Wohnungssuche Meldung

Vor allem in Ostdeutschland und Berlin wollen sich Vermieter zusätzlich absichern, dass ihre Mieter zahlen werden.

Wohnungssuche. Vermieter wollen von Mietern häufig eine Bescheinigung, dass diese keine Mietschulden ­haben. Sonst bekommen sie die Wohnung nicht.

Als das Baby kam, wollten Maiers (Name von der Redaktion geändert) aus Berlin ins Umland ziehen. Doch ihre Wunschwohnung bekamen sie nicht, weil sie dem neuen Vermieter keine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung vorlegen konnten. In so einem Papier bestätigt der alte Vermieter, dass der Mieter keine Mietschulden hat.

Mit seinem alten Vermieter hatte Michael Maier Streit um eine Betriebskostennachzahlung gehabt. Dieser wollte ihm deshalb die Bescheinigung nicht geben. Maier zog gegen den alten Vermieter vor Gericht, doch der Traum von der Wohnung im Grünen platzte trotzdem. Der neue Vermieter wollte nicht warten und vermietete an einen anderen.

Mieter wie Maier sind in der Klemme. Erstens ist noch ungeklärt, ob Mieter die Bescheinigung vom Exvermieter verlangen können. Zweitens hätte Maier das Papier vielleicht nicht einmal etwas genützt. Denn wenn darin steht: „Der Mieter hat die Miete stets pünktlich bezahlt, es sind aber noch Betriebskosten offen“, schreckt das viele Vermieter sicher ab. Zulässig wäre die Formulierung aber wohl (Amtsgericht Berlin-Hohenschönhausen, Az. 16 C 239/05).

Ohne Bescheinigung keine Wohnung

Der Streit um die Bescheinigung nimmt zu. „Probleme damit gab es früher selten. Jetzt habe ich ein bis zwei Anfragen pro Monat“, sagt Christoph Müller, Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht in Berlin.

Die Schuldenfreiheitsbescheinigung ist vor allem in Ostdeutschland und Berlin verbreitet. Mitunter wird sie auch anderswo verlangt. Die Vermieter wollen sich so vor Mietern schützen, die einziehen, ohne je Miete zahlen zu wollen.

Das ist nachvollziehbar. Doch die Bescheinigung kann auch für Wohnungsbewerber, die ihre Miete stets pünktlich zahlten, eine unüberwindbare Hürde werden. Haben sie zum Beispiel die Zahlung zu Recht wegen starken Schimmels gekürzt, ist der bisherige Vermieter vielleicht verärgert. Schreibt er zu Unrecht in die Bescheinigung, dass noch Miete offen sei, hat der Mieter bei der Wohnungssuche schlechte Karten. Ihm fehlt die Zeit, den Fehler in der Bescheinigung anzugreifen, und er wird sich nur für Wohnungen bewerben können, die ohne Bescheinigung zu haben sind.

Schlecht stehen auch jene Mieter da, die vom alten Vermieter gar keine Bescheinigung erhalten. Nach Ansicht der Amtsgerichte Berlin-Schöneberg und Berlin-Tiergarten haben sie keinen Anspruch darauf (Az. 16b C 55/06, Az. 6 C 427/07).

Wohnungssuchende können gegenüber dem neuen Vermieter allenfalls mit diesen Urteilen argumentieren: Was der Mieter vom Exvermieter nicht bekommen kann, kann er dem neuen Vermieter schließlich auch nicht liefern. Aber ob Mieter damit immer Erfolg haben, ist leider fraglich.

Lohnzettel und Schufa-Auskunft

Vermieter wollen oft auch Nachweise über das Gehalt und eine Auskunft von der Schufa, der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung. Beides ist in Ordnung. Lügt der Bewerber, riskiert er den späteren Rausschmiss.

Mietinteressenten sollten aber nicht die umfassende Schufa-Selbstauskunft vorlegen. Die neue, kürzere Verbraucherauskunft genügt völlig (siehe Unser Rat).

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