Zertifikate

Wo bei Zertifikaten gern getrickst wird

26.08.2019
Inhalt

Trügerische Werbung

In der Werbung wirken börsen­abhängige Zertifikate oft wie Zins­produkte. Eine Aktien­anleihe auf Luft­hansa wurde zum Beispiel so beworben: „Starten Sie durch mit 6,65 % p. a. Zinsen“. Dass Anleger dabei ein erhebliches Börsenrisiko eingehen, wird nicht sofort deutlich.

Undurch­sichtige Konstruktion

Viele Zertifikate sind wahre Kunst­werke der Verschachtelung. Ihre Verzinsung oder Fälligkeit ist an zig Bedingungen geknüpft, die selbst für Finanzkenner schwer durch­schaubar sind und die meisten Anleger völlig über­fordern. Finanztest hat bereits im Jahr 2009 die Komplexität von Zertifikaten mit einer Maßzahl erfasst. Mehr­fach kamen wir auf einige Dutzend, im krassesten Fall auf mehr als 200 Bedingungen, von denen die Entwick­lung des Zertifikats abhängt.

Versteckte Kosten

Anleger werden an mehreren Stellen zur Kasse gebeten. Oft zahlen sie beim Kauf einen Ausgabe­aufschlag, manchmal gibt es auch jähr­liche Kosten. Dazu kommen bei bestimmten Produkten zusätzliche Kosten, die allenfalls gut informierte Anleger bemerken. So bleiben Dividenden bei Zertifikaten, die sich auf Aktien oder Börsenindizes beziehen, oft beim Anbieter. Um das zu erkennen, müssten Anleger wissen, dass das Zertifikat nicht einen „Performance­index“, sondern einen Kursindex abbildet. Selbst bei Dividendenindizes wie dem deutschen DivDax gibt es Zertifikate auf den Kursindex.

Ungewisse Lauf­zeit

Bei vielen Zertifikaten ist beim Kauf nicht klar, wie lange sie laufen werden. Das betrifft zum Beispiel Express­zertifikate, die vorzeitig fällig werden können, und Zins­produkte, die an Szenarien geknüpft sind. Auch bei „Endloszertifikaten“, wie den meisten Indexzertifikaten oder themenbezogenen Aktienkörbe, kann es passieren, dass der Heraus­geber sie mit einer im Prospekt genannten Frist kündigt. Der Begriff ist daher miss­verständlich.

26.08.2019
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