Im Zuge der Finanzkrise kam niemand an Zertifikaten vorbei. Doch was steckt hinter dem Begriff? Wo investieren Index- Basket- oder Expresszertifikate? test.de gibt einen Überblick, wie die einzelnen Papiere investieren und sagt, welches Risiko sie bergen.

Keine Einlagensicherung

Zunächst: Zertifikate sind Anleihen. Anleger, die Anleihen kaufen, geben dem Emittenten (Herausgeber) dieser Anleihen einen Kredit. Was Anleger wissen müssen: Wenn der Herausgeber zahlungsunfähig wird, können sie ihr Geld ganz oder teilweise verlieren. Denn im Fall einer Bankenpleite sind Anleihen nicht vom Einlagensicherungsfonds abgedeckt. Diese schmerzliche Erfahrung mussten Inhaber von Lehman-Zertifikaten vor kurzem machen. Anleger, die Zertifikate kaufen, sollten daher genau schauen, wer der Herausgeber dieser Papiere ist. Doch bei aller Vorsicht: Dass eine so große Investmentbank wie Lehman Brothers pleite geht, konnte sich in der Vergangenheit kaum jemand vorstellen. Wer also völlig auf Nummer Sicher gehen will, sollte andere Anlageformen wie zum Beispiel Tagesgeldkonten oder Bundesschatzbriefe vorziehen. Zudem gilt: Niemand sollte sein gesamtes Vermögen allein in Zertifikate stecken. Denn die Ereignisse der vergangenen Wochen haben gezeigt, dass die Risiken durchaus auch eintreten können. Trotzdem sollte man die Zertifikate jetzt nicht pauschal verteufeln. Einige dieser Papiere bieten durchaus sinnvolle Anlagemöglichkeiten. test.de stellt im Folgenden die wichtigsten Zertifikatearten vor:

Indexzertifikate

Indexzertifikate bilden einen Index ab, zum Beispiel den deutschen Aktienindex Dax. Indexzertifikate entwickeln sich genau wie der Index. Das bedeutet für Aktienindexzertifikate hohe Renditechancen, aber auch hohe Risiken. Die Dividenden bekommt der Anleger nur, wenn es sich um einen sogenannten Performance-Index handelt. Performance-Indizes wie der Dax zählen die Dividenden im Punktestand mit. Zertifikate auf Preisindizes wie den Nikkei 225 dagegen zählen nur die Kurssteigerungen. Dividenden bleiben außen vor.

Basketzertifikate

Basketzertifikate bilden die Wertentwicklung eines Aktienkorbes ab. Diese Körbe (englisch: Baskets) können zum Beispiel 6, 10, 20 oder noch mehr Aktien enthalten. Meistens beziehen sich Basketzertifikate auf ein bestimmtes Thema, zum Beispiel den Klimawandel oder die Ölförderung. Nicht immer bekommt der Anleger die Dividenden. Die Renditechancen und Risiken sind höher als bei Indexzertifikaten, weil das Risiko nicht so breit gestreut ist.

Discountzertifikate

Mit Discountzertifikaten kaufen Anleger indirekt eine Aktie, einen Index oder Rohstoffe mit Rabatt. Der Preis für das Zertifikat liegt unter dem des Basiswerts. Der Basiswert ist der Wert, auf den sich das Zertifikat bezieht. Infrage hierfür kommen Indizes und Aktien.

Ein Beispiel: Stünde der Dax bei 4800 Punkten, dann würde das Discountzertifikate nicht 48 Euro kosten wie ein Indexzertifikat, sondern zum Beispiel nur 35 Euro – 13 Euro weniger. Dieser Abschlag wird Discount genannt, daher der Name der Papiere.

Der Discount dient als Sicherheitspuffer. Erst wenn der Dax unter 3500 Punkte fallen würde, würde der Käufer des Discountzertifikats Verlust machen. Der Käufer eines Indexzertifikats hingegen würde schon Geld verlieren, wenn der Dax weniger als 4800 Punkte zählen würde. Im Gegenzug für das geringere Risiko gegenüber Indexzertifikaten oder der Direktanlage in Aktien sind die Gewinnchancen von Discountzertifikaten begrenzt.

