Zertifikate im Kostencheck Meldung

Die Zertifikatebranche hat nach­rechnen lassen, wie hoch ihre Gewinn­spannen sind. So wird für Kunden durch­schaubarer, was die strukturierten Produkte kosten. Das zeigt eine Studie, die der Deutsche Deri­vate Verband (DDV) in Auftrag gegeben hat. Der DDV vertritt rund 95 Prozent der Anbieter auf dem Zertifikatemarkt.

Vertriebs­provision nicht enthalten

Die Zertifikatebranche hat eine umfang­reiche Analyse über die Kosten und Gewinn­spannen ihrer Produkte in Auftrag gegeben. Zertifikate sind strukturierte Wert­papiere, die sich auf Aktien, auf Staats­anleihen oder deren Indizes, wie etwa den DAX beziehen können. Für verschiedene Zertifikate-Kategorien ermittelte die Studie eine erwartete Emitten­tenmarge pro Jahr. Enthalten sind darin neben dem Gewinn des Heraus­gebers, in der Fach­sprache Emittent genannt, auch dessen Kosten für Personal, Prospekte und Handels­systeme sowie auch die internen Handels­kosten. Zertifikate-Käufer zahlen zusätzlich meistens noch eine Vertriebs­provision an ihren Bank­berater, deren Höhe sehr unterschiedlich ist.

Tipp: Kaufen Sie Zertifikate, die schon längere Zeit auf dem Markt sind. Zertifikate sind am teuersten am Tag der Auflage. Provisionen im Wert­papier werden mit der Zeit abge­baut. Wichtige Ratschläge finden Sie in Zertifikate und Anleihen - Banker tricksen weiter

Hohe Gewinn­spanne bei Garan­tiezertifikaten

Mit durch­schnitt­lich 0,73 Prozent pro Jahr ist die Gewinn­spanne der Heraus­geber bei Garan­tiezertifikaten recht hoch, sagt die repräsentative Stich­probe, die insgesamt 1 650 Zertifikate umfasst. Nur bei Hebel­produkten und Options­scheinen, also den spekulativsten Deri­vaten, sind die Margen noch höher. Bei Garan­tiezertifikaten sichert der Heraus­geber zu, dass er bei Fälligkeit mindestens den anfäng­lichen Kauf­preis (ohne Ausgabe­aufschlag) zurück­zahlt. Bank­mit­arbeiter werben aktiv für diese Produkte. Denn sie versprechen nicht nur dem Heraus­geber, sondern auch dem Bank­berater hohe Vertriebs­provision.

Tipp: Lassen Sie sich nicht von dieser Kapital­garantie blenden. Diese bringt Ihnen wenig, wenn die Verzinsung während der Lauf­zeit schlecht gewesen oder ganz ausgeblieben ist. In der aktuellen Hungerzins­phase bleibt nach abge­zogener Provision und anderer Kosten nahezu kein Plus mehr beim Zertifikate­besitzer übrig.

Geringe Margen bei Stufenzins­anleihen

Strukturierte Anleihen, wie etwa Stufenzins­anleihen, weisen laut Stich­probe im Schnitt die nied­rigste jähr­liche Emitten­tenmarge auf, nämlich 0,14 Prozent. Begründung: Das Markt­volumen ist mit 55,7 Prozent über­ragend, die Papiere sind einfach strukturiert und die Trans­parenz in diesem Segment ist hoch.

Gewinn­spannen von Discountzertifikaten bei 0,50 Prozent

Bei Discountzertifikaten genehmigen sich die Heraus­geber im Schnitt eine jähr­liche Gewinn­spanne von 0,5 Prozent. Mit Discountzertifikaten kaufen Anleger indirekt eine Aktie oder einen Index mit einem Rabatt. Der Wert, auf den sich das Zertifikat bezieht, heißt Basis­wert. Der Preis für das Zertifikat liegt unter dem Basis­wert. Dieser Abschlag heißt in der Fach­sprache Discount. Er dient als Sicher­heits­puffer. Im Gegen­zug für das geringere Risiko gegen­über einer Direkt­anlage sind die Gewinn­chancen der Discountzertifikate begrenzt.

Tipp: Entscheiden Sie selbst, welches Zertifikat zu Ihnen passt und welche Anlageidee Sie verfolgen möchten. Informieren Sie sich über die Internet-Platt­formen wie zum Beispiel OnVista oder Finanz­treff über passende Wert­papiere. Dann sparen Sie leicht die Vertriebs­provision. In der Regel sind auch die Emitten­tenmargen dieser Papiere nied­riger.

Für Aktien­anleihen kassieren Heraus­geber 0,65 Prozent

Bei Aktien­anleihen ziehen sich die Heraus­geber einen durch­schnitt­lichen Betrag von 0,65 Prozent pro Jahr heraus. Die Anlageidee von Aktien­anleihen ist dieselbe wie von Discountzertifikaten. Statt des Rabatts auf den Kauf­preis der Aktien gibt es eine hohe Zins­zahlung. Die Zinsen werden immer gut geschrieben. Die Rück­zahlung des angelegten Geldes hängt vom Preis der Aktien am Ende der Lauf­zeit ab. Liegt der Preis dann unter einer bestimmten Schwelle, zahlt die Bank kein Geld aus, sondern legt die Aktien ins Depot des Anlegers.

Tipp: Wollen Sie in diese Art der Zertifikaten investieren, kaufen Sie besser die oft güns­tigeren Discountzertifikate.

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