Zertifikate sind der Verkaufsschlager der Banken. Doch nicht alles, was sie unters Volk bringen, taugt etwas. Finanztest stellt einige Papiere vor, die für Anleger nützlich sein können.

Die Banker müssen jede Menge Spaß dabei haben, wenn sie Zertifikate und ähnliche Produkte basteln. Da gibt es sogar Papiere, deren Wertentwicklung davon abhängt, wie sich die schlechteste aus einer kleinen Auswahl von Aktien entwickelt. Das taufen sie dann Pluszins Garant oder „Goldener Herbst“-Anleihe. Hübsch klingen Schmetterling, Twin-Win und Victory. Mit diesen Zertifikaten können Anleger von steigenden und fallenden Kursen ­ein- und desselben Wertes profitieren.

Die Spielereien kennen keine Grenzen. Und wenn die Fantasie nicht für ein ganz neues Wertpapier reicht, dann erfinden sie Varianten für ältere Papiere wie Discount- oder Bonuszertifikate.

Spaß macht den Bankern auch der ­Gedanke daran, was sie mit den Produkten verdienen. Je undurchsichtiger die aus ­Optionen gestrickten Papiere sind, desto mehr können sie für sich abzwacken.

Doch nicht nur Banken, auch Anleger können mit Zertifikaten gewinnen. Sie sind bequem und oft weniger riskant als die Originale, von denen sie abgeleitet sind: Aktien, Indizes, Anleihen oder Rohstoffe. Mit ihnen lassen sich sogar Anlageideen verwirklichen, die sich mit den ­althergebrachten Instrumenten nicht umsetzen ließen.

Finanztest hat einige Anlageideen zusammengetragen und stellt im Folgenden die wichtigsten Papiere vor.

Anlegen in Aktien

Zertifikate sind eine bequeme und kostengünstige Möglichkeit, in Aktienmärkte oder mehrere Einzelaktien zu investieren.

  • Zertifikate als Alternative zu Fonds:

Statt eines Aktienfonds Deutschland können Anleger auch ein Indexzertifikat auf den deutschen Aktienindex Dax kaufen. Vor allem wer nicht regelmäßig seine Fondsauswahl überprüfen und neu gestalten will, fährt mit Indexzertifikaten die bequemere Tour.

Dafür verzichtet er auf Renditechancen. Der beste deutsche Aktienfonds etwa, der Adig Fondak, hat über die vergangenen fünf Jahre ein Plus von im Schnitt 2 Prozent pro Jahr gemacht. Der Dax dagegen liegt mit 7 Prozent im Minus ­– pro Jahr.

Anleger schneiden mit Indexprodukten aber auch nicht schlechter ab als der Markt, was durchschnittlich zwei Dritteln der Fondsmanager passiert.

Mit Zertifikaten können Anleger auch auf andere deutsche Indizes wie den MDax oder den TecDax spekulieren. Für ausländische Märkte gibt es ebenfalls Papiere.

  • Mit Zertifikaten Strategien umsetzen:

Ob Nanotechnologie, Fußball-WM oder Firmen mit marktbeherrschender Stellung: Wer in Aktien investiert, kann viele Kriterien zur Auswahl heranziehen. Doch der Kauf einzelner Papiere ist teuer. Billiger ist es, die Papiere im Paket zu kaufen, Banker sprechen von Baskets, also von Körben.

In die Körbe packen sie Aktien, die ihnen zur Branche, zum Thema oder einer besonderen Strategie gut gefallen, und dort bleiben sie dann. Erst später stellt sich ­heraus, ob die Auswahl gut war.

Mitunter passen die Banker ihre Auswahl während der Laufzeit an. Die Regel ist das aber nicht und mit dem aktiven Management eines Fonds nicht vergleichbar.

Anlegen mit Kapitalschutz

Beliebt sind Zertifikate, weil viele Papiere Schutz vor Verlusten bieten und ihre Renditechancen dennoch höher sind als die mancher Sparanlagen.

  • Zertifikate mit Kapitalgarantie:

Meistens sind Garantiezertifikate so konstruiert, dass der größte Teil des Anlagebetrags in eine Anleihe fließt. Zins und Zinseszins stellen den Kapitalschutz sicher. Der andere, kleinere Teil fließt in Aktienoptionen, die Gewinn bringen sollen.

