Zahnersatz Meldung

Patienten zahlen seit Januar 2005 für Zahnersatz deutlich mehr aus eigener Tasche, sagt die AOK Bayern. Im Schnitt ­beträgt der Eigenanteil 890 Euro je Behandlungsfall.

Seitdem gesetzlich Krankenversicherte für Zahnersatz nur noch einen Festzuschuss von der Kasse erhalten, sind die Kosten, die sie privat bezahlen müssen, um 51 Prozent in die Höhe geschossen. Das­ ergab eine Studie der AOK Bayern, die 160 000 Heil- und Kostenpläne aus den Monaten Januar bis September 2005 ausgewertet und mit dem Vorjahr verglichen hat. Sie zeigt einen sprunghaften Anstieg privater Mehrkostenvereinbarungen. Bei 55 Prozent der Behandlungen mussten ­Patienten nicht nur den gesetzlichen ­Eigenanteil von 35 bis 50 Prozent an der so genannten Regelversorgung bezahlen, ­sondern auch Mehrkosten, die nach der privaten Gebührenordnung der Zahnärzte ­abgerechnet wurden. 2004 waren noch ­etwa zwei Drittel aller Versorgungen ohne private Mehrkostenvereinbarungen.

Michael Leonhart, Pressesprecher der AOK Bayern, nennt Gründe: Einerseits böten die Zahnärzte ihren Patienten offenbar verstärkt höherwertige Versorgungen an. Andererseits müssten Versicherte aber auch einzelne Leistungen heute privat zahlen, die früher Kassenleistung waren. Das gilt beispielsweise für Teleskopkronen.

Zahnärzte sagen: Alles prima

Zahnersatz Meldung

Zahnersatz verteuerte sich im 1. bis 3. Quartal 2005 pro Fall im Schnitt um 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Schmerzhaft: Der Anteil, den Patienten privat zahlen, stieg um 51 Prozent.

Die Zahnärzteschaft hingegen hält die Neuregelung für einen Erfolg. Aus den Zahlen der ersten drei Quartale könne man keine vernünftigen Schlüsse ziehen, weil sie ein verzerrtes Bild abgäben, wirft die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung der AOK vor. Vergleiche man andere Zeiträume, lasse sich ein Trend zur teuren Privatbehandlung nicht feststellen.

Ein Problem drängt allerdings auch nach Meinung der Doktoren: Für Reparaturen am Zahnersatz gibts zu wenig Geld von der Kasse. Das könnte sich ändern.

Sobald die Daten für das gesamte Jahr 2005 ausgewertet sind, muss der Gemeinsame Bundesausschuss, ein Gremium, in dem Spitzenvertreter von Kassen und Zahnärzten vertreten sind, die Auswirkungen der Neuregelung analysieren und die Festzuschuss-Richtlinien gegebenenfalls nachbessern.

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