In der Nacht von Samstag, 28. März 2020, auf Sonn­tag, 29. März 2020, werden die Uhren von 2 Uhr auf 3 Uhr vorgestellt – auf die sogenannte Sommer­zeit. Von da an wird es wieder früher heller.

Zweimal im Jahr bringen wir mit der Zeit­umstellung unseren Biorhythmus durch­einander – unnötiger­weise, wie viele Fachleute finden. Zwar möchte die Mehr­heit aller Europäer die Zeit­umstellung abschaffen. Aber in welche Richtung die Uhren ein für allemal gedreht werden sollen, hat die EU noch nicht entschieden. Hier erklären wir, warum die Zeit­umstellung eigentlich gar keine ist, welche Folgen die Uhren­umstellung hat und worauf jeder achten sollte.

Die Uhren­umstellung hat Geschichte

Der 29. März 2020 wird ein kurzes Vergnügen. Denn um 2 Uhr stellen wir die Uhr eine Stunde vor. Das ist der Tag mit der gestohlenen Stunde – und der Beginn der Sommer­zeit. Dies passiert zum Ausgleich dafür, dass uns vor fünf Monaten eine Stunde geschenkt wurde. Denn am 27. Oktober 2019 hatte der Tag ausnahms­weise 25 Stunden. Als die Uhren von 3 auf 2 Uhr zurück­gestellt wurden, stellten wir auf Winter­zeit um. Diese endet nun.

Die Sommer­zeit ist kein natürliches Ereignis, sondern ein Beschluss. In Deutsch­land wurde die Sommer­zeit erst­mals 1916 bis 1918 einge­führt. Seitdem verschwand und kam sie immer wieder. Seit 1980 wird jedes Jahr hier­zulande zweimal an der Uhr gedreht – seit 1996 geschieht dies einheitlich in der gesamten EU.

Früher tickten die Uhren anders in Deutsch­land

Eine kurze Zeitreise: Die Geschichte der Uhren­umstellung begann schon lange vor der Einführung der Sommer­zeit. Denn bis Ende des 19. Jahr­hunderts gab es im Deutschen Kaiserreich fünf (!) verschiedene Zeitzonen. War es beispiels­weise

  • in Berlin 12.27 Uhr,
  • schlug es in München 12.20 Uhr,
  • in Stutt­gart 12.10 Uhr,
  • in Karls­ruhe 12.07 Uhr
  • und in Düssel­dorf sogar erst 12.00 Uhr.

Pro Längengrad änderte sich die Orts­zeit um vier Minuten beziehungs­weise alle 18 Kilo­meter um eine Minute. Von 1893 an wurde dann die mitt­lere Sonnen­zeit des 15. Längengrades als gemein­same Zeit vereinheitlicht. Erst seitdem ticken die Uhren im Gleich­klang.

Vor, zurück, vor, zurück: Die Uhren­umstellung in Europa

23 Jahre später wurde erst­mals die Sommer­zeit einge­führt: Energie sparen, Kriege über­stehen, die Wirt­schaft stärken und Ölkrisen meistern – das wurden bald wesentliche Argumente für die Zeit­umstellung.

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Stellt Europa auf Sommer- oder Winter­zeit um?

Für immer Sommer­zeit? Oder auf ewig Winter­zeit? Das klingt nach einer einfachen Entscheidung, ist aber in Wirk­lich­keit ein ziemliches Dilemma. Nur so viel ist sicher: Die Zeit­umstellung ist nicht beliebt! Die Mehr­heit der abstimmenden Europäer (84 Prozent) votierte bei einer EU-Umfrage 2018 gegen sie. Im März 2019 sprach sich dann auch das EU-Parlament dagegen aus – und beschloss die Zeit­umstellung bis 2021 endgültig abzu­schaffen. Dabei über­lässt es das Parlament jedem Mitglied­staat selbst, sich für eine Zeitzone zu entscheiden – und erwartet gleich­zeitig, dass die Zeitplanung im Binnenmarkt weiterhin reibungs­los funk­tioniert. Die Idee: Die Länder sollen sich unter­einander abstimmen.

