Wer hat an der Uhr gedreht? Im Sommer wird sie eine Stunde vor, im Winter eine Stunde zurückgestellt. © Getty Images / Stiftung Warentest (M)
Zweimal im Jahr stellen wir die Uhr um eine Stunde um. Die Zeitumstellung kann deutlich spürbare Folgen für den Biorhythmus haben. Wir erklären, worauf jeder achten kann.
Winterzeit entspricht mehr der inneren Uhr
Immer dieses ewige Hin und Her. Erst wird die Uhr vor, dann wieder zurückgestellt. Was ist nun besser für unseren Biorhythmus? Tatsächlich ist es die Winterzeit, die mehr unserer inneren Uhr entspricht – das sagen die Experten. Gerade die innere Uhr macht unseren Biorhythmus aus und beeinflusst damit auch unseren Schlaf, unseren Herzschlag, unsere Stimmung.
Diese innere Uhr ist ein komplexes System und tickt bei jedem Menschen anders. Allen gefühlten Wahrnehmungen zum Trotz: Weltweit belegen viele Studien ungesunde Folgen durch die Sommerzeit – von metabolischen Erkrankungen bis zu psychischen Problemen.
Studien zu gesundheitlichen Folgen
So zeigt beispielsweise eine Studie der Universität Bologna, dass die Schlaf- und Wachzyklen durch die Umstellung auf Sommerzeit deutlich stärker gestört werden als durch die Umstellung auf Winterzeit. Und das um fünf Prozent höhere Risiko für einen Herzinfarkt dokumentiert die Studie des Karolinska-Instituts Schweden, einen Anstieg beobachten auch die amerikanischen Kollegen am William Beaumont Hospital in Michigan.
Wie innere Uhr und Stoffwechselstörungen zusammenhängen, wird in Göttingen erforscht. Die negativen Folgen für den Biorhythmus stellen Studien aus Deutschland dar – darunter, wie der soziale Jetlag mit einem erhöhten BMI verbunden ist und somit zur Fettleibigkeit beiträgt.
Einer Umfrage der DAK zufolge meinen aber nur 29 Prozent der Deutschen, dass sie unter der Zeitumstellung leiden.
Sommerzeit ist populär
Obwohl die Sommerzeit nicht natürlich ist und sich gerade im Frühjahr der soziale Jetlag verstärkt, ist die Sommerzeit hierzulande sehr populär. Vor allem, dass es abends länger hell ist, empfinden viele als Vorteil. Gut zwei Drittel aller Menschen glauben ungeachtet aller wissenschaftlichen Fakten, dass die Sommerzeit sie nicht negativ beeinflusst.
Die Zeitumstellung ist ziemlich unpopulär. Fahr- und Schichtpläne müssen angepasst werden, Arbeitsabläufe umgestellt – sei es bei der Bahn, in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder in Betrieben mit durchgehender Produktion. Und auch privat irritiert die Zeitumstellung: Seit sie mit dem Argument der Energieersparnis eingeführt wurde, stößt sie auf Kritik. Viele Menschen fühlen sich zwangsbeglückt und würden gern für immer auf die Umstellung der Uhren verzichten. Die Frage ist nur: Sollen wir uns dann für eine immerwährende Sommerzeit entscheiden oder dauerhaft zur alten Winterzeit zurückkehren?
Hier fassen wir die wichtigsten Argumente von Befürwortern und Gegnern der Sommerzeit zusammen:
Pro Sommerzeit: Längere Abende und mehr Lebensqualität
1. Dadurch, dass sich das Sonnenlicht länger nutzen lässt, gibt es mehr Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten bis in den späten Abend – wer grillt schon morgens?
2. Man muss sich abends – etwa zum Sport – nicht so aufraffen wie im dunklen Winter.
3. Die Nachmittage sind heller, die Abende länger; zudem wirkt mehr Sonnenlicht gegen Depressionen.
4. Der Handel und die Gastronomie mögen die Sommerzeitregelung, weil die helleren Abende die Verbraucher dazu verleiten, mehr Geld für Aktivitäten auszugeben.
