Zertifikate auf Hedgefonds Meldung

Hedgefonds-Manager brauchen Handlungsfreiheit. Deshalb haben die meisten Hedgefonds ihren Sitz dort, wo auch die staatliche Kontrolle Urlaub macht: auf den Cayman-­Islands, den Bermudas oder anderen schönen Fleckchen dieser Erde.

Hedgefonds-Zertifikate haben das Image von Zocker­papieren. Dennoch sind sie für Anleger interessant: Sie ­reduzieren das Risiko im Depot und können auch in schlechten ­Zeiten Gewinne bringen. Vom kommenden Jahr an soll es in Deutschland auch Hedge-Dachfonds geben.

Der Name führt in die Irre: „To hedge“ ist englisch und heißt auf deutsch „absichern“. Zwar kauft ein Hedgefonds Papiere, mit denen Risiken von Finanzgeschäften aufgefangen werden können, doch er nutzt sie nicht nur zur Absicherung von Geschäften, sondern auch zur Spekulation.

Am Beispiel eines privaten Aktiendepots wird das anschaulich: Ein Anleger, der seinen Aktienbestand gegen Kursverluste absichern möchte, kauft einen entsprechenden Absicherungsschein. Fallen die Aktien, steigt der Schein und macht den Verlust der Aktien zumindest teilweise wieder wett.

Steigen die Aktien dagegen, verliert der Schein seinen Wert und der Anleger das Geld, das er für diese Absicherung bezahlt hat. Doch die gestiegenen Aktien gleichen seinen Verlust wieder aus. Hätte der Anleger jedoch keine Aktien gehabt, sondern nur den Absicherungsschein gekauft, wäre sein Geld jetzt weg.

Viele Hedgefonds tun genau das: Sie kaufen Absicherungspapiere, obwohl sie gar nichts abzusichern haben. Sie gehen eine Wette ein. Der besondere Reiz am Spiel mit den Absicherungspapieren ist der so genannte Hebel: Absicherungspapiere reagieren viel stärker auf Kursentwicklungen als normale Papiere. Das steigert die Gewinnchancen enorm – und erhöht natürlich auch die Verlustgefahr.

Gewettet werden kann auf Aktien, Zinsentwicklungen, Edelmetalle und Rohstoffe. Damit das Verlustrisiko überschaubar bleibt, kaufen die Hedge-fonds ihrerseits aber auch Absicherungspapiere.

Der Markt wächst rasant. Mittlerweile liegen weltweit 600 Milliarden Euro in ungefähr 6 000 Fonds, Tendenz steigend. Es gibt aber nach wie vor zahlreiche Fonds, die genauso schnell wieder vom Markt verschwinden, wie sie auftauchen.

In Deutschland können private Anleger nicht direkt in Hedgefonds investieren. Wollen sie an der großen Spekuliererei teilnehmen, ist das vor allem mit dem Kauf von Zertifikaten möglich. Außerdem werden entsprechende ­Genussscheine und Vermögensverwaltungsverträge angeboten. Vom nächsten Jahr an sollen auch ­Hedge-Dachfonds zugelassen werden.

Zertifikate mischen Hedgefonds

Die bislang wichtigste Form sind Zertifikate. Hedgefonds-Zertifikate orientieren sich an einem Index, dessen Wert vom Abschneiden mehrerer Hedge-fonds abhängt. Es handelt sich quasi um einen Index auf einen Hedgefonds-Korb. Welche Fonds in den Korb kommen, entscheidet der Herausgeber des Indexes.

Die meisten Zertifikate mischen Fonds mit verschiedenen Strategien. Der Vorteil für den Anleger ist die Streuung: Schneidet ein Fonds mit seiner Strategie schlecht ab, wird das von anderen erfolgreicheren Fonds aufgefangen. Der Nachteil: Je geringer das Risiko wird, desto geringer ist auch die Gewinnchance.

