Zahnpasta Test

Ob gestreift oder nicht: Auf die Wirkstoffe kommt es an.

Wir brauchen sie täglich mindestens zweimal und können unter einer Vielzahl von Tuben auswählen. Doch welche Zahnpasta hält wirklich, was sie in der Werbung vollmundig verspricht?

„Er hat überhaupt nicht gebohrt.“ Das sagen Kinder und Jugendliche immer häufiger nach dem Zahnarztbesuch. Denn sie haben kaum noch Löcher in den Zähnen. Das Kariesniveau ist in dieser Altersklasse in den vergangenen 15 Jahren stark gesunken. Der regelmäßige Gebrauch fluoridhaltiger Zahnpasten dürfte einer der wichtigsten Gründe dafür sein. Fluoride härten den Zahnschmelz und beugen damit Karies vor.

Was Zahncremehersteller versprechen

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Die Hersteller von Zahncremes versprechen aber noch viel mehr. So gibt es Putzhilfen, die das Zahnfleisch kräftigen und die Bildung von Zahnstein reduzieren sollen. Andere verheißen „natürlich weiße“ Zähne. Dann gibt es Cremes für sensible Zahnhälse und solche, die Mundgeruch eindämmen sollen. Einige wollen gleich für alles gut sein. Wir haben 26 Zahncremes untersucht, um herauszufinden, was Werbung und was Wahrheit ist.

Kariesprophylaxe meist „sehr gut“

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Nicht zu dick auftragen: Etwa ein Gramm Zahncreme reicht aus.

Karies wird durch bakterielle Zahnbeläge (Plaque) verursacht. Die Plaquebakterien bilden mithilfe des in der Nahrung enthaltenen Zuckers organische Säuren, vor allem Milchsäure, die mineralische Bestandteile aus der Zahnoberfläche herauslösen und den Bakterien damit das Tor für ihr zerstörerisches Werk öffnen. Fluorid wirkt dem entgegen. Es verbessert die Remineralisierung der Zähne und macht sie resistenter gegen Säuren. Dabei handelt es sich nicht um ein Medikament, sondern um einen natürlichen Bestandteil des menschlichen Stoffwechsels, der besonders wichtig für die Bildung von Knochen und Zähnen ist. Natürliche Quellen sind Fisch und schwarzer Tee.

Sehr gut geeignet für die Kariesprophylaxe sind vor allem Zahnpasten mit Aminfluoriden, aber auch solche mit Natriumfluorid. Auf die Überlegenheit der Aminfluoride weisen einige Studien hin, endgültig bewiesen ist sie noch nicht. Sicher ist aber so viel: Natriummonofluor­phosphat ist weniger wirksam. Im Testfeld ist es als alleiniges Fluorid nur in aronal forte enthalten, und das auch noch in einer geringen Konzentration. Damit mussten wir aronal den vergleichsweise schlechtesten Kariesschutz attestieren. Colgate Fresh Gel und Signal Kariesschutz enthalten zusätzlich noch Natriumfluorid, was mit „gut“ bewertet wurde. Alle anderen bieten einen „sehr guten“ Kariesschutz.

„Morgens aronal, abends elmex“, bewirbt Hersteller Gaba sein Zahnpasta-Paar. Warum aber sollte man sich tagsüber mit einem „ausreichenden“ Kariesschutz zufriedengeben? Besser als eine spezielle Zahnpasta für den Tag und eine für die Nacht ist eine richtige Zahnpasta für die jeweiligen individuellen Probleme.

Der durchschnittliche Fluoridgehalt der Zahnpasten wurde, wie unsere Tests zeigen, im Laufe der vergangenen 15 Jahre kontinuierlich erhöht. Waren es pro Kilogramm Zahnpasta 1992 noch 1 100 Milligramm, stieg der Wert im Jahr 2001 auf 1 235 Milligramm und liegt jetzt bei 1 360 Milli­gramm. Gesetzlich zugelassen sind maximal 1 500 Milligramm pro Kilogramm. Ein niedriger pH-Wert unterstützt die positive Wirkung des Fluorids.

Reinigung, weiße Zähne

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Kaffee, Tee, Rotwein, Zigaretten – der mehr oder weniger weiße Zahnschmelz ist täglich massiven Angriffen ausgesetzt. Verfärbungen sind die Folge. Zähneputzen hilft, Wunder darf man aber nicht erwarten. Wer von Natur aus gelbliche Zähne hat, wird sie mit Zahnbürste und Zahnpasta nicht weiß bekommen. Das schaffen nur Bleichmittel, die in üblichen Zahnpasten nicht enthalten sind.

Für die Reinigung sind Putzkörper und Schaumbildner (Tenside) zuständig. Während man die Plaque schon mit einer Zahnbürste und Wasser wegbekommt, sind für das Entfernen von Verfärbungen Putzkörper notwendig, in der Fachsprache Abrasivstoffe genannt. Weißmacherzahnpasten schmirgeln in der Regel etwas mehr, sind also etwas stärker abrasiv als diejenigen, die das nicht versprechen.

Gesunden Zähnen kann das nichts anhaben, der Zahnschmelz ist die härteste Substanz im Körper. Wenn aber mit zunehmendem Alter oder als Folge einer Zahnbettentzündung (Parodontitis) die Zahnhälse freiliegen, können das weichere Zahnbein (Dentin) und das noch empfindlichere Wurzelzement abgeschrubbt werden. Forschungen deuten darauf hin, dass Zahnschäden weniger auf abrasive Zahnpasten zurückzuführen sind, sondern vielmehr auf falsche Putztechnik, vor allem auf zu starken Bürstdruck. Wird richtig geputzt, verur­sachen selbst stark abrasive Zahncremes keine Schäden.

