Auf der Lauer. Zecken sind auf Blättern und im hohen Gras kaum zu sehen.

Zecken können hier­zulande vornehmlich zwei Krankheiten über­tragen: Lyme-Borreliose und FSME (Hirnhaut­entzündung). FSME-Risiko­gebiete liegen vor allem in Bayern und Baden-Württem­berg, teils aber auch in anderen Bundes­ländern, zeigt die Über­sicht des Robert-Koch-Instituts. Wir sagen, wie man sich schützen kann, für wen die FSME-Impfung infrage kommt – und wie Sie Zecken entfernen können.

So nisten sich die Zecken ein

Zecken lauern wo es dunkel, feucht und warm ist

Sie liebt das milde Wetter des Frühsommers, aber auch im Sommer ist sie aktiv. Die Zecke Ixodes Ricinus, auch Gemeiner Holz­bock genannt, hasst Hitze und Trockenheit. Doch sie sitzt über­all dort, wo es dunkel, feucht und warm ist: im Gras, Gestrüpp, Laub oder Unter­holz. Ungefähr auf Kniehöhe harrt der Winzling dort aus, bis ein potenzieller Wirt vorbeikommt und ihn abstreift. Dass Zecken sich von Bäumen auf ihre Opfer fallen lassen, ist ein Märchen. Gerade wenn viele Menschen leicht bekleidet in der Natur unterwegs sind, steigt ihr Risiko, mit Zecken in Kontakt zu kommen.

Achselhöhlen, Kniekehlen, Genital­bereich

In Sekundenbruch­teilen krallen Zecken sich an ihren Opfern fest – ob in der Kleidung oder direkt auf der Haut. Sofort krabbeln sie los, um sich an feuchten Orten fest­zusaugen: in Achselhöhlen, Kniekehlen, dem Genital­bereich, aber auch Haar­ansatz und Nacken. Wenn die Zecke mit ihren scheren­artigen Mund­werk­zeugen die Haut ihres Wirts aufreißt und den Saug­rüssel hinein senkt – spricht man von einem Stich, nicht von einem Biss. Wird die Zecke nicht entfernt, labt sie sich über Stunden oder Tage am Blut ihrer Beute. Dabei kann sie auf die Größe einer Perle anschwellen. Die Zecke braucht das Blut, um sich zu entwickeln und fort­zupflanzen. Bevor­zugte Lieferanten sind Wirbeltiere, zudem Vögel und sogar Reptilien. Mit dem Blut ihrer Opfer saugen die Spinnentiere Erreger auf – die sie an den nächsten Wirt weitergeben können.

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FSME – wo Gefahr droht und Impfen klug ist

Besonders gefähr­liche Erreger sind die FSME-Viren. Sie können eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auslösen. Die Symptome der Krankheit reichen von Kopf­schmerzen über Lähmungen bis hin zu lebens­gefähr­lichen Hirnhaut­entzündungen. Die Zahl der Infektionen schwankt von Jahr zu Jahr. 2019 wurden dem Robert-Koch-Institut (RKI) insgesamt 444 FSME-Erkrankungen über­mittelt – 24 Prozent weniger als 2018. Die meisten FSME-Erkrankungen werden gewöhnlich in den Monaten Mai bis Oktober gemeldet.

164 Kreise gelten als FSME-Risiko­gebiete

Eine Impfung empfiehlt das RKI für Deutsch­land nur für die FSME-Risiko­gebiete. In Deutsch­land ist ihre Anzahl aktuell auf 164 Kreise angewachsen – im Vorjahr waren es drei Kreise weniger. Neu hinzugekommen sind die Land­kreise Dresden und Meißen in Sachsen sowie der Land­kreis Schmalkalden-Meiningen in Thüringen. Die meisten Risiko­gebieten lagen bislang eher im Süden Deutsch­lands, vor allem in Bayern und Baden-Württem­berg. Mit dem Land­kreis Emsland ist seit 2019 erst­mals ein FSME-Gebiet in Nieder­sachsen benannt.

Die Karte des RKI zeigt FSME-Risiko­gebiete in Deutsch­land (Basis: FSME-Erkrankungen in den Jahren 2002-2019, die dem RKI über­mittelt wurden, n=5479; Stand: 16. Januar 2020). Für 164 Kreise in Deutsch­land sind Impfungen empfohlen.

Die Karte des RKI zeigt FSME-Risiko­gebiete in Deutsch­land (Basis: FSME-Erkrankungen in den Jahren 2002-2019, die dem RKI über­mittelt wurden, n=5479; Stand: 16. Januar 2020). Für 164 Kreise in Deutsch­land sind Impfungen empfohlen.