Unterschiedliche Strategien

Zertifikate, die überwiegend auf Zinsgeschäfte spekulieren, verhalten sich zumindest ansatzweise wie Anleihen. Aktienorientierte Zertifikate wiederum entwickeln sich teilweise ähnlich wie Aktien. Andere Strategien dagegen folgen weder den Aktien- noch den Zinsmärkten, sondern setzen auf Rohstoffe.

Rechtlich gesehen sind Zertifikate Schuldverschreibungen. Anleger können im schlimmsten Fall ihr Geld dadurch verlieren, dass die ausgebende Bank Pleite geht. Sie sollten daher darauf achten, von wem sie die Papiere kaufen.

Die Zertifikate werden nach Ablauf der anfänglichen Zeichnungsfrist in der Regel an der Börse gehandelt. Anleger können entweder zeichnen, dann bekommen sie das Papier direkt von der Bank, oder es über die Börse kaufen. Für den Kauf oder Verkauf über die Börse berechnen die Banken zwischen 0,5 und 1 Prozent vom Kurswert. Allerdings hat der Handel an der Börse einen Haken: Die Papiere gelten als illiquide. Anleger finden hier selten einen Käufer oder Verkäufer.

Hinzu kommt außerdem entweder ein Ausgabeaufschlag, wenn das Papier von der Bank bezogen wird, oder der Spread. Der Spread ist der Unterschied zwischen Kaufkurs und Verkaufskurs. Er beträgt oft 2 bis 3 Prozent.

Viele Zertifikate haben eine begrenzte Laufzeit. Steht das Zertifikat ausgerechnet am letzten Tag in der Verlustzone, hat der Anleger Pech. Ihm bleibt keine Zeit mehr, auf Besserung zu hoffen.

Ausgewählte Angebote

Finanztest stellt beispielhaft einige Angebote vor. Über die Qualität lässt sich wenig sagen, weil die Papiere noch nicht lange genug am Markt sind.

  • Deutsche Bank Arix Equity Strategies Transparent Zertifikat (Isin DE 000 831 997 1): Arix wird neu aufgelegt und bezieht sich auf einen Index, der sich anfangs aus acht Hedgefonds zusammensetzt und vierteljährlich angepasst wird. Schlechte Fonds sollen ­herausgenommen werden und neue gute Fonds, die die Indexkriterien erfüllen, zusätzlich hinzukommen.

Diese Hedgefonds verfolgen vor allem aktienbezogene Strategien wie zum Beispiel den Kauf von unterbewerteten und Verkauf von überbewerteten Aktien. Der Index notiert in Dollar, das Währungsrisiko wird nach Angaben der Deutschen Bank jedoch reduziert.

Die Mindestanlagesumme beträgt 1 000 Euro, hinzu kommen 2 Prozent Ausgabeaufschlag und 2 Prozent jährliche Verwaltungsgebühr. Das Zertifikat läuft unbegrenzt. Die Zeichnungsfrist endet am 24. Juni 2003, danach wird das Papier an der Börse gehandelt.

  • Merrill Lynch Alternative Investment Index-Euro-Zertifikat (Isin DE 000 841 888 0): Das Zertifikat wird ebenfalls neu aufgelegt und bezieht sich auf den Ferro Absolute Return Index. Der Index bildet die Entwicklung verschiedener Hedgefonds ab, die nach Angaben von Merrill Lynch unterschiedliche Investmentansätze verfolgen. Die Mindestanlagesumme beträgt 5 000 Euro, hinzu kommen 5 Prozent Ausgabeaufschlag. Die Laufzeit endet am 16. Juli 2007. Die Zeichnungsfrist läuft bis 23. Mai 2003. Auch dieses Papier ist währungsgesichert.
  • Hypovereinsbank Companion-Family: Die drei Hedgefonds-Zertifikate der Hypovereinsbank bieten unterschiedliche Investmentansätze an.

