Zahnschutz beim Sport Test

Nicht nur Boxer, auch Inlineskater oder Ballsportler sollten einen Mundschutz benutzen. Die beste Wahl sind individuell angefertigte Produkte.

Fahrradhelme wurden noch vor wenigen Jahren belächelt. Heute sind sie allgegenwärtig. Auch Schienbeinschützer beim Fußball, Knie- und Ellenbogenschützer bei Volleyball, Handball oder bei Inlineskatern sind kein Thema mehr. Was fehlt, aber dringend nötig ist: ein effektiver Zahn-und Mundschutz. Bisher benutzen ihn überwiegend nur Profis. Völlig falsch: Denn auch Freizeitsportler sind gefährdet.

Stürze bei Inlineskating, Skateboarding oder Mountainbiking führen häufig zu Kiefer- und Zahnverletzungen. Schon wenig spektakuläre Krafteinwirkungen können die Zähne schädigen. Sie brechen bereits ab, wenn ein Vollplastikball von 160 Gramm (Hockey) aus einer Höhe von zwei Metern auf den Mund prallt – ganz ohne Speed.

Gerade die Erfahrungen von Profis zeigen, wie wichtig der Schutz ist. Beispielsweise verlieren Eishockeyspieler ohne Mund­schutz im Laufe ihrer Karriere durchschnittlich zwei bis drei Zähne. Beim Freizeitsport fallen in den USA jährlich fünf Millionen Zähne dem Sport zum Opfer. Bis zu 39 Prozent aller Zahn- und Mundverletzungen ereignen sich bei sportlicher Betätigung. Etwa jedes dritte Kind erleidet beim Schul- oder Freizeitsport eine Zahnverletzung. In drei von vier Fällen sind die oberen mittleren Schneidezähne betroffen. Der Schaden reicht häufig weit über den einzelnen Unfall hinaus: Ein beschädigter Zahn führt oft zu lebenslangen Folgekosten. Die liegen nicht selten ein Vielfaches über den Kosten eines Mundschutzes und der im Laufe der Jahre mehrfach nötigen Neuanfertigungen – die sind zwar vergleichsweise kostspielig, aber effektiv.

Ein guter Mundschutz kann das Risiko für Zahnschäden laut Zahnärztekammer Schleswig-Holstein um bis zu 60 Prozent reduzieren. Außerdem werden durch Dämpfung und Verteilung der Kraft Kiefer- und Kiefergelenkbrüche verhindert. Dar­über hinaus treten mit dem Mundschutz Gehirnerschütterungen 16-mal seltener auf.

Elastisch muss er sein und starr auch

Zahnschutz beim Sport Test

Ein Boil & Bite-Mundschutz ist oft schon nach kurzer Zeit durchgebissen.

Grundsätzlich bergen alle Sportarten mit Sturzgefahr, Spielerkontakt und mit Geräten, insbesondere Baseball- oder Hockeyschlägern, ein erhöhtes Verletzungsrisiko für Zähne und Kiefer. Ein Mundschutz sollte auch beim Training getragen werden. Dort ereignet sich ein großer Teil der Unfälle.

Der Mundschutz muss elastisch sein, um Schläge zu dämpfen, und starr genug, um die Energie von den Zähnen ableiten und auf eine möglichst große Fläche verteilen zu können. Er schützt Zunge, Lippen und Wangen vor Bissverletzungen. Für die meisten Sportarten reicht es aus, die obere Zahnreihe zu schützen. Der Unterkiefer ist durch Zusammenbeißen der Zähne mit fixiert.

Als Material hat sich der Kunststoff Ethylviny­­l­azetat (EVA) bewährt. Aber nur wenn der Mundschutz relativ genau angepasst ist, kann er die Schlagenergie möglichst gleichmäßig verteilen. Ein optimaler Mundschutz bietet eine hohe Schutzwirkung, hat sicheren Halt, beeinträchtigt nicht die Leistungsfähigkeit, Mundatmung und Sprache des Sportlers, ist an den wachsenden Kiefer anzupassen und mit festen Zahnspangen zu kombinieren. Er ist relativ lange haltbar, einfach zu handhaben und zu reinigen.

Mundschutz in der 1. Bundesliga verglichen

Zahnschutz beim Sport Test

Im Auftrag von test haben Experten verschiedene Mundschutztypen beurteilt. Den Bewertungen liegen unter anderem vergleichende Untersu­chun­gen zur Schutzwirkung verschiedener Mund­schutztypen bei Hockeyspielern der 1. Bundesliga zugrunde. Am besten erfüllt der individuell angepasste Mundschutz die Qualitätskriterien. Dafür nimmt der Zahnarzt einen Abdruck vom Gebiss. Ein Dentallabor fertigt danach den Mundschutz an. Die Komplettkosten inklusive Zahnarztrechnung betragen bis zu 150 Euro.

Billiger sind Produkte aus dem Sportfachhandel – aber in ihrer Schutzwirkung und dem Tragekomfort der individuell gefertigten Variante weit unterlegen. Zwar sind sie für einige Freizeitsportarten besser als gar kein Schutz. Wenn starke Kräfte auf den Mund wirken können wie beim Hockey oder bei Kampfsportarten, eignen sie sich aber nicht. Individuell angefertigter Mundschutz hält etwa zwei Jahre, Produkte aus dem Handel viel kürzer.

  • Boil & Bite-Mundschutz aus dem Sportgeschäft kann der Sportler selbst anpassen. Für den sicheren Schutz ist das Material aber zu weich.
  • Das gilt auch für das 2-Komponenten-Produkt, aus zwei Materialien gerührt und angepasst.
  • Konfektionierter Mundschutz aus Kunststoffschienen ist individuell nicht anpassbar. Er wird durch Zusammenbeißen festgehalten. Mundatmung und Sprechen sind stark beeinträchtigt.

Tipp: Ein Mundschutz sollte nach jedem Gebrauch mit klarem Wasser abgespült und dann trocken an der Luft gelagert werden.

Mundschutz mit Zahnspange

Bei der Anfertigung des Mundschutzes sollte die Veränderung der Zahnstellung berücksichtigt werden. Durch Hohlräume im Bereich der geplanten Zahnbewegung und der durchbrechenden Zähne lässt sich der Bewegungsspielraum schaffen. Bei 2-Komponenten-Mundschutz ist das nicht möglich, sagen Experten. Bei Patienten mit einer festen Spange besteht darüber hinaus die Gefahr, dass sich der Mundschutz an der Spange verhakt oder beim Anpassen damit verklebt. Brackets müssen deshalb vor dem Anpassen durch den Zahnarzt mit einer Wachsmasse abgedeckt werden. Einen Boil & Bite-Mundschutz kann der Sportler in diesem Fall nicht selbst anfertigen. Bei festsitzender Zahnspange ist ein Mundschutz besonders erforderlich, Brackets und Bänder führen schon bei leichteren Stößen auf Lippen und Wange zu Stanzverletzungen.

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