In der Nacht von Samstag, 26. Oktober 2019, auf Sonn­tag, 27. Oktober 2019, werden die Uhren auf Winter­zeit umge­stellt. Um 3 Uhr wird dann der Zeiger auf 2 Uhr um eine Stunde zurück­gedreht. Von da an wird es wieder früher dunkler.

Wecker sind notwendig, aber besser wäre, wir bräuchten sie erst gar nicht. Unseren Biorhythmus bringen wir schon mit der Zeit­umstellung zwei Mal im Jahr unnötig durch­einander. Zwar befür­wortet die Mehr­heit aller Europäer die Abschaffung der Zeit­umstellung. Aber in welche Richtung die Uhren ein für alle Mal gedreht werden sollen, hat die EU noch nicht entschieden. Die Sommer­zeit ist sehr populär, jedoch ist die Winter­zeit natürlich. Ein Plädoyer zur Winter­zeit, mehr auf unsere innere Uhr zu hören.

Europa: Umstellung auf Sommer­zeit oder Winter­zeit?

Wecker geputzt, Zähne gekämmt, Haare auf 7 Uhr gestellt ... Wer so zu Bett geht, braucht offen­bar dringend Schlaf. Wie gut, dass uns der 27. Oktober eine Stunde schenkt. Wenn die Uhren von 3 auf 2 Uhr zurück­gestellt werden, hat der Tag ausnahms­weise 25 Stunden – dank Umstellung auf die Winter­zeit. Einmal die eine Stunde länger schlafen bedeutet aber auch: Von jetzt an werden die Tage kürzer – zumindest vom Licht­empfinden her. Dies ist die Rück­kehr zur natürlichen Zeit. Denn die Sommer­zeit ist kein natürliches Ereignis, sondern ein Beschluss. In Deutsch­land wurde die Sommer­zeit erst­mals 1916 bis 1918 einge­führt. Seitdem verschwand und kam sie immer wieder. Seit 1980 wird jedes Jahr hier­zulande regel­mäßig zweimal an der Uhr gedreht – seit 1996 in der EU einheitlich.

Dauer­haft Sommer­zeit oder Winter­zeit?

Beliebt ist die Zeit­umstellung nicht. Die Mehr­heit der abstimmenden Europäer (84 Prozent) votierte bei einer EU-Umfrage 2018 gegen sie. Im März 2019 sprach sich auch das EU-Parlament dagegen aus – und beschloss die Zeit­umstellung bis 2021 endgültig abzu­schaffen. Dieses Ziel könnte aber scheitern, da die einzelnen EU-Länder unterschiedliche Interessen haben. Die fast 30 Mitglieds­staaten können sich nicht einheitlich auf Sommer- oder Winter­zeit einigen. So favorisieren beispiels­weise Portugal, Deutsch­land und Zypern die Sommer­zeit – dagegen sind etwa Finn­land, Dänemark und die Nieder­lande für die Normal­zeit, also die Winter­zeit.

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Termine: Die Zeit­umstellung bis 2025

Sollte die Zeit­umstellung entgegen aller Ambitionen länger erhalten bleiben, dann stehen die nächsten Daten schon fest. Denn die Sommer­zeit beginnt immer am letzten Sonn­tag im März; die Winter­zeit immer am letzten Sonn­tag im Oktober.

Jahr

Beginn Sommer­zeit

Beginn Winter­zeit

Jahr

Beginn Sommer­zeit

Beginn Winter­zeit

2020

29. März

25. Oktober

2021

28. März

31. Oktober

2022

27. März

30. Oktober

2023

26. März

29. Oktober

2024

31. März

27. Oktober

2025

30. März

26. Oktober

Darauf sollten Sie bei der Uhren­umstellung achten

Die Zeit­umstellung betrifft nicht nur unsere innere Uhr. Auch alle anderen Uhren müssen angepasst werden. Vor oder zurück, je nachdem. Bei Funk­uhren, Laptops, Computern oder beispiels­weise Smartphones geschieht die Uhren­umstellung auto­matisch. Dafür sorgt die Physika­lisch-Tech­nische Bundes­anstalt in Braun­schweig. Dort wird der Zeitsender programmiert, der das Signal zur Umstellung aussendet. Doch nicht bei jeder Uhr lässt sich einfach die „Auto­matische Zeitzone“ verwenden. Nicht alle empfangen das über Lang­wellensender ausgestrahlte Impuls­signal. Das bedeutet: Wir müssen mecha­nisch nach­helfen.

