Wohnung altersgerecht umbauen Meldung

Dusche statt Wanne. Die alte Wanne mit dem beschwerlich ­hohen Einstieg haben Bärbel und Lothar Werth abgerissen. Dort steht jetzt eine boden­gleiche Dusche mit praktischer Sitzbank.

Bärbel und Lothar Werth haben altersgerecht umgebaut und als Erstes in ihrem Haus das Badezimmer komplett ­erneuert. Viel zu lange hatten sie mit Hindernissen gelebt.

Lothar Werth ist an Parkinson erkrankt. Sein 1972 gebautes Einfamilienhaus am Rande von Berlin ist seitdem für ihn zu einer täglichen Bewährungsprobe geworden. „Ich habe hier fast alles selber gemacht“, sagt er. „Von so einem Haus trennt man sich nicht so leicht.“ Lieber nahm er ein beschwerliches Leben mit Stufen, Badewannenrand und Türschwellen in Kauf.

Dann fuhr er Anfang des vergangenen Jahres zur Kur und erlebte das erste Mal den Komfort eines barrierefreien Badezimmers. Nach seiner Rückkehr beschlossen Lothar Werth und seine Frau Bärbel, das Bad in ihrem Haus umbauen zu lassen

„Ich hatte in der Apotheken Umschau einen Hinweis auf die Wohnberatungsstelle in Pankow gefunden. Die haben uns viele wertvolle Tipps gegeben. Zum Beispiel, dass wir eine Sitzbank in die Dusche einbauen lassen, damit mein Mann sich dort hinsetzen kann, oder dass wir die Toilette und das Waschbecken höher anbringen lassen“, erzählt Bärbel Werth.

Auch über Fördermöglichkeiten beriet sie die „Berliner Koordinierungsstelle rund ums Alter“. So bekam Familie Werth für den Badumbau von der Pflegekasse 2 557 Euro Zuschuss.

Wohnberater kommen nachhause

Die Berliner Koordinierungsstelle ist eine von rund 250 Wohnberatungsstellen in ganz Deutschland. „Wir gehen zu den Leuten nachhause und überlegen, welche Maßnahmen sinnvoll sind“, sagt Sabine Grabow von der Koordinierungsstelle.

Die meisten Maßnahmen betreffen wie bei Familie Werth das Bad. Grabow sagt aus Erfahrung: „Duschen ist für die meisten einfacher als Baden.“

Aber nicht immer lässt sich der Einbau einer bodengleichen Dusche realisieren. Vor allem für Mieter ist der Umbau nicht uneingeschränkt zu empfehlen. Zwar muss der Vermieter in der Regel der behindertengerechten Anpassung einer Wohnung zustimmen. Er kann aber nach dem Auszug des Mieters den Rückbau der Umbauten verlangen (siehe „Checkliste“).

„Und manchmal baden die Menschen einfach auch lieber, als dass sie duschen“, sagt Sabine Grabow. „Aber auch für diese Fälle gibt es Lösungen – zum Beispiel den Badewannenlifter. Das ist ein Hilfsmittel, das die Pflegekasse bezahlt“, sagt Grabow.

Fast genauso wichtig wie die Anpassung des Badezimmers sei in den meisten Wohnungen die „Sturzprophylaxe“ durch das Entfernen von Türschwellen oder das Angleichen von Balkonen. „Wir gucken aber auch nach sonstigen Stolperfallen. Oft sind es lieb gewonnene Gegenstände, beispielsweise der Läufer im Flur.“

Unaufwendig, aber oft sehr hilfreich seien Haltegriffe an den richtigen Stellen und eine Halterung für den Stock neben der Haustür. So ist die Hand frei, um die Tür aufzuschließen.

Auch für die Küche hat Sabine Grabow einen Tipp, der nicht viel kostet: „Stellen Sie alles, was sich in den unteren Schränken befindet, in Körbe. Die können Sie einfach herausziehen, um etwas herauszunehmen.“

Nur die wenigsten beschäftigen sich früh mit der Frage, ob und wie sie später einmal in ihrer Wohnung leben können. Sabine Grabow: „In der Regel kommen die Leute erst zu uns, wenn bereits Einschränkungen vorhanden sind.“ Bärbel und Lothar Werth bedauern das heute. Wie so viele andere haben sie beim Hausbau nicht daran gedacht, dass sie später einmal nicht mehr so gut zu Fuß sein würden.

„Vieles, was später richtig Geld kostet, lässt sich beim Hausbau ohne großen Aufwand verwirklichen. Zum Beispiel breitere Türen oder eine höhere Toilette. Die ist auch bequem, wenn man nicht behindert ist“, sagt Bärbel Werth rückblickend.

Am besten sei es, gleich so zu bauen, dass zur Not die wichtigen Wohnbereiche ins Erdgeschoss verlagert werden können. Bei den Werths ist der Hauseingang nur über mehrere Stufen zu erreichen und zum Schlafzimmer im Obergeschoss führt eine steile Treppe. „Das müssen wir demnächst auch angehen“, sagen sie.

Jetzt genießen die beiden erst einmal den Komfort in ihrem barrierefreien Bad. „Es ist einfach herrlich, wie bequem das ist“, sagt Lothar Werth.

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