Die richtigen rechtlichen Schritte: Ihr Stufenplan zum Recht

Ihr Recht werden Sie nicht mit der Brechstange durchsetzen. Rechtliche Schritte wollen geplant sein. Oft ist es besser, nicht vor Gericht zu ziehen – jedenfalls nicht sofort.

  • Fristen einhalten: Reagieren Sie zügig, wenn Sie Indizien für einen Fehler entdeckt haben. Schmerzensgeldansprüche verjähren binnen drei Jahren ab Ende des Jahres der Therapie. Ist das Problem erst Jahre später aufgetreten, etwa durch eine Folgeerkran­kung, beginnt die Verjährung erst mit Ablauf des Jahres, in dem die Anzeichen auffielen oder hätten auffallen müssen.
  • Beweise sichern: Heben Sie alle Unterlagen auf, wie Heil- und Behandlungspläne, Rechnungen. Fertigen Sie bei Verdacht direkt nach der Behandlung ein Gedächtnisprotokoll an: Wer hat was wann wie mit welcher Begründung gemacht? Notieren Sie mögliche Zeugen. Verlangen Sie Einsicht in Ihre Krankenakte, möglichst ohne von einem Behandlungsfehler zu sprechen. Kopieren Sie die Papiere oder lassen Sie beim Arzt Kopien machen (maximal 50 Cent pro Seite). Machen Sie gegebenenfalls Fotos von Mängeln oder lassen Sie diese dokumentieren.
  • Praktische Rechtsdurchsetzung: Klären Sie mit dem Zahnarzt, ob eine Einigung möglich ist. Suchen Sie bei Problemen im Rahmen einer eventuell stationären Be­handlung ergänzend das Gespräch mit der Krankenhausleitung. Nutzen Sie die Beratungsmöglichkeiten der Krankenkassen, Verbraucherzentralen, Patientenschutzvereine, Patientenberatungsstellen der Zahnärzte­kammern (siehe auch „Adressen“).
  • Außergerichtlich einigen: Nutzen Sie bei Streitigkeiten über kassenzahnärztliche Leistungen das von Kassen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen angebotene vertragszahnärztliche Gutachterverfahren. Für privat abzurechnende Leistungen und alle Privatpatienten gibt es Schlichtungsverfahren bei den Schlichtungsstellen (von Landes- oder Bezirkszahnärztekammern eingerichtet). Diese auf Freiwilligkeit beruhenden Verfah­ren eröffnen die Chance einer günstigen und relativ schnellen Streitbeilegung (siehe auch „Schlichtungsverfahren“).
  • Prozessieren: Klappt die Einigung nicht, klagen Sie. Bedenken Sie zuvor die Kostenfrage. Suchen Sie einen Anwalt mit dem Tätigkeitsschwerpunkt „Arzthaftung“ auf. Fragen Sie Ihren Anwalt, wie gut Ihre Chancen stehen, zu gewinnen. Wenn Sie verlieren, bleiben Sie auf Ihren Kosten sitzen – und zusätzlich noch auf denen Ihres Gegners. Beharren Sie nicht um jeden Preis auf einem Schuldeingeständnis des (Zahn-) Arztes. Wenn Ihnen eine angemessene Summe zum Vergleich angeboten wird: Schlagen Sie ein – und das Geld fließt schneller!

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