Das Zertifikat Companion (Isin DE 000 783 304 8) verfolgt vor allem Arbitragegeschäfte und soll nach Angaben der Hypovereinsbank wenig riskant sein. Das etwas riskantere Advanced Com­panion (Isin DE 000 783 305 5) mischt unter anderem Arbitragegeschäfte und aktienorientierte Investmentstile. Das Dynamic Companion (Isin DE 000 783 306 3) verfolgt ebenfalls anleihen- und aktienorientierte Strategien, allerdings nicht nur mit eigenem, sondern auch aufgenommenem Geld. Das Dynamic Companion ist nach Angaben der Hypovereinsbank in der Companion-Familie das riskanteste.

  • Dresdner Bank AI Global Hedge Zertifikat (Isin DE 000 586 888 9): Das AI-Zertifikat bildet die Wertentwicklung von Dachfonds ab, die ihrerseits Anteile von einzelnen Hedgefonds halten. Die Mindestanlagesumme beträgt 10 000 Euro, das Zertifikat läuft zunächst fünf Jahre, kann dann allerdings verlängert werden. Es ist über die Börse zu beziehen.
  • UBS Warburg S&P Hedge Fund Zertifikat (Isin DE 000 736 394 7): Das Zertifikat bildet den S & P-Hedgefonds-Index von Standard & Poors ab. Der Index basiert auf der Wertentwicklung von 40 Hedgefonds und mischt mindestens drei Investmentstilrichtungen, darunter die Arbitragegeschäfte und die ereignisorientierten Ansätze. Die Zertifikate gibt es in einer Stückelung zu je 10 000 Euro. Die Verwaltung kostet 2 Prozent pro Jahr.
  • Commerzbank Comas Unlimited Zertifikat (Isin DE 000 716 814 8): Das Zertifikat bezieht sich auf einen Hedge-fonds-Index, der Hedgefonds verschiedener Ausrichtungen mischt. Zuletzt lag der Schwerpunkt auf Arbitragegeschäften mit Anleihen und Wandelanleihen. Die Mindestanlage beträgt 1 000 Euro, der Spread 4 Prozent. 2,5 Prozent pro Jahr kostet die Verwaltung. Hinzu kommt eine erfolgsabhängige Vergütung von 10 Prozent. Das Zertifikat läuft unbegrenzt. Anleger können es mit einer Frist von 100 Tagen zum Quartalsende kündigen. Das Geld wird 50 Tage später ausgezahlt.

Dachfonds

Vom kommenden Jahr an sollen private Anleger Dachfonds kaufen können, die in einzelne Hedgefonds investieren. Im Prinzip funktionieren Dachfonds ähnlich wie Zertifikate. Es wird Dachfonds geben, die bei der Auswahl der Einzelfonds einen Mix verschiedener Hedge-fonds-Strategien anstreben. Das wäre die Variante mit dem geringsten Risiko. Andere Dachfonds mischen womöglich nur Hedgefonds, die ähnliche Ansätze verfolgen. Diese Produkte ließen sich dann zielgerichtet zur Risikominderung einsetzen.

Doch es gibt auch Unterschiede zwischen Dachfonds und Zertifikaten. Die meisten Zertifikate sind so genannte passive Produkte. Einmal zusammengestellt, bleiben die Indizes in der Regel über die gesamte Laufzeit erhalten. Dachfonds dagegen lassen ein aktives Management erwarten.

Die Preise von Dachfonds werden täglich ermittelt. Der Anleger wird seinen Fonds jederzeit zurückgeben können und im Unterschied zu Zertifikaten immer einen fairen Preis bekommen.

Anders als bei Zertifikaten liegt bei Dachfonds das Geld der Anleger in einem Sondervermögen. Das heißt, Anleger müssen beim Kauf nicht auch noch die Kreditwürdigkeit der ausgebenden Gesellschaft beachten, wie das bei den Zertifikaten der Fall ist.

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