Unterschiedliche Interessen in Europa

Doch in der Abstimmung liegt das Problem. Da die einzelnen EU-Länder unterschiedliche Interessen haben, konnten sich die 27 Mitglied­staaten bislang nicht geschlossen auf Sommer- oder Winter­zeit einigen. So favorisieren beispiels­weise Portugal, Deutsch­land und Zypern die Sommer­zeit – dagegen sind etwa Finn­land, Dänemark und die Nieder­lande für die Normal­zeit, also die Winter­zeit. Und die Griechen etwa würden sogar gern die Zeit­umstellung beibehalten.

Hitzige Debatte bis es bröckelt: Kaum ein EU-Mitglied­staat möchte weiterhin die Zeit­umstellung. Die große Frage ist, ob sich alle Länder gemein­sam auf Sommer­zeit oder Winter­zeit einigen können.

Die Sonne geht nicht über­all zur selben Zeit auf

Die unterschiedlichen Interessen hängen vor allem mit den verschiedenen Zeitzonen und dem jeweiligen Tages­anbruch vor Ort zusammen.

Das Gebiet der EU-Mitglieds­staaten erstreckt sich (die Azoren ausgenommen) derzeit über drei Zeitzonen:

1. Die west­europäische Zeit gilt in: Irland und Portugal.

2. Die mittel­europäische Zeit (+1 Stunde) gilt in: Belgien, Dänemark, Deutsch­land, Frank­reich, Italien, Kroatien, Luxemburg, Malta, Nieder­lande, Österreich, Polen, Schweden, Slowakische Republik, Slowenien, Spanien, Tsche­chische Republik und Ungarn.

3. Die osteuropäische Zeit (+2 Stunden) gilt in: Bulgarien, Estland, Finn­land, Griechen­land, Lett­land, Litauen, Rumänien und Zypern.

Ein Beispiel: Zeigt der Chrono­meter in Irland 8 Uhr an, ist es in Deutsch­land 9 Uhr und in Rumänien 10 Uhr.

Da der Sonnen­aufgang von Osten her beginnt, gibt es demzufolge in Europa keinen einheitlichen Tages­anbruch.

  • In Deutsch­land geht die Sonne im östlichsten Osten (etwa in Görlitz) eine halbe Stunde früher auf als im west­lichsten Westen Deutsch­lands (etwa in Aachen).
  • Gegen­wärtig müssen sich beispiels­weise Frank­reich und Spanien mit der Uhrzeit nach dem Sonnen­stand von Deutsch­land richten, obwohl sie im Längengrad-Bereich von Groß­britannien liegen. (Apro­pos: Wie die Briten künftig die Zeit­umstellung regeln, ob sie Rück­sicht auf ihre europafreundlichen Nach­barn in Nord­irland nehmen oder eine auto­nome Lösung bevor­zugen, ist noch ungeklärt.)
  • Auch bei der Tages­licht­menge gibt es große Unterschiede. Während die südlichen Länder das ganze Jahr über mit viel Tages­licht gesegnet sind, haben die Länder im Norden zwar helle Sommer, aber dunkle Winter.

Keine einfache Antwort für Europa möglich

Das macht es umso schwieriger, allen geografischen Unterschieden Rechnung zu tragen. Denn wer verordnet sich schon freiwil­lig dunklere Tage oder hellere Nächte? So könnte in Spanien bei ewiger Sommer­zeit die Sonne im Winter erst gegen 9.30 Uhr aufgehen – während in Polen bei ewiger Winter­zeit die Sonne im Sommer schon um 3 Uhr aufgehen würde. Beide Länder befinden sich aber inner­halb der mittel­europäischen Zeitzone – und müssten je nach gefundener Lösung, unter Umständen große Kompromisse eingehen. Die Frage, ob nun die Sommer­zeit oder die Winter­zeit abge­schafft werden sollte, ist also nicht so einfach zu beant­worten.

Die jeweils verantwort­lichen Fach­minister – in Deutsch­land etwa der Wirt­schafts­minister, in den Nieder­landen die Infrastruktur­ministerin und in Rumänien der Verkehrs­minister – müssen also faire Lösungen aushandeln. Eine Lösung wäre, Europa nach dem jeweiligen Sonnen­stand in chronobiologisch passende Zeitzonen einzuteilen.

