Zahn­ersatz Special

Der Besuch beim Zahn­arzt schmerzt meist zweimal – während der Behand­lung und wenn die Rechnung kommt. Wie Kassenpatienten die Ausgaben begrenzen.

Es erwischt fast jeden: Irgend­wann geht ein Zahn verloren, dann ein zweiter. Ersatz muss her. Infrage kommen Brücken, Kronen und Implantate. Das kostet schnell mehrere tausend Euro, je nachdem welche Behand­lung der Patient wünscht.

Die Krankenkassen über­nehmen nur einen Teil der Rechnung. Und die fällt immer höher aus. Seit Jahres­anfang gilt eine neue Gebühren­ordnung für Zahn­ärzte (GOZ). Das beschert den Dentisten rund 345 Millionen Euro Mehr­einnahmen pro Jahr, schätzt die Bundes­regierung. Für eine Teilkrone etwa darf ein Zahn­arzt jetzt rund 100 Euro mehr Honorar verlangen als noch 2011. Kassen aber zahlen kaum mehr dazu als früher.

Versicherte können allerdings beein­flussen, wie viel teurer sie schöne Zähne zu stehen kommen: Mit regel­mäßiger Vorsorge sichern sich Patienten zum Beispiel einen höheren Zuschuss der Krankenkasse. Eine sehr gute private Zahn­zusatz­versicherung füllt die Lücke weiter auf.

Neue, teure Gebühren­ordnung

Wie teuer Zahn­ersatz ist, ist für Patienten kaum zu über­blicken. Grund­sätzlich gilt: Die Kassen beteiligen sich nur mit einem festen Betrag. Er orientiert sich an der sogenannten Regel­versorgung, also der güns­tigsten, zweck­mäßigen Art der Behand­lung. Auch für höher­wertigen Zahn­ersatz wie eine voll­verblendete Metall-Keramik-Krone im nicht sicht­baren Bereich oder für ein Implantat gibt es nur diesen festen Zuschuss. Die Zahn­ärzte selbst rechnen alles, was die Regel­versorgung über­steigt, nach der GOZ ab. Die Gebühren­ordnung räumt den Ärzten einen Spielraum ein – je nach Schwierig­keits­grad der Behand­lung setzen sie den 2,3- oder 3,5-fachen Satz an. Ein Beispiel: Für eine Voll­krone, die häufigste Form des Zahn­ersatzes, berechnet der Zahn­arzt bei durch­schnitt­licher Schwierig­keit für sich rund 217 Euro, rund 50 Euro mehr als noch im Jahr 2011. Kann der Arzt begründen, dass seine Arbeit aufwendig ist, rechnet er mehr ab (3,5-fach): etwa 330 Euro, rund 75 Euro mehr als 2011. Ein Zahn­arzt kann mit dem Patienten schriftlich ein noch höheres Honorar vereinbaren.

Das Zahn­arzt­honorar ist nur ein Teil der Rechnung. Oft machen die Labor­kosten einschließ­lich Material die Hälfte aus. Bei höher­wertigen Kronen, die Gold oder andere Edel­metalle enthalten, hängen diese Kosten vom aktuellen Preis des Metalls ab.

Was immer gleich bleibt, ist der Kassen­anteil. Dieser Fest­zuschuss orientiert sich am jeweiligen Befund. Bei einem erhaltungs­würdigen Zahn läge er für eine Voll­krone wie im Beispiel bei 125,40 Euro. Das umfasst die gesamten Behand­lungs­kosten, gilt also inklusive Labor und Material.

Implantat statt Brücke

Besonders teuer wird es, wenn sich ein Patient nicht mit der medizi­nisch notwendigen Versorgung zufriedengibt – zum Beispiel, wenn er statt einer Brücke ein Implantat wünscht. Ein Implantat ist eine künst­liche Zahnwurzel, die in den Knochen geschraubt wird. Der Zahn­arzt befestigt darauf den Zahn­ersatz. Beispiel: Ein Patient erhält ein Implantat, auf dem eine mit Keramik verblendete Metall­krone befestigt wird. Gesamt­kosten: 3 000 Euro. Auf rund 90 Prozent der Summe bleibt er sitzen. Die Kasse beteiligt sich nur an den Kosten der Krone – mit 297, mit 357 oder 387 Euro.

Bonus für Disziplinierte

Ob 297 oder 387 Euro Zuschuss – darüber entscheidet, wie regel­mäßig der Versicherte sein Gebiss kontrollieren lässt. Das Prinzip: Je stetiger jemand zur Vorsorge zum Zahn­arzt geht, umso höher der Zuschuss der Krankenkasse. Stan­dard sind 50 Prozent des für die Regel­versorgung fest­gelegten Betrags. Die bekommt jeder. Wer in den vergangenen fünf Jahren aber mindestens einmal im Jahr einen Zahn­arzt aufgesucht hat, kassiert ab dem sechsten Jahr 60 Prozent. Wer das zehn Jahre lang geschafft hat, erhält sogar 65 Prozent.