Bonuszertifikate

Bonuszertifikate bieten ein Aktien-, Rohstoff- oder Währungsinvestment mit Zusatzchance auf einen Bonus und einem Teilschutz vor Kursverlusten. Als Basiswert kommen Aktien, Indizes, Währungen wie der US-Dollar und Rohstoffe infrage, zum Beispiel Gold oder Öl. Bewegt sich der Basiswert in einer vorab festgelegten Bandbreite, erhält der Anleger einen Bonus ausgezahlt. Steigt der Basiswert über die Bonusobergrenze hinaus, steigt auch das Zertifikat. Einen zusätzlichen Bonus gibt es dann aber nicht mehr. Fällt der Basiswert unter die Schwelle am unteren Ende der festgelegten Bandbreite, ist der Bonus futsch. Das ist jetzt mit drei Viertel der auf dem Markt befindlichen Bonuszertifikate passiert. Ein Bonuszertifikat, das als Basiswert einen Aktienindex hat, entwickelt sich dann so wie der Index. Haben die Anleger Glück, geht es bis zum Laufzeitende wieder hoch. Haben sie Pech, können sie auch noch mehr Geld verlieren.

Expresszertifikate

Expresszertifikate sind eine Art Wette. Wenn ein vorher festgelegtes Ereignis in einem bestimmten Zeitraum eintritt, gibt es das Geld plus einen satten Zins zurück. Ein solches Ereignis kann zum Beispiel sein, dass eine Aktie zum Stichtag ein Jahr später auf einen bestimmten Kurs steigt. Wenn das Ereignis nicht eintritt, läuft das Zertifikat ein Jahr weiter. Das Spiel wiederholt sich drei oder viermal, dann läuft das Zertifikat aus und der Anleger bekommt sein Geld zurück. Wenn es schlecht läuft, bekommt er nur sein Geld und keinen Zins. Wenn er richtig Pech hat, kann er auch Geld verlieren. Auf dem Markt sind auch schwer durchschaubare Kombipapiere aus Express- und Bonuszertifikaten.

Garantiezertifikate

Der Herausgeber eines solchen Papiers garantiert, dass bei Fälligkeit mindestens das eingezahlte Kapital zurückgezahlt wird. Manchmal garantiert er sogar eine Mindestverzinsung. In manchen Fällen beträgt die Garantie nicht 100, sondern nur 90 Prozent des eingesetzten Kapitals. Mit einer Garantie ausgestattet sein können Indexzertifikate, Bonuszertifikate oder Expresszertifikate. Während der Laufzeit kann es allerdings zu Verlusten kommen. Finanztest empfiehlt diese Papiere nicht, weil die Renditechancen in der Regel viel zu niedrig sind.

Hebelzertifikate

Hebelzertifikate sind spekulative Finanzinstrumente. Sie beziehen sich auf einen Basiswert, das kann eine Aktie sein, ein Index oder ein Rohstoff. Wenn der Basiswert steigt, dann steigt das Hebelzertifikat um ein Vielfaches. Auch Verluste werden vervielfacht. Fällt der Basiswert unter eine vorgegebene Knock-out-Schwelle, verfällt das Zertifikat wertlos. Diese Papiere eignen sich nur für sehr risikofreudige Anleger.

Aktienanleihen

Hinter Aktienanleihen steckt dieselbe Anlageidee wie hinter Discountzertifikaten, sie wird nur anders umgesetzt. Statt eines Rabatts auf den Kaufpreis der Aktien gibt es eine extra hohe Zinszahlung. Daher auch der Name Anleihe. Die Zinszahlung gibt es immer, die Rückzahlung des Geldes hängt vom Preis der Aktien bei Fälligkeit der Aktienanleihe ab. Liegt der Preis unter einer bestimmten Schwelle, zahlt die Bank kein Geld aus, sondern liefert die Aktien ins Depot.

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