Aber, wenn es keine einheitliche Zeitzone mehr gibt, so befürchten einige, dann würde der europäische Binnenmarkt wegen bürokratischer Hürden und Ineffizienzen nicht mehr reibungs­los funk­tionieren. Belege gibt es dafür jedoch nicht.

Umfrage Zeitumstellung

Auf welche Zeit sollte umgestellt werden?

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Der Chronobiologe: „Die meisten leben gegen ihre innere Uhr“

Till Roenne­berg ist Professor am Institut für Medizi­nische Psycho­logie der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Die Zeit­umstellung ist keine Zeit­umstellung und die Winter­zeit keine Winter­zeit. Das, was zweimal im Jahr statt­findet, ist ein Zeitzonenwechsel. Und es gibt noch mehr Miss­verständ­nisse, wie der Chronobiologe Till Roenne­berg im Gespräch mit test.de erklärt.

Winter­zeit, Sommer­zeit, Zeit­umstellung – wird da viel durch­einander­gebracht?

Ja. Zunächst einmal gibt es keine Zeit­umstellung! Es gibt nicht einmal eine Licht­umstellung! Weil weder Zeit noch Licht umge­stellt werden, sondern nur die Uhren. Genau genommen gibt es auch keine Sommer­zeit oder Winter­zeit. Ende Oktober bekommen wir die gestohlene Stunde zurück. Das ist alles. Wir werden wieder normal.

Was macht die Uhren­umstellung mit uns?

Das will­kürliche Versetzen der sozialen Zeit ist schädlich! Denn wir wechseln die Zeitzonen und legen damit unsere Ostgrenze der Zeitzone um eine Stunde weiter nach Osten. Wer in Berlin lebt, lebt im Sommer zeitlich gesehen plötzlich in St. Peters­burg.

Hat das gesundheitliche Folgen?

Ja, das kann Auswirkungen haben. Dabei sind akute Folgen wie Unfälle oder Herz­infarkte das geringste Problem. Erheblicher sind die chro­nischen Folgen durch die sogenannte Sommer­zeit, wie etwa Stoff­wechselkrankheiten. Studien, die in großen Zahlen Krankheiten inner­halb von Zeitzonen betrachten, beweisen: Die Gesundheit und die persönliche Performance nehmen bei einem Zeitzonenwechsel von der Ost- zur West­grenze ab.

Was würde die dauer­hafte Umstellung auf die sogenannte Sommer­zeit bedeuten?

Das wäre eine Katastrophe! Dann wäre ganz­jährig die Ostgrenze unserer Zeitzone verschoben. Ein Leben gegen die innere Uhr bedroht unsere Gesundheit und Lebens­qualität. Statistisch gesehen leben wir einfach kürzer. Die Chance, früher krank zu werden, ist größer. Wir nehmen mehr Licht am Morgen weg, was die inneren Uhren irritiert, und geben uns mehr Abend­licht.

Aber mögen die meisten nicht ausgerechnet die längeren Sommer­abende?

Das ist das große Miss­verständnis: Es ist zwar schön, am Abend viel Licht zu haben, aber genau das Licht macht ja die inneren Uhren noch später. Geben wir uns mehr Abend­licht, ist das genau das Falsche. Viele geraten so aus dem Takt. Gerade Spät­typen haben Schwierig­keiten, sich anzu­passen. Diese kollektive Entscheidung, die Uhren umzu­stellen, greift in das biologische Zeit­system ein, vergrößert bei den meisten zwangs­läufig den sozialen Jetlag und verringert die Schlafdauer.

Leben viele Menschen gegen ihre innere Uhr?

Ja, sehr viele. Alle, die einen Wecker brauchen, leben gegen ihre innere Uhr! Und das sind mehr als 80 Prozent.

Dann leben wir also in einer Gesell­schaft der Über­müdung?

In Deutsch­land gibt es den größten sozialen Jetlag in Europa. Die Engländer kennen ganz andere Arbeits­zeiten. Deutsch­land hat dagegen brutale Zeiten. Hier kommen nur wenige mit dem frühen Schul- und Arbeits­beginn zurecht. Die Mehr­heit startet müde in den Tag.

