Zecken Special

Auf der Lauer. Die ungesättigten Zecken sind auf Blättern und im hohen Gras kaum zu sehen.

Steigen die Temperaturen, werden Zecken aktiv. Wer seinen Schutz für den Sommer verbessern möchte, sollte sich jetzt gegen die von den Blutsaugern über­tragene Krankheit FSME impfen lassen. test.de erklärt, welche Gefahren von Zecken ausgehen, wo man sich vor ihnen besonders in Acht nehmen muss, und welche Behand­lungs­möglich­keiten es für die von Zecken über­tragenen Krankheiten Lyme-Borreliose und FSME gibt. Wir sagen, wie man sich gegen Zecken schützen kann, und was zu tun ist, wenn die Blutsauger doch mal zugestochen haben.

Video: Tipps gegen Zecken und Mücken

Der gemeine Holz­bock lauert über­all da, wo es dunkel, feucht und warm ist

Sie hasst extreme Trockenheit, Hitze und Kälte. Sie liebt das milde Wetter des Frühsommers. Dann kriecht die Zecke Ixodes Ricinus, auch Gemeiner Holz­bock genannt, aus der Erde hervor und sucht sich einen Platz im hohen Gras oder im Gestrüpp, im Laub oder im Unter­holz – über­all da, wo es dunkel, feucht und warm ist. Ungefähr auf Kniehöhe harrt der Winzling dort aus, bis ein potenzieller Wirt vorbeikommt und ihn abstreift. Dass Zecken sich von Bäumen auf ihre Opfer fallen lassen, ist ein Märchen.

Achselhöhlen, Kniekehlen und Genital­bereich sind besonders beliebt

In Sekundenbruch­teilen krallen Zecken sich an ihren Opfern fest – ob in der Kleidung oder direkt auf der Haut. Sofort krabbeln sie los, auf der Suche nach einer geeigneten Stelle zum Fest­saugen. Auch hier bevor­zugen sie dunkle, feuchte Orte: Achselhöhlen, Kniekehlen, den Genital­bereich, aber auch Haar­ansatz und Nacken.

Tipp: Sie suchen nach einem Mittel gegen Zecken? Im Test von 14 Sprays gegen Zecken und Mücken hielten die Besten die Blutsauger mindestens sechs Stunden auf Abstand. Allerdings bleiben Hautflächen unter der Kleidung oder den Haaren meist unbe­handelt.

Kleines Tier mit großem Blutdurst

Eine Zecke ist kein Insekt, sondern gehört zu den Spinnentieren. Sie lebt etwa drei Jahre und wird nur wenige Milli­meter groß, ein Jung­tier sieht auf der Haut aus wie ein kleiner schwarzer Punkt. Das ändert sich, wenn die Zecke mit scheren­artigen Mund­werk­zeugen die Wirts­haut aufreißt und den Saug­rüssel hinein senkt – man spricht von einem Stich, nicht von einem Biss. Wird sie nicht entfernt, labt sich die Zecke über Stunden, ja sogar mehrere Tage lang am Blut ihrer Beute – und kann so bis auf die Größe einer Perle anschwellen. Blut ist ihr Lebens­saft, die Zecke braucht ihn, um sich zu entwickeln und fort­zupflanzen. Bevor­zugte Lieferanten sind Wirbeltiere, zudem Vögel und sogar Reptilien. Mit dem Blut ihrer Opfer saugen die Spinnentiere Erreger auf – die sie an den nächsten Wirt weitergeben können.

Zecken über­tragen Borrelien und Viren

Für Menschen in Deutsch­land am gefähr­lichsten sind Borrelien, eine Gattung von Bakterien, die Lyme-Borreliose auslösen, sowie Viren, die zur Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) führen können, einer Hirnhaut­entzündung. Während Zecken mit FSME-Viren weit­gehend im Süden verbreitet sind, finden sich Borreliose-Über­träger nahezu über­all.

Nicht nur im Sommer aktiv

Wegen der zunehmend milderen Winter gehen Zecken nicht mehr nur im Frühsommer auf Jagd, sondern manchmal fast das ganze Jahr über. Steigen die Temperaturen über null Grad, werden sie lang­sam aktiv. Diese Entwick­lung belegt unter anderem eine laufende Studie der Universität Hohen­heim: Ute Macken­stedt, Professorin für Parasitologie, und ihre Mitarbeiter suchen seit 2014 rund 100 Gärten im Groß­raum Stutt­gart regel­mäßig nach Zecken ab. Abhängig von der Witterung haben sie auch im Februar aktive Tiere entdeckt. Eine weitere Erkennt­nis der Forscher: Zecken finden sich immer häufiger in Gärten, einge­schleppt durch Vögel, Wild und Haustiere. Auch wenn sich die Studie bisher auf den Stutt­garter Raum beschränkt, glaubt Ute Macken­stedt, dass sich die Ergeb­nisse auf andere Städte über­tragen lassen.