Die Besuche beim Zahn­arzt weisen Patienten mit dem sogenannten Bonus­heft nach. Wer das Heft nicht geführt hat, kann sich die Kontrollen nach­träglich bestätigen lassen. Zahn­ärzte müssen Patienten­unterlagen zehn Jahre lang aufbewahren.

Ausnahmen für Gering­verdiener

Versicherten mit geringem Einkommen erstatten die Kassen die Kosten der Regel­versorgung komplett. Das gilt zum Beispiel für Versicherte, die Bafög oder Hartz IV beziehen oder als Allein­stehende nicht mehr als 1 050 Euro brutto im Monat verdienen.

Einige Krankenkassen über­nehmen die Kosten der Regel­versorgung für alle Versicherten. Voraus­setzung: Sie wählen den behandelnden Arzt aus einer vorgegebenen Liste aus. Die Kassen koope­rieren mit Netz­werken, deren Mitglieder bestimmte Qualitäts­kriterien erfüllen. Mit „dent-net.de“ zum Beispiel arbeiten 26 der von der Stiftung Warentest ständig untersuchten Kassen zusammen (Details unter www.test.de/krankenkassen).

Kalkulation der Kosten

Vor einer umfang­reichen Zahnbe­hand­lung sollten Patienten wissen, welche Kosten auf sie zukommen. Ist Zahn­ersatz geplant, muss der Arzt vorher einen sogenannten Heil- und Kostenplan erstellen. Darin listet er die Maßnahmen auf, das voraus­sicht­liche Zahn­arzt­honorar sowie die Kosten für das Dental­labor inklusive Material.

Den Heil- und Kostenplan muss der Versicherte bei seiner Kasse einreichen. Ansonsten bekommt er keinen Zuschuss. Die Kasse prüft den Plan und entscheidet, welchen Zuschuss sie gewährt.

Bis zur Bewil­ligung vergehen ein paar Tage. Erst danach darf die Behand­lung beginnen. Genehmigt die Kasse den Plan, bleibt er sechs Monate gültig. Der Patient kann damit Kosten­vor­anschläge bei anderen Zahn­ärzten einholen. Das empfiehlt sich bei teuren Behand­lungen immer. Eine zentrale Anlauf­stelle sind die Patientenberatungs­stellen der Kassenzahn­ärzt­lichen Vereinigungen in den Bundes­ländern.

Kasse plus Zusatz­police

Für viele Kassen­mitglieder ist klar: Sie wollen sich nicht mit der wirt­schaftlich güns­tigsten Versorgung zufrieden­geben, sie wünschen höher­wertigen Zahn­ersatz. Für sie kann eine private Zahn­zusatz­versicherung eine gute Investition sein. Sie über­nimmt je nach Anbieter und Tarif einen unterschiedlich hohen Anteil der Kosten. Das macht sich besonders bezahlt, wenn inner­halb kürzester Zeit mehrere Zähne saniert werden müssen. Leistungs­starke Tarife müssen nicht teuer sein. Ein 43-jähriger Mann bekommt eine sehr gute Zahn­zusatz­versicherung bereits für 18 Euro Monats­beitrag (siehe Tabelle „Zusatzschutz“).

Hat der Zahn­arzt schon diagnostiziert, dass eine teure Behand­lung ansteht, hilft der Abschluss einer Privatpolice allerdings nicht mehr. Für bereits fest­gestellte Probleme kommt der Versicherer nicht auf. Außerdem zahlen die Gesell­schaften generell in den ersten acht Monaten ab Vertrags­abschluss nichts. Selbst nach dieser Warte­zeit begrenzen viele die Leistungen noch für eine gewisse Zeit.

Alternative für Grenz­gänger

Preisgüns­tiger als hier­zulande ist eine Zahnbe­hand­lung manchmal im Ausland. Inner­halb der EU zahlen Krankenkassen wie im Inland den Fest­zuschuss, jedoch nur für genehmigten Zahn­ersatz, so das Bundes­sozialge­richt (Az. B 1 KR 19/08 R). Der Versicherte muss seiner Krankenkasse vorher einen Heil- und Kostenplan vorlegen. Bei einer Behand­lung im Ausland sollten Versicherte bedenken, dass sie bei Komplikationen möglicher­weise noch einmal nach Breslau oder Stettin reisen müssen. Nur für Versicherte, die in Grenz­nähe wohnen, dürfte das kein Problem sein.

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