Zertifikate Test

Mit Zertifikaten können Anleger in nahezu jeder Marktphase Geld verdienen. Finanztest zeigt, wie sie die passenden Discount- und Bonuszertifikate für heiteres und trübes Börsenwetter finden.

Aktien sind Schönwetterwertpapiere. Nur, wenn an der Börse die Sonne scheint, machen sie wirklich Spaß. Mit Zertifikaten können Anleger auch dann Geld verdienen, wenn die Kurse Kapriolen schlagen.

Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass Bonus- und Discountzertifikate auch bei wechselhaftem Börsenwetter gute Erträge bringen können (siehe Test Bonuszertifikate, Test Discountzertifikate).

Das gilt auch für so stürmische Zeiten wie die jetzige – unter der Voraussetzung allerdings, dass das Zertifikat zum Anleger passt und seiner Markteinschätzung und Risikobereitschaft entspricht. Wir haben uns den deutschen Aktienmarkt vorgenommen und zeigen Schritt für Schritt, wie Anleger ein für ihre Anlageidee geeignetes Discount- oder Bonuszertifikat auf den Dax finden (siehe Tabelle „Discount- und Bonuszertifikate im Vergleich“).

1. Schritt: Die Anlagedauer

Zunächst müssen sich die Anleger entscheiden, wie lange sie ihr Geld anlegen wollen. Bonuszertifikate und die meisten Discountzertifikate haben eine feste Laufzeit. Zwar können die Papiere auch vor der Fälligkeit jederzeit verkauft werden, aber für die Wahl des richtigen Zertifikats ist wichtig, wann es fällig wird.

Zurzeit empfiehlt sich schon aus steuerlicher Sicht eine Anlage von rund einem Jahr. Anleger, die jetzt ein- und in einem Jahr wieder aussteigen, bekommen die Gewinne abgeltungsteuerfrei. Nach dem 30. Juni 2009 hingegen zieht die Bank die neue Steuer ab (siehe „Zertifikate und Abgeltungsteuer“).

2. Schritt: Die Markteinschätzung

Auch die derzeit schwierige Marktlage, die eine Prognose der weiteren Entwicklung erschwert, spricht für eine eher kürzere Anlagezeit. Von der richtigen Einschätzung der Marktentwicklung hängt aber die Wahl des passenden Papiers ab. Je nachdem, ob ein Anleger steigende, stagnierende oder fallende Börsenkurse erwartet, wählt er ein anderes.

Übertragen auf die momentane Lage auf dem deutschen Aktienmarkt könnte eine Vorhersage so aussehen: Die Kurse werden zwar weiterhin stark schwanken, doch der Dax würde in einem Jahr unverändert um die 6 500-Punkte-Marke pendeln. Das wäre aus unserer Sicht eine „neutrale“ Markteinschätzung.

Anleger, die weitere Verluste für so gut wie sicher halten, blicken dagegen „pessimistisch“ in die Zukunft. Wer denkt, dass das Schlimmste der Finanzkrise vorbei ist, ist „optimistisch“ (siehe Tabelle „Discount- und Bonuszertifikate im Vergleich“).

3. Schritt: Die Risikobereitschaft

Nachdem der Anleger sich eine Meinung zur künftigen Entwicklung der Märkte gebildet hat, ist er nun gefragt, seine Risikobereitschaft einzustufen.

Alle drei Anlegertypen, die Optimisten, die Pessimisten und die Neutralen, können jeweils eine unterschiedliche Risikobereitschaft aufweisen. Der Optimist kann im Grund seines Herzens ein Angsthase sein: Auch wer steigende Kurse an der Börse erwartet, kann das Risiko scheuen. Das gilt mit umgekehrten Vorzeichen auch für den Pessimisten.

Mit Risikobereitschaft meinen wir in diesem Fall die Wahrscheinlichkeit, einen Verlust zu erleiden. Beträgt die Verlustwahrscheinlichkeit 5 Prozent, heißt das, dass der Anleger in 95 Prozent der Fälle einen Gewinn macht, in 5 Prozent der Fälle aber Geld verliert. Darüber, wie hoch sein Verlust ausfällt, sagt die Wahrscheinlichkeit aber nichts aus.