Nur wenige Tiere infiziert

Sind wir also niemals sicher vor Zecken und den Krankheiten, die sie über­tragen? Experten wie die Forscher vom Robert-Koch-Institut in Berlin rücken die Gefahr in die richtige Perspektive. Selbst in FSME-Risiko­gebieten seien nur wenige Tiere infiziert. Was Lyme-Borreliose betrifft, zitieren die Wissenschaftler Studien, nach denen bei ungefähr 5 Prozent der Personen, die von einer Zecke gestochen wurden, auch eine Borreliose-Infektion auftritt. Nur etwa 1 Prozent der Infizierten entwickelt Krank­heits­symptome. Dazu gehören eine ringförmige Hautrötung, die sich um den Stich bildet und über die Haut wandert (Wanderröte), geschwollene, schmerzende Knie, Kopf- und Muskel­schmerzen, oder Beein­trächtigungen des Nerven­systems, wie etwa Gesichts­lähmungen. Betroffene sollten rasch Antibiotika erhalten, zumal das Leiden jahre­lang andauern kann. Eine Impfung gegen Borreliose gibt es nicht.

Unbe­dingt den Körper absuchen

Borrelien leben im Darm der Zecke. Sie gelangen erst 12 bis 24 Stunden, nachdem sich der Holz­bock fest­gesaugt hat, über seine Ausscheidungen in den Wirts­körper. Daher ist es so wichtig, sich nach einem Aufenthalt in der Natur gründlich abzu­suchen. FSME-Erreger sitzen im Speichel der Zecke und werden sofort über­tragen. Allerdings tragen selbst in Risiko­gebieten im Mittel nur 0,1 bis 3,4 Prozent der Zecken das Virus in sich. Laut Robert-Koch-Institut entwickeln bis zu 30 Prozent der FSME-infizierten Personen Anzeichen der Hirnhaut­entzündung. Sie zeigen sich ein bis zwei Wochen nach dem Stich als grippe­ähnliche Symptome mit leichtem Fieber, Kopf­schmerzen und Erbrechen, manchmal als Bewusst­seins­störungen und Lähmungen.

FSME kann zum Tod führen

„Im schlimmsten Fall kann die Infektion sogar tödlich sein“, warnt Winfried Kern, Leiter der Infektologie des Universitäts­klinikums Freiburg. Vor allem für über 50-Jährige könne die Krankheit einen schweren Verlauf nehmen. Kinder gelten als weniger gefährdet. FSME kann bislang nicht therapiert werden, es gibt aber einen Impf­stoff. Wer in Risiko­gebieten wohnt oder dort Urlaub macht und häufig in der Natur ist, sollte diesen Schutz in Anspruch nehmen, empfiehlt die Ständige Impf­kommis­sion. Auch die Experten der Stiftung Warentest halten die Impfung für sinn­voll. Die Krankenkassen über­nehmen die Impf­kosten für Einwohner deutscher Risiko­gebiete, zum Teil auch für Reisende. Fragen Sie am besten Ihre Versicherung.

Recht­zeitig impfen lassen

Die Grund­immunisierung gegen FSME besteht aus drei Impfungen: Die ersten beiden Dosen werden im Abstand von ein bis drei Monaten gegeben – ein Schutz besteht frühestens 14 Tage nach der zweiten Impfung. Zur lang­fristigen Vorbeugung muss fünf bis zwölf Monate später noch einmal geimpft werden. Abhängig davon, wie alt die geimpfte Person und wie stark der Impf­stoff ist, rät Winfried Kern, die Immunisierung bei weiterer Gefahr alle drei bis fünf Jahre nach­zuholen. Einen relativ kurz­fristigen Schutz bietet in Ausnahme­fällen ein „Schnell­schema“: Inner­halb von zwei Wochen wird zweimal geimpft, die Auffrisch­impfung folgt nach etwa drei Jahren. Trotz solcher Maßnahmen: Das Beste ist, sich gar nicht erst stechen zu lassen. Schützen Sie sich also gut vor den Mini-Vampiren und suchen Sie sich immer gründlich ab, wenn Sie in der Natur waren.

Themenpaket Impfen

Die detaillierte Einschät­zung zur FSME-Impfung sowie allen weiteren wichtigen Impfungen finden Sie in unserem Themenpaket Impfen. Über Extra­leistungen der Versicherungen zu Impfungen informiert unser Produktfinder Krankenkassen.

Dieses Special erschien erst­mals am 28. April 2016 auf test.de. Es wurde am 16. März 2017 aktualisiert.

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