Zecken Special

Auf der Lauer. Zecken sind auf Blättern und im hohen Gras kaum zu sehen.

Experten fürchten, dass Zecken sich dieses Jahr noch weiter ausbreiten als im Super-Sommer 2018. Sie können zwei Krankheiten über­tragen: Lyme-Borreliose und FSME (Hirnhaut­entzündung). War bislang vor allem der Süden Deutsch­lands betroffen, hat das Robert-Koch-Institut zum ersten Mal eine Region in Nieder­sachsen zum FSME-Risiko­gebiet erklärt. Wir sagen, wie man sich schützen kann, für wen die FSME-Impfung infrage kommt – und wie Sie Zecken entfernen können.

Video: Tipps gegen Zecken und Mücken

Zecken lauern über­all da, wo es dunkel, feucht und warm ist

Sie liebt das milde Wetter des Frühsommers, aber auch im Sommer ist sie aktiv. Die Zecke Ixodes Ricinus, auch Gemeiner Holz­bock genannt, hasst Hitze und Trockenheit. Doch sie sitzt über­all dort, wo es dunkel, feucht und warm ist: im Gras, Gestrüpp, Laub oder Unter­holz. Ungefähr auf Kniehöhe harrt der Winzling dort aus, bis ein potenzieller Wirt vorbeikommt und ihn abstreift. Dass Zecken sich von Bäumen auf ihre Opfer fallen lassen, ist ein Märchen. Gerade jetzt sind viele Menschen leicht bekleidet in der Natur unterwegs – und erhöhen damit das Risiko, mit Zecken in Kontakt zu kommen.

Achselhöhlen, Kniekehlen, Genital­bereich

In Sekundenbruch­teilen krallen Zecken sich an ihren Opfern fest – ob in der Kleidung oder direkt auf der Haut. Sofort krabbeln sie los, um sich an feuchten Orten fest­zusaugen: in Achselhöhlen, Kniekehlen, dem Genital­bereich, aber auch Haar­ansatz und Nacken. Wenn die Zecke mit ihren scheren­artigen Mund­werk­zeugen die Haut ihres Wirts aufreißt und den Saug­rüssel hinein senkt – spricht man von einem Stich, nicht von einem Biss. Wird die Zecke nicht entfernt, labt sie sich über Stunden oder Tage am Blut ihrer Beute. Dabei kann sie auf die Größe einer Perle anschwellen. Die Zecke braucht das Blut, um sich zu entwickeln und fort­zupflanzen. Bevor­zugte Lieferanten sind Wirbeltiere, zudem Vögel und sogar Reptilien. Mit dem Blut ihrer Opfer saugen die Spinnentiere Erreger auf – die sie an den nächsten Wirt weitergeben können.

Zahl der FSME-Fälle steigt immer weiter

Besonders gefähr­liche Erreger sind die FSME-Viren. Sie können eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auslösen. Die Symptome der Krankheit reichen von Kopf­schmerzen über Lähmungen bis hin zu lebens­gefähr­lichen Hirnhaut­entzündungen. Der heiße Sommer 2018 war ein Rekord­jahr für FSME-Erkrankungen. Bundes­weit registrierte das Robert-Koch-Institut (RKI) 583 Fälle – 20 Prozent mehr als 2017. Die meisten FSME-Erkrankungen werden gewöhnlich in den Monaten Mai bis Oktober gemeldet, 2018 stieg die Zahl der Fälle bereits im April an. Über den Verlauf der Meldezahlen in diesem Jahr hat das RKI noch nichts veröffent­licht.

Zum ersten Mal Kreis in Nieder­sachsen FSME-Risiko­gebiet

Waren bislang vor allem Bayern und Baden-Württem­berg betroffen, hat das Robert-Koch-Institut im vorigen Jahr auch Land­kreise in Thüringen zu FSME-Risiko­gebieten erklärt. Jetzt wurde mit dem Kreis Emsland zum ersten Mal ein FSME-Gebiet in Nieder­sachsen benannt.

161 Kreise gelten als FSME-Risiko­gebiete

Eine Impfung empfiehlt das RKI für Deutsch­land weiterhin nur für die FSME-Risiko­gebiete. In Deutsch­land ist ihre Anzahl aktuell auf 161 Kreise angewachsen – im Vorjahr waren es fünf Kreise weniger. Neu hinzugekommen sind neben dem Kreis Emsland weitere vier Kreise, die an bestehende FSME-Risiko­gebiete grenzen: der Land­kreis Sächsische Schweiz-Osterz­gebirge in Sachsen, die bayerischen Land­kreise Garmisch-Partenkirchen und Lands­berg am Lech, sowie der bayerische Stadt­kreis Kauf­beuren.

Zecken Special

Die Karte des RKI zeigt FSME-Risiko­gebiete in Deutsch­land. Für 161 Kreise in Deutsch­land sind Impfungen empfohlen.

Die Karte des RKI zeigt FSME-Risiko­gebiete in Deutsch­land (Basis: FSME-Erkrankungen in den Jahren 2002-2018, die dem RKI über­mittelt wurden, n=4569; Stand: 17. Januar 2019).