In unserer Auswahltabelle unterscheiden wir eine hohe, mittlere und niedrige Risikobereitschaft. Je nachdem, ob der Anleger für die künftige Kursentwicklung optimistisch, neutral oder pessimistisch gestimmt ist, unterscheidet sich sein Gefühl für das Risiko. Ein risikobereiter Anleger, der zuversichtlich in die Zukunft blickt, akzeptiert nach unserem Modell eine höhere Verlustwahrscheinlichkeit als ein risikobereiter Anleger, der neutral eingestellt ist.

Eine neutrale oder pessimistische Markteinschätzung geht aus unserer Sicht nur mit hoher oder mittlerer Risikobereitschaft zusammen. Wer von stagnierenden oder fallenden Kursen ausgeht und gleichzeitig das Risiko scheut, sollte Discount- und Bonuszertifikate meiden. Aus diesem Grund gibt es die Einstufung „niedrige“ Risikobereitschaft nur bei optimistischer Markteinschätzung.

4. Schritt: Das Auswahlverfahren

Aus der Einschätzung des Marktes und der Risikobereitschaft ergeben sich Eckwerte für die konkrete Auswahl.

Am 25. März stand der Dax nachmittags bei etwas mehr als 6 500 Punkten. Ausgehend von diesem Punktestand gilt für die Auswahl des passenden Discount- oder Bonuszertifikats in unserer Auswahltabelle die mittlere Spalte.

Angenommen, ein Anleger erwartet den Dax in einem Jahr ungefähr auf heutigem Niveau, hat demnach eine neutrale Markteinschätzung. Seine Risikobereitschaft ist hoch. Er sucht sich ein Discountzertifikat mit einem Discount von 12,3 Prozent oder ein Bonuszertifikat mit einer Sicherheitsschwelle, die bei 5 700 Punkten liegt.

Bei der Suche kann er sich entweder von seinem Bankberater helfen lassen oder sich selbst ins Internet begeben (siehe „Börsenseiten richtig nutzen“). Wir haben auf der Seite der Frankfurter Börse gesucht und je sechs Discount- sowie Bonuszertifikate erhalten, auf die unsere Kriterien passen: Als Basiswert haben wir den Dax gewählt, für die Fälligkeit den Zeitraum zwischen dem 1. Mai und dem 30. Juni 2009. Es ist wichtig, dass dieser Zeitraum nicht zu lang ist.

  • Discountzertifikat: Der Discount soll, so sagt es die Tabelle (siehe Tabelle „Discount- und Bonuszertifikate im Vergleich“), bei rund 12,3 Prozent liegen. Unter den Treffern sind Papiere mit einem Discount zwischen mindestens 12,1 und höchstens 12,6 Prozent.

Die Papiere kosten alle ungefähr gleich, rund 57 Euro. Umgerechnet entspricht das einem Dax-Punktestand von 5 700 Punkten, sprich: Der Discount auf den aktuellen Dax-Stand beträgt 800 Punkte.

Wir wählen das Zertifikat mit dem höchsten Cap, in diesem Fall ein Papier der BNP Paribas mit einem Cap von 6 650 Punkten (Isin DE 000 BN0 K8X  8). Es läuft bis 19. Juni 2009 und hat einen Discount von 12,33 Prozent. Damit können wir eine maximale Rendite von 13,45 Prozent pro Jahr erzielen.

  • Bonuszertifikat: Laut Tabelle soll die Sicherheitsbarriere bei 5 700 Punkten liegen. Obwohl die Papiere alle dieselbe Barriere haben, bringen sie unterschiedliche Renditen. Das liegt daran, dass die Bonusgrenze, die obere Kursschwelle, jeweils anders ist. Wir wählen das Bonuszertifikat mit der höchsten Bonusgrenze. In diesem Fall bietet das ein Papier von Goldman Sachs (Isin DE 000 GS0 0P2 1). Es läuft ebenfalls bis 19. Juni 2009. Die Bonusgrenze liegt bei 11 100 Punkten. Das Papier kostet rund 81 Euro.