Was schlagen Sie vor?

Schlaf muss einen ebenso hohen Stellen­wert bekommen wie Ernährung und Sport.

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Warum die Winter­zeit gesünder ist

Obwohl die Sommer­zeit nicht natürlich ist und sich gerade im Früh­jahr der soziale Jetlag verstärkt, ist die Sommer­zeit hier­zulande sehr populär. Vor allem, dass es abends länger hell ist, empfinden viele als Vorteil. Gut zwei Drittel aller Menschen glauben ungeachtet aller wissenschaftlichen Fakten, dass die Sommer­zeit sie nicht negativ beein­flusst.

Sommer­zeit und Zeit­umstellung

Die Zeit­umstellung ist ein emotional aufgeladenes Thema. Sowohl Befür­worter als auch Gegner unterscheiden in der Debatte oft nicht sauber zwischen Sommer­zeit und Zeit­umstellung. Obwohl das zwei völlig unterschiedliche Themen sind. Wollen wir tatsäch­lich für immer die Sommer­zeit? Oder sind wir einfach nur die ewigen Uhren­umstel­lungen leid?

Die Zeit­umstellung ist ziemlich unpopulär. Fahr- und Schicht­pläne müssen angepasst werden, Arbeits­abläufe umge­stellt – sei es bei der Bahn, in Krankenhäusern, Pfle­geheimen oder in Betrieben mit durch­gehender Produktion. Und auch privat irritiert die Zeit­umstellung: Seit sie mit dem Argument der Energie­ersparnis einge­führt wurde, stößt sie auf Kritik. Viele Menschen fühlen sich zwangs­beglückt und würden gern für immer auf die Umstellung der Uhren verzichten. Die Frage ist nur: Sollen wir uns dann für eine immerwährende Sommer­zeit entscheiden oder dauer­haft zur alten Winter­zeit zurück­kehren?

Hier fassen wir die wichtigsten Argumente von Befür­wortern und Gegnern der Sommer­zeit zusammen:

Pro Sommer­zeit

1. Dadurch, dass sich das Sonnenlicht länger nutzen lässt, gibt es mehr Möglich­keiten für Frei­zeit­aktivitäten bis in den späten Abend – wer grillt schon morgens?

2. Man muss sich abends – etwa zum Sport – nicht so aufraffen wie im dunklen Winter.

3. Die Nach­mittage sind heller, die Abende länger; zudem wirkt mehr Sonnenlicht gegen Depressionen.

4. Der Handel und die Gastronomie mögen die Sommer­zeit­regelung, weil die helleren Abende die Verbraucher dazu verleiten, mehr Geld für Aktivitäten auszugeben.

5. Die Sommer­zeit schafft in der Hoch­saison mehr Arbeits­plätze.

Prominenter Fürsprecher: „In Europa will eine große Mehr­heit der Menschen ohne Zeit­umstellung leben. Ich kann mir zwölf Monate Sommer­zeit jedenfalls gut vorstellen. Vier von fünf Menschen in Europa sind dafür. Ich auch.“ ( Bundes­gesund­heits­minister Jens Spahn).

Zusammengefasst: Die Sommer­zeit hat gefühlt längere Sommer­abende und bringt somit mehr Lebens­qualität.

Contra Sommer­zeit

1. Der Grund­gedanke, Energie zu sparen, ist widerlegt: Zwar wird durch die Sommer­zeit im Sommer tatsäch­lich etwas weniger Energie verbraucht, aber im Früh­jahr und Herbst wird dafür am Morgen mehr geheizt.

2. Schüler müssten zu Beginn der Sommer­zeit mindestens sechs Wochen länger im Dunkeln zur Schule.

3. Das lange Tages­licht stört, wenn man früh ins Bett muss.

4. Wird die äußere Uhr (soziale Zeit) dauer­haft um eine Stunde vorgestellt, bleibt dennoch der von Natur aus angelegte chronobiologische Rhythmus (die innere Uhr) bei allen Menschen gleich. Dann wären noch mehr Menschen als bisher gezwungen, gegen ihre innere Uhr zu leben – das kann gesundheitliche Probleme (etwa Schlafstörungen, Erschöpfungs­zustände, Depressionen, Herz­beschwerden) nach sich ziehen.

