Begabten­förderwerke: Das erste Aufgebot

Zahlreiche Chancen auf Stipendien Special

Die bekann­testen Stipendien­geber sind die großen zwölf Begabten­förder­werke. Rund ein Drittel aller Stipen­diaten wird von ihnen unterstützt.

Geld von Stiftungen

Neben den sechs parteinahen Stiftungen, den drei religiös orientierten Förderwerken, der gewerk­schafts­nahen Hans-Böckler-Stiftung und der Stiftung der deutschen Wirt­schaft ist die Studien­stiftung des deutschen Volkes das größte Begabten­förderwerk. Die politisch, konfessionell und welt­anschaulich unabhängige Organisation ist mit rund 11 000 Stipendien der größte Sponsor für Studierende. Unabhängig davon gehen rund 2 500 so genannte „Aufstiegs­stipendien“ für junge Menschen mit Berufs­erfahrung auf das Konto der Stiftung Begabten­förderung berufliche Bildung.

Gelder vom Ministerium

Der über­wiegende Teil des Geldes der Förderwerke kommt dabei vom Bundes­ministerium für Bildung und Forschung. Rund 136 Millionen Euro lässt sich der Bund diese Förderung jähr­lich kosten und plant, die Gelder noch weiter aufzusto­cken. Der Flyer mit ausführ­lichen Informationen zur Begabten­förderung und den einzelnen Werken steht auf der Home­page des Ministeriums zum Download bereit. Die Arbeits­gemeinschaft der zwölf großen Förder­institutionen ist unter www.stipendiumplus.de zu erreichen. www.aufstiegsstipendium.de informiert unabhängig davon.

Die Förderbedingungen

Jedes Förderwerk hat eigene Bewerbungs­kriterien. Bei allen werden jedoch über­durch­schnitt­liche Schul- und Studien­leistungen sowie gesell­schaftliches Engagement erwartet. Das kann die Mitgliedschaft in einer Partei, ehren­amtliches Wirken in der Kirche, dem Umwelt­schutz oder auch einer kulturellen Einrichtung bedeuten. Gefördert werden alle Studien­fächer, die an staatlichen oder staatlich anerkannten Hoch­schulen studiert werden können. Aufbau- oder Zweit­studien­gänge allerdings bleiben außen vor. Zudem erwarten die Förderungs­werke, dass Stipen­diaten sich mit den Zielen der Stiftungen identifizieren können. Ein Parteibuch ist bei den parteinahen Stiftungen keine Voraus­setzung und mit guter Begründung kann sogar Stipendiat des Evangelischen Studien­werkes werden, wer gar nicht Kirchen­mitglied ist. Ob jemand das Stipendium besonders dringend nötig hat, spielt zunächst eine nur unterge­ordnete Rolle. In den vergangenen Jahren schauen die Stiftungen aber vermehrt auf den persönlichen Werdegang und die Herkunft des Bewerbers. Öfter wählen sie gezielt Studenten aus, deren Eltern eine Zuwan­derungs­geschichte besitzen oder nicht studiert haben.

Die Förderung

Bei der Stipendienhöhe kommt es darauf an, wie viel Geld der Stipendiat und seine Eltern zur Verfügung haben. Die Förderung orientiert sich am Bafög. Als Faust­regel gilt: Wer kein Bafög bekommt, erhält in der Regel auch nur die Grund­förderung von 150 Euro Büchergeld im Monat. Die Höchst­summe liegt bei 597 Euro monatlich. Zusätzlich sind 62 Euro Zuschuss für Kranken- und Pflege­versicherung möglich. Studenten, die mit einem unter 10 Jahre jungen Kind in einem Haushalt leben, haben Anspruch auf einen Zuschlag von 155 Euro. Für jedes weitere Kind unter 10 Jahren steigt der Zuschuss um 85 Euro. Alle Stipen­diaten erhalten neben dem Büchergeld eine so genannte ideelle Förderung. Das sind Seminare, Work­shops oder weitere Angebote. Bei einigen Förderwerken ist die Teil­nahme Pflicht.

Die Bewerbung

Bei der Mehr­heit der Begabten­förderungs­werke dürfen sich Studierende selbst bewerben. Lediglich bei der Studien­stiftung des deutschen Volkes und der Hans-Böckler-Stiftung ist eine Bewerbung meist erst erwünscht, wenn zum Beispiel ein Lehrer oder Professor den Kandidaten vorgeschlagen hat. Zu beachten: Die Bewerbung muss recht­zeitig sein. Bei den meisten Werken ist eine Bewerbung nur in den ersten drei bis vier Semestern möglich. Bedingung ist meist, dass der Kandidat noch zwei Jahre Studium vor sich hat.

Noten sind nicht mehr alles

Um mehr junge Menschen aus einkommens­schwachen Familien für ein Stipendium zu gewinnen, haben die Studien­stiftung des Deutschen Volkes und die Hans-Böckler-Stiftung neue Zugangs­wege zur Förderung einge­führt. Bei der Studien­stiftung können sich Interes­sierte nun auch ohne Empfehlung selbst bewerben. Hierbei zählt nicht die Abschluss­note im Abitur, sondern das Abschneiden bei einem Test am Computer, für den sich die Studenten übers Internet anmelden müssen. Allerdings müssen Bewerber 50 Euro für den Test bezahlen. Wenn sie Bafög erhalten oder ihre Eltern nicht studiert haben, kostet sie der Test nur 25 Euro. Ähnlich geöffnet hat sich auch die Böckler-Stiftung. Mit der „Aktion Bildung“ fördert die gewerk­schafts­nahe Stiftung nun gezielt Studenten, deren Eltern ein Studium nicht finanzieren können. Wer den Bafög-Höchst­satz erhält, hat beste Chancen auf die Förderung. Auch hier müssen die Studenten nicht wie sonst üblich vorgeschlagen werden, sondern können sich direkt an die Stiftung wenden. Die Mitgliedschaft in einer Gewerk­schaft ist auch bei dieser Förderung von Vorteil, aber kein Muss.

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