Bleibt der Dax während der Laufzeit immer über der Sicherheitsschwelle und steht in einem Jahr innerhalb der Bonusobergrenze, bekommen wir eine Rendite von rund 29 Prozent pro Jahr.

5. Schritt: Die Entscheidung

Bei gleicher Verlustwahrscheinlichkeit bringt das Bonuszertifikat eine höhere Rendite als das Discountzertifikat. Damit wäre im Grunde klar, wofür wir uns entscheiden. Doch Vorsicht! Es gilt die bekannte Regel: Eine höhere Rendite gibt es nicht umsonst.

Tatsächlich ist es so, dass der Anleger mit dem Bonuszertifikat einen höheren Verlust machen kann als mit dem Discountzertifikat. Das liegt daran, dass der Anleger bei den Bonuszertifikaten ausgeknockt werden kann. Sobald der Dax die Sicherheitsbarriere berührt oder unterschreitet, verliert der Anleger den Anspruch auf den Bonus. Das Zertifikat entwickelt sich fortan ähnlich wie ein Indexzertifikat. Selbst wenn der Basiswert sich wieder erholt, kann es lange Zeit dauern, bis das Zertifikat den ursprünglichen Preis wieder erreicht (siehe „So rechnen sich...“).

Das Discountzertifikat dagegen steigt und fällt gleichmäßig. Es gibt keinen Kurssprung wie beim Bonuszertifikat. Ein kleiner Kursrückgang ist deshalb schnell wieder aufgeholt.

6. Empfehlungen

Anleger, die sich nach unseren Vorgaben auf die Suche nach Bonus- und Discountzertifikaten machen, sollten beachten, dass unsere Tabelle keine Aussage über die Verlusthöhe macht. Wer nicht nur Wert darauf legt, möglichst keinen Verlust zu machen, sondern diesen, sofern er doch eintritt, so gering wie möglich zu halten, ist mit Discountzertifikaten besser bedient.

Der Preis, den er dafür bezahlt, ist zum einen eine geringere Renditechance. Zum anderen sind seine Gewinne gedeckelt. Steigt der Dax stärker als angenommen, hat der Discountkäufer davon nichts.

Bei Bonuszertifikaten ist die Gewinnchance in der Regel nicht begrenzt. Steigt der Dax über die Bonusobergrenze hinaus, steigt auch das Zertifikat. Anleger, die das Risiko eines größeren Verlustes eingehen wollen, werden doppelt belohnt. Erstens erhalten sie von vornherein eine höhere Rendite. Zweitens profitieren sie von einem unerwartet hohen Anstieg des Dax.

Mitunter liefert die Suche nach geeigneten Papieren keine Ergebnisse. So gibt es für Anleger mit neutraler Markteinschätzung für den Dax, ausgehend von einem Stand von 6 500, keine Bonuszertifikate, die im Mai 2009 fällig werden.

Anleger, die ihr Geld aber nur ein Jahr festlegen wollen, können die Suche auf Fälligkeiten bis Ende Juni 2009 ausdehnen. Verlängert sich allerdings die Restlaufzeit des Zertifikats, dann erhöht sich – in geringem Umfang – auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Verlust eintritt.

Steht der Dax zum Suchzeitpunkt nicht glatt auf 6 000, 6 500 oder 7 000 Punkten, sondern zum Beispiel bei 6 300 Punkten, sollten sich Anleger sicherheitshalber am nächsttieferen Stand orientieren – in diesem Fall in der Spalte für 6 000 Punkte.

Derzeit schwankt die Börse stärker als im langfristigen Schnitt. Bonuszertifikate können in solchen Zeiten schneller ausgeknockt werden. Discountzertifikate profitieren dagegen von Kursschwankungen. Sie sind jetzt billiger als sonst.

Das liegt daran, dass sich hinter den Papieren Optionen verbergen, deren Wert in stürmischen Zeiten steigt. Der Preis der Option wird, grob gesagt, vom Wert des Dax abgezogen und verbilligt dadurch das Discountzertifikat. Sobald sich der Sturm legt, gewinnt das Zertifikat an Wert – selbst wenn sich die Wolken am Börsenhimmel noch nicht verzogen haben.

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