Wenn die Zinsen so niedrig sind wie jetzt, bleibt für die Optionen nicht viel übrig. Eine höhere Renditechance wahren Zertifikate, die keinen vollen Kapitalschutz bieten, sondern nur einen Teil des Anlagebetrags absichern.

Manchmal denken sich die Banker auch Zertifikate aus, deren Wertentwicklung auf Durchschnittswerten beruht. Dann bekommt der Anleger statt des tatsächlichen Anstiegs eines Aktienkorbes oder Indexes einen Mittelwert – und hat dabei meist das Nachsehen. Nur wenn ein Wert erst stark steigt und dann stark fällt, ist die Durchschnittsmethode die bessere.

  • Zertifikate mit Verlustpuffer:

Mit Discountzertifikaten kaufen Anleger eine Aktie oder ein Indexzertifikat unter dem aktuellen Wert. Der Discount dient gleichzeitig als Puffer für etwaige Verluste, weil der Anleger mit dem Zertifikat nie so viel verlieren kann wie der Direktinvestor.

Als Preis für den Schutz muss der Anleger auf Dividenden verzichten. Außerdem ist seine Gewinnchance gedeckelt.

  • Zertifikate mit Teilkaskoschutz:

Bonuszertifikate sichern nur kleinere Verluste ab, bieten aber keinen Schutz vor ­Abstürzen. Dafür sind die Gewinne nicht begrenzt. Bewegen sich die Kurse der Basiswerte, auf die sich die Papiere beziehen, nicht auf-, sondern seitwärts, profitiert der Anleger von einer Bonuszahlung.

Problematisch ist die lange Laufzeit, die meisten Bonuszertifikate laufen drei, vier Jahre oder länger. Da ist die Wahrscheinlichkeit nicht so gering, dass der Basiswert unter die für Schutz und Bonus relevante Schwelle fällt.

Auch bei diesen Papieren streicht die Bank die Dividenden ein – zur Finanzierung von Bonus und Teilkaskoschutz.

Das ist genauso wie bei anderen kapitalgeschützten Zertifikaten. Dabei können gerade die Dividendenausschüttungen Aktionären und Fondsbesitzern in schwierigen Börsenzeiten einen gewissen Ausgleich für Verluste bieten.

Auf hohe Gewinne spekulieren

Zertifikate können auch genau das Gegenteil von Schutz bieten: Mit Outperformance- und Hebelzertifikaten können Anleger höhere Gewinne erzielen, als wenn sie ­direkt in Aktien oder Indizes investieren.

  • Katalysator für Kursgewinne:

So genannte Outperformance-Zertifikate steigen, wenn ihr Basiswert steigt, aber nicht eins zu eins, sondern noch ein bisschen mehr – zum Beispiel um den Faktor 1,3 oder 1,9. Anleger erkaufen sich die zusätzliche Chance, indem sie auch hier auf Dividenden verzichten.

Eine Variante ist das Sprint-Zertifikat, das eine zusätzliche Gewinnchance nur innerhalb einer bestimmten Bandbreite bietet. Durchstößt der Basiswert eine obere Grenze, mehrt sich der Gewinn nicht mehr, sondern bleibt stehen.

  • Anlegen mit Vollgas:

Hebelzertifikate vervielfachen Gewinne. Sie nennen sich Turbo, Turbo Call, Wave, Mini Future oder Knock-out-Zertifikat und machen aus kleinen Gewinnen große. Dividenden gibt es auch hier nicht.

Mit Hebelprodukten können Anleger von steigenden oder fallenden Märkten profitieren. Spekulieren sie allerdings in die falsche Richtung, müssen sie damit rechnen, dass sie ihren Einsatz verlieren. Anders als die verwandten Optionsscheine sind Hebelpapiere einfach verständlich. Sie werden aber sofort völlig wertlos, wenn der Kurs des Basiswerts eine bestimmte Schwelle berührt. Das ist der K. o. für den Anleger.

Dann ist für ihn der Spaß vorbei. Sollte das Spiel aber gut gehen, bereitet es nicht nur den Bankern, sondern auch den Anlegern jede Menge Vergnügen.

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