Wohnungsschlüssel Meldung

Vermieter müssen ihren Mietern alle Wohnungsschlüssel aushändigen. Gehen diese damit nicht sorgsam um, zahlen sie den Schlosswechsel. Wir geben die Antworten auf zehn Schlüsselfragen.

1. Wie viele Schlüssel muss mir der Vermieter beim Einzug geben?

Das hängt davon, wie viele Menschen mit Ihnen zusammenwohnen werden. Natürlich muss jeder, der den Mietvertrag mit unterschrieben hat, beim Einzug einen Schlüssel bekommen. Anspruch auf einen eigenen Schlüssel haben aber auch Menschen, die bei Ihnen leben und nicht im Vertrag stehen, wie Lebenspartner, größere Kinder oder Großeltern.

Ein alleinstehender Mieter kann zwei Schlüssel verlangen, um einer Vertrauensperson im Urlaub den Zugang zu ermöglichen (Amtsgericht Berlin-Schöneberg, Az. 103 C 406/90). Die Kosten für die Schlüssel trägt der Vermieter.

2. Welche Schlüssel muss mir der Vermieter aushändigen?

Er muss Ihnen Schlüssel für Haus- und Wohnungstür, für Nebenzimmer wie Keller oder Dachboden sowie natürlich für den Briefkasten geben.

3. Kann ich auch für meine Putzhilfe einen zusätzlichen Schlüssel bekommen?

Ja. Sie dürfen so viele Schlüssel verlangen, wie Sie benötigen. Brauchen Sie für eine Reinigungskraft, eine Tagesmutter oder den Zeitungsboten weitere Schlüssel, können Sie diese vom Vermieter verlangen (Amtsgericht Karlsruhe, Az. 12 C 319/95; Amtsgericht Berlin-Wedding, Az. 2 C 332/85). Das gilt auch, wenn der Zusatzbedarf erst nach dem Einzug entsteht.

Die Kosten für nachträgliche zusätzliche Schlüssel trägt aber der Mieter. Sie dürfen die gewünschten Zusatzschlüssel auch selbst nachmachen lassen.

4. Muss ich den Vermieter informieren, wenn ich Schlüssel selbst nachmache?

Ja. Bei einfachen Schlüsseln reicht das aus. Bestimmte Sicherheitsschlüssel können Mieter aber ohne die zugehörige Berechtigungskarte vom Vermieter nicht nachmachen lassen. Will Ihnen der Vermieter die Berechtigungskarte nicht geben, können Sie die Herausgabe eines zusätzlichen Schlüssels gerichtlich erzwingen (Landgericht Berlin, Az. 65 T 92/90).

5. Darf mein Vermieter Schlüssel der Wohnung „für alle Fälle“ behalten?

Nein, außer Sie erlauben es ihm. Hat der Vermieter dennoch einen Schlüssel und betritt er damit ohne Ihre Erlaubnis die Wohnung, begeht er Hausfriedensbruch. Sie könnten Strafanzeige bei der Polizei erstatten. Außerdem dürfen Sie Ihre Wohnung dann fristlos kündigen (Landgericht Berlin, Az. 64 S 305/98).

Selbst wenn Sie dem Vermieter den Besitz eines Schlüssels erlauben, darf er in Ihrer Abwesenheit nur in Notfällen oder mit Ihrer Erlaubnis in die Wohnung.

Stellen Sie fest, dass der Vermieter noch einen Schlüssel hat und ihn nicht herausgibt, dürfen Sie das Wohnungstürschloss auf seine Kosten auswechseln lassen (Amtsgericht Köln, Az. 217 C 483/93).

6. Muss der Vermieter einen Schlüssel haben, wenn ich in Urlaub fahre?

Nein. In Notfällen soll der Vermieter aber während Ihrer Abwesenheit in die Wohnung können. Dafür muss er wissen, wer den Schlüssel hat. Der Bundesgerichtshof ist streng: Informieren Sie den Vermieter nicht, müssen Sie möglicherweise Schadenersatz leisten, wenn es während der Abwesenheit zu einem Schaden in der Wohnung kommt (Bundesgerichtshof, Az. VIII ZR 164/70).

Voraussehbare Schäden, die in Ihrer Abwesenheit in der Wohnung entstehen könnten, müssen Sie verhindern. Deswegen sollten Sie einem Freund oder einem Nachbarn einen Schlüssel übergeben, damit dieser dort regelmäßig nach dem Rechten sieht.

Sie selbst sollten vor der Abreise alle Fenster und Türen schließen, die Wasserleitung abdrehen und bei Elektrogeräten den Stecker ziehen.

7. Was muss ich tun, wenn ich einen Wohnungsschlüssel verloren habe?

Sie müssen den Vermieter informieren. Anschließend kann dieser die Schlösser auswechseln und sich von Ihnen die Kosten ersetzen lassen.

