Urlaub auf dem Bauernhof oder ein Wandertrip durch Wald und Flur: Wer seinen Urlaub gebucht hat, sollte prüfen, ob er in ein Risiko­gebiet der Frühsommer-Me­ningoenzephalitis (FSME) fährt. In diesem Fall ist es sinn­voll, sich jetzt impfen zu lassen – und zwar gegen die Hirnhaut- oder Gehirn­entzündung, die ein Zecken­stich auslösen kann.

Wo Risiko­gebiete liegen

Die FSME-Impfung ist sinn­voll für alle, die in Risiko­gebieten wohnen oder dorthin reisen und sich viel in der Natur aufhalten. Das empfiehlt auch die Ständige Impfkommission. Nur Kinder unter drei Jahren sollten wegen erhöhter Fieberre­aktionen nur nach besonders strenger Abwägung geimpft werden. Wegen des milden Winters sind schon jetzt Zecken an manchen Orten aktiv, das Infektions­risiko besteht bis in den Spät­herbst. Risiko­gebiete in Deutsch­land sind Baden-Württem­berg, Bayern, Teile von Hessen, Thüringen, Rhein­land-Pfalz und vom Saar­land. Eine genaue Über­sicht in Kartenform bietet das Robert-Koch-Institut. Ihm wurden allein im vergangenen Jahr 420 Infektionen gemeldet.

Im Ausland kommt das FSME-Virus beispiels­weise in Österreich, im Baltikum, in Russ­land, Teilen Ost- und Südost­europas, Skandinaviens oder der Schweiz vor. Weitere Informationen bietet das Auswärtige Amt in den Reise- und Sicherheitshinweisen zu jedem Land. Eine reisemedizi­nische Beratung ist bei Tropen­instituten und weiterge­bildeten Reise- oder Allgemeinmedizinern möglich.

Drei Impfungen in drei Wochen für Kurz­zeit­schutz

Für einen voll­ständigen Impf­schutz sind zwei Impfungen mit ein bis drei Monaten Abstand nötig, eine dritte einige Monate später. Der Impf­schutz hält dann mindestens drei Jahre.

Für alle, die die Reise eher antreten, kommt alternativ die Schnell­immunisierung infrage: Drei Impfungen inner­halb von drei Wochen bieten Kurz­zeit­schutz. Eine Auffrischungs­impfung sollte dann schon nach 12 bis 18 Monaten erfolgen.

Viele Krankenkassen über­nehmen die Kosten

Für die Bewohner von Risiko­gebieten über­nehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten der Impfung. Aber auch Reisende können auf eine Erstattung der kompletten Kosten oder zumindest eines Teils davon hoffen: Von aktuell 84 Kassen im Produktfinder Krankenkassen der Stiftung Warentest bieten 71 an, die Kosten für eine Reiseimpfung zum Schutz gegen FSME ganz oder teil­weise zu über­nehmen. Bei manchen Kassen ist die Impfung über die Chipkarte möglich, bei anderen bekommen Geimpfte die Kosten nach­träglich erstattet oder zumindest bezu­schusst. Es lohnt sich also, bei der eigenen Krankenkasse nach­zufragen.

Trotz Impfung gegen Zecken­stiche schützen

Zecken können bei einem Stich noch eine andere Infektions­krankheit über­tragen: Borreliose. Sie kann Gelenk- und Nervenleiden verursachen. Dagegen gibt es keine Impfung. Die Erreger leben in Nord­amerika, Asien und in Europa, auch in ganz Deutsch­land. Studien haben gezeigt, dass bei etwa fünf Prozent der Menschen, die von einer Zecke gestochen worden sind, eine Infektion auftritt. Nur ein sehr kleiner Teil der Infizierten, rund ein Prozent, entwickeln Krank­heits­symptome. Selten kommt es zu chro­nischen Verlaufs­formen mit bleibenden Schäden wie Muskel­schwäche oder Lähmungen. Daher sollten sich alle Menschen gegen Zecken­stiche schützen – auch, wenn sie gegen FSME geimpft sind:

  • Vorbeugen. Vermeiden Sie möglichst Aufenthalte im hohen Gras oder Unter­holz.
  • Kleidung. Tragen Sie bei „natur­nahen Aktivitäten“ helle Kleidung, die möglichst viel Haut bedeckt und an den Bünd­chen fest schließt – lange Ärmel und Hosen­beine, Socken bis über die Knöchel und feste Schuhe.
  • Abwehr­mittel. Benutzen Sie für Ihre Haut ein Mittel gegen Zecken oder ein Kombipräparat, das zusätzlich mit Schutz vor Mücken wirbt. Die Produkte aus beiden Gruppen enthalten oft die gleichen Wirk­stoffe. Im Test 2017 wirkten die besten Sprays mindestens über sechs Stunden gegen beide Blutsauger, zum Teil auch länger.
  • Zecken entfernen. Suchen Sie Ihre Haut direkt nach dem Aufenthalt in der Natur nach Zecken ab, insbesondere Kniekehlen, Achselhöhlen, die Leistengegend, den Genital­bereich und den Haar­satz. Beim Rücken hilft Ihnen am besten eine zweite Person. Duschen Sie zusätzlich. Entfernen Sie entdeckte Zecken möglichst schnell, weil mit zunehmender Saugdauer das Infektions­risiko steigt. Fassen Sie dazu die Zecke mit einer Pinzette haut­nah und ziehen Sie sie mit möglichst wenig Druck heraus. Geeignet sind auch Zeckenkarten mit Schlitz, mit denen sich saugende Zecken aus der Haut hebeln lassen. Zecke nicht quetschen oder mit Öl oder Klebstoff behandeln – dann kann sie vermehrt Erreger freisetzen. Stichwunde nach dem Entfernen der Zecke desinfizieren.
  • Borreliose. Gehen Sie zum Arzt, wenn bis zu vier Wochen nach dem Zecken­stich beziehungs­weise nach dem Aufenthalt im Freien ein roter Hautfleck auftritt und sich ringförmig ausdehnt. Diese „Wanderröte“ weist oft auf Borreliose hin.

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