Wohnungs­suche über Makler Meldung

Wer den Makler beauftragt, bezahlt ihn auch. So lautet seit einiger Zeit die neue Regel im deutschen Recht. Doch einige Makler wollen das Gesetz umgehen. Ulrich Ropertz, Geschäfts­führer des Deutschen Mieterbunds, erklärt im Interview, wie man die Maschen erkennt.

Seit gut einem Jahr gilt bei Vermietungen, dass derjenige den Makler bezahlt, der ihn beauftragt – meist der Vermieter. Ist es erlaubt, wenn Makler nun von Miet­interes­senten eine Besichtigungs­gebühr nehmen?

Nein. Das ist ein klarer Verstoß gegen das Gesetz, hat gerade erst das Land­gericht Stutt­gart geur­teilt. Dort hatte ein Makler knapp 35 Euro von jedem kassiert, der die Wohnung besichtigte. Das ist unzu­lässig. Da half es auch nicht, dass sich der Makler offiziell „Dienst­leister“ nannte. Es kommt nicht auf die Bezeichnung an, sondern auf die Tätig­keit. Und die war eindeutig das Makeln.

Gibt es andere Versuche, das „Bestel­lerprinzip“ zu umgehen?

Eher selten. Es gibt zum Beispiel die Variante, eine Gebühr für das Ausstellen des Miet­vertrags zu nehmen. Oder es werden über­höhte Ablöse­beträge verlangt für Möbel. Aber so etwas gab es auch früher schon. Mitt­lerweile legt das Wohnungs­vermitt­lungs­gesetz fest, dass Ablösesummen maximal 50 Prozent über dem aktuellen Zeit­wert der Sache liegen dürfen. Für ein 20 Jahre altes Ikea-Regal darf man allenfalls ein paar Euro nehmen.

Was können Mieter tun, die bereits eine ungerecht­fertigte Maklerforderung bezahlt haben?

Sie können das Geld zurück­fordern. Der Anspruch verjährt nach drei Jahren. Die Frist beginnt erst am Ende des Jahres, in dem gezahlt wurde.

Und wenn der Makler nicht reagiert?

Er wäre gut beraten, schleunigst zu zahlen. Die Rechts­lage ist eindeutig: Erhebt der Mieter Klage, kann der Makler nur verlieren. Dann kommen Gerichts­kosten hinzu sowie eine Strafe. Die kann bis zu 25 000 Euro betragen.

Das bedeutet: Das neue Gesetz funk­tioniert in der Praxis?

Das kann man so sagen. Das Gesetz ist einfach und das Prinzip verständlich: Wer für eine Miet­wohnung den Makler bestellt, muss ihn auch bezahlen. Das ist vernünftig und leuchtet jedem ein.

Einige Makler behaupten, dass als Folge des Gesetzes nun weniger Wohnungen auf den Markt kommen.

Das halten wir für Unsinn. Es dürfte eher so sein, dass viele Wohnungs­besitzer nun selbst vermieten oder aber eine Haus­verwaltung beauftragen.

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