5. Land­wirte klagen über Anpassungs­schwierig­keiten ihrer Tiere, beispiels­weise von Milchkühen. Denn auch Tiere haben eine innere Uhr.

Prominenter Gegner: „Die dauernde Sommer­zeit ist totaler Nonsens. Die Menschen würden im Sommer noch später ins Bett gehen. Dabei stellt sich unser Körper ab zehn ohnehin auf Schlafen ein.“ (Schlafmediziner Prof. Ingo Fietze, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Schlaf)

Zusammengefasst: Die Sommer­zeit ist ungesund, teuer und bringt keinen echten Mehr­wert.

Wie war es eigentlich vor der Zeit­umstellung?

Fast jeder hat eine Meinung zur aktuellen Situation. Um eine Antwort für die Zukunft zu finden, lohnt vielleicht ein Blick auf die Vergangenheit: Wie arrangierten die Menschen ihr Leben eigentlich vor der Zeit­umstellung?

Winter­zeit entspricht mehr der inneren Uhr

Tatsäch­lich ist es die Winter­zeit, die mehr unserer inneren Uhr entspricht – das sagen die Experten. Gerade die innere Uhr macht unseren Biorhythmus aus und beein­flusst damit auch unseren Schlaf, unseren Herz­schlag, unsere Stimmung. Diese innere Uhr ist ein komplexes System und tickt bei jedem Menschen anders. Allen gefühlten Wahr­nehmungen zum Trotz: Welt­weit belegen viele Studien ungesunde Folgen durch die Sommer­zeit – von metabo­lischen Erkrankungen bis zu psychischen Problemen (Interview mit dem Chronobiologen Till Roenneberg).

Studien zu gesundheitlichen Folgen

So zeigt beispiels­weise eine Studie der Universität Bologna, dass die Schlaf- und Wach­zyklen durch die Umstellung auf Sommer­zeit deutlich stärker gestört werden als durch die Umstellung auf Winter­zeit. Und das um fünf Prozent höhere Risiko für einen Herz­infarkt dokumentiert die Studie des Karolinska-Instituts Schweden, einen Anstieg beob­achten auch die amerikanischen Kollegen am William Beaumont Hospital in Michigan.

Wie innere Uhr und Stoff­wechsel­störungen zusammenhängen, wird in Göttingen erforscht. Die negativen Folgen für den Biorhythmus stellen Studien aus Deutschland dar – darunter, wie der soziale Jetlag mit einem erhöhten BMI verbunden ist und somit zur Fett­leibig­keit beiträgt.

Einer Umfrage der DAK zufolge meinen aber nur 29 Prozent der Deutschen, dass sie unter der Zeit­umstellung leiden.

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Innere Uhr, sozialer Jetlag und die Schlafkultur

Haben die Lerchen die Macht? Nicht einmal jeder Dritte ist vom Chrono­typ her ein Früh­aufsteher. Und doch beginnt in Deutsch­land der Alltag so früh wie in keinem anderen Land Europas.

Viele Menschen seien nicht in der Lage, ihren Schlafbedarf oder ihre Schlafqualität richtig einzuschätzen, sagt Chronobiologe Till Roenne­berg. Die einen glaubten, schlecht und zu wenig zu schlafen. Andere seien über­zeugt, mit nur fünf Stunden Schlaf auszukommen. Prüfe man das im Einzel­fall nach, so Roenne­berg, stelle sich in den meisten Fällen heraus, dass die Selbst­wahr­nehmung der Menschen trüge. Der Forscher hat eine einfache Formel: „Wer abends nicht einschlafen kann, ohne dass ein körperliches Problem dahintersteckt, der geht schlichtweg zur falschen Zeit schlafen.“ Und: „Wer morgens einen Wecker braucht, lebt gegen seine innere Uhr.“ Mehr als 80 Prozent der Deutschen benötigen einen Wecker, bestätigt der Schlaf­forscher Hans-Günter Weeß, Leiter des Schlafzentrums am Pfalz­klinikum Klingenmünster.

