Wohngebäudeversicherung und Elementarversicherung Test

Nach dem Orkan „Kyrill“ im Januar 2007 war das Haus der Familie Kohlenberg fast fünf Monate lang unbewohnbar. Mit dem Geld von ihrem Wohngebäudeversicherer konnten die Kohlenbergs ihr Zuhause wieder instand setzen. Ulrike Kohlenberg und ihre Tochter sind froh, wieder dort leben zu können. Doch die tosende Sturmnacht werden sie nie vergessen können.

Eine Wohngebäudeversicherung ist unerlässlich für Hauseigentümer. Auch eine Elementarschadenversicherung sollten sie abschließen. Denn ihr Risiko ist kaum kalkulierbar.

Der Dachstuhl musste komplett, die Fassade teilweise erneuert werden. Fünf Monate lang dauerte es, bis das Haus der Familie Kohlenberg im niedersächsischen Barsinghausen wieder hergestellt war. Orkan „Kyrill“ hatte dort im Januar verheerend gewütet.

165 000 Euro kostete allein der Wiederaufbau des Dachstuhls. Ohne Wohngebäudeversicherung, die den Schaden bezahlte, hätte das den finanziellen Ruin der Familie bedeutet. Nach dem Sturm und dem Stress der Hausrenovierung ist schließlich wieder Ruhe ins Leben der Kohlenbergs eingekehrt.

Genauso wie ein heftiger Sturm können auch Feuer und Blitz, Hagel und auslaufendes Leitungswasser enorme Schäden am Haus anrichten. Wenn das passiert, zahlt die Wohngebäudeversicherung.

Bei Schäden durch Überschwemmung und Starkregen reicht diese Police aber nicht. In diesen Fällen bekommen nur Hausbesitzer Geld, die ihre Police mit einer Elementarschadenversicherung kombiniert haben. Sie kommt auch für Schäden durch Wasserrückstau, Erdbeben, Erdrutsch und Schneedruck auf und kann nur in Verbindung mit einer Wohngebäudeversicherung abgeschlossen werden.

Test zeigt große Preisunterschiede

Wohngebäudeversicherung und Elementarversicherung Test

Finanztest hat große Preisunterschiede festgestellt. So kostet eine reine Wohngebäudeversicherung für ein Haus mit 140 Quadratmeter Wohnfläche im niedersächsischen Wilhelmshaven beim günstigsten Anbieter Ammerländer 202 Euro im Jahr. Das teuerste Angebot im Test kostet 564 Euro (siehe Tabelle „Wohngebäudeversicherungen ohne Elementarschadenschutz“).

Kommt noch der Elementarschadenschutz dazu, macht die Dolleruper mit einem Jahresbeitrag von 239 Euro das günstigste Angebot (siehe Tabelle „Top Ten“).

Von unseren vier gleich großen und gleich wertvollen Modellhäusern kann das in Freital stehende Haus bei vielen Anbietern am günstigsten versichert werden. Am teuersten ist der Schutz in Köln. Die Allianz verlangt für die reine Wohngebäudeversicherung in Freital 260 Euro und in Köln 493 Euro im Jahr. Grund für den höheren Beitrag in Köln: Dort ist das Wasser härter als in Freital.

Die Versicherer haben Deutschland in vier Leitungswasserzonen eingeteilt. Zone eins umfasst die Regionen mit dem weichsten Wasser, Zone vier die Regionen mit dem härtesten. Hartes Wasser greift die Wasserleitungen eher an.

Bricht ein Rohr, kann Leitungswasser erhebliche Schäden am Haus anrichten. Dies ist der größte Kostenfaktor für die Wohngebäudeversicherer: Von den mehr als 1,9 Millionen Schäden im Jahr 2006 entstanden allein 1,14 Millionen durch Leitungswasser. 610 000 Schäden entstanden durch Sturm und 190 000 durch Feuer.

Ein weiteres Kriterium für die Ermittlung des Beitrags ist das Sturmrisiko in einer Region. Die meisten Versicherer teilen Deutschland zusätzlich in zwei Sturmzonen. Hausbesitzer nördlich der Linie Köln–Hannover–Berlin zahlen mehr.

Günstiger Beitrag maßgeblich

Wohngebäudeversicherung und Elementarversicherung Test

Ein niedriger Beitrag ist ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl eines Angebots. Viele Zusatzleistungen, die wir für sinnvoll halten, sind auch bei günstigen Angeboten im Preis enthalten. Sie sind kein Grund für einen extra hohen Beitrag.

Ein Teil der Gesellschaften ermittelt den Beitrag nach der Wohnfläche, Bauart und Ausstattung des Hauses.

Der andere Teil der Unternehmen bestimmt die Beiträge nach wie vor auf der Grundlage des „Versicherungswerts 1914“. Die Versicherungsgesellschaften errechnen rückblickend, welche Baukosten für das zu versichernde Haus 1914 angefallen wären und verfolgen die Baupreisentwicklung bis heute. Jahr für Jahr passen sie ihre Beiträge den Baupreisen an. Unsere Modellhäuser haben einen „Versicherungswert 1914“ von 23 000 Mark.

