Zertifikate

Vier Zertifikate­typen unter der Lupe

26.08.2019
Inhalt

Zins­zertifikate

Produktbei­spiele (Isin):

Helaba Carrara Fest­zins­anleihe 06e/19-06/27 (DE 000 HLB 31H 5)

Deka­Bank Pfingst-Anleihe (DE 000 DK0 TDJ 7)

LBBW Zins­differenz-Anleihe mit Zielzins (DE 000 LB2 CJF 5)

Beschreibung. Die Fest­zins­anleihe der Helaba bietet acht Jahre lang 0,55 Prozent pro Jahr, die Pfingst-Anleihe für ebenfalls acht Jahre einen Stufenzins von 0,25 Prozent im ersten bis 1 Prozent im achten Jahr, was einer Rendite von 0,5 Prozent pro Jahr entspricht. Bei der Zins­differenz­anleihe der LBBW hängen Lauf­zeit und Ertrag von der lang­fristigen Entwick­lung 10-jähriger und 30-jähriger Zinsen ab: Wenn es gut läuft, erhält der Anleger sechs Jahre lang 1 Prozent pro Jahr, im ungüns­tigsten Fall nach 20 Jahren insgesamt 6 Prozent Zinsen, was einer Rendite von unter 0,3 Prozent pro Jahr entspricht. Das komplizierte Produkt ist für Normal­anleger nicht zu verstehen.

Chance. Etwas bessere Rendite als bei üblichen Sparbüchern oder Fest­geld­angeboten von Filial­banken.

Risiko. Die voll­ständige Rück­zahlung am Laufzeit­ende ist nur sicher, wenn der Emittent zahlungs­fähig ist. Bei einigen Zertifikaten steht die Lauf­zeit nicht fest, bei vorzeitigem Verkauf sind Verluste möglich.

Finanztest-Kommentar. Zins­zertifikate sind größ­tenteils unattraktiv und allenfalls für Bank­kunden interes­sant, die bereits ein Wert­papierdepot haben und kein zusätzliches Konto bei einer anderen Bank eröffnen wollen. Besonders von Zins­produkten mit komplexen Bedingungen wie Zins­differenz-Anleihen raten wir ab. Anleger wissen vorher nicht, wie lange sie ihr Geld fest­legen und welche Rendite sie erhalten werden. Anders als bei den von Finanztest empfohlenen Fest­zins­angeboten wird die Rendite von Zins­zertifikaten meist durch Kauf- und/oder Depot­kosten geschmälert.

Aktien­anleihen

Produktbei­spiele (Isin):

Deutsche Bank: Aktien­anleihe auf Adidas (DE 000 DC4 82K 3)

Deka­Bank 10,00 % Luft­hansa Aktien­anleihe 10/2019 (DE 000 DK0 S5M 1)

Beschreibung. Der Anleger setzt nur indirekt auf die Entwick­lung einer Aktie, denn er erhält eine feste Verzinsung, verzichtet aber auf Dividenden und die Teil­nahme an positiven Kurs­entwick­lungen. Die Anleihe auf Adidas bringt 6,1 Prozent, die auf Luft­hansa 10 Prozent pro Jahr. Letztere hat aber nur eine Lauf­zeit von sechs Monaten. Aktien­anleihen gehören nicht zu den sicheren Zins­anlagen, denn sie haben ein fast so hohes Kurs­risiko wie die Bezugs­aktie. Notiert die Aktie am Ende der Lauf­zeit unter­halb ihres Ausgangs­kurses, erhält der Anleger normaler­weise die Aktie, manchmal den Gegen­wert in bar. Ein kleiner zwischen­geschalteter Kurs­puffer kann dieses Risiko leicht senken.

Chance. Wenn sich der Aktienkurs bis zum Ende der Lauf­zeit nicht stark verändert, winkt dem Anleger eine recht attraktive Verzinsung.

Risiko. Anleger können im Falle eines Börsencrashs ähnlich hohe Verluste erleiden wie bei einem reinen Aktien­investment. Legt die Aktie deutlich zu, verpasst der Anleger einen Groß­teil des Kurs­gewinns, da er auch dann nur die fest­gelegte Verzinsung erhält.

Finanztest-Kommentar. Aktien­anleihen sind zumindest im aktuellen Markt­umfeld kaum empfehlens­wert. Anleger erhalten zurzeit für das Aktienrisiko, das sie eingehen, kaum Kompensation. Den nur auf den ersten Blick beacht­lichen Zins finanzieren sie teil­weise durch den Verzicht auf Dividenden. Kauf- und Verwahr­kosten nagen außerdem an der Rendite. Mit Aktien­anleihen verzichten Anleger auf Kurs­chancen, obwohl sie auf der anderen Seite nahezu das voll­ständige Markt­risiko tragen.

