50, der die 50 Schwergewichte aus dem Euro-Raum abbildet, hat in unserer Fünfjahresanalyse schlecht abgeschnitten.

Richtiggehend abgeschlagen ist der DJ Stoxx 50 für Europa, der sich aus den 50 größten Unternehmen Europas bildet. Hier sollten Anleger entweder auf den marktbreiten DJ Stoxx 600 oder den ebenfalls breit streuenden MSCI Europa setzen.

Auch für die Weltfonds bietet MSCI die erste Wahl. Der Index MSCI Welt spiegelt die Entwicklung des breiten Marktes. ­Anleger gehen ein geringeres Risiko ein, als wenn sie von vornherein nur auf die Standardwerte setzen würden.

Wertentwicklung weicht ab

Die Wertentwicklung der Indexprodukte hängt zum einen von dem Index selbst ab. Daneben spielt aber auch eine Rolle, wie hoch der Abschlag wegen der Kosten ist. Die rechte Spalte in der Tabelle zeigt, dass es auch hier deutliche Unterschiede gibt.

Dass die Zertifikate auf Kursindizes im vergangenen Jahr um rund 3 Prozent schlechter waren als der Index, liegt in erster Linie daran, dass sie die Dividenden nicht berücksichtigen. Wir rechnen die Vergleichsindizes inklusive Dividenden.

Wenn Fonds hinter dem Index liegen, liegt das in der Regel an den Kosten. Der Unico i-tracker auf den Dax hinkt zum Beispiel um 2,2 Prozent hinter dem Dax her. Zurzeit beträgt das Fondsvermögen nur rund 22 Millionen Euro, weswegen die Fixkosten stärker zu Buche schlagen.

Es gibt aber auch Fonds, die ihren Vergleichsindex schlagen – trotz Kosten und obwohl sie kein aktives Management betreiben. Der Fonds iShares DJ Euro Stoxx 50 hat sich im vergangenen Jahr um 0,3 Prozent besser entwickelt als der Index. Der Grund: Die Fondsmanager verleihen die Wertpapiere aus dem Fonds. Dafür kassieren sie eine Gebühr, die die Fondsperformance steigert.

Der Renditevorsprung des Fonds Balzac Germany Index – 4,7 Prozent – hat sich aus der besonderen Gebührenstruktur ergeben: Wer Balzac-Fonds kauft, muss eine Eintrittsgebühr zahlen, beim Verkauf wird eine Austrittsgebühr fällig, die aber nicht die Fondsgesellschaft kassiert, sondern jeweils dem Fondsvermögen zugeschlagen werden. Anfang 2007 kam es beim Balzac Germany zu einem größeren Geldabfluss und dementsprechend üppig floss das Austrittsgeld.

Die Beispiele zeigen, auch bei Indexprodukten heißt es, nicht blind zuzugreifen. Anders als bei aktiv gemanagten Fonds ist es jedoch nicht nötig, jährlich zu prüfen, ob die Fonds noch in Ordnung sind. ­Vielmehr kann man es mit Börsenguru Kostolany halten. Dessen Rat: kaufen und schlafen legen.

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