Sie müssen aber nur zahlen, wenn Sie Schuld am Verlust trifft. Auch hier urteilen Gerichte streng. Lassen Sie Ihre Handtasche samt Schlüssel im Auto liegen und wird der Wagen aufgebrochen, haften Sie für den Schlüsselverlust (Amtsgericht Hohenschönhausen, Az. 5 C 348/03). Das gilt auch, wenn ein Wohnungsschlüssel verschwindet, den Sie unter Ihre Fußmatte gelegt hatten.

Keine Schuld trifft Sie, wenn Ihnen Ihre Handtasche samt Schlüssel auf der Straße gewaltsam entrissen wurde. Dann müssen Sie nicht zahlen. Eine Klausel in einem vorformulierten Mietvertrag, wonach der Mieter auch ohne Schuld die Folgekosten zu tragen hat, ist unwirksam (Landgericht Hamburg, Az. 316 S 55/98).

Richtig teuer kann es werden, wenn ein Schlüssel verloren geht, der nicht nur in die eigene Wohnungstür, sondern auch zur Schließanlage des Hauses passt. In einem Fall vor dem Amtsgericht Hohenschönhausen musste ein Mieter für zwölf neue Schließzylinder 1 100 Euro zahlen.

Zu allem Übel zahlt auch der Hausratversicherer eines Mieters nicht, wenn mit einem schuldhaft verlorenen Schlüssel Haushaltsgegenstände gestohlen werden.

8. Ich habe vor Jahren den Schlüssel verschlampt und dem Vermieter damals nichts gesagt. Jetzt beim Auszug hat er es bemerkt. Er will das Schloss auswechseln und Geld von meiner Kaution einbehalten. Geht das?

Ja, aber nur dann, wenn der verlorene Schlüssel immer noch missbraucht werden kann. Ist Ihr Schlüssel zum Beispiel in einen Gully oder in einen See gefallen, besteht keine Gefahr, dass ihn Unbefugte benutzen. Dann haften Sie trotz Schlamperei nicht für den Schlosswechsel.

In einem Rechtsstreit kommen Sie aber mit der bloßen Behauptung, der Schlüssel liege jetzt „auf dem Grund des Bodensees“, nicht weiter. Sie müssen beweisen, wie und wo er verloren gegangen ist (Landgericht Frankfurt, Az. 2/11 S 412/90).

Viele Gerichte akzeptieren es auch nicht, wenn sich Mieter damit herausreden, dass der Schlüssel schon seit mehreren Jahren verloren ist und ihn seither niemand missbraucht hat (Amtsgericht Münster, Az. 48 C 2430/02).

9. An wen muss ich bei Auszug die Schlüssel zurückgeben?

Es genügt, wenn Sie den Schlüssel dem Vermieter oder einem Vertreter übergeben. Das kann der Hauswart sein oder der Rechtsanwalt des Vermieters.

Andere Formen der Übergabe sind nur erlaubt, wenn Sie das vorher mit dem Vermieter vereinbart haben. Ohne Absprache können Sie zum Beispiel den Schlüssel nicht einfach dem Vermieter oder dem Hausmeister in den Briefkasten werfen. Es reicht auch nicht, wenn Sie Ihren Schlüsselbund einem Nachbarn geben, damit dieser ihn weiterleitet.

Unzureichend ist es ferner, die Schlüssel in der Wohnung liegenzulassen, sodass der Vermieter sie finden kann (Landgericht Köln, Az. 1 S 609/96).

Sie müssen dem Vermieter alle Schlüssel zurückgeben, auch die zusätzlich selbst nachgemachten Schlüssel. Nimmt der Vermieter diese Schlüssel an, muss er sie bezahlen. Will er das nicht, können sie die Schlüssel vor seinen Augen oder vor Zeugen vernichten oder unbrauchbar machen.

10. Was passiert, wenn ich beim Auszug nicht alle existierenden Schlüssel ordnungsgemäß zurückgebe?

Im schlimmsten Fall müssen Sie dem Vermieter eine Entschädigung in Höhe der bisherigen Miete zahlen (Oberlandesgericht Düsseldorf, Az. 10 U 6/96).

In einem Fall vor dem Landgericht Düsseldorf übergab ein Mieter die Schlüssel nicht zum Mietende am 30. Juni, sondern erst am 3. Juli. Die Richter verdonnerten ihn zur Zahlung der Julimiete, obwohl er schon ausgezogen war. Der Vermieter holte sich das Geld zu Recht aus der Mietkaution des Mieters (Az. 24 S 294/91).

Nach einer Weile darf der Vermieter sogar die Schlösser auswechseln und Ihnen die Rechnung schicken (Landgericht Nürnberg-Fürth, Az. 7 S 5386/94).

Die Rücknahme der Schlüssel kann der Vermieter nicht verweigern, weil ihm etwa der Zustand der Wohnung nicht gefällt. Dafür hat er ja die Kaution.

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