Die Heizung stottert oder fällt vollständig aus. Mieter sollten bei Mängeln sofort ihren Vermieter informieren und ihm eine Frist zur Behebung des Schadens setzen. Beauftragt der Mieter aber eigenmächtig einen Handwerker, kann er auf den Kosten sitzen bleiben. Das hat zumindest der Bundesgerichtshof jetzt in einem Fall so entschieden.

Mieterin erhält keinen Ersatz

Wohnungsmängel Meldung

Im verhandelten Fall hatte die Mieterin in Eigenregie einen Installateur beauftragt, die Mängel an der Heizung zu beheben. Dem Vermieter hat sie die Kosten dafür nachträglich in Rechnung gestellt. Der verweigerte aber die Zahlung. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat nun in einem aktuellen Urteil dem Vermieter Recht gegeben. Begründung: Die Mieterin hatte ihrem Vermieter keine Mängelanzeige mit einer Frist zur Schadensbehebung zugeschickt. Ein Vermerk im Mietvertrag wie, „Heizung muss dringend kontrolliert werden“, erkannten die Richter nicht an, um Ersatz für Handwerkerrechnungen vom Vermieter verlangen zu können.

In Notfällen sofort handeln

Wohnungsmängel Meldung

Bricht am Samstag ein Wasserrohr und Küche und Bad stehen Land unter können dagegen Mieter gleich selber den Klempner rufen. Rechnung und Mangelanzeige schickt der Mieter seinem Vermieter danach zu. In dringenden Notfällen ist der Mieter auch rechtlich aufgefordert, mit schnellem Handeln den Schaden zu beheben und damit auch den Gesamtschaden zu begrenzen.

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Mangel anzeigen und Frist setzen

Sind Fenster und Türen undicht oder hat sich Schimmel in der Wohnung gebildet, muss der Mieter diesen Mangel schriftlich seinem Vermieter melden. In diesem Brief sollte der Mieter den Vermieter auffordern, den Mangel zu beseitigen und ihm eine Frist mit Datum für die Erledigung setzen. test.de bietet dafür einen Musterbrief zum Download. Der Mieter darf bei Schäden die Miete mindern, wenn Mängel das Wohnen beeinträchtigen. Das gilt jedoch nicht für Mängel, die schon beim Einzug offensichtlich waren und deshalb „mitgemietet“ sind. Auch bei Lappalien, wie einer wackligen Türklinke, ist eine Minderung unberechtigt.

Tipp: Eine Mängelanzeige sollten Sie auch schreiben, wenn der Vermieter Zusicherungen gemacht hat und diese nicht einhält. Hat er versprochen, die alten ­Badarmaturen durch moderne zu ersetzen, gelten die alten Hähne als Mangel, auch wenn sie noch brauchbar sind.

Vermieter hat keine Mitsprache

Der Mietminderung muss der Vermieter nicht zustimmen. Wenn Räume feucht oder schimmlig sind, die Heizungen defekt oder der Mietvertrag die Wohnung größer angibt, als sie tatsächlich ist, darf der Mieter laut Gesetz Prozente von der Warmmiete abziehen. Wie viel, ist regional unterschiedlich und hängt von der Anzahl der Räume ab, deren Wohnwert beeinträchtigt ist.

Minderungsbetrag variiert

So kam ein Berliner Gericht im Fall einer defekten Gegensprechanlage auf eine Minderung von 1 Prozent, ein Aachener Richter setzte in so einem Fall 6 Prozent an. Für den Ausfall einer kombinierten Klingel- und Sprechanlage fand ein Gericht in Rostock sogar 10 Prozent angemessen. Ist Baulärm in der gesamten Wohnung zu hören, kann durchaus eine Minderung in Höhe von 100 Prozent gerechtfertigt sein. Ist nur ein Hinterzimmer betroffen, sind vielleicht nur 5 Prozent angemessen. Wie Gerichte in Einzelfällen den Minderungsbetrag beurteilen, sagt test.de in dieser Übersicht.

Tipp: Minderungsbeträge und wie Sie in Eigenregie mindern, können Sie am besten beim örtlichen Mieterverein erfragen.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 16. Januar 2008
Aktenzeichen: VIII ZR 222/06)

Download: Musterbrief Mietminderung
Übersicht: So stark kann die Miete in Einzelfällen gemindert werden

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