Xbox 360 Schnelltest

Mit schlanker Taille kommt sie daher, ist heiß begehrt und macht sich noch rar: Die nagelneue Spielkonsole Xbox 360 von Microsoft ist derzeit kaum zu kriegen. Bei Ebay brachten Anfang der Woche einzelne Exemplare mit dem Versprechen, noch rechtzeitig vor Heiligabend im Haus zu sein, über 500 Euro. Regulär kostet die Xbox mit Festplatte und etwas Extrazubehör rund 400 Euro und als Sparversion ohne Festplatte rund 300 Euro. test.de hat die Xbox 360 einem gründlichen Praxistest unterzogen. Elf Testspieler probierten aus, wie die neue Konsole funktioniert.

Leistung wie Proficomputer

Technisch ist die Xbox 360 ein vollwertiger Computer mit gleich drei Prozessorkernen, 512 Megabyte Arbeitsspeicher und einem 500 Megahertz schnellen Grafikchip. Mit geeigneten Programmen würde die Konsole viele PCs locker abhängen. Doch das ist graue Theorie. Mit der Xbox funktioniert nur Soft- und Hardware, die Microsoft speziell für sie entwickelt hat oder die auf Microsoft-Lizenzen beruht. Die Xbox 360 ist reine Spielerei mit ein paar Multimedia-Extras. Microsoft verkauft die Xbox 360 offenbar gezielt billiger als angesichts der Entwicklungs- und Herstellungskosten angemessen. Was die Xbox 360 zunächst weniger kostet, soll später der Verkauf von Zubehör und Spielen mehr bringen.

Alles andere als billig

Trotzdem ist die Xbox 360 alles andere als billig. Zu haben ist sie in zwei Varianten. Im Paket für rund 400 Euro sind außer der Xbox mit 20 Gigabyte-Festplatte auch Kabel zum Anschluss von Fernsehern aller Art bis hin zu modernen HDTV-Flachbildschirmen sowie eine Funkfernbedienung und -controller enthalten. Das Xbox 360 Core genannte Sparpaket für rund 300 Euro enthält eine Xbox ohne Festplatte, einen Kabel-Controller und ein AV-Verbindung zum Anschluss an herkömmliche Fernseher. Das ist viel Geld für ein reines Spielgerät. Besonders teuer ist Zubehör. Zwei Beispiele: Eine 20 Gigabyte Festplatte zum Nachrüsten kostet rund 100 Euro und ein WLAN-Adapter 80. Entsprechendes Zubehör für herkömmliche Windows-Computer kostet oft weniger als die Hälfte. Spiele schlagen mit rund 60 Euro pro Titel zu Buche.

Rotlicht ohne Erklärung

Eins der Testgeräte machte Schwierigkeiten. Regelrechte Abstürze blieben zwar aus. Beim Versuch, die Xbox 360 nach einiger Zeit im Spielbetrieb gleich nach dem Abschalten wieder einzuschalten, zeigte sie allerdings einige Male nur noch einen roten Dreiviertelkreis an und tat sonst nichts. Im Handbuch war keinerlei Hinweis zu dem Fehler zu finden. Nach rund 15 Minuten Wartezeit ließ sich die Xbox 360 jeweils wie gewohnt einschalten. Ähnliche Fehlerberichte fanden sich bereits kurz nach Erscheinen der Xbox 360 im Internet. Microsoft erklärte auf Nachfrage: Geräte mit einem solchen Fehler werden auf Kundenwunsch kostenlos ausgetauscht.

Reichlich Stromverbrauch

Über die Gründe für den Fehler lässt sich nur spekulieren. Microsoft spricht von einem Hardwarefehler im Einzelfall. Einzelheiten nennt das Unternehmen nicht. Fest steht: Die Xbox 360 verbraucht im Spielbetrieb durchschnittlich 160 Watt Strom und wird dementsprechend ziemlich warm. Sowohl im Netzteil als auch im Computergehäuse rotieren Ventilatoren zur Kühlung der Elektronik. Vor allem die Abluft an der Gehäuserückseite ist sehr warm.

Scharfe Spiele

Beim Spielen überzeugt die Xbox360. Sie lieferte sehr viel schärfere und detailreichere Bilder als die alte Xbox und die sonst bisher verfügbaren Konsolen. Voraussetzung allerdings: ein hochauflösender HDTV-Fernseher oder ein ausreichend großer Computerbildschirm. Bei Anschluss an einen herkömmlichen Fernseher ist die Bildqualität kaum von der alten Xbox zu unterscheiden. Die Auswahl an Spielen für die Xbox 360 ist derzeit noch klein. Gut ein Dutzend Titel sind bisher zu haben. Ärgerlicherweise laufen nur wenige Spiele für die alte Xbox auch auf der neuen Konsole. Microsoft hält eine Liste bereit, auf der Spielebesitzer überprüfen können, ob ihre Lieblingsgames auch auf der neuen Xbox funktionieren. Weitere Spiele werde folgen, erklärte Microsoft. Die Programmierer arbeiten noch an Emulations-Programmen, die mehr von den alten Spielen fit für die neue Xbox 360 machen sollen. Über das Xbox live-Portal kommt die Software in die Xbox. Voraussetzung: Ein Internetanschluss und eine Festplatte. Ohne DSL lassen sich viele Features der Xbox nicht nutzen.

Bedienung ohne Probleme

Für den Praxistest kamen elf Testspieler ins Prüflabor und probierten sie mit insgesamt neun verschiedenen Spielen wie NBA Live 2006, Quake 4 und Project Gotham Racing aus. Bei der Bedienung gabs kaum Schwierigkeiten. Besonderes Lob heimste der Funkcontroller aus dem Standard-Xbox-Paket ein. Er liege gut in der Hand und reagiere prompt, erklärten die test-Spieler unisono. Benutzer der alten Xbox brauchten allerdings etwas Gewöhnung. Der schwarze und der weiße Knopf sind beim neuen Controller an einer anderen Stelle als bei der alten Xbox zu finden.

Surren vom DVD-Laufwerk

Klarer Minuspunkt im Praxistest: Beim Lesen von DVD produziert die Xbox 360 ein ziemlich nerviges Surren. Um es zu übertönen, ist ziemlich viel Lautstärke nötig. Im Gegensatz zur alten Xbox kann das neue Modell auch problemlos DVDs mit Surroundsound abspielen. Auch Ipods und Digitalkameras lassen sich anschließen. Über den Netzwerkanschluss ist die Verbindung zu anderen Windows-PCs möglich. Von ihnen aus können der Xbox 360 weitere Filme und Musik zugespielt werden.

test-kommentar: Viel Geld für Spielerei
Im Überblick: Technische Daten und Ausstattung

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