Zahn­ersatz aus Osteuropa ist oft güns­tiger.

Fehlt der Heil- und Kostenplan, kommt güns­tiger Zahn­ersatz aus Osteuropa für gesetzlich Versicherte am Ende teuer. Das musste eine deutsche Kassenpatientin schmerzhaft erfahren. test.de schildert den Fall und sagt, worauf Versicherte achten müssen, wenn sie Zahn­ersatz im Ausland anfertigen lassen.

In Polen güns­tiger

Rund 3 250 Euro für zwei große Brücken – dieses Angebot einer polnischen Zahn­arzt­praxis nahm eine 38-jährige Frau aus Nieder­sachsen an. Ihr Zahn­arzt in Deutsch­land hatte einen Heil- und Kostenplan mit rund 5 000 Euro Gesamt­kosten erstellt. Ihre gesetzliche Krankenkasse hatte diesen gebil­ligt und wollte rund 3 550 Euro über­nehmen.

Tipp: Wer gut informiert ist, zahlt beim Zahn­arzt nicht drauf – das zeigt unser Special Zahnersatz.

Brücke mangelhaft

Als die Frau die Rechnung der polnischen Praxis einreichte, erstattete die Kasse nur knapp die Hälfte der Kosten. Die Brücke im Unterkiefer genüge nicht dem deutschen Qualitäts­stan­dard, so ein Gutachten des Medizi­nischen Dienstes im Auftrag der Kasse. Die Patientin wider­sprach, die Sache ging vor Gericht.

Die Qualität des Zahn­ersatzes spielt keine Rolle ...

Das Landes­sozialge­richt Nieder­sachsen-Bremen entschied in zweiter Instanz: Auf die Qualität des Zahn­ersatzes kommt es in diesem Fall nicht an. Die Krankenkasse hätte gar nicht zahlen müssen, da die Versicherte vor der Behand­lung keinen Heil- und Kostenplan der polnischen Praxis einge­reicht hatte. Die Genehmigung für den Plan des deutschen Zahn­arztes ist nicht über­trag­bar auf die Behand­lung im Ausland (Az. L 4 KR 169/17).

... wenn kein Heil- und Kostenplan vorliegt

Damit die Kasse für den Zahn­ersatz aus dem EU-Ausland zahlt, müssen Versicherte einen Heil- und Kostenplan in deutscher Sprache bei ihrer Krankenkasse vorlegen. Erst wenn dieser genehmigt ist, dürfen sie die Behand­lung beginnen. Dasselbe gilt für Behand­lungen im Inland.

Service in Grenz­nähe

Praxen in Polen, Tschechien und Ungarn, die auf deutsche Kund­schaft spezialisiert sind, bieten diesen Service an. Sie erstellen auch detaillierte Rechnungen auf Deutsch, die Versicherte bei ihrer Krankenkasse einreichen können.

Tipp: Ob sich der Besuch beim ausländischen Zahn­arzt lohnt, hängt auch von den Reise­kosten ab. Klären Sie vorher, wie viele Male Sie anreisen müssen – manchmal sind Vorbehand­lungen nötig. Lassen Sie sich für mindestens zwei Jahre Gewähr­leistung zusichern.

Dieser Artikel ist hilfreich. 7 Nutzer finden das hilfreich.