5. Die Sommerzeit schafft in der Hochsaison mehr Arbeitsplätze.
Contra Sommerzeit: Ungesund, teuer und ohne echten Mehrwert
1. Der Grundgedanke, Energie zu sparen, ist widerlegt: Zwar wird durch die Sommerzeit im Sommer tatsächlich etwas weniger Energie verbraucht, aber im Frühjahr und Herbst wird dafür am Morgen mehr geheizt.
2. Schüler müssten zu Beginn der Sommerzeit mindestens sechs Wochen länger im Dunkeln zur Schule.
3. Das lange Tageslicht stört, wenn man früh ins Bett muss.
4. Wird die äußere Uhr (soziale Zeit) dauerhaft um eine Stunde vorgestellt, bleibt dennoch der von Natur aus angelegte chronobiologische Rhythmus (die innere Uhr) bei allen Menschen gleich. Dann wären noch mehr Menschen als bisher gezwungen, gegen ihre innere Uhr zu leben – das kann gesundheitliche Probleme (etwa Schlafstörungen, Erschöpfungszustände, Depressionen, Herzbeschwerden) nach sich ziehen.
5. Landwirte klagen über Anpassungsschwierigkeiten ihrer Tiere, beispielsweise von Milchkühen. Denn auch Tiere haben eine innere Uhr.
Sommerzeit: Wie der Körper auf die Umstellung reagiert
Der Tag, an dem auf die Sommerzeit umgestellt wird, hat nur 23 Stunden. Diesem Zeitdiebstahl folgt oft ein so genannter Mini-Jetlag. Der entsteht, weil die innere Uhr aus dem Takt geraten ist.
Die Uhrenumstellung versetzt Lichtverhältnisse
Der Schlaf-Wach-Rhythmus wird unter anderem vom Licht gesteuert: Da es im Winter wenig Licht gibt, produziert der Körper mehr vom Müdigkeitshormon Melatonin. Mit der Umstellung auf die Sommerzeit bekommen wir plötzlich dauerhaft mehr Licht ab – dadurch senkt sich der Melatoninspiegel. Doch die innere Uhr und die Hormonproduktion können sich nicht so schnell umstellen. Deshalb fühlen sich viele müde.
Mini-Jetlag: Wer besonders betroffen ist
Die einen verspüren den Mini-Jetlag kaum, die anderen umso deutlicher: So können sich beispielsweise Jugendliche etwas leichter an die neue Zeit anpassen als
- 45- bis 59-Jährige,
- Frauen
- und Spätaufsteher.
Diese Gruppen sind in den Tagen nach der Uhrenumstellung meist weniger leistungsfähig und fühlen sich müde. Wegen der Müdigkeit am nächsten Abend einfach eine Stunde früher ins Bett zu gehen bringt den Betroffenen jedoch nichts. Denn der eigene Schlaf-Wach-Rhythmus lässt sich nicht so schnell überlisten.
Tipps gegen die Müdigkeit
In der Woche vor der Uhrenumstellung sollten Betroffene jeden Morgen etwa zehn Minuten früher aufstehen und versuchen, tagsüber möglichst viel Sonnenlicht abzubekommen – so gewöhnt sich die innere Uhr schonend an die neue Zeit.
Am Abend vor der Uhrenumstellung bietet es sich an, die Zimmer abzudunkeln.
Am Tag der Uhrenumstellung sollte auf einen Mittagsschlaf verzichtet werden.
Am Tag nach der Uhrenumstellung, also am Montag, ist zügiges Aufstehen zu empfehlen, damit der Kreislauf in Gang kommt.
Bis zu einer Woche nach der Uhrenumstellung kann die Schlafqualität leicht beeinträchtigt sein. Das ist normal. Dennoch sollten die gewohnten Bettzeiten – jetzt nach neuer Uhr – bestehen bleiben.
Manchmal braucht der Körper mehrere Tage, mitunter sogar mehrere Wochen, um sich zu synchronisieren. Übrigens ist das nicht nur beim Menschen so.