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Warum die Winter­zeit gesünder ist

Obwohl die Sommer­zeit nicht natürlich ist und sich gerade im Früh­jahr der sogenannte soziale Jetlag verstärkt, ist die Sommer­zeit hier­zulande sehr populär. Dabei gerät durch die Sommer­zeit die innere Uhr immer wieder aus dem Takt. Warum aber ist die Sommer­zeit so beliebt? Mit ihren längeren Abenden bietet sie einen starken psycho­logischen Effekt, den viele als Vorteil empfinden. Gut zwei Drittel aller Menschen glauben, die Sommer­zeit beein­flusse sie nicht negativ.

Winter­zeit tut der inneren Uhr gut

Tatsäch­lich ist es aber die Winter­zeit, die unserer inneren Uhr guttut – das sagen die Experten. Gerade die innere Uhr macht unseren Biorhythmus aus und beein­flusst damit auch unseren Schlaf, unseren Herz­schlag, unsere Stimmung. Diese Uhr ist ein komplexes System, das bei jedem Menschen anders tickt. Allen gefühlten Wahr­nehmungen zum Trotz: Welt­weit belegen viele Studien ungesunde Folgen durch die Sommer­zeit – von metabo­lischen Erkrankungen bis zu psychischen Problemen (Interview mit dem Chronobiologen Till Roenneberg).

Studien zu gesundheitlichen Folgen

So zeigt beispiels­weise eine Studie der Universität Bologna, dass die Schlaf- und Wach­zyklen durch die Umstellung auf Sommer­zeit deutlich stärker gestört werden als durch die Umstellung auf Winter­zeit. Und das um fünf Prozent höhere Risiko für einen Herz­infarkt dokumentiert die Studie des Karolinska-Instituts Schweden, einen Anstieg beob­achten auch die US-amerikanischen Kollegen am William Beaumont Hospital in Michigan.

Wie die innere Uhr und Stoff­wechsel­störungen zusammenhängen, wird in Göttingen erforscht. Die negativen Folgen für den Biorhythmus stellen Studien aus Deutschland dar; auch wie der soziale Jetlag mit einem erhöhten BMI verbunden ist und somit zur Fett­leibig­keit beiträgt, veröffent­lichten die Wissenschaftler um den Münchner Chronobiologen Till Roenneberg schon 2012. Einer aktuellen Umfrage der DAK zufolge meinen in Deutsch­land lediglich 29 Prozent, dass sie unter der Zeit­umstellung leiden.

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Innere Uhr, sozialer Jetlag und die Schlafkultur

Den eigenen Schlaf falsch einge­schätzt

Tatsäch­lich sind viele nicht in der Lage, ihren Schlafbedarf oder ihre Schlafqualität richtig einzuschätzen. Auf der einen Seite gibt es diejenigen, die glauben, schlecht und zu wenig zu schlafen. Auf der anderen Seite gibt es jene, die glauben, mit nur fünf Stunden Schlaf auszukommen. Chronobiologe Till Roenne­berg hält dem entgegen: Prüft man das im Einzel­fall nach, stellt sich in den meisten Fällen heraus, dass die Selbst­wahr­nehmung der Menschen trügt. Der Forscher hat eine einfache Formel: „Wer abends nicht einschlafen kann, ohne dass ein körperliches Problem dahintersteckt, der geht schlichtweg zur falschen Zeit schlafen“.“ Und: „Wer morgens einen Wecker braucht, lebt gegen seine innere Uhr.“

Das Diktat der sozialen Uhr

Lange vor Erfindung der Sommer­zeit hat die Natur die innere Uhr einge­richtet. Sie macht aus den Menschen Früh- oder Spät­aufsteher, Kurz- oder Lang­schläfer – oder Typen dazwischen. Doch wie jeder Einzelne tickt, darauf nimmt unsere äußere Uhr, also unser Alltag, keine Rück­sicht. Das fängt in der Schule an und hört im Job nicht auf. Streng tickt die soziale Uhr. Nirgendwo in Europa beginnt der Tag so zeitig wie in Deutsch­land. Hier tickt die soziale Uhr mitunter noch wie vor hundert Jahren, als die Land­wirt­schaft den Takt vorgab, die Geschäfte noch nicht bis 21 Uhr geöffnet hatten, es noch keine Globalisierung und keine 24-Stunden-Gesell­schaft gab.