Auch bei Auslands­reisen empfiehlt sich eine Impfung

Das RKI empfiehlt die FSME-Impfung auch für Reisen in bestimmte Länder. Dazu gehören beispiels­weise Österreich, Tschechien, große Teile Polens, die baltischen Länder sowie Teile Dänemarks, Schwedens, Norwegens und Finn­lands.

FSME-Impfung: Drei Spritzen notwendig

Auch die Arznei­mittel­experten der Stiftung Warentest empfehlen die Impfung für Kinder und Erwachsene, die sich vorüber­gehend oder dauer­haft in FSME-Gebieten aufhalten und viel Zeit in der Natur verbringen.

Grund­immunisierung. Sie besteht aus drei Impfungen: Die ersten beiden Dosen werden normaler­weise im Abstand von ein bis drei Monaten gegeben – ein Schutz besteht frühestens 14 Tage nach der zweiten Impfung. Zur lang­fristigen Vorbeugung muss fünf bis zwölf Monate später noch einmal geimpft werden. Einen relativ kurz­fristigen Schutz bietet in Ausnahme­fällen ein Schnell­schema zur Grund­immunisierung.

Auffrischung. Abhängig davon, wie alt die geimpfte Person und wie stark der Impf­stoff ist, raten die Impf­experten der Stiftung Warentest, die Immunisierung bei weiterer Gefahr alle drei bis fünf Jahre nach­zuholen.

Krankenkassen zahlen in Risiko­gebieten

Die Krankenkassen über­nehmen die Impf­kosten für Einwohner deutscher Risiko­gebiete, zum Teil auch für Reisende. Fragen Sie am besten Ihre Versicherung. Über Extra­leistungen der Versicherungen zu Impfungen informiert unser Vergleich Krankenkassen.

Borreliose kommt deutsch­land­weit vor

Borrelien sind in ganz Deutsch­land gefähr­lich. Diese Bakterien leben im Darm der Zecke. Sie gelangen erst 12 bis 24 Stunden, nachdem sich der Holz­bock fest­gesaugt hat, über seine Ausscheidungen in den Wirts­körper. Daher ist es so wichtig, sich nach einem Aufenthalt in der Natur gründlich abzu­suchen.

Nur wenige Tiere infiziert

Wenn sich eine Zecke bei Ihnen fest­gesetzt hat, bedeutet das längst nicht immer, dass Sie auch krank werden. Experten wie die Forscher vom Robert-Koch-Institut in Berlin rücken die Gefahr in die richtige Perspektive. Selbst in FSME-Risiko­gebieten seien nur wenige Tiere infiziert – dort tragen im Mittel nur 0,1 bis 5 Prozent der Zecken das Virus in sich. Und nur ein Teil der infizierten Personen entwickelt Anzeichen einer Hirnhaut­entzündung (Meningitis). Sie zeigen sich ein bis zwei Wochen nach dem Stich. Was Lyme-Borreliose betrifft, zitieren die Wissenschaftler Studien, nach denen bei ungefähr 5 Prozent der Personen, die von einer Zecke gestochen wurden, auch eine Borreliose-Infektion auftritt. Nur etwa 1 Prozent dieser Infizierten entwickelt wiederum Krank­heits­symptome.

Zecken fast ganz­jährig und auch in Gärten aktiv

Wegen der zunehmend milderen Winter gehen Zecken nicht mehr nur im Frühsommer auf Jagd, sondern manchmal fast das ganze Jahr über. Steigen die Temperaturen über null Grad, werden sie lang­sam aktiv. Diese Entwick­lung belegt unter anderem eine Studie der Universität Hohen­heim: Ute Macken­stedt, Professorin für Parasitologie, und ihre Mitarbeiter suchten seit 2014 rund 100 Gärten im Groß­raum Stutt­gart regel­mäßig nach Zecken ab. Abhängig von der Witterung entdeckten sie bereits im Februar aktive Tiere. Eine weitere Erkennt­nis der Forscher: Zecken finden sich immer häufiger in Gärten, einge­schleppt durch Vögel, Wild und Haustiere.

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Neue Zeckengattung in Deutsch­land

Für Aufsehen sorgten in Deutsch­land in den vergangenen Jahren Funde von Hyalomma-Zecken. Vermutlich wurden die aus Afrika, Asien und Südeuropa stammenden Tiere von Vögeln einge­schleppt. Diese Zecken sind größer als die einheimischen und fallen durch gestreifte Beinchen auf. Teil­weise können diese Zecken Fleck­fieber-Erreger (Rickett­sien) enthalten – aber derzeit immerhin noch keine anderen tropischen Krank­heits­erreger. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der Uni Hohenheim. Der Bericht informiert auch über die Ausbreitung der Braunen Hundez­ecke.

Tipp: Sie suchen nach einem Mittel gegen Zecken? Im Test von 14 Sprays gegen Zecken und Mücken hielten die Besten die Blutsauger mindestens sechs Stunden auf Abstand. Allerdings bleiben Hautflächen unter der Kleidung oder den Haaren meist unbe­handelt.