Tipps für Mensch und Tier
Wichtig für Haustiere: Mahlzeiten anpassen
So wie das Nutztier an die Sommerzeit gewöhnt wird – Kühe werden schon im Vorfeld jeden Tag fünf Minuten früher gemolken als am Vortag –, müssen auch die Haustiere ihren Rhythmus umstellen. Katzen, vor allem aber Hunde sind an einen geregelten Tagesablauf gewöhnt. Deshalb sollten ihre Mahlzeiten mindestens in 15-Minuten-Etappen langsam der verschobenen Uhrzeit angepasst werden.
Wichtig für Autofahrer: Mehr Wildwechsel
Im Frühling ist der Wildwechsel besonders stark. Mit der Sommerzeit fällt zudem der Berufsverkehr in die Zeit der Dämmerung. Besonders zwischen 6 und 8 Uhr steigt die Unfallgefahr, aber auch in der Abenddämmerung sollten Autofahrer besonders aufmerksam sein. Rund 80 Prozent der Wildunfälle passieren mit Rehen, die gerade im Frühling als Einzelgänger unterwegs sind. Zu dieser Jahreszeit überqueren die Tiere vier bis fünf Mal am Tag eine Straße.
Wichtig für Zuckerpatienten: Häufiger messen
Wenn die Sommerzeit den Biorhythmus durcheinanderbringt, kann das nicht nur zu Schlaf- und Konzentrationsproblemen führen. Bei Menschen mit Diabetes kann es sich auch auf die Blutzuckerwerte auswirken. Insbesondere Insulinpflichtige sollten diese daher nach der Umstellung von der Winter- auf die Sommerzeit häufiger überprüfen und erhöhte Werte so korrigieren, wie mit dem Arzt besprochen. Wer auf Tabletten eingestellt ist, sollte sie weiterhin zur gewohnten Zeit einnehmen.
Die Uhrenumstellung hat Geschichte
Die Sommerzeit ist kein natürliches Ereignis, sondern ein Beschluss. In Deutschland wurde die Sommerzeit erstmals 1916 bis 1918 eingeführt. Seitdem verschwand und kam sie immer wieder. Seit 1980 wird jedes Jahr hierzulande zweimal an der Uhr gedreht – seit 1996 geschieht dies einheitlich in der gesamten EU.
Früher tickten die Uhren anders
Eine kurze Zeitreise: Die Geschichte der Uhrenumstellung begann schon lange vor der Einführung der Sommerzeit. Denn bis Ende des 19. Jahrhunderts gab es im Deutschen Kaiserreich fünf verschiedene Zeitzonen. War es beispielsweise
- in Berlin 12.27 Uhr,
- schlug es in München 12.20 Uhr,
- in Stuttgart 12.10 Uhr,
- in Karlsruhe 12.07 Uhr
- und in Düsseldorf sogar erst 12.00 Uhr.
Pro Längengrad änderte sich die Ortszeit um vier Minuten beziehungsweise alle 18 Kilometer um eine Minute. Von 1893 an wurde dann die mittlere Sonnenzeit des 15. Längengrades als gemeinsame Zeit vereinheitlicht. Erst seitdem ticken die Uhren im Gleichklang.
Vor, zurück, vor, zurück: Die Uhrenumstellung in Europa
23 Jahre später wurde erstmals die Sommerzeit eingeführt: Energie sparen, Kriege überstehen, die Wirtschaft stärken und Ölkrisen meistern – das wurden bald wesentliche Argumente für die Zeitumstellung.
© Stiftung Warentest
Stellt Europa auf Sommer- oder Winterzeit um?
Für immer Sommerzeit? Oder auf ewig Winterzeit? Das klingt nach einer einfachen Entscheidung, ist aber ein ziemliches Dilemma. Nur so viel ist sicher: Die Zeitumstellung ist nicht beliebt! Die Mehrheit der abstimmenden Europäer (84 Prozent) votierte bei einer EU-Umfrage 2018 gegen sie. Im März 2019 sprach sich dann auch das EU-Parlament dagegen aus und beschloss, die Zeitumstellung endgültig abzuschaffen – angedacht war eigentlich schon bis 2021. Passiert ist bis heute allerdings nichts. Das Parlament überlässt jedem Mitgliedstaat selbst, sich für eine Zeitzone zu entscheiden – und erwartet gleichzeitig, dass die Zeitplanung im Binnenmarkt weiterhin reibungslos funktioniert. Die Idee: Die Länder sollen sich untereinander abstimmen.
