Rechtsfragen: Wann Zahnärzte haften

Zahnärzte haften bei Aufklärungsmängeln und Behandlungsfehlern. Beratung und Therapie müssen gut dokumentiert sein.

Dass eine Behandlung nicht zum Erfolg führt, muss nicht an einem Fehler des Zahnarztes liegen. Ursache kann auch sein, dass der Zahnarzt das Problem nicht in den Griff bekam, weil sich der Körper nicht zur Heilung zwingen lässt. Außerdem kann die Therapie zu spät erfolgt sein, weil der Patient den Weg in die Praxis scheute.

In den letzten beiden Fällen hat der Patient Pech gehabt. Denn Zahnärzte haften nur für ihre Fehler. Das gilt zunächst für Behandlungsfehler, also wenn der Zahnmediziner den Patienten nicht so betreut hat, wie es medizinisch notwendig ist. Andererseits: Tatsächliche Arzthaftungsfälle sind meist so kompliziert, dass man besser immer den Rat eines Anwalts mit Tätigkeitsschwerpunkt Arzthaftungsrecht einholt.

Haftung: Maßstab ist der aktuelle Stand der Zahnmedizin, den der Zahnarzt aufgrund ständiger Fortbildung zu kennen hat. Bleiben seine persönlichen Fähigkeiten dahinter zurück, kann ihn das nicht entlasten (Bundesgerichtshof, Az. VI ZR 259/02). Steht eine Behandlung an, die der Zahnarzt nicht oder nicht hinreichend sicher beherrscht, wie eine Zahnimplantation oder ein kieferchirurgischer Eingriff, muss er darauf hinweisen und einen Experten hinzuziehen oder den Patienten überweisen. Sonst haftet er.

Haben Patient und Zahnarzt eine „ganzheitliche“oder naturheilkundliche Behandlung vereinbart, muss allein der dafür geltende Standard eingehalten werden, der von dem der Schulmedizin abweichen kann (Oberlandesgericht Zweibrücken, Az. 5 U 23/02). Ob die Therapie geltendem Standard entsprach, klärt im Zweifel ein Gutachter.

Wechsel: Der Patient darf jederzeit den Zahnarzt wechseln, wenn er ihm nicht vertraut. Er kann auch eine zweite Diagnose einholen. Der Erstbehandler ist verpflichtet, die Behandlungsunterlagen dem anderen Zahnarzt zu übergeben. Der Zweitbegutachter sollte neutral sein.

Aufklärung: Vor einem Eingriff muss der Zahnarzt über Risiken aufklären, die für die Entscheidung des Patienten, sich der Behandlung zu unterziehen, ernsthaft ins Gewicht fallen könnten. Dazu gehören

  • die Diagnose, die Schwere, Dringlichkeit, Risiken und mögliche Alternativen der Therapie, Gefahren, die bestehen, wenn die Behandlung unterbleibt,
  • Art und Umfang der notwendigen Nachsorge und die nach dem Eingriff zu beachtenden Verhaltensregeln.

Der Zahnarzt hat den Patienten grundsätzlich auch über die Heilbehandlungskosten, mögliche Eigenanteile sowie kostengünstigere Alternativen aufzuklären. Ob die geplante Behandlung von der privaten Krankenversicherung des Patienten mitversichert ist, muss dieser jedoch selbst klären (OLG Düsseldorf, Az. 8 U 181/98). Der Zeitpunkt des Gesprächs muss dem Patienten bei größeren Eingriffen die Möglichkeit lassen, sich mit Angehörigen, der Kasse oder Krankenversicherung zu beraten oder einen weiteren Arzt zu konsultieren. Patientennachfragen, etwa vor einer Operation, hat der Zahnarzt umfassend zu beantworten.

Beweise und Nachweise: Im Streitfall muss der Zahnarzt beweisen, dass er hinreichend aufgeklärt hat. Das Gespräch muss er in verständlicher Form selbst führen. Selbst wenn der Patient unterschrieben hat, dass er aufgeklärt wurde, kann ein Gericht dies als unwichtig einstufen, wenn das Gesamtbild Zweifel an einer korrekten Aufklärung weckt. Wichtiges Indiz: die schriftliche Dokumen­tation. Sind Belehrungen nicht erwähnt, gelten sie als nicht erfolgt.

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