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So schützen Sie sich gegen Zecken

Das Beste ist, sich gar nicht erst stechen zu lassen. Schützen Sie sich also gut vor den Mini-Vampiren – mit der richtigen Kleidung wie geschlossenen Schuhen, Socken und langen Hosen­beinen oder mit Mitteln zur Zecken­abwehr. Hier fassen wir die wichtigsten Tipps zusammen.

Auf dem Weg bleiben

Zecken lauern da, wo es feucht, warm und dunkel ist. Meiden Sie deshalb vor allem in Risiko­gebieten Unter­holz, hohes Gras und Gestrüpp. Dort sitzen die Tiere meist in Kniehöhe. Streift sie ein Mensch oder Tier, springen sie in Sekundenbruch­teilen auf ihr Opfer über.

Keine Angriffs­fläche bieten

Tragen Sie geschlossene Schuhe, Socken, lockere lange Hosen und lang­ärmelige Oberteile. Noch besser: die Hosen­beine in die Socken stecken – die Zecke muss dann die Kleidung hoch­krabbeln und ist vor allem auf heller Kleidung leichter zu finden.

Zeckenbefall ? Rasch handeln!

Wenn Sie aus der freien Natur oder aus dem Garten kommen, suchen Sie sofort sich und Ihre Kleidung ab. Zecken stechen nicht sofort zu, sondern laufen zunächst auf dem Körper und den Kleidern umher, um eine geeignete Stelle für ihre Blutmahl­zeit zu finden.

Körper komplett absuchen

Schütteln Sie die Kleidung sorgfältig aus. Und machen Sie dann den totalen Bodycheck. Nur so spüren Sie auch jene Tiere auf, die sich schon fest­gesaugt haben. Kontrollieren Sie Achselhöhlen, Kniekehlen, Genital­bereich, Bauchnabel, aber auch Haar­ansatz und Nacken sowie hinter den Ohren.

Antize­cken­mittel richtig einsetzen

Sogenannte Repellents, die auf die Haut oder Kleidung aufgetragen werden, bieten einen zeitlich begrenzten Schutz. Im Test von 14 Sprays gegen Zecken und Mücken hielten die Besten die Blutsauger mindestens sechs Stunden auf Abstand. Allerdings bleiben Hautflächen unter der Kleidung oder den Haaren meist unbe­handelt. Deshalb sollten solche Mittel mit den oben genannten Maßnahmen kombiniert werden.

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So entfernen Sie Zecken richtig

Handeln Sie schnell

Entdecken Sie eine Zecke, entfernen Sie den Blutsauger möglichst rasch. Hat er nicht länger als zwölf Stunden auf Ihnen gesessen, ist die Wahr­scheinlich­keit gering, dass Borreliose über­tragen wurde. Der FSME-Erreger wird mit dem Speichel der Zecke über­tragen und infiziert das Opfer sofort.

Mit Karte, Zange oder Pinzette

So lassen sich Zecken einfach entfernen: Greifen Sie das Tier mit Pinzette oder Zange möglichst dicht über der Haut, ziehen Sie es vorsichtig heraus. Leichtes Drehen hilft. Nicht quetschen! Eine spezielle Zeckenkarte schieben Sie mit Druck auf die Haut an die Zecke heran und diese dann heraus. Sie können die Zecke auch vorher mit Vereisungs­spray betäuben, sie lässt sich so leichter abziehen.

In der Zange. Die Zecke mit Pinzette oder Zange weit unten am Kopf greifen und heraus­ziehen.

Keinesfalls Klebstoff oder Öl

Benutzen Sie kein Öl, um die Zecke zu ersti­cken! Der auf diese Art gestresste Holz­bock sondert vermehrt Speichel ab, das Infektions­risiko steigt. Bleibt der Stechrüssel in der Haut zurück, birgt das meist keine Gefahr. Sie können ihn vom Arzt entfernen lassen.

Stich­stelle desinfizieren

Nach Einschät­zung der Arznei­mittel­experten der Stiftung Warentest eignen sich dafür zum Beispiel folgende Mittel:

  • Sepso J Lösung mit dem Wirk­stoff Povidon-Jod für etwa 3,70 Euro für 10 Milliliter. Povidon-Jod wirkt abtötend auf Bakterien, Pilze (einschließ­lich deren Sporen) und Viren – nicht bei einer Schild­drüsen­über­funk­tion anwenden.
  • Octenisept für etwa 3 Euro für 15 Milliliter, ist eine Kombination des Antiseptikums Octenidin mit dem Alkohol Phenoxyethanol. Das Mittel tötet viele Bakterien und Pilze ab sowie einige Viren.

Dieses Special erschien erst­mals am 28. April 2016 auf test.de. Es wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 6. April 2020.

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