Unterschiedliche Interessen in Europa
Doch in der Abstimmung liegt das Problem. Da die einzelnen EU-Länder unterschiedliche Interessen haben, konnten sich die 27 Mitgliedstaaten bislang nicht geschlossen auf Sommer- oder Winterzeit einigen. So favorisieren beispielsweise Portugal, Deutschland und Zypern die Sommerzeit – dagegen sind etwa Finnland, Dänemark und die Niederlande für die Normalzeit, also die Winterzeit. Und die Griechen etwa würden sogar gern die Zeitumstellung beibehalten.
Hitzige Debatte. Bislang konnten sich die EU-Mitgliedstaaten nicht auf Sommerzeit oder Winterzeit einigen. © Getty Images / Simon McGill, Getty Images (M)
Die Sonne geht nicht überall zur selben Zeit auf
Die unterschiedlichen Interessen hängen vor allem mit den verschiedenen Zeitzonen und dem jeweiligen Tagesanbruch vor Ort zusammen.
Das Gebiet der EU-Mitgliedsstaaten erstreckt sich (die Azoren ausgenommen) derzeit über drei Zeitzonen:
1. Die westeuropäische Zeit gilt in: Irland und Portugal.
2. Die mitteleuropäische Zeit (+1 Stunde) gilt in: Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Kroatien, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Schweden, Slowakische Republik, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik und Ungarn.
3. Die osteuropäische Zeit (+2 Stunden) gilt in: Bulgarien, Estland, Finnland, Griechenland, Lettland, Litauen, Rumänien und Zypern.
Da der Sonnenaufgang von Osten her beginnt, gibt es demzufolge in Europa keinen einheitlichen Tagesanbruch.
- In Deutschland geht die Sonne im östlichsten Osten (etwa in Görlitz) eine halbe Stunde früher auf als im westlichsten Westen Deutschlands (etwa in Aachen).
- Gegenwärtig müssen sich beispielsweise Frankreich und Spanien mit der Uhrzeit nach dem Sonnenstand von Deutschland richten, obwohl sie im Längengrad-Bereich von Großbritannien liegen.
- Auch bei der Tageslichtmenge gibt es große Unterschiede. Während die südlichen Länder das ganze Jahr über mit viel Tageslicht gesegnet sind, haben die Länder im Norden zwar helle Sommer, aber dunkle Winter.
Keine einfache Antwort für Europa möglich
Das macht es umso schwieriger, allen geografischen Unterschieden Rechnung zu tragen. Denn wer verordnet sich schon freiwillig dunklere Tage oder hellere Nächte? So könnte in Spanien bei ewiger Sommerzeit die Sonne im Winter erst gegen 9.30 Uhr aufgehen – während in Polen bei ewiger Winterzeit die Sonne im Sommer schon um 3 Uhr aufgehen würde. Beide Länder befinden sich aber innerhalb der mitteleuropäischen Zeitzone – und müssten je nach gefundener Lösung, unter Umständen große Kompromisse eingehen. Die Frage, ob nun die Sommerzeit oder die Winterzeit abgeschafft werden sollte, ist also nicht so einfach zu beantworten.
Die jeweils verantwortlichen Fachminister müssen also faire Lösungen aushandeln. Eine Lösung wäre, Europa nach dem jeweiligen Sonnenstand in chronobiologisch passende Zeitzonen einzuteilen.
Aber, wenn es keine einheitliche Zeitzone mehr gibt, so befürchten einige, dann würde der europäische Binnenmarkt wegen bürokratischer Hürden und Ineffizienzen nicht mehr reibungslos funktionieren. Belege gibt es dafür jedoch nicht.
