Zertifikate im Test Test

Derzeit sind Zertifikate die absoluten Modeprodukte von Geldinstituten. Bei den meisten Angeboten für Privatanleger handelt es sich um Zertifikate - auch wenn der Begriff nicht immer im Namen auftaucht. Mit Zertifikaten ist für Anleger vieles möglich: Sie können in alle erdenklichen Märkte einsteigen, unterschiedliche Strategien verfolgen und so ihre Anlageideen verwirklichen. Finanztest erklärt, wie Zertifikate funktionieren und nennt Vor- und Nachteile im Vergleich zu Fonds.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Zertifikate

Kunstprodukte für Anleger

Zertifikate sind Kunstprodukte. Sie stehen meist in Verbindung zu einem so genannten Basiswert. Das können Aktien, Aktienindizes, aber auch festverzinsliche Wertpapiere, Rohstoffe oder Währungen sein. Anleger profitieren mit Zertifikaten von der Wertentwicklung des Basiswerts ohne in das entsprechende Papier direkt investieren zu müssen. Rechtlich gesehen handelt es sich bei Zertifikaten um Schuldverschreibungen. Ihre Sicherheit ist abhängig von der Bonität (Zahlungsfähigkeit) des entsprechenden Emittenten. Da es sich bei diesen aber meist um große Banken handelt, ist das Ausfallrisiko gering. Wichtig: Der Verkäufer eines Zertifikats muss nicht immer mit dem Emittenten identisch sein. Darauf sollten Anleger achten, bevor sie in ein entsprechendes Papier investieren. Anleger können die meisten Zertifikate jederzeit über die Börse oder direkt beim Emittenten kaufen und auch verkaufen.

Indexprodukte

Um einen guten, aktiv gemanagten Fonds zu finden, müssen Anleger viel Zeit investieren. Einfacher ist es, auf Produkte zu setzen, die sich am jeweiligen Markt orientieren. Das geht mit Indexprodukten. Sie steigen und fallen genauso in etwa wie zum Beispiel der Deutsche Aktienindex (DAX), der europäische Index DJ Stoxx 600 oder der Weltaktienindex MSCI Welt. Produkte, die den europäischen und den weltweiten Index abbilden, eignen sich für alle Anleger, die ein ausgewogenes Depot aus Aktienanlagen wünschen. Zudem ist das Risiko breiter gestreut, die Verlustgefahr damit gering.

Fonds oder Zertifikate

Wer auf einen Index setzen möchte, muss sich noch für ein entsprechendes Produkt entscheiden. Zur Auswahl stehen etwa Indexfonds und Indexzertifikate. Wichtig bei der Entscheidung: Wo und wie lange Anleger ihr Geld investieren wollen. Wer in die Hauptmärkte Welt, Europa und Euroland investiert, sollte dies nach Möglichkeit langfristig tun. Dabei gibt es folgendes zu beachten:

  • Kursgewinne und Dividenden. Bei Indexfonds profitieren Anleger doppelt: Einmal von Kursgewinnen, zweitens aber auch von den Dividenden, denn Indexfonds geben diese immer an ihre Anleger weiter. Bei Zertifikaten hängt es von der Art des Index ab, ob Anleger Dividenden erhalten. Handelt es sich um einen Kurs- oder Preisindex, der selbst nur die Kursgewinne der Aktien zählt, können Zertifikatekäufer auch nur davon profitieren. Anders bei Performance-Indizes: Im Punktestand sind hier neben den Kursgewinnen auch Dividenden enthalten. Allerdings sind diese Indizes selten. Der DAX gehört zu dieser Gruppe und der Euro Stoxx 50 ist in beiden Varianten zu haben.
  • Sicherheit. Wer langfristig anlegt, will nicht nur maximale Renditechancen, sondern auch Sicherheit. Bei Fonds werden Anlegergelder und das Vermögen der entsprechenden Fondsgesellschaft nicht vermischt. Das ist bei Zertifikaten anders. Mit dem Kauf leihen Anleger der herausgebenden Bank Geld. Handelt es sich dabei um ein Geldinstitut mit guter Bonität ist das meist kein Problem. Auf lange Sicht sind Fonds die beruhigendere Variante.

Kosten

Beim Börsenkauf von Indexfonds und -zertifikaten verlangen Filialbanken meist 1 Prozent vom Kurswert, mindestens aber 20 bis 30 Euro. Vereinzelt sind die Mindestgebühren sogar noch höher. Wer sparen möchte, sollte die Papiere bei einer Direktbank kaufen. Sie sind meist preiswerter. Zu diesen Gebühren kommen noch Börsenspesen, die aber kaum ins Gewicht fallen. Aufpassen sollten Anleger dagegen beim Spread. Das ist der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufskurs an der Börse. Spreads liegen meist zwischen 0 und 5 Prozent. Auch der Ausgabeaufschlag von Fonds, die nicht an der Börse gehandelt werden, ist eine Art Spread. Besonders hoch ist der Spread bei nicht börsengehandelten Fonds. Er beträgt oft bis zu 5 Prozent.

Steuern

Anleger müssen bei Investments in Indexfonds oder -zertifikate auch an die Steuer denken. Es gibt unterschiedliche Regelungen.

  • Indexfonds. Bei Fondskäufen bis Ende 2008 sind Kursgewinne nach Ablauf der zwölfmonatigen Spekulationsfrist steuerfrei. Das ändert sich 2009. Wer dann Fonds kauft, muss auf anfallende Kursgewinne eine Abgeltungssteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer zahlen. Für Dividenden gilt bis Ende 2008 das Halbeinkünfteverfahren. Dividenden, die Anleger ab 2009 erhalten, müssen sie voll versteuern.
  • Zertifikate. Anleger, die Indexzertifikate vor dem 15. März 2007 gekauft haben, erhalten Kursgewinne nach Ablauf der Spekulationsfrist steuerfrei. Bei Käufen nach dem 15. März gibt es eine Übergangslösung: Wer jetzt Indexzertifikate kauft und vor dem 30. Juni 2009 wieder verkauft, kann Kursgewinne steuerfrei mitnehmen, wenn die Spekulationsfrist abgelaufen ist. Anleger, die ihre Zertifikate danach verkaufen, müssen ebenfalls 25 Prozent Abgeltungssteuer zahlen.

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