Das Diktat der sozialen Uhr

Lange vor Erfindung der Sommer­zeit hat die Natur die innere Uhr einge­richtet. Sie macht aus den Menschen Früh- oder Spät­aufsteher („Lerchen“ und „Eulen“), Kurz- oder Lang­schläfer – oder Typen dazwischen. Doch wie jeder Einzelne tickt, darauf nimmt unsere äußere Uhr, also unser Alltag, keine Rück­sicht. Das fängt in der Schule an und hört im Job nicht auf. Streng tickt die soziale Uhr. Nirgendwo in Europa beginnt der Tag so zeitig wie in Deutsch­land. Hier­zulande tickt die soziale Uhr mitunter noch wie vor hundert Jahren, als die Land­wirt­schaft den Takt vorgab, die Geschäfte noch nicht bis 21 Uhr geöffnet hatten, es noch keine Globalisierung und keine 24-Stunden-Gesell­schaft gab.

Ticken wir noch richtig?

Innere Uhr. Unseren Schlaf-Wach-Rhythmus bestimmt die innere Uhr. Viele Rädchen greifen da ineinander: So geben unter anderem Licht­verhält­nisse und genetische Komponenten – mehr als 50 Gene sind daran beteiligt – unseren Takt vor. Die innere Uhr können wir nicht selbst bestimmen, sie ist naturgegeben und tickt bei jedem Menschen anders. Keiner kann also entscheiden, ob er Früh­aufsteher oder Spät­aufsteher, Lerche oder Eule sein will.

Sozialer Jetlag. Die Unstimmig­keit zwischen biologischer Innen­zeit und sozialer Uhr wird als sozialer Jetlag bezeichnet. Weil innere und äußere Uhr unterschiedlich ticken, verschiebt sich der Schlaf-Wach-Rhythmus. Anders als beim üblichen Jetlag gibt es in dem Fall aber keinen veränderten Sonnen­stand, der die Umstellung unterstützt. Viele Menschen müssen sich der sozialen Uhr anpassen. Gesünder aber wäre: Die soziale Uhr passte sich der biologischen an.

Der Feind des Teen­agers: Der Wecker

Eine extreme Biorhythmus­verschiebung machen Jugend­liche durch: Ein Schul­start um 8 Uhr bei Teen­agern ist vergleich­bar mit einem Arbeits­beginn um 4 Uhr bei Erwachsenen.

Viele Schüler entwickeln sich in der Pubertät von Lerchen zu Eulen. Ihre innere Uhr schickt sie später ins Bett. Unbarm­herzig klingelt dann aber in der Frühe der Wecker – und wird für viele zum Feind. Sie müssen zu früh aufstehen, starten über­müdet in den Tag und werden dann sozu­sagen in ihrer biologischen Mitter­nacht unter­richtet. Deshalb schlagen deutsche Schlaf­forscher flexiblere Unterrichts­anfänge vor: in der Unterstufe um 8, in der Mittel­stufe um 9 und in der Oberstufe erst um 10 Uhr. Die Leistungs­fähig­keit würde sich so erheblich verbessern.

Nicht gegen die innere Uhr leben

Schlafmediziner wie Alfred Wiater von der Deutschen Gesell­schaft für Schlaf­forschung und Schlafmedizin (DGSM) betonen immer wieder, dass die Winter­zeit unserem Schlaf-Wach-Rhythmus am ehesten entspreche, und raten, die Normal­zeit beizubehalten und dem natürlichen Rhythmus zu folgen. Denn nicht einmal 30 Prozent aller Menschen würden zu den natürlichen Früh­typen, also zu den Lerchen gehören. Tatsäch­lich richtet sich der individuelle Biorhythmus nicht danach, wann der Schulbus fährt, wann die Arbeits­zeit beginnt, ob es eine Ganz­tags­schule gibt oder wie der Alltag organisiert werden muss. Die innere Uhr fragt nicht nach den Umständen, denn sie ist der Umstand.

