Zahn­creme mit Drei­königs-Gaben. 50 Milliliter für 11 Euro.

Stolze 11 Euro kostet eine 50-Milliliter-Tube Zahn­creme von Droste-Laux Naturkosmetik. Dafür sollen Kunden laut Verpackung nicht nur Gold­wasser, Weihrauch und Myrrhe bekommen. Die „Zahn­creme mit Drei­königs-Gaben“ enthält gemäß Inhalts­stoff­liste auch noch andere ungewöhnliche Zutaten wie Berg­kristall, Rosenquarz oder Rügener Heilkreide. Aber wie schneidet die teure Creme im Test ab? Schützt sie auch vor Karies?

Christliche Mystik beim Zähneputzen

Sie hat einen verheißungs­vollen Namen: „Zahn­creme mit Drei­königs-Gaben.“ Der Anbieter Droste-Laux Naturkosmetik schreibt auf seiner Webseite zu der Zahn­creme, die Gaben der Heiligen Drei Könige seien der christlichen Mystik entnommen: „Aurum potabile heißt das Gold­wasser der Alche­misten. Der Weihrauchharz des Boswellia Baumes wirkt antibakteriell und die Myrrhentinktur ist von balsamischer Feinheit.“ Solche exotischen Zutaten haben wir nicht geprüft, aber sehr wohl, ob die Zahn­creme vor Karies schützt.

Fluorid ist nicht zugesetzt

„Ihr Zahn­arzt wird bei Kontroll­besuchen erstaunt sein – kein Plaque (durch Säure entstandene Ablagerungen), keine Entzündungen, keine Karies.“ Das verspricht Droste-Laux in seinem Newsletter Januar 2017– der sich noch im September 2020 im Newsletter-Archiv auf der Webseite finden lässt – und rät dazu, die Anwendung seiner Zahn­creme mit seinem ayurve­dischen Mundöl zu kombinieren. Fluorid, den wichtigsten Inhalts­stoff zur Vorbeugung von Karies, setzt der Hersteller der Zahn­creme allerdings nicht zu. Das sagt er auch ganz klar auf seiner Webseite: „Wir fügen unserer Zahn­creme kein Fluorid zu.“ In der Inhalts­stoff­liste auf der Packung taucht Fluorid ebenfalls nicht auf. Dabei belegen nur für Fluorid viele Studien den karieshemmenden Effekt.

Rügener Heilkreide soll natürliches Fluorid enthalten

Auf der Seite der Zahnpasta-Falt­schachtel findet sich allerdings der Satz: „Rügener Heilkreide mit natürlichem Fluorid wirkt entzündungs­hemmend und neutralisierend.“ Laut Newsletter auf der Webseite enthalte die Kreide von der Ostsee „von Natur aus einen geringen Fluorid­anteil von 0,02%“.

Wir haben im Labor versucht, den Fluorid­gehalt in der Zahn­creme zu messen und kein Fluorid finden können. Zwar können wir geringe Gehalte von weniger als 50 ppm im Labor nicht bestimmen. Doch solche Gehalte wären viel zu wenig für einen wirk­samen Karies­schutz. Daher schneidet die Paste im wichtigsten Prüf­punkt „Karies­prophylaxe durch Fluorid“ und damit auch insgesamt mangelhaft ab.

Tipp: Sehr gute Zahnpasten, die die Zähne wirk­sam vor Karies schützen, finden Sie unserem Zahnpasta-Test.

Stiftung Warentest prüft Anbieter-Versprechen

Dass Zahnpasten ohne Fluorid bei unseren Tests regel­mäßig durch­fallen, ist Droste-Laux Naturkosmetik offen­bar bekannt. So schreibt der Anbieter in seinem Online-Newsletter von 2017: „Vielmehr ist der Satz auf unserer Falt­schachtel: „Rügener Heilkreide mit natürlichem Fluorid wirkt entzündungs­hemmend und neutralisierend“ Stiftung Warentest bzw. Öko-Test geschuldet. In der Regel wird bei einem Test eine Zahn­creme ohne Fluorid von unabhängigen Instituten abge­wertet. Dem wollten wir vorbeugen.“

Funk­tioniert hat das nicht: Die Stiftung Warentest über­prüft beim Zahnpasta-Test mittels Labor­analyse bei Zahn­cremes immer, ob sie Fluorid enthalten und ob der Fluorid­gehalt ausreichend hoch ist, um Karies vorzubeugen.

Der pH-Wert der Zahnpasta ist nicht „leicht basisch“

Über­prüft haben wir auch den pH-Wert. Laut Zahn­creme-Verpackung haben alle Produkte von Droste-Laux einen leicht basischen pH-Wert von 7,4. pH-Werte unter 7 gelten als sauer, 7 als neutral und Werte über 7 als alka­lisch oder basisch. Wir haben den pH-Wert der Zahn­creme mit Drei­königs-Gaben im Labor gemessen. Er lag bei unserer Prüfung nicht im leicht basischen, sondern im leicht sauren Bereich.

Verfärbungen entfernt Droste-Laux-Zahn­creme gut

Zahnpasten sollen nicht nur vor Karies schützen, sondern auch dazu beitragen, die Zähne zu reinigen. Das schafft die Zahn­creme mit Drei­königs-Gaben. Sie hat einen nied­rigen Abrieb und schneidet dennoch gut ab beim Entfernen von Verfärbungen, die etwa durch Tee und Kaffee entstehen.

Fazit: Auch wenn die Michael Droste-Laux Zahn­creme mit besonderen Inhalts­stoffen über­zeugen will und Verfärbungen sogar gut entfernt: Bei der wichtigsten Funk­tion einer Zahnpasta, dem Karies­schutz, fällt sie durch. Da sind – trotz aller Mystik – 11 Euro pro Tube ein teures Vergnügen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 10 Nutzer finden das hilfreich.