Express­zertifikate

Produktbei­spiel (Isin):

DZ Bank Zinsfix Express Stepdown 6 19/22: Basis­wert Euro Stoxx 50 (DE 000 DGE 415 5)

Beschreibung. Epress­zertifikate beziehen sich meist auf einen Aktien­index. Anleger verzichten auf Dividenden und Kurs­steigerungen, im Gegen­zug gibt es eine feste Verzinsung. Das Zertifikat wird vor Ende der maximalen Lauf­zeit fällig, wenn der Kurs des Aktien­indexes am jähr­lichen Über­prüfungs­tag über einer fest­gelegten Schwelle liegt. Sonst läuft das Zertifikat bis zum nächsten Über­prüfungs­tag weiter. Fällt der Kurs des Aktien­indexes während der Lauf­zeit unter eine deutlich nied­riger liegende Schwelle, kann der Anleger am Ende der Lauf­zeit hohe Verluste erleiden.

Chance. Bessere Rendite als bei sicherem Fest­geld, das oben genannte Zertifikat hat eine Verzinsung von 2 Prozent pro Jahr.

Risiko. Anleger tragen das Risiko eines seltenen, dafür aber hohen Verlustes. Die Zertifikate bieten zwar einen groß­zügigen Puffer zur unteren Kurs­schwelle (beim Express­zertifikat der DZ Bank rund ein Drittel des Start­kurses), aber im Falle eines Börsencrashs kann sie gerissen werden. In der Vergangenheit gab es beim Euro Stoxx 50 schon mal Verluste von fast 65 Prozent.

Finanztest-Kommentar. Express­zertifikate eignen sich nicht für den lang­fristigen Vermögens­aufbau. Aber auch für das kurz­fristige Geld­parken sind sie sehr zwiespältig. Anleger erhalten zwar eine über­durch­schnitt­liche Verzinsung, gehen aber ein unkalkulier­bares Risiko ein. Das Express­zertifikat der DZ Bank hat zudem einen fiesen Haken: Beim Durch­brechen der unteren Kurs­schwelle erhalten Anleger ein Indexzertifikat auf den Euro Stoxx 50, der keine Dividenden berück­sichtigt. Dieses Zertifikat hat aufgrund des Dividenden­verzichts Kosten von über 3 Prozent pro Jahr.

Garan­tiezertifikate

Produktbei­spiel (Isin):

HVB Garant Anleihe 01/2025 auf den Multi Asset ETF Index (DE 000 HVB 3K8 1)

Beschreibung. Garan­tiezertifikate versprechen Anlegern voll­ständigen oder weit­gehenden Kapital­erhalt am Ende der Lauf­zeit. Hinter der HVB Garant Anleihe steht darüber hinaus ein sehr kompliziertes Konzept. Das Zertifikat bezieht sich auf den Multi Asset ETF Index, einen von der HVB selbst entwickelten Aktien-Renten-Index mit „aktiver Risi­kost­euerung“. Es läuft noch ungefähr fünf­einhalb Jahre. Anleger werden an der Index­entwick­lung zu 50 Prozent beteiligt.

Chance. Die voll­ständige Rück­zahlung am Laufzeit­ende ist gesichert, sofern der Emittent nicht pleite­geht. Im güns­tigsten Fall erzielen Anleger eine etwas bessere Rendite als mit Tages- oder Fest­geld – in der opti­mistischsten Berechnung des Anbieters gut 2 Prozent pro Jahr.

Risiko. Bei vorzeitigem Verkauf des Zertifikats sind Verluste möglich. Selbst am Ende der Lauf­zeit kann nach Abzug der Kosten ein kleines Minus stehen.

Finanztest-Kommentar. Im aktuellen Zins­umfeld ist es nicht möglich, über­zeugende Garan­tieprodukte anzu­bieten. Die HVB Garant Anleihe ist dafür ein Musterbei­spiel. Über den Index gibt es zwar inhalt­liche Informationen, aber die Konstruktion des Zertifikats ist so vielschichtig, dass Anleger die Katze im Sack kaufen. Auf den Internet­seiten der Hypo­Ver­eins­bank/UniCredit können Anleger in Erfahrung bringen, dass im Index jähr­liche Kosten von 2,1 Prozent anfallen. Der Index hat seit seiner Auflage um knapp 1,3 Prozent (Stand: 15. Juli 2019) zugelegt. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum stieg der MSCI World um 21,2 Prozent. Nach Meinung von Finanztest sollten Anleger von Garan­tiezertifikaten, hinter denen ein selbst gestrickter Index steht, die Finger lassen.

26.08.2019
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