Minderung: So urteilen die Gerichte

Um wie viel Prozent Mieter bei welchen Mängeln mindern können, steht nicht im ­Gesetz. So entscheiden die Gerichte je nach Einzelfall. Verbindlich sind die Minderungssätze aus den Urteilen also nicht. Zur ersten Orientierung taugen sie aber.

  • Baugerüst. Wird die Wohnung durch ein Baugerüst stark abgedunkelt und erhöht sich auch die Einbruchsgefahr, kommt eine Minderung in Höhe von 15 Prozent infrage (Amtsgericht Hamburg, Az. 38 C 483/95).
  • Dusche. Funktioniert die einzige Bade- oder Duschgelegenheit nicht, ist eine Minderung von 33 Prozent angemessen (Amtsgericht Köln, 206 C 85/95).
  • Fenster. Dringt Wasser durch die Fenster, kommt eine Minderung um 5 Prozent infrage (Landgericht Berlin, Az. 61 S 437/81).
  • Feuchtigkeit. Werden nach dem Einbau von Isofenstern ständig die Wände feucht, berechtigt das zur Minderung um 20 Prozent (Landgericht Hamburg, Az. 16 S 122/87). Bei einem Feuchtigkeitsfleck an der Küchendecke sind 5 Prozent angemessen (Landgericht München I, Az. 131 S 17040/84).
  • Heizung. Ist die Heizung nachts lauwarm, kommt eine Minderung von 20 Prozent infrage ( Amtsgericht Bad Segeberg, Az. 12 C 35/76). Fällt die Heizung im Winter komplett aus, sind 75 Prozent gerechtfertigt (Landgericht Berlin, Az. 64 S 291/91).
  • Lärm. Heftiger Baulärm aufgrund von Dachstuhlabriss und Neubau des Dachgeschosses berechtigt zur Minderung um 60 Prozent (Amtsgericht Hamburg, Az. 44 C 1605/86). Erheblicher Lärm von einer benachbarten Großbaustelle berechtigt zur Minderung um 35 Prozent (Landgericht Hamburg, Az. 333 S 13/01). Bei nächtlichem Lärm aus einer Kneipe kommen 20 Prozent infrage, auch wenn er nur bei offenem Fenster stört (Amtsgericht Köln, 201 C 581/88).
  • Schimmel. Mäßiger Schimmel nur im Schlafzimmer rechtfertigt eine Minderung um 5 bis 10 Prozent (Landgericht Hamburg, Az. 16 S 211/83). Hat der Schimmel fast alle Räume stark befallen, sind es 80 Prozent (Landgericht Berlin, Az. 65 S 205/89).
  • Toilette. Spült die Toilette mangels Wasserdruck nur unzureichend, kommt eine Minderung in Höhe von 15 Prozent infrage (Amtsgericht Münster, Az. 49 C 133/92).
  • Ungeziefer. Tauchen regelmäßig Mäuse und Kakerlaken in der Wohnung auf, ist eine Minderung in Höhe von 10 Prozent angemessen (Amtsgericht Bonn, Az. 6 C 277/84).

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