Empfindliche Zähne

Wenn die Zähne schmerzhaft auf Heißes, Kaltes, Süßes oder Saures reagieren, dann muss ein Zahnarzt die Ursachen klären. Häufig sind freiliegende Zahnhälse mit winzigen Dentinkanälen zum Zahnnerv für den Schmerz verantwortlich.

Immerhin jeder vierte Erwachsene soll an sensiblen Zähnen leiden. Abhilfe versprechen spezielle Zahnpasten. Ihre Wirkung beruht darauf, dass sie beispielsweise mithilfe von Kaliumverbindungen wie bei den beiden Sensodyne-Zahnpasten die Dentinkanäle verschließen. elmex Sensitive enthält Aminfluorid, das ebenfalls einen Schutzfilm auf den Dentinoberflächen bildet. Als Putzkörper dienen Polyethylenkügelchen mit geringem Abrieb, die diese Schicht nicht beschädigen.

Teure Nanopartikel

Während klinische Studien die Wirksamkeit dieser Methoden bestätigen, ist noch nicht endgültig belegt, ob dentinähnliche Nanopartikel, die in der Sensitiv-Zahncreme Theramed SOS enthalten sind, die Dentinkanäle wirklich verschließen. Labor­studien zeigten zwar eine desensibilisierende Wirkung, was aber auch auf das enthaltene Kaliumnitrat zurückzuführen sein könnte. Theramed SOS Sensitiv kostet viel mehr als die anderen Zahncremes: 15 Euro pro 100 Milliliter.

Zahnfleischschutz

Mehr als jeder zweite 35- bis 45-Jährige leidet an einer entzündlichen Erkrankung des Zahnhalteapparats mit Bildung von Zahnfleischtaschen (Parodontitis). Die Vor­stufe ist eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis), leicht erkennbar am schnellen Bluten beim Zähneputzen oder beim Essen. Zahncremes mit speziellen Wirkstoffen bieten etwas Schutz. Der Zusatz von antibakteriellen Substanzen wie Triclosan oder Zinkverbindungen reduziert die Plaquebildung und beugt damit Zahnfleischschäden vor.

Umstrittener Bakterienkiller

Triclosan in Mundpflegemitteln gilt zwar als sicher, ist aber dennoch umstritten, vor allem wegen seines immer häufigeren, oft unnötigen Einsatzes – als Desinfektionsmittel in Arztpraxen und Krankenhäusern, in Reini­gungsmitteln, Kosmetika und Textilien. Es gibt Befürchtungen, dass es dadurch zu einer Antibiotikaresistenz kommen kann. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, „den Einsatz von Triclosan auf das unbedingt notwendige Maß im ärztlichen Bereich zu beschränken“.

Fünf der getesteten Zahnpasten enthalten Triclosan. Eine gewisse Parodontitis-Vorbeugung bietet aber nur Colgate total. Sie enthält Triclosan mit einem Copolymer, deren positive Wirkung auf das Zahnfleisch in Langzeitstudien nachge­wiesen wurde. Andere Zahncremes versprechen eine Parodontitis-Prophylaxe, enthalten aber keine anerkannten Wirkstoffe. Kräuterextrakten wird in der Forschung zwar ein positiver Effekt zugesprochen, die geringe Konzentration in Zahnpasten reicht dafür aber nicht aus.

Zahnsteinschutz, Mundgeruch

Zahnstein, der bei etwa 80 Prozent der Erwachsenen zu finden ist, entsteht durch die Mineralisation von Plaque. Zusätze in Zahncremes wie Zinksalze, Pyrophosphate oder Triclosan dämmen seine Bildung ein, vorhandenen Zahnstein beseitigen sie aber nicht. Lange war unklar, ob Zahnstein das Entstehen einer Parodontitis begünstigt. Etliche Studien zeigen, dass dies nicht der Fall ist. Die gelbliche Schicht auf den Zähnen stellt also hauptsächlich ein kosmetisches Problem dar.

Schließlich versprechen einige Hersteller auch noch, mit ihren Zahnpasten den gefürchteten Mundgeruch zu bekämpfen. Zahncremes können ihn tatsächlich ein wenig eindämmen, wenn beim Putzen auch die Zunge einbezogen wird. Denn in 80 bis 90 Prozent der Fälle ist die Mundhöhle, besonders der hintere Zungenrücken, Ursache für die unangenehmen Ausdünstungen. Elf Pasten im Test enthalten Triclosan oder Zinkverbindungen, deren mundgeruchshemmende Wirkung belegt ist. Mundspüllösungen wirken aber wesentlich besser.

Für den reiferen Zahn

Die Idee, Zahncremes für Ältere anzubieten, liegt nahe. Denn mit zunehmendem Alter spielen Zahnfleischprobleme und freiliegende Zahnhälse eine immer größere Rolle. Die Grenze wird meist bei 40 Jahren gezogen – etwas willkürlich, denn oft leiden auch Jüngere unter den Symptomen. Letztlich spielt nicht das Alter, sondern das individuelle Problem bei der Auswahl der Zahnpasta die entscheidende Rolle. Einen optimalen Kariesschutz sollte sie aber in jedem Fall bieten.

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