Zahnseide & Co. Test

Zahnseiden und Bürst­chen machen zwischen den Zähnen sauber. Wir haben geprüft, welche am besten reinigen und einfach zu benutzen sind.

Bevor sie sich Richard Gere in die Arme wirft, stürzt Julia Roberts ins Bad. Vor dem Spiegel entfernt sie mit Zahnseide die Reste von Erdbeeren zwischen den Zähnen. Manch Zuschauer hat in dieser Szene des Spielfilms „Pretty Woman“ wohl zum ersten Mal Zahnseide in Aktion gesehen. So beliebt der Film wurde, zu einem Massen­ansturm auf Zahn­zwischenraum­reiniger führte er nicht. Auch heute greift erst jeder siebte Deutsche regel­mäßig zu Zahnseide oder Interdentalbürst­chen.

Mit Zahnseide am saubersten

Zugegeben, die Zwischenräume zu reinigen, ist mühsamer als Zähneputzen. Aber es lohnt sich. Das bestätigt der Test: Der Pflege­zustand der Zähne besserte sich bei allen Probanden. Wir haben Zahnseide, Flauschzahnseide und Interdentalbürst­chen geprüft. Am besten lassen sich die Beläge mit Zahnseide entfernen, jedenfalls bei normal weiten Zwischenräumen. In besonders enge gleiten die dünnen, beschichteten Tapes – Zahnbänder – leichter. Das Tape im Test, das Oral B Satin Zahnband, reinigt aber nur befriedigend, die meisten anderen Zahnseiden reinigen hingegen sehr gut.

Klebriger, unsicht­barer Bakterienfilm

Wer seine Zähne schön gesund erhalten will, muss die Zwischenräume reinigen. Schließ­lich machen sie fast 40 Prozent der gesamten Zahn­oberfläche aus und sind auch für die beste Zahnbürste unerreich­bar. Ziel ist es, nicht nur Essens­reste zu entfernen, sondern vor allem Zahnbelag, die Plaque, zu beseitigen. Dieser klebrige, unsicht­bare Bakterienfilm bildet sich ständig. Er muss weg. Er ist ein idealer Nähr­boden für Karies und Parodontitis. Gerade in den Zahn­zwischenräumen finden die Bakterien perfekte Schlupfwinkel.

Richtig und regel­mäßig anwenden

Unsere Unter­suchung kann nur Anhalts­punkte für die Wahl des „richtigen“ Interdental­reinigers geben. Im Endeffekt wird jeder seiner individuellen Gebiss­problematik und Geschick­lich­keit entsprechend das für ihn geeignete Instru­ment selbst finden müssen. Wichtig ist vor allem, es regel­mäßig und korrekt einzusetzen. Nur dann lohnt sich der Aufwand, und die Zähne bleiben gesund. Allgemein gilt:

  • Zwischen sehr eng stehende Zähne kommt man am besten mit einem Tape.
  • Für normal weite Zwischenräume eignet sich Zahnseide. Viele nutzen dafür auch gern Interdentalbürst­chen.
  • Für weite Zwischenräume oder unter Brücken und Zahn­spangen sind die Flauschzahnseiden mit aufgebauschtem Mittel­teil und verstärkten Enden erste Wahl. Manch einer kommt dort allerdings mit einem Interdentalbürst­chen besser zurecht.

Tipp: Im Zweifels­fall lassen Sie sich von Ihrem Zahn­arzt oder der Prophylaxe­assistentin bei der Auswahl des für Sie passenden Instru­ments beraten. Lassen Sie sich zeigen, was Sie tun müssen.

Für Anfänger

Zahnseide & Co. Test

Zahnseide gibt es gewachst und ungewachst. Beide reinigen gleichermaßen effektiv, und beide haben ihre Fans. Anfänger der Interdental­reinigung empfinden die gewachste Seide oft als leichter zu hand­haben. Sie benutzen auch gern die Tapes. Auch Zahnseide schon vorgespannt in einem Kunst­stoff­halter wird für Einsteiger gern empfohlen (siehe „Zahnseide“). Einige Firmen bieten auch fluorid­getränkte Zahnseide an. Bei den einge­setzten winzigen Mengen schätzen Mediziner die Wirkung auf die Zahn­gesundheit jedoch nicht als allzu hoch ein. Eine ausreichend fluoridierte Zahnpasta leistet ungleich mehr.

Bei Brücken und älteren Zähnen

Mit Flauschzahnseide gelangt man auch dorthin, wo die „normale“ Zahnseide an ihre Grenzen stößt, unter fest­sitzende Zahn­spangen und Brücken zum Beispiel oder in erweiterte Zwischenräume bei älter werdendem Gebiss. Oft bildet sich dann das Zahn­fleisch durch Alters­degeneration oder Parodontitis zurück. Die Zähne können zwar oben – auf Höhe der Kauf­lächen – noch eng neben­einander stehen, Richtung Zahn­fleisch aber entstehen breitere Zwischenräume. Hier reinigen flauschige Zahnseiden effektiver als normale. Alternativ bieten sich Interdentalbürst­chen in unterschiedlichen Stärken an. Unsere Probanden fanden sie durchweg einfacher zu hand­haben als Flauschzahnseide. Die reinigt aber etwas gründlicher.

Nur nicht aufgeben

Verzweifeln Sie nicht, wenn der Umgang mit Zahnseide und Co. anfangs mühsam ist. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Es kann Wochen dauern, bis jeder Griff perfekt sitzt. Und wenn am Anfang das Zahn­fleisch mal blutet, sollte das kein Grund sein aufzugeben. Im Gegen­teil: Leichte Blutungen sind in dieser Zeit normal (siehe Interview).

Wie viel Zahnseide man jedes Mal braucht, ist Erfahrungs­sache. Mit etwa 50 Zenti­metern muss man rechnen. Aufs ganze Jahr gerechnet sind das stolze 180 Meter.

Ab dem Teenie-Alter

Kinder sind meist motorisch noch nicht in der Lage, die Produkte sinn­voll einzusetzen. Zahn­ärzte empfehlen den Gebrauch von Zwischenraum­reinigern erst ab dem Teenie-Alter, aber dann regel­mäßig.

Wichtig bei Herz­fehlern

Regel­mäßig heißt: mindestens jeden zweiten Tag, am besten jedoch täglich. Menschen mit Herz­fehlern oder künst­lichen Herz­klappen sollten das auf jeden Fall tun. Reinigen sie die Zwischenräume zu unregelmäßig, könnten über Zahn­fleisch­taschen oder blutendes Zahn­fleisch zu viele Bakterien in die Blutbahn geschwemmt werden. Folge kann eine Herz­innenhaut­entzündung, eine Endokarditis, sein.

Auch wer täglich fädelt, sollte mindestens einmal im Jahr zur zahnmedizi­nischen Prophylaxe gehen. Dort bekommen die Zähne den letzten Schliff: Sie werden gereinigt, poliert, fluoridiert. Manchmal zahlt das sogar die Krankenkasse. Und täglich zweimal putzen, einmal „fädeln“: Mehr kann man – neben gesunder Ernährung – für seine Zähne nicht tun.

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