Für eine neue Schlafkultur

Gegen die innere Uhr zu leben, gefährdet die Gesundheit. Schlafmediziner sind sich einig: Es fehlt in der Gesell­schaft immer noch an Aufklärung. Und sie fordern: Deutsch­land braucht eine neue Schlafkultur. Die soziale Uhr solle viel öfter den Schlafbedürf­nissen aller gerecht werden, und sie raten: Die Normal­zeit soll beibehalten werden. Mehr noch: Unser Alltag könnte teils sogar später beginnen. Schon eine halbe Stunde mehr Schlaf steigert die Leistungs­fähig­keit um ein Drittel, wie eine Studie der Uni Leipzig belegt.

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Sommer­zeit: Wie der Körper auf die Umstellung reagiert

Der Tag, an dem auf die Sommer­zeit umge­stellt wird, hat nur 23 Stunden. Diesem Zeit­diebstahl folgt oft ein so genannter Mini-Jetlag. Der entsteht, weil die innere Uhr aus dem Takt geraten ist.

Die Uhren­umstellung versetzt Licht­verhält­nisse

Der Schlaf-Wach-Rhythmus wird unter anderem vom Licht gesteuert: Da es im Winter wenig Licht gibt, produziert der Körper mehr vom Müdig­keits­hormon Melatonin. Mit der Umstellung auf die Sommer­zeit bekommen wir plötzlich dauer­haft mehr Licht ab – dadurch senkt sich der Melatoninspiegel. Doch die innere Uhr und die Hormon­produktion können sich nicht so schnell umstellen. Deshalb fühlen sich viele müde.

Mini-Jetlag: Wer besonders betroffen ist

Die einen verspüren den Mini-Jetlag kaum, die anderen umso deutlicher: So können sich beispiels­weise Jugend­liche etwas leichter an die neue Zeit anpassen als

  • 45– bis 59-Jährige,
  • Frauen
  • und Spät­aufsteher.

Diese Gruppen sind in den Tagen nach der Uhren­umstellung meist weniger leistungs­fähig und fühlen sich müde. Wegen der Müdig­keit am nächsten Abend einfach eine Stunde früher ins Bett zu gehen bringt den Betroffenen jedoch nichts. Denn der eigene Schlaf-Wach-Rhythmus lässt sich nicht so schnell über­listen.

Tipps gegen die Müdig­keit

In der Woche vor der Uhren­umstellung sollten Betroffene jeden Morgen etwa zehn Minuten früher aufstehen und versuchen, tags­über möglichst viel Sonnenlicht abzu­bekommen – so gewöhnt sich die innere Uhr schonend an die neue Zeit.

Am Abend vor der Uhren­umstellung bietet es sich an, die Zimmer abzu­dunkeln.

Am Tag der Uhren­umstellung sollte auf einen Mittags­schlaf verzichtet werden.

Am Tag nach der Uhren­umstellung, also am Montag, ist zügiges Aufstehen zu empfehlen, damit der Kreis­lauf in Gang kommt.

Bis zu einer Woche nach der Uhren­umstellung kann die Schlafqualität leicht beein­trächtigt sein. Das ist normal. Dennoch sollten die gewohnten Bett­zeiten – jetzt nach neuer Uhr – bestehen bleiben.

Manchmal braucht der Körper mehrere Tage, mitunter sogar mehrere Wochen, um sich zu synchronisieren. Übrigens ist das nicht nur beim Menschen so.

Tipps für Mensch und Tier

Wichtig für Haustiere: Mahl­zeiten anpassen

So wie das Nutztier an die Sommer­zeit gewöhnt wird – Kühe werden schon im Vorfeld jeden Tag fünf Minuten früher gemolken als am Vortag –, müssen auch die Haustiere ihren Rhythmus umstellen. Katzen, vor allem aber Hunde sind an einen geregelten Tages­ablauf gewöhnt. Deshalb sollten ihre Mahl­zeiten mindestens in 15-Minuten-Etappen lang­sam der verschobenen Uhrzeit angepasst werden.

Wichtig für Auto­fahrer: Mehr Wild­wechsel

Im Frühling ist der Wild­wechsel besonders stark. Mit der Sommer­zeit fällt zudem der Berufs­verkehr in die Zeit der Dämmerung. Besonders zwischen 6 und 8 Uhr steigt die Unfall­gefahr, aber auch in der Abend­dämmerung sollten Auto­fahrer besonders aufmerk­sam sein. Rund 80 Prozent der Wild­unfälle passieren mit Rehen, die gerade im Frühling als Einzel­gänger unterwegs sind. Zu dieser Jahres­zeit über­queren die Tiere vier bis fünf Mal am Tag eine Straße.