Der Leistungsumfang unterscheidet sich in den beiden Tarifvarianten nicht. Auch handelt es sich in beiden Fällen um gleitende Neuwertversicherungen. Es gibt also keine feste Leistungsobergrenze, sondern die Summe, die ein Versicherer zahlt, wird ständig angepasst. Das ist wichtig, denn für die Summe, mit der man vor zwanzig Jahren noch ein stattliches Haus kaufen konnte, ist heute kaum noch ein Reihenmittelhaus zu haben.

Nach einem Totalschaden bekommt der Betroffene also genug Geld von der Versicherung, um sein Haus am gleichen Standort zu den aktuellen Preisen wieder aufbauen zu können.

Schutz bei Hochwasser

Wohngebäudeversicherung und Elementarversicherung Test

Die Kellerwohnung steht unter Wasser, der Boden, die Wände und der Hausrat sind stark in Mitleidenschaft gezogen. Hausbesitzer Peter Brostmeyer hat die Schäden gut mit Fotos dokumentiert.

Der starke Regen hat im vergangenen Sommer vielerorts Keller und Erdgeschosswohnungen unter Wasser gesetzt – auch in Gebieten, die bisher äußerst selten von Hochwasser betroffen waren. Wen wird es als Nächstes treffen?

Den Hauseigentümern, bei denen der starke Regen Schäden anrichtete, hätte ­eine Elementarschadenversicherung geholfen. Und sie hätten sogar einen Vertrag abschließen können. Nur in den Gebieten, die für eine erhöhte Hochwassergefahr bekannt sind, bekommen Hauseigentümer erst gar keine Police.

Denn die Versicherer kalkulieren ihr Risiko sehr genau. Sie haben ein sogenanntes Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen (ZÜRS) entwickelt. Damit teilen sie alle Gebäude hausnummerngenau in vier Gefährdungsklassen ein.

Klasse 1: Es kommt statistisch gesehen seltener als einmal alle 200 Jahre zu einem Hochwasser. Klasse 2: Einmal in 50 bis 200 Jahren kommt es zu Hochwasser. Klasse 3: Einmal in 10 bis 50 Jahren kommt es zu Hochwasser. Klasse 4: Es gibt einmal in 10 Jahren Hochwasser.

Der Eigentümer eines Hauses, das in Gefährdungsklasse 4 steht, hat keine Chance auf eine Elementarschadenversicherung. Für Häuser in Klasse 3 gewähren die Versicherer nur Schutz gegen einen erheblichen Aufpreis. Unsere Modellhäuser befinden sich in der Gefährdungsklasse 1 und 2.

Rückstau unbedingt mitversichern

Wohngebäudeversicherung und Elementarversicherung Test

Die durchweichten Teppichböden musste Peter Brostmeyer nach dem Hochwasser herausreißen. Den Schaden, den die starken Regenfälle in seinem Haus angerichtet haben, schätzt er auf mindestens 25 000 Euro. Der Versicherer will die Kosten nicht übernehmen und verweist auf eine Klausel.

Einige Versicherer klammern Erdbeben aus dem Schutz aus, einige wenige auch Überschwemmung und Rückstau. Er entsteht, wenn Starkregen die Kanalisation überlastet oder sich Wasser auf der Geländeoberfläche ansammelt, sodass Keller überflutet werden.

Genau dies ist Familie Brostmeyer aus dem hessischen Niestetal passiert. Ihr Haus liegt unterhalb des Grundwasserspiegels an einem Hang. Das Wasser sammelt sich in einer Zisterne, von dort wird es in das Abwassernetz der Gemeinde gepumpt.

Durch starken Regen waren die Wiesen der Umgebung so voller Wasser, dass die Pumpe die Wassermassen nicht mehr bewältigen konnte. Die Zisterne lief über, und das Wasser strömte ins Eigenheim der Familie Brostmeyer. Die Kellerwohnung stand unter Wasser. Möbel, Boden und Wände wurden in Mitleidenschaft gezogen. „Ein Schaden in Höhe von mindestens 25 000 Euro“, klagt Peter Brostmeyer. Doch die Versicherungsgesellschaft will nicht zahlen.

Pech für Brostmeyer: Er hat eine Police abgeschlossen, die den Schutz bei Schäden durch Rückstau nicht automatisch einschließt. Er hätte diesen Fall ausdrücklich vereinbaren und im Versicherungsschein eintragen lassen müssen.

Verbraucherfreundlich ist diese Klausel nicht. Peter Brostmeyer hat nicht durchschaut, dass Schutz vor Schäden durch Rückstau ausdrücklich vereinbart werden muss. Und der Versicherer hat ihn nicht darauf aufmerksam gemacht.

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