Innere Uhr, sozialer Jetlag und die Schlafkultur
Haben die Lerchen die Macht? In Deutschland beginnt der Alltag so früh wie in keinem anderen Land Europas. © Getty Images / Juri Samsonov, GlobalP (M)
Experten zufolge sind viele Menschen nicht in der Lage, ihren Schlafbedarf oder ihre Schlafqualität richtig einzuschätzen. Die einen glaubten, schlecht und zu wenig zu schlafen. Andere seien überzeugt, mit nur fünf Stunden Schlaf auszukommen. Prüfe man das im Einzelfall nach, stelle sich in den meisten Fällen heraus, dass die Selbstwahrnehmung der Menschen trüge.
Einfach erklärt verhält es sich meist so: Wer abends nicht einschlafen kann, ohne dass ein körperliches Problem dahintersteckt, der geht schlichtweg zur falschen Zeit schlafen. Und wer morgens einen Wecker braucht, lebt gegen seine innere Uhr. Mehr als 80 Prozent der Deutschen benötigen einen Wecker, schätzen Schlafforscher.
Das Diktat der sozialen Uhr
Lange vor Erfindung der Sommerzeit hat die Natur die innere Uhr eingerichtet. Sie macht aus den Menschen Früh- oder Spätaufsteher („Lerchen“ und „Eulen“), Kurz- oder Langschläfer – oder Typen dazwischen. Doch wie jeder Einzelne tickt, darauf nimmt unsere äußere Uhr, also unser Alltag, keine Rücksicht.
Das fängt in der Schule an und hört im Job nicht auf. Streng tickt die soziale Uhr. Nirgendwo in Europa beginnt der Tag so zeitig wie in Deutschland. Hierzulande tickt die soziale Uhr mitunter noch wie vor hundert Jahren, als die Landwirtschaft den Takt vorgab, die Geschäfte noch nicht bis 21 Uhr geöffnet hatten, es noch keine Globalisierung und keine 24-Stunden-Gesellschaft gab.
Ticken wir noch richtig?
Innere Uhr. Unseren Schlaf-Wach-Rhythmus bestimmt die innere Uhr. Viele Rädchen greifen da ineinander: So geben unter anderem Lichtverhältnisse und genetische Komponenten – mehr als 50 Gene sind daran beteiligt – unseren Takt vor. Die innere Uhr können wir nicht selbst bestimmen, sie ist naturgegeben und tickt bei jedem Menschen anders. Keiner kann also entscheiden, ob er Frühaufsteher oder Spätaufsteher, Lerche oder Eule sein will.
Sozialer Jetlag. Die Unstimmigkeit zwischen biologischer Innenzeit und sozialer Uhr wird als sozialer Jetlag bezeichnet. Weil innere und äußere Uhr unterschiedlich ticken, verschiebt sich der Schlaf-Wach-Rhythmus. Anders als beim üblichen Jetlag gibt es in dem Fall aber keinen veränderten Sonnenstand, der die Umstellung unterstützt. Viele Menschen müssen sich der sozialen Uhr anpassen. Gesünder aber wäre: Die soziale Uhr passte sich der biologischen an.
Der Feind des Teenagers: Der Wecker
Extreme Biorhythmusverschiebung. Ein Schulstart um 8 Uhr bei Teenagern gleicht einem Arbeitsbeginn um 4 Uhr bei Erwachsenen. © Alamy Stock Photo / Antonio Guillem Fernandez
Viele Schüler entwickeln sich in der Pubertät von Lerchen zu Eulen. Ihre innere Uhr schickt sie später ins Bett. Unbarmherzig klingelt dann aber in der Frühe der Wecker – und wird für viele zum Feind. Sie müssen zu früh aufstehen, starten übermüdet in den Tag und werden dann sozusagen in ihrer biologischen Mitternacht unterrichtet. Deshalb schlagen deutsche Schlafforscher flexiblere Unterrichtsanfänge vor: in der Unterstufe um 8, in der Mittelstufe um 9 und in der Oberstufe erst um 10 Uhr. Die Leistungsfähigkeit würde sich so erheblich verbessern.
Nicht gegen die innere Uhr leben
Schlafmediziner wie Alfred Wiater von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) betonen immer wieder, dass die Winterzeit unserem Schlaf-Wach-Rhythmus am ehesten entspreche, und raten, die Normalzeit beizubehalten und dem natürlichen Rhythmus zu folgen. Denn nicht einmal 30 Prozent aller Menschen würden zu den natürlichen Frühtypen, also zu den Lerchen gehören. Tatsächlich richtet sich der individuelle Biorhythmus nicht danach, wann der Schulbus fährt, wann die Arbeitszeit beginnt, ob es eine Ganztagsschule gibt oder wie der Alltag organisiert werden muss. Die innere Uhr fragt nicht nach den Umständen, denn sie ist der Umstand.