Auch bei Auslands­reisen empfiehlt sich eine Impfung

Das RKI empfiehlt die FSME-Impfung auch für Reisen in bestimmte Länder. Dazu gehören vor allem Österreich, Tschechien und die Schweiz mit Ausnahme der Kantone Genf und Tessin. In Frank­reich, Slowenien, der Slowakei und Kroatien kann es ebenfalls zu Infektionen kommen.

FSME-Impfung: Drei Spritzen notwendig

Auch die Arznei­mittel­experten der Stiftung Warentest empfehlen die Impfung für Kinder und Erwachsene, die sich vorüber­gehend oder dauer­haft in FSME-Gebieten aufhalten und viel Zeit in der Natur verbringen.

Grund­immunisierung. Sie besteht aus drei Impfungen: Die ersten beiden Dosen werden im Abstand von ein bis drei Monaten gegeben – ein Schutz besteht frühestens 14 Tage nach der zweiten Impfung. Zur lang­fristigen Vorbeugung muss fünf bis zwölf Monate später noch einmal geimpft werden.

Auffrischung. Abhängig davon, wie alt die geimpfte Person und wie stark der Impf­stoff ist, raten die Impf­experten der Stiftung Warentest, die Immunisierung bei weiterer Gefahr alle drei bis fünf Jahre nach­zuholen. Einen relativ kurz­fristigen Schutz bietet in Ausnahme­fällen ein „Schnell­schema“: Inner­halb von zwei Wochen wird zweimal geimpft, die Auffrisch­impfung folgt nach etwa drei Jahren.

Krankenkassen zahlen in Risiko­gebieten

Die Krankenkassen über­nehmen die Impf­kosten für Einwohner deutscher Risiko­gebiete, zum Teil auch für Reisende. Fragen Sie am besten Ihre Versicherung. Über Extra­leistungen der Versicherungen zu Impfungen informiert unser Produktfinder Krankenkassen.

Borreliose kommt deutsch­land­weit vor

Borrelien sind in ganz Deutsch­land gefähr­lich. Diese Bakterien leben im Darm der Zecke. Sie gelangen erst 12 bis 24 Stunden, nachdem sich der Holz­bock fest­gesaugt hat, über seine Ausscheidungen in den Wirts­körper. Daher ist es so wichtig, sich nach einem Aufenthalt in der Natur gründlich abzu­suchen.

Neue Zeckengattung in Deutsch­land entdeckt

Für Aufsehen sorgte im vorigen August der Fund von sieben Hyalomma-Zecken, den die Universität Hohen­heim meldete. Das RKI konnte 19 Tiere als Hyalomma-Zecken identifizieren. Vermutlich wurden die aus Afrika, Asien und Südeuropa stammenden Tiere von Vögeln einge­schleppt. Diese Zecken sind größer als die einheimischen und fallen durch gestreifte Beinchen auf. Ob sie bei uns Krankheiten über­tragen können, ist bislang unklar. Das RKI geht davon aus, dass aufgrund der extremen Wetterbedingungen im vergangenen Jahr eine große Anzahl Hyalomma-Zecken geschlüpft sind und die Funde in diesem Jahr ansteigen werden.

Tipp: Sie suchen nach einem Mittel gegen Zecken? Im Test von 14 Sprays gegen Zecken und Mücken hielten die Besten die Blutsauger mindestens sechs Stunden auf Abstand. Allerdings bleiben Hautflächen unter der Kleidung oder den Haaren meist unbe­handelt.

Nur wenige Tiere infiziert

Wenn sich eine Zecke bei Ihnen fest­gesetzt hat, bedeutet das längst nicht immer, dass Sie auch krank werden. Experten wie die Forscher vom Robert-Koch-Institut in Berlin rücken die Gefahr in die richtige Perspektive. Selbst in FSME-Risiko­gebieten seien nur wenige Tiere infiziert – dort tragen im Mittel nur 0,1 bis 3,4 Prozent der Zecken das Virus in sich. Laut Robert-Koch-Institut entwickeln bis zu 30 Prozent der FSME-infizierten Personen Anzeichen der Hirnhaut­entzündung (Meningitis). Sie zeigen sich ein bis zwei Wochen nach dem Stich. Was Lyme-Borreliose betrifft, zitieren die Wissenschaftler Studien, nach denen bei ungefähr 5 Prozent der Personen, die von einer Zecke gestochen wurden, auch eine Borreliose-Infektion auftritt. Nur etwa 1 Prozent dieser Infizierten entwickelt wiederum Krank­heits­symptome.

Fast ganz­jährig und auch in Gärten aktiv

Wegen der zunehmend milderen Winter gehen Zecken nicht mehr nur im Frühsommer auf Jagd, sondern manchmal fast das ganze Jahr über. Steigen die Temperaturen über null Grad, werden sie lang­sam aktiv. Diese Entwick­lung belegt unter anderem eine Studie der Universität Hohen­heim: Ute Macken­stedt, Professorin für Parasitologie, und ihre Mitarbeiter suchen seit 2014 rund 100 Gärten im Groß­raum Stutt­gart regel­mäßig nach Zecken ab. Abhängig von der Witterung haben sie auch im Februar aktive Tiere entdeckt. Eine weitere Erkennt­nis der Forscher: Zecken finden sich immer häufiger in Gärten, einge­schleppt durch Vögel, Wild und Haustiere.

Dieses Special erschien erst­mals am 28. April 2016 auf test.de. Es wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 5. April 2019.

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