Ticken wir noch richtig?

Innere Uhr. Unseren Schlaf-Wach-Rhythmus bestimmt die innere Uhr. Viele Rädchen greifen da ineinander: So geben unter anderem Licht­verhält­nisse und genetische Komponenten – mehr als 50 Gene sind daran beteiligt – unseren Takt vor. Die innere Uhr können wir nicht selbst bestimmen, sie ist naturgegeben und tickt bei jedem Menschen anders. Keiner kann also entscheiden, ob er Früh­aufsteher oder Spät­aufsteher, Lerche oder Eule sein will.

Sozialer Jetlag. Die Unstimmig­keit zwischen biologischer Innen­zeit und sozialer Uhr wird als sozialer Jetlag bezeichnet. Weil innere und äußere Uhr unterschiedlich ticken, verschiebt sich der Schlaf-Wach-Rhythmus. Anders als beim üblichen Jetlag gibt es in dem Fall aber keinen veränderten Sonnen­stand, der die Umstellung unterstützt. Viele Menschen müssen sich der sozialen Uhr anpassen. Gesünder aber wäre: Die soziale Uhr passte sich der biologischen an.

Feind des Teen­agers: Der Wecker

Zum Beispiel Jugend­liche. Viele Schüler entwickeln sich in der Pubertät von Lerchen zu Eulen. Ihre innere Uhr schickt sie später ins Bett. Unbarm­herzig klingelt dann aber in der Frühe der Wecker – und wird für viele zum Feind. Sie müssen zu früh aufstehen, starten über­müdet in den Tag und werden dann sozu­sagen in ihrer biologischen Mitter­nacht unter­richtet. Deshalb schlagen deutsche Schlaf­forscher flexiblere Unterrichts­anfänge vor: in der Unterstufe um 8, in der Mittel­stufe um 9 und in der Oberstufe erst um 10 Uhr. Die Leistungs­fähig­keit würde sich so erheblich verbessern.

Die innere Uhr ist der Umstand

Schlafmediziner, wie Alfred Wiater von der Deutschen Gesell­schaft für Schlaf­forschung und Schlafmedizin betonen immer wieder, dass die Winter­zeit unserem Schlaf-Wach-Rhythmus am ehesten entspreche und raten, die Normal­zeit beizubehalten und dem natürlichen Rhythmus zu folgen. Denn nicht einmal 30 Prozent aller Menschen würden zu den natürlichen Früh­typen, also zu den Lerchen gehören.

Tatsäch­lich richtet sich der individuelle Biorhythmus nicht danach, wann der Schulbus fährt, wann die Arbeits­zeit beginnt, ob es eine Ganz­tags­schule gibt oder wie der Alltag organisiert werden muss. Die innere Uhr fragt nicht nach den Umständen, denn sie ist der Umstand.

Für eine neue Schlafkultur

Gegen die innere Uhr zu leben, gefährdet die Gesundheit. Es fehlt an Aufklärung, so Schlafmediziner. Sie fordern: Deutsch­land braucht eine neue Schlafkultur. Die soziale Uhr solle viel öfter den Schlafbedürf­nissen aller gerecht werden und sie raten: Die Normal­zeit soll beinbehalten werden. Mehr noch: Unser Alltag könnte teils sogar später beginnen. Schon eine halbe Stunde mehr Schlaf steigere tagsüber die Leistungsfähigkeit um etwa ein Drittel (28 Prozent).

Eine halbe Stunde, vielleicht sogar eine Stunde mehr kann morgens sehr viel wert sein: Haare gekämmt, Zähne geputzt, Wecker erst auf 8 Uhr gestellt. Für etliche wäre das ein guter Anfang.

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