Für eine neue Schlafkultur
Gegen die innere Uhr zu leben, gefährdet die Gesundheit. Schlafmediziner sind sich einig: Es fehlt in der Gesellschaft immer noch an Aufklärung. Und sie fordern: Deutschland braucht eine neue Schlafkultur. Die soziale Uhr solle viel öfter den Schlafbedürfnissen aller gerecht werden, und sie raten: Die Normalzeit soll beibehalten werden. Mehr noch: Unser Alltag könnte teils sogar später beginnen. Schon eine halbe Stunde mehr Schlaf steigert die Leistungsfähigkeit um ein Drittel, wie eine Studie der Uni Leipzig belegt.
Darauf sollten Sie bei der Uhrenumstellung achten
Die Zeitumstellung betrifft nicht nur unsere innere Uhr. Auch alle anderen Uhren müssen angepasst werden. Vor oder zurück, je nachdem. Bei Funkuhren, Laptops, Computern oder beispielsweise Smartphones geschieht die Uhrenumstellung automatisch. Dafür sorgt die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig. Dort wird der Zeitsender programmiert, der das Signal zur Umstellung aussendet. Doch nicht bei jeder Uhr lässt sich einfach die „Automatische Zeitzone“ verwenden. Nicht alle empfangen das über Langwellensender ausgestrahlte Impulssignal. Das bedeutet: Wir müssen mechanisch nachhelfen (Uhren-Checkliste).
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Jahr |
Beginn Sommerzeit |
Beginn Winterzeit |
|
2020 |
29. März |
25. Oktober |
|
2021 |
28. März |
31. Oktober |
|
2022 |
27. März |
30. Oktober |
|
2023 |
26. März |
29. Oktober |
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2024 |
31. März |
27. Oktober |
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2025 |
30. März |
26. Oktober |
Diese Uhren müssen Sie selbst umstellen
Während sich die meisten Geräte, die Funk- und Internetverbindung haben – Armbanduhren, Fernseher, Receiver, Computer, Smartphones – automatisch umstellen, müssen andere Uhren per Hand umgestellt werden. Unsere kleine Checkliste hilft Ihnen, den Überblick zu behalten.
Küche
Ja‑Häkchen Backofen
Ja‑Häkchen Dampfgarer
Ja‑Häkchen Herdplatte / Kochfeld
Ja‑Häkchen Kaffeemaschine
Ja‑Häkchen Küchenuhr
Ja‑Häkchen Küchenwaage
Ja‑Häkchen Mikrowelle
Wohn-, Ess- und Schlafzimmer
Ja‑Häkchen DVD-Player / Videorekorder / Spielekonsolen
Ja‑Häkchen Fußbodenheizung
Ja‑HäkchenRadio
Ja‑HäkchenRollläden
Ja‑Häkchen Telefon / Anrufbeantworter / Fax
Ja‑Häkchen Wand- /Standuhr
Ja‑Häkchen Wecker / Reisewecker
Ja‑Häkchen Wetterstationen
Sonstiges
Ja‑Häkchen Alarmanlage
Ja‑Häkchen Autouhr / Navi / Standheizung
Ja‑Häkchen Bewegungsmelder / Videoüberwachung
Ja‑Häkchen Heiztherme / Raumthermostat
Ja‑Häkchen Kamera / Videokamera
Ja‑HäkchenSchrittzähler
Ja‑Häkchen Wanduhr im Büro
Ja‑Häkchen Zeitschaltuhren (Warmwasseraufbereitung, Bewässerungsanlage, Haustür, Garagentor ...)
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Schnarchen und Schlafapnoe Wenn der Partner nicht mehr atmet
- Schnarchen nervt, ist aber meist harmlos. Setzt die Atmung aus, wird es dagegen gefährlich. Lästiger Lärm oder lebensbedrohliche Schlafapnoe: Beides ist behandelbar.