Wichtig für Zuckerpatienten: Häufiger messen

Wenn die Sommer­zeit den Biorhythmus durch­einander­bringt, kann das nicht nur zu Schlaf- und Konzentrations­problemen führen. Bei Menschen mit Diabetes kann es sich auch auf die Blut­zucker­werte auswirken. Insbesondere Insulin­pflichtige sollten diese daher nach der Umstellung von der Winter- auf die Sommer­zeit häufiger über­prüfen und erhöhte Werte so korrigieren, wie mit dem Arzt besprochen. Wer auf Tabletten einge­stellt ist, sollte sie weiterhin zur gewohnten Zeit einnehmen.

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Termine: Die Zeit­umstellung bis 2025

Sollte die Zeit­umstellung trotz anders­lautender politischer Absichts­erklärungen beibehalten bleiben, stehen die nächsten Daten für Europa schon fest. Denn die Sommer­zeit beginnt immer am letzten Sonn­tag im März; die Winter­zeit immer am letzten Sonn­tag im Oktober.

Jahr

Beginn Sommer­zeit

Beginn Winter­zeit

Jahr

Beginn Sommer­zeit

Beginn Winter­zeit

2020

29. März

25. Oktober

2021

28. März

31. Oktober

2022

27. März

30. Oktober

2023

26. März

29. Oktober

2024

31. März

27. Oktober

2025

30. März

26. Oktober

Darauf sollten Sie bei der Uhren­umstellung achten

Die Zeit­umstellung betrifft nicht nur unsere innere Uhr. Auch alle anderen Uhren müssen angepasst werden. Vor oder zurück, je nachdem. Bei Funk­uhren, Laptops, Computern oder beispiels­weise Smartphones geschieht die Uhren­umstellung auto­matisch. Dafür sorgt die Physika­lisch-Tech­nische Bundes­anstalt in Braun­schweig. Dort wird der Zeitsender programmiert, der das Signal zur Umstellung aussendet. Doch nicht bei jeder Uhr lässt sich einfach die „Auto­matische Zeitzone“ verwenden. Nicht alle empfangen das über Lang­wellensender ausgestrahlte Impuls­signal. Das bedeutet: Wir müssen mecha­nisch nach­helfen (Uhren-Checkliste).

Bloß nicht aus der Zeit fallen: In Deutsch­land werden zwei Mal im Jahr die Uhren umge­stellt.

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Diese Uhren müssen Sie selbst umstellen

Während sich die meisten Geräte, die Funk- und Internet­verbindung haben – Armband­uhren, Fernseher, Receiver, Computer, Smartphones – auto­matisch umstellen, müssen andere Uhren per Hand umge­stellt werden. Unsere kleine Check­liste hilft Ihnen, den Über­blick zu behalten.

Küche

ja Back­ofen

ja Dampf­garer

ja Herd­platte / Koch­feld

ja Kaffee­maschine

ja Küchen­uhr

ja Küchenwaage

ja Mikrowelle

Wohn-, Ess- und Schlaf­zimmer

ja DVD-Player / Video­rekorder / Spiele­konsolen

ja Fußbodenhei­zung

jaRadio

jaRoll­läden

ja Telefon / Anruf­beant­worter / Fax

ja Wand- /Stand­uhr

ja Wecker / Reise­wecker

ja Wetter­stationen

Sons­tiges

ja Alarm­anlage

ja Auto­uhr / Navi / Standhei­zung

ja Bewegungs­melder / Video­über­wachung

ja Heiz­therme / Raum­thermostat

ja Kamera / Video­kamera

jaSchritt­zähler

ja Wand­uhr im Büro

ja Zeit­schalt­uhren (Warm­wasser­aufbereitung, Bewässerungs­anlage, Haustür, Garagen­tor ...)

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Dieses Special ist erst­mals am 23. Oktober 2019 auf test.de erschienen. Es wurde am 26. März 2020 aktualisiert und erweitert.

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