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- Ob Iqos oder Glo – Tabakerhitzer sollen besser als Zigaretten sein und weniger Schadstoffe freisetzen. Das versichern die Anbieter. Was ist wahr, was ist Werbelyrik?
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- Lange Essenspausen einlegen – bringt das was für Gesundheit und Gewicht? Wir haben Forschungsergebnisse ausgewertet und sagen, ob der Ansatz auch als Diätkonzept taugt.
32 Kommentare Diskutieren Sie mit
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Als die Sommerzeit eingeführt wurde, war ich Teenager und habe es sofort geliebt. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass es in den ersten Jahren große Diskussionen darüber gab, ob es sinnvoll ist. Die Menschen hatten überwiegend Freude an den langen Sommerabenden. Diese Erfahrung habe ich selbst noch als junge Berufstätige und Mutter gemacht. Babys und Kleinkinder kann man auch mit ein bisschen Liebe, Fantasie und Organisationsgeschick langsam in den jeweils neuen Rhythmus gewöhnen, selbst Schulkinder schaffen das locker, erfolgt die Zeitumstellung immer am Wochenende und manchmal sogar in den Ferien. Ich halte es für wohlfeil, wenn Eltern im Namen der Kinder auf die Zeitumstellung schimpfen, aber selbst kaum dafür sorgen, dass die Kinder auch am Wochenende pünktlich im Bett sind und nicht bis Mitternacht rumgeschleppt werden, weil die Eltern jetzt auch mal was erleben wollen, wo sie doch die ganze Woche hart arbeiten müssen. Die haben dann natürlich auch Probleme mit der Umstellung.
Ja, die EU wollte einmal. Zumindest hieß es so. Man diskutiert mittlerweile seit bald fünf Jahren darüber, wo, welche Zeit wann gelten sollte. Eventuell zu akzeptieren, dass jedes Land selbst über seine Zeit entscheidet, darauf ist man leider nicht gekommen bzw. lehnt dies ab. Das entsprechende Thema müsste von dem im Europäischen Rat vorsitzenden Land auf die Tagesordnung gehoben werden. Momentan ist das Schweden. Solange das nicht passiert, und dafür gibt es keine Anzeichen, gibt es auch keinerlei weiteren Schritte in dieser Richtung.
Wollte die EU nicht die natürliche Zeit (oder eine Abstimmung darüber) wieder einsetzen? Ich stelle fest, nichtmal das hat die EU geschafft!
Das Argument mit dem Schulunterricht leuchtet mir nicht ein. Selbst wenn es keine Zeitumstellung gibt, könnten die Schulen im Winterhalbjahr doch einfach den Stundenplan nach hinten schieben, z.B. zwischen Herbst- und Osterferien erst zur zweiten Stunde anfangen und dementsprechend (nach)mittags eine Stunde länger bleiben. In anderen Bereichen gibt es bereits unterschiedliche Sommer- und Winteröffnungszeiten. Solche konkreten Anpassungen von Anfangs- oder Endzeit halte ich für zielgenauer, als für alle die Uhr umzustellen.
Die Abschaffung der Sommerzeit in der EU wäre ein einfacher Rechtsakt und hätte längst erledigt sein können. Wenn jedes Land selbst über die Sommerzeit entscheidet, gibt es halt ein paar mehr temporäre Zeitzonen im Sommer. Wo ist das Problem? Festlands USA haben allein vier Zeitzonen. Im Sommer sogar mehr, weil nicht alle Bundesstaaten bei der Umstellung mitmachen. Dazu kommen abgelegene Bundesstaaten wie Alaska oder Hawaii und auch noch Puerto Rico. Kein Problem. Heutige Uhren stellen sich fast immer automatisch. Das gilt insbesondere für die, die von Relevanz sind. Es ist also ein typisch vorgeschobenes Argument. Die gesündeste und menschlichste Zeit ist übrigens die astronomische Zeit. Es ist 12:00 Uhr mittags wenn die Sonne den höchsten Stand hat. Auch bekannt als Winterzeit oder Normalzeit.